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Die Hügelgräber von Zentraltibet, Teil II

The Burial Mounds of Central Tibet, Part II

Guntram Hazod (ORCID: 0000-0003-1265-3925)
  • Grant-DOI 10.55776/P30393
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2017
  • Projektende 30.06.2022
  • Bewilligungssumme 396.598 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (30%); Soziologie (40%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)

Keywords

    Tibet, Burial Mound, Historical Anthropology, Archaeoastronomy, Archaeology

Abstract Endbericht

Die Bestattung in Hügelgräbern bildete ein weit verbreitetes Phänomen in den bronzezeitlichen bis frühmittelalterlichen Kulturen des euroasiatischen Raumes. Man verbindet es mit dem Aufkommen herrschaftlicher Strukturen und der Entwicklung von frühen Reichen, deren politische Elite in Gräbern von oft enormen Ausmaßen bestattet wurde. Sehr populär sind die Gräber der Skythen, über die schon Herodot (ca. 490-425 v.u.Z.) berichtete. Es ist interessant, dass sich einige der Kernaussagen bei Herodot auch in tibetischen Überlieferungen finden nur ein Hinweis für die schon vielfach beob- achteten Verwandtschaften der vorbuddhistischen Kulturen des Hochlandes mit der größeren Ge- schichte des euroasiatischen Raumes. Der Bau der tibetischen Hügelgräber bezieht sich auf die Zeit des tibetischen Kaiserreiches (7.-9. Jh. u.Z.) und der unmittelbar vorangegangen Periode von Klein- fürstentümern in den Gebieten von Zentraltibet, dem Hauptgebiet der Tumulusverbreitung im Hoch- land. Eine Besonderheit bildet die Quellenlage, wo die Verbindung von schriftlichen Quellen und den Informationen vor Ort eine recht gute Beschreibung der historischen Zusammenhänge rundum die Gräbererrichtung erlaubt; darüber hinaus ist die heutige Nutzung einzelner Gräber einzigartig, etwa dass sie als Sitz einer Schutzgottheit dienen, sodass wir neben den unzähligen beraubten und zerstör- ten Gräbern auch Anlagen finden, die einigermaßen unversehrt die Zeit überdauerten. Das geplante interdisziplinäre Projekt bildet die Fortsetzung einer 2013 begonnenen Projektfor- schung, bei der angesichts der Dimension der Hügelgräberlandschaft (mit über 400 registrierten Gräberfeldern in Zentraltibet) die Grundlagenforschung im Vordergrund stand. Im Zuge der Daten- auswertung der ergiebigen ethnographischen, archäologischen, architektonischen sowie textspezifi- schen Erhebungen drängten sich mehrere Fragen in den Vordergrund, wie etwa die Klärung der Po- sitionen der Gräber in der Landschaft und der eigentlichen Graborientierung bezogen auf die (ge- wöhnlich trapezförmigen, gemauerten) Elitegräber. Hinweise in textlichen Quellen und die Daten vor Ort geben Anlass den astronomischen Himmel in das Blickfeld der Projektuntersuchungen zu rücken, was methodisch gezielte archäoastronomische Untersuchungen einbezieht. Für Tibet bedeutet dies ein erstmaliges Unternehmen. Es führt in weiterer Folge zu einer Konkretisierung der alttibetischen Vor- stellungen des Himmels und himmlischen Paradieses, wohin der Verstorbene geleitet wurde, ein The- ma mit großem Radius von kulturgeschichtlichen Implikationen, die auch bedeutende Verknüpfungen mit den anderen Themenbereichen des Projektes aufweist. Das bezieht sich auf offene Fragen zu Grab und Gesellschaft, oder die genauere Bestimmung der älteren tibetischen Verbindungen in den Kontakt- geschichten des zentralasiatischen Raumes. Das Projekt wird am Institut für Sozialanthropologie (ISA) der ÖAW durchgeführt und kooperiert mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI ArchPro) als nationalen Forschungspartner. Das Team wurde durch drei Experten (aus dem Bereich Archäologie, Archäoastronomie und Alttibetisch erweitert) und umfasst insgesamt sieben Forscher (einschließlich des Leiters, G. Hazod) plus einen Experten für die Einrichtung der Projekt bezogenen digitalen Datenbank.

