Was wird beim mentalen Training gelernt?
What is learned in mental practice?
Matching Funds - Tirol
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (20%); Psychologie (80%)
Keywords
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Mental Practice,
Intermanual Transfer,
Spatial Representations,
Effector-Dependent Representations,
Motor Learning
Inhalt: Mentales Training beinhaltet die systematische und wiederholte Anwendung von Bewegungsvorstellungen (die Vorstellung von Bewegungen ohne diese auszuführen) mit dem Ziel die Leistung zu verbessern. Es ist unklar, welche Aspekte einer Aufgabe beim mentalen Training gelernt werden und ob das Lernen ähnlich zum physischen Training verläuft. Eine Möglichkeit dies zu untersuchen ist Transfer auf ähnliche Situationen zu testen, beispielsweise ob das Lernen einer Fertigkeit mit einer Hand auch einen positiven Effekt auf die Leistung der anderen Hand hat (intermanueller Transfer). Intermanueller Transfer tritt unter anderem auf, wenn man gewöhnlich die Gangschaltung eines Autos mit der rechten Hand bedient, dann jedoch in einem britischen Auto die Gangschaltung mit links bedienen muss. Forschungsfragen: Bewegungsrepräsentationen könnten nach mentalem Training flexibler sein als nach physischem Training. Führt dies dazu, dass nach mentalem Training mehr intermanueller Transfer als nach physischem Training auftritt? Hängt dies davon ab, wie lange eine Fertigkeit geübt wurde? Ist intermanueller Transfer einfacher wenn räumlich gleiche Bewegungenoder wenn Spiegelbewegungenausgeführtwerden? Tritt intermanueller Transfer von der dominanten zur nichtdominanten Hand auf und umgekehrt? Hat es einen Einfluss auf intermanuellen Transfer, ob man beim mentalen Training primär auf visuelle oder auf kinästhetische Informationen achtet? Spieltunterschwellige Muskelaktivität während des mentalen Trainings eine Rolle für intermanuellen Transfer? Hängt intermanueller Transfer von der Art der trainierten Aufgabe ab? Methoden: In den Experimenten trainieren Personen entweder physisch, mental oder eine andere Aufgabe (Kontrolle). In einigen Experimenten wird zusätzlich zwischen visuellem und kinästhetischem mentalem Training unterschieden. Das Training findet entweder mit der dominanten oder nichtdominanten Hand statt. In den ersten vier Sitzungen (drei bis vier Tage Abstand) werden verschiedene Tests und das Training durchgeführt. In der fünften Sitzung (zwei Wochen nach Sitzung 1) werden weitere Tests durchgeführt. Einen Monat später werden die Teilnehmer wiederum getestet um die Stabilität der Trainingseffekte zu erfassen.Eswerden unterschiedliche Aufgabenverwendet.Erhoben werden Verhaltensdaten (Reaktionszeiten, Bewegungszeiten und Fehler) und (unterschwellige) Muskelaktivität. Wissenschaftliche Innovation: Mentales Training ist im Sport weit verbreitet und wird seit kurzem auch in der motorischen Rehabilitation angewendet. Man weiß jedoch wenig über die zugrundeliegenden Prozesse des Fertigkeitserwerbs. Die Ergebnisse aus dem Projekt werden das Wissen über mentales Training verbessern und zu einer soliden empirischen und theoretischen Basis für die Anwendung von mentalem Training beitragen.
