2´/ 3´ Aminoacylierung in biologischer Translation
2’ vs. 3’ Aminoacylation in Biological Translation
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (75%); Chemie (25%)
Keywords
-
Trna,
Aminoacylation,
Molecular Dynamics Simulations,
NMR,
EF-Tu
In allen lebenden Organismen wird die genetische Information in Form von langkettigen Molekülen, den Nukleinsäuren wie DNA oder RNA, gespeichert. Diese Information wird gelesen und interpretiert, um Proteine, eine andere Art von langkettigen Molekülen, zu produzieren, welche hauptsächlich für das Funktionieren von Zellen verantwortlich sind. Der Prozess der Translation der Übersetzung genetischer Informationen aus Nukleinsäuren in Proteine, ist einer der wichtigsten biologischen Prozesse und viele seiner Aspekte sind universell konserviert. Das zentrale Element des Translationsapparates in den Zellen sind Transfer-RNAs (tRNAs), bei denen ein Nukleinsäuremolekül kovalent an eine einzige Aminosäure, den grundlegenden Baustein von Proteinen, über ein Verfahren der Aminoacylierung gebunden ist. In der Tat können tRNAs als der Punkt gesehen werden, an dem die Welt der Nukleinsäuren in der Zelle am direktesten mit der Welt der Proteine in Verbindung tritt. Wichtig ist, dass die Aminosäure an zwei möglichen Positionen (als 2 `und 3` bezeichnet) in der terminalen Ribose der tRNA gebunden werden kann und, sobald sie hinzugefügt wurde, zwischen diesen beiden Positionen wechseln kann. In der Translation werden jedoch nur Aminosäuren in der 3 Position benutzt. Obwohl sie das Herz des Translationsapparates darstellen, ist der Einfluss der unterschiedlichen Positionen noch nicht vollständig erforscht. Wie sind die Konformationsunterschiede zwischen den beiden Arten der Bindung? Wie beeinflussen sie die Stabilität von tRNAs und ihre Reaktivität im Prozess der Translation? Wie wird die Wechselwirkung der tRNA mit dem Rest des Translationsapparates beeinflusst, je nachdem, wo die Aminosäure gebunden ist? Der vorliegende Antrag nutzt eine Kombination von modernen Computersimulationen, welche von uns durchgeführt werden sollen, und NMR-Experimente, die von unserem Kooperationspartner John D. Sutherland (LMB Cambridge) durchgeführt werden, um diese wichtigen Fragen zu lösen. Die Grundlage für das Projekt ist eine Reihe von vorläufigen Ergebnissen, in denen wir zeigen konnten, dass die 2`-Bindung von Aminosäuren an die tRNA eine eingeklappte, zusammengefaltete Konformation induzieren kann, während die 3`-Bindung eine ausgedehnte Konformation hervorrufen kann, zwei Möglichkeiten mit potentiell großen mechanistischen Konsequenzen. Unser Projekt wird neue Informationen über einen der zentralsten biologischen Prozesse liefern, wobei sowohl die grundlegenden Aspekte des heutigen Mechanismus als auch seine evolutionären Ursprünge erforscht werden. Darüber hinaus erwarten wir, dass unser Projekt auch andere Bereiche wie Biotechnologie und Biomedizin beeinflussen wird. In Bezug auf den letzteren: etwa 50% aller Antibiotika greifen den bakteriellen Translationsapparat an. Es ist unsere Hoffnung, dass die Fortschritte die in unserem Projekt gemacht werden sollen auch neue Strategien in der Medikamentenentwicklung erlauben werden.
Ein Hauptmerkmal aller lebenden Organismen ist, dass sie genetische Informationen in langkettigen Molekülen, so genannten Nukleinsäuren, wie DNA und RNA, verschlüsseln. In einem Prozess, der als Translation bezeichnet wird, werden die in den Nukleinsäuren kodierten Informationen zur Herstellung von Proteinen verwendet, einer anderen Art langkettiger Moleküle, die aus Aminosäuren aufgebaut sind und verschiedene Funktionen in lebenden Zellen erfüllen. Die Übersetzung der genetischen Information ist einer der wichtigsten biologischen Prozesse, und viele seiner Merkmale sind universell konserviert, einschließlich der Verwendung von Transfer-RNAs (tRNAs). tRNAs sind Nukleinsäuren, die kovalent an einzelne Aminosäuren gebunden sind und als Adapter dienen, um die genetische Information mit dem zu verbinden, wofür diese steht. In vielerlei Hinsicht sind tRNAs die Schnittstelle, an der die Welt der Nukleinsäuren und die der Proteine am direktesten aufeinandertreffen. Das übergeordnete Ziel des vorliegenden Projekts bestand darin, die Auswirkungen der beiden wichtigsten Bindungsarten von Aminosäuren an die entsprechenden tRNAs auf atomarer Ebene zu analysieren und zu vergleichen, um zu einem detaillierteren Verständnis der heutigen Merkmale der biologischen Übersetzung und ihrer evolutionären Ursprünge beizutragen. Insbesondere haben wir atomistische Computersimulationen unter Vergleich mit experimentellen Daten verwendet, um zu zeigen, dass der Ort der Aminosäureanbindung große Auswirkungen auf die Konformationseigenschaften von RNAs hat und sich somit direkt auf ihre Stabilität und ihr Potenzial für die Informationsübertragung über große Entfernungen auswirkt. Insbesondere konnten wir zeigen, dass die in der Biologie verwendete spezifische Art der Aminosäureanbindung möglicherweise deswegen ausgewählt wurde, da sie eine verlängerte Konformation hervorruft, die für die Proteinsynthesereaktion besonders förderlich ist. Darüber hinaus haben unsere Arbeiten deutliche Hinweise darauf geliefert, dass eine spezifische Wechselwirkung zwischen einer Nukleinsäure und einer gebundenen Aminosäure die Auswahl bestimmter Paarungen der beiden ermöglicht und zur Entwicklung eines primitiven genetischen Codes geführt haben könnte. Schließlich haben wir im Rahmen dieses Projekts auch computergestützte Werkzeuge für die Charakterisierung gekoppelter Bewegungen in Biomolekülen weiterentwickelt und getestet und an tRNA angewendet. Insgesamt hat unser Projekt neue Informationen über die wesentlichen, atomistischen Details eines der wichtigsten biologischen Prozesse geliefert, und das sowohl im Hinblick auf seinen heutigen Mechanismus als auch auf seine evolutionären Anfänge. Wir gehen davon aus, dass diese Ergebnisse sowohl in grundlegenden wissenschaftlichen Bereichen wie der mechanistischen Biochemie und der Evolutionsbiologie als auch in eher praktischen Bereichen wie der Biomedizin und der Biotechnologie von Bedeutung sein werden.