Das historische und anthropologische Forschungsprojekt, das am Institut für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt wurde bildete Teil II eines Forschungs-programmes, das sich umfassend der Geschichte der tibetischen Hügelgräbertradition widmete. Diese geht auf die Zeit der prähistorischen Kleinfürstentümer im Hochland (ca. 4. - 6. Jh. u.Z.) zurück und fand in Hinblick auf Bauweise der Gräber und Ritual eine bedeutende Erweiterung in der Zeit des tibetischen Reiches (7.-9. Jh.). Geographisch konzentrierte sich die Arbeit auf Zentraltibet, das Gebiet um Lhasa und die Seitentäler des Brahamputra. Diese vorwiegend agrarische Region bildete seit jeher das kulturelle und politische Zentrum im tibetischen Hochland und abgesehen von einem kleineren Gebiet in Nordosttibet war es auch das Verbreitungsgebiet der tibetischen Hügelgräber. Eine unmittel-bare Verwandtschaft mit den Hügelgräbern benachbarter älterer Kulturen in Zentralasien und der Seidenstraßenregion gilt als sehr wahrscheinlich. Die Dichte an Gräberfeldern und auch bestimmte äußerliche Kriterien wie die charakteristische Trapezform der größeren Monumente machen die tibeti-schen Hügelgräber einzigartig. Es handelt sich bei den regionalen, außerhalb der kaiserlichen Nekropole liegenden Stätten meist um gemischte Felder, mit kleineren runden Gräbern und gemauerten, größeren, oft mit mehreren Kammern versehenen Anlagen, die der militärischen und zivilen Elite aus der Zeit des Reiches zuzuordnen sind. Besonders die größeren Tumuli sind historisch allesamt geraubte Gräber, mit mehr oder weniger gravierenden Beschädigungen. Der Umstand, dass im ersten Teil des Projektes die Datenbank betreffend Anzahl der (über Satelli-tenaufnahmen identifizierten) Hügelgräberfelder enorm angewachsen war und andere Kriterien (wie die Einbindung von weiteren Spezialisten aus dem Bereich der (nicht-invasiven) Archäologie, der Material- und Textstudien) machte diese Fortsetzung des Projektes naheliegend. Der Schwerpunkt lag auf der weiteren Voranbringung der Dokumentation der Gräberfelder gefolgt von Analysen bezogen auf text-liches Quellenstudium, die sich auf den historischen Kontext der regionalen Felder konzentrierten, auf Fragen der sozialen und politischen Implikationen sowie der rituellen Aspekte von Bestattung, wobei in diesen Bereichen entscheidende Fortschritte gemacht werden konnten. Trotz der behördlichen Ein-schränkungen betreffend Zugang zu den Orten in der Autonomen Region Tibet und auch in Hinblick auf den Einsatz technischer Mittel brachten die Erhebungen im Feld auch in der zweiten Phase der Projektforschung wieder reichhaltige Ergebnisse - im Bereich der ethnographischen Datensammlung, der oberflächen- und landschaftsarchäologischen Untersuchungen sowie auch der architektonischen Rekonstruktion der (geöffneten) Gräber. Die Daten geben insgesamt Einblick in eine bisher unbekannte Dimension der vor-buddhistischen Kulturen Tibets und enthalten bedeutendes Vergleichsmaterial zur Archäologie und Geschichte der Hügelgräbertraditionen in den größeren euroasiatischen kulturellen Kontexten.

Forschungsstätte(n)
  • Ludwig Boltzmann Gesellschaft - 10%
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 90%
Nationale Projektbeteiligte
  • Georg Zotti, Ludwig Boltzmann Gesellschaft , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Haoran Hou, Universität Leipzig - Deutschland
  • Per Kjeld Sorensen, Universität Leipzig - Deutschland
  • Cecilia Dal Zovo, Spanish National Research Council - Spanien