Handlungsvorstellungstraining (action imagery practice, AIP), auch mentales Training genannt, beinhaltet die systematische und wiederholte Vorstellung von Bewegungen ohne diese tatsächlich auszuführen, mit dem Ziel die Leistung zu verbessern. Die Hauptziele des Projektes waren zu untersuchen, welche Art von Repräsentationen (interne Codes der externen Realität) in AIP und AEP gelernt werden, wie sich die Repräsentationen beim Lernen entwickeln, ob Training mit der dominanten oder nichtdominanten Hand einen Einfluss hat und ob ein Fokus auf visuelle oder kinästhetische Aspekte der Aufgabe einen Einfluss hat. Um diese Fragen zu untersuchen, wurden mehrerer Experimente durchgeführt. AIP erwies sich in allen Experimenten als eine effektive Lernmethode. Lerneffekte waren stabil. Dies zeigte sich in Follow-Up Untersuchungen, die ca. einen Monat nach Beendigung des Trainings durchgeführt wurden. Auch wenn AIP manchmal weniger effektiv war als AEP, wurden bei den meisten Aufgaben bei AEP und AIP ähnliche Repräsentationen erworben. Der Erwerb folgte zumeist auch einem ähnlichen Zeitverlauf. Welche Repräsentationen erworben wurden war jedoch aufgabenspezifisch. Einige subtile Unterschiede wischen AEP und AIP wurden jedoch beobachtet. Beispielsweise zeigte sich bei einer Aufgabe, dass effektor-unabhängige räumlich-visuelle Repräsentationen (d.h. die Repräsentation der Bewegungssequenz im visuellen Raum) sowohl bei AEP und AIP erworben wurde. Jedoch wurden effekor-abhängige Repräsentationen (d.h. die Repräsentation der Bewegungssequenz beinhaltet die Effektoren, die während des Trainings verwendet wurden) nur in AEP erworben. Aus diesen Ergebnissen lässt sich schließen, dass bei manchen Aufgaben AIP zwar als Ersatz für AEP dienen kann, um effektor-unabhängige Repräsentationen zu erwerben, aber nicht um effektor-abhänige Repräsentationen zu erwerben. Die Übungshand hatte keinen Einfluss auf die Repräsentationen, die bei AEP und AIP erworben wurden. Wenn Versuchspersonen instruiert wurden, im Training auf visuelle oder kinästhetische Aspekte der Aufgabe zu achten, folgten sie zwar diesen Instruktionen (sie schenkten der instruierten Modalität relativ gesehen mehr Aufmerksamkeit), aber sie ignorierten die andere Modalität nicht vollständig. Unter beiden Modalitätsinstruktionen wurden ähnliche Repräsentationen erworben. Aufgabencharakteristiken scheinen bedeutsamer als Modalitätsinstruktionen zu sein. Bei einer Aufgabe zeigte sich jedoch, dass Aufmerksamkeit auf visuelle Aspekte während AIP zu einem Erwerb von effektor-unabhängigen visuellen Repräsentationen führte. Dies wurde bei AEP nicht beobachtet. Es könnte von Vorteil sein visuelles AIP durchzuführen (zum Beispiel zusätzlich zu AEP) um die Entwicklung dieser Repräsentationen zu fördern. Die Resultate des Projektes vertiefen das Verständnis der Mechanismen, die AIP zugrundliegen. Sie sind für die Anwendung von AIP, z.B. im Sport oder in der Rehabilitation, relevant.
- Matthias Weigelt, Leibniz Universität Hannover - Deutschland
Research Output
- 65 Zitationen
- 5 Publikationen
- 2 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Improvement by imagining actions: Bimanual transfer effects after action imagery practice in a sequential reaction time task DOI 10.1016/j.actpsy.2024.104633 Typ Journal Article Autor Dahm S Journal Acta Psychologica Seiten 104633 Link Publikation -
2023
Titel A theoretical perspective on action consequences in action imagery: internal prediction as an essential mechanism to detect errors DOI 10.1007/s00426-023-01812-0 Typ Journal Article Autor Rieger M Journal Psychological Research Seiten 1849-1858 Link Publikation -
2023
Titel Kinesthetic vs. visual focus: No evidence for effects of practice modality in representation types after action imagery practice and action execution practice. DOI 10.1016/j.humov.2023.103154 Typ Journal Article Autor Dahm Sf Journal Human movement science Seiten 103154 -
2022
Titel Sequence representations after action-imagery practice of one-finger movements are effector-independent DOI 10.1007/s00426-022-01645-3 Typ Journal Article Autor Dahm S Journal Psychological Research Seiten 210-225 Link Publikation -
2022
Titel Time course of learning sequence representations in action imagery practice DOI 10.1016/j.humov.2022.103050 Typ Journal Article Autor Dahm S Journal Human Movement Science Seiten 103050 Link Publikation
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2020
Titel ZIF Workshop "Neurocognitive mechanisms of motor imagery practice: Current perspectives and new directions" Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International