- Universität Wien - 100%
- John Sutherland, University of Cambridge - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 312 Zitationen
- 18 Publikationen
- 1 Weitere Förderungen
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2025
Titel Coding relationship links RNA G-quadruplexes and protein RGG motifs in RNA-binding protein autoregulation DOI 10.1073/pnas.2413721122 Typ Journal Article Autor Adlhart M Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Link Publikation -
2021
Titel POSTAR3: an updated platform for exploring post-transcriptional regulation coordinated by RNA-binding proteins DOI 10.1093/nar/gkab702 Typ Journal Article Autor Zhao W Journal Nucleic Acids Research Link Publikation -
2020
Titel Frameshifting preserves key physicochemical properties of proteins DOI 10.1073/pnas.1911203117 Typ Journal Article Autor Bartonek L Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Seiten 5907-5912 Link Publikation -
2025
Titel Dynamic, yet well-defined organization of the FUS RGG3 dense phase DOI 10.1101/2025.07.09.663981 Typ Preprint Autor Polyansky A Seiten 2025.07.09.663981 Link Publikation -
2023
Titel Protein compactness and interaction valency define the architecture of a biomolecular condensate across scales DOI 10.7554/elife.80038 Typ Journal Article Autor Polyansky A Journal eLife Link Publikation -
2023
Titel The SPOC domain is a phosphoserine binding module that bridges transcription machinery with co- and post-transcriptional regulators DOI 10.1038/s41467-023-35853-1 Typ Journal Article Autor Appel L Journal Nature Communications Seiten 166 Link Publikation -
2023
Titel Coding From Binding? Molecular Interactions at the Heart of Translation DOI 10.1146/annurev-biophys-090622-102329 Typ Journal Article Autor Zagrovic B Journal Annual Review of Biophysics Seiten 69-89 Link Publikation -
2019
Titel VOLPES: an interactive web-based tool for visualizing and comparing physicochemical properties of biological sequences DOI 10.1093/nar/gkz407 Typ Journal Article Autor Bartonek L Journal Nucleic Acids Research Link Publikation -
2019
Titel Configurational Entropy Components and Their Contribution to Biomolecular Complex Formation DOI 10.1021/acs.jctc.8b01254 Typ Journal Article Autor Fleck M Journal Journal of Chemical Theory and Computation Seiten 3844-3853 Link Publikation -
2019
Titel Invariants of Frameshifted Variants DOI 10.1101/684076 Typ Preprint Autor Bartonek L Seiten 684076 Link Publikation -
2022
Titel The SPOC domain is a phosphoserine binding module that bridges transcription machinery with co- and post-transcriptional regulators DOI 10.1101/2022.02.26.482114 Typ Preprint Autor Appel L Seiten 2022.02.26.482114 Link Publikation -
2019
Titel Direct interplay between stereochemistry and conformational preferences in aminoacylated oligoribonucleotides DOI 10.1093/nar/gkz902 Typ Journal Article Autor Polyansky A Journal Nucleic Acids Research Seiten 11077-11089 Link Publikation -
2021
Titel Order from disorder in the sarcomere: FATZ forms a fuzzy but tight complex and phase-separated condensates with -actinin DOI 10.3204/pubdb-2021-02832 Typ Other Autor Arolas J Link Publikation -
2022
Titel Compositional complementarity between genomic RNA and coat proteins in positive-sense single-stranded RNA viruses DOI 10.1093/nar/gkac202 Typ Journal Article Autor Adlhart M Journal Nucleic Acids Research Seiten 4054-4067 Link Publikation -
2022
Titel Widespread autogenous mRNA-protein interactions detected by CLIP-seq DOI 10.5167/uzh-224804 Typ Other Autor Farnhammer Link Publikation -
2021
Titel Order from disorder in the sarcomere: FATZ forms a fuzzy but tight complex and phase-separated condensates with a-actinin DOI 10.1126/sciadv.abg7653 Typ Journal Article Autor Sponga A Journal Science Advances Link Publikation -
2022
Titel Widespread autogenous mRNA–protein interactions detected by CLIP-seq DOI 10.1093/nar/gkac756 Typ Journal Article Autor Kapral T Journal Nucleic Acids Research Seiten 9984-9999 Link Publikation -
2018
Titel Self-Consistent Framework Connecting Experimental Proxies of Protein Dynamics with Configurational Entropy DOI 10.1021/acs.jctc.8b00100 Typ Journal Article Autor Fleck M Journal Journal of Chemical Theory and Computation Seiten 3796-3810 Link Publikation
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2020
Titel Novel Complementarity at the Heart of Biology" Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2020