Research Output

  • 5 Zitationen
  • 17 Publikationen
Publikationen
  • 2022
    Titel Tibetan' - All-inclusive? Rethinking the 'Tibetanity' of the 'Tibetan Empire; In: The Social and the Religious in the Making of Tibetan Societies: New Perspectives on Imperial Tibet
    Typ Book Chapter
    Autor Bialek
    Verlag Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
    Seiten 7-54
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The lions of Gung thang: A historical-ethnographic note of Tshal Gung thang; In: Festschrift for Dan Martin, Revue d'Etudes Tibétaines
    Typ Book Chapter
    Autor G. Hazod
    Seiten 136-160
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The 'Stranger-King' and the Temple. The Tibetan Ruler Image Retained in Post-Imperial Environments: The Example of the lha of Khra 'brug; In: The Social and the Religious in the Making of Tibetan Societies: New Perspectives on Imperial Tibet
    Typ Book Chapter
    Autor G. Hazod
    Verlag Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
    Seiten 55-86
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The Impact of Clay Minerals on the Building Technology of Vernacular Earthen Architecture in Eastern Austria
    DOI 10.3390/heritage5010022
    Typ Journal Article
    Autor Feiglstorfer H
    Journal Heritage
    Seiten 378-401
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Material Aspects of Building and Craft Traditions
    DOI 10.1553/978oeaw82184
    Typ Book
    Autor Feiglstorfer H
    Verlag Osterreichische Akademie der Wissenschaften, Verlag
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The Social and the Religious in the Making of Tibetan Societies
    DOI 10.1553/978oeaw90080
    Typ Book
    editors Hazod G, Fermer M, Jahoda C
    Verlag Osterreichische Akademie der Wissenschaften, Verlag
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Review: Matthew Akester: Jamyang Khyentsé Wangpo's Guide to Central Tibet, Serindia Publications, Chicago, 2016; 1-824 pp., incl. 15 maps, ca. 250 historical (black-and-white) photos, ca. 500 colour photographs and numerous illustrations of Tibetan images
    Typ Journal Article
    Autor G. Hazod
    Journal Revue d'Etudes Tibétaines
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Territory, kinship and the grave: On the identification of the elite tombs in the burial mound landscape of imperial Central Tibet; In: Tibetan Genealogies: Studies in Memoriam of Guge Tsering Gyalpo (1961-2015)
    Typ Book Chapter
    Autor G. Hazod
    Verlag China Tibetology Publishing House
    Seiten 5-106
  • 2018
    Titel Notes on the Architecture of Burial Mounds in Central Tibet; In: Tibetan Genealogies. Studies in Honour of Tsering Gyalpo (1961-2015)
    Typ Book Chapter
    Autor H. Feiglstorfer
    Verlag China Tibetology Publishing House
    Seiten 83-122
  • 2018
    Titel Tibetan Genealogies: Studies in Honour of Tsering Gyalpo (1961-2015)
    Typ Book
    Autor Hazod Guntram
    editors Hazod Guntram, Shen Weirong
    Verlag China Tibetology Publishing House
    Link Publikation
  • 2020
    Titel The 'anti-Buddhist law' and its author in eighth-century Tibet: A reconsideration of the story of Zhang Ma zhang Grom pa skyes; In: Archaeologies of the Written: Indian, Tibetan, and Buddhist Studies in Honour of Cristina Scherrer-Schaub
    Typ Book Chapter
    Autor G. Hazod
    Verlag Università degli Studi di Napoli "L'Orientale", Dipartimento Asia, Africa e Mediterraneo
    Seiten 287-321
  • 2020
    Titel The Burial Mound Sites of Imperial Central Tibet: Map Scale I: 800.000
    Typ Book
    Autor Hazod Guntram
    Verlag Austrian Academy of Sciences Press
  • 2020
    Titel Review: 2020c. Toni Huber 2020. Source of Life: Revitalisation Rites and Bon Shamans in Bhutan and the Eastern Himalayas, Volume 1-2 (Verlag der ÖAW 2020)
    Typ Journal Article
    Autor G. Hazod
    Journal Revue d'Etudes Tibétaines
    Seiten 293-304
    Link Publikation
  • 2019
    Titel The graves of the chief ministers of the Tibetan Empire: mapping chapter two of the Old Tibetan Chronicle in the light of the evidence of the Tibetan tumulus tradition
    Typ Journal Article
    Autor G. Hazod
    Journal Revue d'Etudes Tibétaines
    Seiten 5-159
  • 2021
    Titel Material culture in the Western Himalayas: 'Mandalic' settlement patterns and material components of the material space; In: Practising Community in Urban and Rural Eurasia (1000-1600): Comparative and Interdisciplinary Perspectives
    Typ Book Chapter
    Autor H. Feiglstorfer
    Verlag Brill
    Seiten 149-182
    Link Publikation
  • 2021
    Titel On the Architecture of the Buddhist Temple Complex of Nyarma; In: Early West Tibetan Buddhist Monuments: Architecture, Art, History and Texts
    Typ Book Chapter
    Autor H. Feiglstorfer
    Verlag Austrian Academy of Sciences Press
    Seiten 225-258
    Link Publikation
  • 2021
    Titel What happened in 'On? A note on the story of the origin of the bon po in Central Tibet; In: Crossing Boundaries: Festschrift for Toni Huber
    Typ Book Chapter
    Autor G. Hazod
    Verlag Academia
    Seiten 465-85

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