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Was wird beim mentalen Training gelernt?

What is learned in mental practice?

Martina Rieger (ORCID: 0000-0002-2421-296X)
  • Grant-DOI 10.55776/P30488
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2018
  • Projektende 31.10.2022
  • Bewilligungssumme 270.774 €
  • Projekt-Website

Matching Funds - Tirol

Wissenschaftsdisziplinen

Gesundheitswissenschaften (20%); Psychologie (80%)

Keywords

    Mental Practice, Intermanual Transfer, Spatial Representations, Effector-Dependent Representations, Motor Learning

Abstract Endbericht

Inhalt: Mentales Training beinhaltet die systematische und wiederholte Anwendung von Bewegungsvorstellungen (die Vorstellung von Bewegungen ohne diese auszuführen) mit dem Ziel die Leistung zu verbessern. Es ist unklar, welche Aspekte einer Aufgabe beim mentalen Training gelernt werden und ob das Lernen ähnlich zum physischen Training verläuft. Eine Möglichkeit dies zu untersuchen ist Transfer auf ähnliche Situationen zu testen, beispielsweise ob das Lernen einer Fertigkeit mit einer Hand auch einen positiven Effekt auf die Leistung der anderen Hand hat (intermanueller Transfer). Intermanueller Transfer tritt unter anderem auf, wenn man gewöhnlich die Gangschaltung eines Autos mit der rechten Hand bedient, dann jedoch in einem britischen Auto die Gangschaltung mit links bedienen muss. Forschungsfragen: Bewegungsrepräsentationen könnten nach mentalem Training flexibler sein als nach physischem Training. Führt dies dazu, dass nach mentalem Training mehr intermanueller Transfer als nach physischem Training auftritt? Hängt dies davon ab, wie lange eine Fertigkeit geübt wurde? Ist intermanueller Transfer einfacher wenn räumlich gleiche Bewegungenoder wenn Spiegelbewegungenausgeführtwerden? Tritt intermanueller Transfer von der dominanten zur nichtdominanten Hand auf und umgekehrt? Hat es einen Einfluss auf intermanuellen Transfer, ob man beim mentalen Training primär auf visuelle oder auf kinästhetische Informationen achtet? Spieltunterschwellige Muskelaktivität während des mentalen Trainings eine Rolle für intermanuellen Transfer? Hängt intermanueller Transfer von der Art der trainierten Aufgabe ab? Methoden: In den Experimenten trainieren Personen entweder physisch, mental oder eine andere Aufgabe (Kontrolle). In einigen Experimenten wird zusätzlich zwischen visuellem und kinästhetischem mentalem Training unterschieden. Das Training findet entweder mit der dominanten oder nichtdominanten Hand statt. In den ersten vier Sitzungen (drei bis vier Tage Abstand) werden verschiedene Tests und das Training durchgeführt. In der fünften Sitzung (zwei Wochen nach Sitzung 1) werden weitere Tests durchgeführt. Einen Monat später werden die Teilnehmer wiederum getestet um die Stabilität der Trainingseffekte zu erfassen.Eswerden unterschiedliche Aufgabenverwendet.Erhoben werden Verhaltensdaten (Reaktionszeiten, Bewegungszeiten und Fehler) und (unterschwellige) Muskelaktivität. Wissenschaftliche Innovation: Mentales Training ist im Sport weit verbreitet und wird seit kurzem auch in der motorischen Rehabilitation angewendet. Man weiß jedoch wenig über die zugrundeliegenden Prozesse des Fertigkeitserwerbs. Die Ergebnisse aus dem Projekt werden das Wissen über mentales Training verbessern und zu einer soliden empirischen und theoretischen Basis für die Anwendung von mentalem Training beitragen.

