Sammlungsideologie und Geschichtsschreibung
Ideology of the Collection and Historiography
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (45%); Kunstwissenschaften (40%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (15%)
Keywords
-
Ideology,
Digitization,
Historiography,
Theater Collection,
Zentralinstitut für Theaterwissenschaft Wien,
National Socialism
Durch das Projekt Sammlungsideologie und Geschichtsschreibung. Forschungsgeleitete Digitalisierung theaterhistorischer Materialien des `Zentralinstituts für Theaterwissenschaft 1943- 1945 soll die Sammlungsstruktur des Archivs von dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft erforscht und eine best practice für forschungsleitete Digitalisierung entwickelt werden. Anhand der Sammlungsstruktur lässt sich die Intention der Sammlerpersönlichkeit herausarbeiten und damit die Fragestellung beantworten, was als historisch bedeutsam und als relevant für die Theatergeschichtsschreibung betrachtet wurde. Es wird davon ausgegangen, dass die Untersuchung der Geschichte einer spezifischen Sammlung deren Aufbau und Fortführung erklärt. Das Projekt untersucht eine Sammlungsstruktur auf ihre ideologischen Implikationen. So war der Institutsgründer, Heinz Kindermann (1894-1985), ein NS-Ideologe und seine Bestrebungen nach dem Aufbau einer Theatersammlung standen im Einklang mit seinem Führungsanspruch für das theaterwissenschaftliche Fach im Großdeutschen Reich. Insbesondere für Sammlungen, die im Nationalsozialismus angelegt wurden, ist diese Forschungsarbeit von großer Bedeutung, da hier Fragen nach der Herkunft besondere Dringlichkeit haben. Zudem ist die Geschichte deutschsprachiger Theatersammlungen bisher nur rudimentär erforscht und die Aufarbeitung der Bestände oftmals problematisch oder nicht erfolgt. Exemplarisch werden für dieses Projekt drei Bestände herangezogen: das NS-Bildarchiv, das Zensurarchiv Houben und das Theaterarchiv Leuschke. Diese Bestände befinden sich seit der Gründung 1943 am Institut. Allerdings existieren über den Ankauf keinerlei Unterlagen, was die legitime Erwerbung von beispielsweise jüdischen Schauspielerportraits in Frage stellt. Des Weiteren sind sie in ihrer Form sehr unterschiedlich zu bearbeiten, da es sich um eine Vielzahl verschiedener Archivalientypen handelt. Die Analyse der Sammlungsideologie wird zeitgleich mit einer forschungsgeleiteten Digitalisierung erfolgen. Für die Digitalisierung werden Auswahlkriterien im fachhistorischen Kontext entwickelt. Diese ergeben sich durch die theaterwissenschaftliche und historische Kontextualisierung mit den bei der Bestandserschließung entstandenen Metadaten, der Bestandslogik, der Bestandsgeschichte und durch den Bezug zu anderen Archivalien. Anhand dieser Auswahlkriterien wird die Entscheidung zur Digitalisierung der einzelnen Archivalien getroffen. Im weiteren Verlauf des Projekts werden diese Kriterien reflektiert und evaluiert, um den Digitalisierungsprozess stetig zu optimieren. Dieses Wechselspiel von Evaluierung und Forschung begleitet das Projekt durchgehend. Ein weiteres Ziel des Projekts stellt die Formulierung dieser Auswahlkriterien als allgemein gültige best practice für ähnlich strukturierte Sammlungen und Archive dar. Gleichzeitig wird eine digitale Ausstellung entwickelt, die am Ende des Projekts online gestellt wird. Hier werden ausgewählte Digitalisate im Kontext mit ihrer Entstehungsgeschichte, Herkunft und Zugehörigkeit zu anderen Archivalien aufgeführt, um Restitutionsfragen im internationalen Kontext zu eröffnen.
The Archiv tfm database, which is being created as part of the FWF project "Collection Ideology and History - Ideology - Collection" (HIC), deals scientifically and critically with selected theater history holdings from the National Socialist founding years of today's Institute for Theater, Film and and media studies apart. A model will be developed as to how collection and object history(s) in theater collections can be digitally recorded using structured (meta)data and, based on this, contextualized and further examined. Challenges are disorganized bundles, unclear origins of materials and the visualization of National Socialist collection, acquisition and classification strategies. The description work in the project is based on the recently published international Standard Records in Contexts (RiC) of the International Council on Archives (ICA). With this ontology, using linked (open) data principles, the archival material can be expanded with contextual metadata and linked to theater-historical resources. The focus of the data description and the digital data processing is the (technical) historical contextualization of the archival materials and the visualization of the acquisition contexts.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 2 Publikationen
- 2 Künstlerischer Output
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Digitale Strategien zur Erschließung prekärer Bestände - Über Erzählen, Ausstellen, Partizipieren DOI 10.14220/9783737017596 Typ Book editors Peter B, Vogt G, Baumann C, Illmayer K, Rind A, Tiefenbacher S Verlag V&R unipress -
2021
Titel Peter, Birgit; Tiefenbacher; Sara et al.: Provenienz und Transfer im "Zentralinstitut für Theaterwissenschaft" an der Universität Wien: Zur Sichtbarkeit von Forschungsdaten. Eckhardt Kluth, Lioba Keller-Drescher, (Hg.). TRANSFERZONEN. Universität | Sammlung | Öffentlichkeit: Dokumentation der 11. Sammlungstagung | 8. Jahrestagung der Gesellschaft für Universitätssammlungen e.V. 2019 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Münster. 2021, 201-214. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Louise Hartmann Konferenz RANSFERZONEN. Universität | Sammlung | Öffentlichkeit: Dokumentation der 11. Sammlungstagung | 8. Jahrestagung der Gesellschaft für Universitätssammlungen e.V. 2019 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seiten 201-214
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2019
Titel Über weiter Leben Typ Film/Video/Animation -
0
Typ Artistic/Creative Exhibition
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2018
Titel Technik des Archivierens als Technik des (Re-)Produzierens, invitation by Gesellschaft für Theaterwissenschaft, GTW-congress Theater und Technik, 4 Nov-8. Nov 2018), Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International