Zwischen Land und Meer: Die Chekka Region im Libanon
Between Land and Sea: The Chekka Region in Lebanon
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (65%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)
Keywords
-
Archaeology,
Chekka region/Lebanon,
Tell Mirhan/Lebanon,
Paleo-Environment,
Middle and Late Bronze Ages
Der Libanon und seine Einbettung in den internationalen Handel des östlichen Mittelmeeres im 2. Jt. v. Chr. ist der Wissenschaft vor allem durch Texte aus dem alten Ägypten und Mesopotamien bekannt. Es ist bekannt, dass fast der gesamten Vorderen Orient vom Libanon aus mit Holz versorgt wurde, allen voran dem heißbegehrten Zedernholz. Aus der Region des Libanons selbst gibt es für dieser Zeitraum sehr wenige archäologische Dokumente. Einer der Gründe dafür war der jahrelange Bürgerkrieg (19751990), der archäologischen Untersuchungen in dieser Region erschwerte. Das Projekt Between Land and Sea: The Chekka Region in Lebanon. An archaeological and paleo-environmental Approach towards the Potential of an East Mediterranean coastal Region will einen Küstenabschnitt zwischen Beirut und Tripolis, der über einen natürlichen Hafen verfügte und dessen Hinterland einst dicht mit Nadelhölzern bewachsen war, in den Mittelpunkt rücken. Ein Ziel dieses Projektes ist es die Umweltbedingungen zu untersuchen, die die Grundvoraussetzungen für den internationalen Handel in dieser Region waren. Das Klima und vorherrschende Bodenbedingungen der Bronzezeit sowie deren Fauna und Flora sollen untersucht werden, ein Überblick über die bronzezeitliche Infrastruktur und Besiedelung in der Region wird angestrebt. Dafür wird erstmals im Libanon eine neuartige Lasertechnik zum Einsatz kommen, die es gestattet von einem Flugzeug aus die Erdoberfläche sowie flaches Küstengewässer zu scannen. Dies ermöglicht archäologische Stätten und Straßen, die unter dichten Bodenbewuchs verborgen sind, erkennbar zu machen. Diese infrastrukturellen Gegebenheiten können Aufschluss über den regionalen Handel - im speziellen den Holzhandel - geben. Die erstmalige Zusammenarbeit von Archäologen und alpinen Forsttechnikern wird den Holztransport vom Schnitt eines Baumes bis zu seiner Verschiffung über das Mittelmeer rekonstruieren. Tell Mirhan, eine befestigte Stadtanlage, die direkt an der Küste lag, diente möglicherweise als Hafen zur Holzverschiffung. Grabungen vor Ort sollen Informationen über die materielle Kultur dieser Region liefern, Analysen der dort ausgegrabenen Tier- und Pflanzenresten Erkenntnisse über die Umweltbedingungen sowie das vorherrschende Klima bringen. Pollen- und Erdproben aus Bohrkernen der Region ermöglichen Rückschlüsse über die Ausdehnung der Nadelwälder und die Fruchtbarkeit des Bodens zu ziehen. Dar Projekt zielt auch darauf ab durch diese Untersuchungen und deren Veröffentlichung das archäologische/kulturelle Erbe des Libanons vor der drohenden Zerstörung durch Verbauung besser schützen zu können. Diese Studien werden in Kooperation vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der ÖAW, der Amerikanischen Universität in Beirut und des Ludwig Bolzmann Institutes für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie durchgeführt.
- Simone Riehl, Eberhard-Karls-Universität Tübingen - Deutschland
- Jwana Chahoud, Universite Lyon 2 - Frankreich
- Leila Badre, American University of Beirut - Libanon
- Helga Seeden, American University of Beirut - Liechtenstein
- Hermann Genz, American University of Beirut - Liechtenstein
- Wendy Matthews, University of Reading - Vereinigtes Königreich