Handlungsvorstellungstraining (action imagery practice, AIP), auch mentales Training genannt, beinhaltet die systematische und wiederholte Vorstellung von Bewegungen ohne diese tatsächlich auszuführen, mit dem Ziel die Leistung zu verbessern. Die Hauptziele des Projektes waren zu untersuchen, welche Art von Repräsentationen (interne Codes der externen Realität) in AIP und AEP gelernt werden, wie sich die Repräsentationen beim Lernen entwickeln, ob Training mit der dominanten oder nichtdominanten Hand einen Einfluss hat und ob ein Fokus auf visuelle oder kinästhetische Aspekte der Aufgabe einen Einfluss hat. Um diese Fragen zu untersuchen, wurden mehrerer Experimente durchgeführt. AIP erwies sich in allen Experimenten als eine effektive Lernmethode. Lerneffekte waren stabil. Dies zeigte sich in Follow-Up Untersuchungen, die ca. einen Monat nach Beendigung des Trainings durchgeführt wurden. Auch wenn AIP manchmal weniger effektiv war als AEP, wurden bei den meisten Aufgaben bei AEP und AIP ähnliche Repräsentationen erworben. Der Erwerb folgte zumeist auch einem ähnlichen Zeitverlauf. Welche Repräsentationen erworben wurden war jedoch aufgabenspezifisch. Einige subtile Unterschiede wischen AEP und AIP wurden jedoch beobachtet. Beispielsweise zeigte sich bei einer Aufgabe, dass effektor-unabhängige räumlich-visuelle Repräsentationen (d.h. die Repräsentation der Bewegungssequenz im visuellen Raum) sowohl bei AEP und AIP erworben wurde. Jedoch wurden effekor-abhängige Repräsentationen (d.h. die Repräsentation der Bewegungssequenz beinhaltet die Effektoren, die während des Trainings verwendet wurden) nur in AEP erworben. Aus diesen Ergebnissen lässt sich schließen, dass bei manchen Aufgaben AIP zwar als Ersatz für AEP dienen kann, um effektor-unabhängige Repräsentationen zu erwerben, aber nicht um effektor-abhänige Repräsentationen zu erwerben. Die Übungshand hatte keinen Einfluss auf die Repräsentationen, die bei AEP und AIP erworben wurden. Wenn Versuchspersonen instruiert wurden, im Training auf visuelle oder kinästhetische Aspekte der Aufgabe zu achten, folgten sie zwar diesen Instruktionen (sie schenkten der instruierten Modalität relativ gesehen mehr Aufmerksamkeit), aber sie ignorierten die andere Modalität nicht vollständig. Unter beiden Modalitätsinstruktionen wurden ähnliche Repräsentationen erworben. Aufgabencharakteristiken scheinen bedeutsamer als Modalitätsinstruktionen zu sein. Bei einer Aufgabe zeigte sich jedoch, dass Aufmerksamkeit auf visuelle Aspekte während AIP zu einem Erwerb von effektor-unabhängigen visuellen Repräsentationen führte. Dies wurde bei AEP nicht beobachtet. Es könnte von Vorteil sein visuelles AIP durchzuführen (zum Beispiel zusätzlich zu AEP) um die Entwicklung dieser Repräsentationen zu fördern. Die Resultate des Projektes vertiefen das Verständnis der Mechanismen, die AIP zugrundliegen. Sie sind für die Anwendung von AIP, z.B. im Sport oder in der Rehabilitation, relevant.

Forschungsstätte(n)
  • Priv.-Univ. für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Matthias Weigelt, Leibniz Universität Hannover - Deutschland

Research Output

  • 65 Zitationen
  • 5 Publikationen
  • 2 Disseminationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2024
    Titel Improvement by imagining actions: Bimanual transfer effects after action imagery practice in a sequential reaction time task
    DOI 10.1016/j.actpsy.2024.104633
    Typ Journal Article
    Autor Dahm S
    Journal Acta Psychologica
    Seiten 104633
    Link Publikation
  • 2023
    Titel A theoretical perspective on action consequences in action imagery: internal prediction as an essential mechanism to detect errors
    DOI 10.1007/s00426-023-01812-0
    Typ Journal Article
    Autor Rieger M
    Journal Psychological Research
    Seiten 1849-1858
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Kinesthetic vs. visual focus: No evidence for effects of practice modality in representation types after action imagery practice and action execution practice.
    DOI 10.1016/j.humov.2023.103154
    Typ Journal Article
    Autor Dahm Sf
    Journal Human movement science
    Seiten 103154
  • 2022
    Titel Sequence representations after action-imagery practice of one-finger movements are effector-independent
    DOI 10.1007/s00426-022-01645-3
    Typ Journal Article
    Autor Dahm S
    Journal Psychological Research
    Seiten 210-225
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Time course of learning sequence representations in action imagery practice
    DOI 10.1016/j.humov.2022.103050
    Typ Journal Article
    Autor Dahm S
    Journal Human Movement Science
    Seiten 103050
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2019
    Titel Presentation at the Zonta Club Innsbruck
    Typ A talk or presentation
  • 2022 Link
    Titel Lange Nacht der Forschung
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2020
    Titel ZIF Workshop "Neurocognitive mechanisms of motor imagery practice: Current perspectives and new directions"
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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