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Migration und Bürgerrechte im Römischen Reich

Migration and Citizenship in the Roman Empire

Johannes Michael Rainer (ORCID: 0000-0001-7742-2082)
  • Grant-DOI 10.55776/P30645
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2018
  • Projektende 31.08.2022
  • Bewilligungssumme 305.744 €

Wissenschaftsdisziplinen

Rechtswissenschaften (100%)

Keywords

    Roman Constitution, Migration, Roman Citizenship, Sozial Justice, Late Antiquity

Abstract Endbericht

Migration und Integration: Kein Problem ist aktueller, keines bewegt die Bürger und die Regierungen in Europa in unserer Zeit mehr. Es gilt, nach Lösungen zu suchen, um die Entwicklung unserer Gesellschaften und Gemeinwesen gedeihlich zu gestalten. Wiewohl die europäische Geschichte zu allen Zeiten mit Wanderbewegungen konfrontiert war, erscheinen die derzeitigen Ereignisse durchaus außerordentlich zu sein. Nichtsdestotrotz war Europa schon einmal Ziel nicht enden wollender Migrationen: vom 3. bis zum 6. Jhdt. n. Chr. zog es Millionen von Migranten von Osten nach Westen und von Norden nach Süden. Völkerschaften verschiedenster Herkunft versuchten, in den Grenzen des damaligen römischen Reiches Zuflucht zu finden und dort sesshaft werden. Der römische Staat war der gigantischen Aufgabe der Integration nicht gewachsen und verschwand zumindest im westlichen Teil von der Bühne der Geschichte. Generationen von Forschern haben bisher versucht, den Untergang zu untersuchen und die genauen Gründe festzumachen. Erstaunlicherweise hat dabei niemand das Recht berücksichtigt, weder den Aufbau des Staates und die für die Migration zuständigen Behörden, noch diejenigen gesetzlichen Maßnahmen, die die Migration kanalisieren und die Integration fördern sollten. Genau dieses Instrumentarium soll das Projekt untersuchen, um Antwort auf die Frage zu geben, inwiefern die juristischen Möglichkeiten entwickelt worden waren, inwiefern sie wirkungsvoll eingesetzt wurden oder ob gerade das Fehlen adäquater rechtlicher Strukturen und Maßnahmen bzw. deren verfehlter Einsatz den Untergang Roms bedingt haben. Die Klärung der antiken rechtlichen Dimension wird auch bedeutende Rückschlüsse auf die Vorgehensweise heute, ihre Chancen und Grenzen zulassen.

Ausgehend von der Frage nach den rechtlichen Rahmenbedingungen des Niederganges und des Unterganges des Römischen Reiches im Westen wurde das Bürgerrecht und die damit verbundenen Rechte und Pflichten als zentraler Rechtsbereich Römischer Staatlichkeit und damit des Römischen Staatsrechts identifiziert. Die Entstehung dieses Rechts insbesondere im Zusammenhang mit dem Freiheitsbegriff am Beginn der Republik um 500 v. Chr. und die weitere Entwicklung während der Republik und in der Kaiserzeit wird anhand der juristischen und literarischen Quellen analysiert und beschrieben. Dabei wurden die soziologischen Begriffe von Inklusive und Exklusion herangezogen um die Folgen der Rechtsetzung und Anwendung rechtlicher Normen in der realen Gesellschaft hervorzuheben. Auf Zeiten bemerkenswerter Freizügigkeit bei der Zuerkennung des Bürgerrechts folgten solche strenger Abkapselung . Von besonderer historischer und juristischer Bedeutung war die Erfassung zahlreicher Migrationen vom Beginn der Republik bis zum Ende des Reiches. Die Integration der Migranten oder ihre Zurückweisung die Zuerkennung von Rechten oder die Ausweisung wurde häufig zur Überlebensfrage des Römischen Staates. Den Höhepunkt an Integration und damit an Inklusive erreichte der Römische Staat im Jahre 212 n.Chr. als Kaiser Antoninus Caracalla mit seiner Constitution Antoniniana allen freien Bürgerinnen und Bürgern seines Reiches das Römische Bürgerrecht verlieh. Das Römische Reich im 1. und 2. Jhdt. n. Chr. und insbesondere sein staatsrechtlicher Aufbau lassen zahlreiche Parallelen zur heutigen Europäischen Union erkennen. Entscheidende auch das heutige Rechtsleben der EU bestimmende Fragen haben auch die Menschen der damaligen Zeit bewegt. Der Römische Staat bestand aus vielen in vieler Hinsicht autonomen "Staaten" deren langsamer aber bestimmter Integrationsprozess als vorbildlich bezeichnet werden muss. Besonders bemerkenswert ist damit die Harmonisierung der Rechte stets verbunden mit der schrittweisen Verleihung des Bürgerrechtes. Der Siegeszug des Römischen Rechts war dabei keineswegs durch politische Vorgaben bedingt , sondern beruhte auf einer langsamen Durchdringung der verschiedenen autonomen Gemeinschaften und Gesellschaftsschichten. dank seiner Exzellenz und Gerechtigkeit. Von besonderer Bedeutung war in diesem Zusammenhang auch die Frage des Doppel-oder Mehrfachbürgerrechtes., wie sich bereits aus den Reden Cicero Pro Balboa Pro Cecina und Pro Archia poeta entnehmen läßt. Das Projekt konnte nachweisen, dass stets dort und dann, wenn Migrationen erfolgreich durch begleitende rechtliche Maßnahmen, insbesondere durch Vorbereitungen auf die Verleihung des Bürgerrechts und schließlich durch die Verleihung des Bürgerrechts selbst gelenkt wurden, der Römische Staat florierte, dass also die mit juristischen Mitteln bewerkstelligte Inklusion eine Erfolgsmodell gewesen war. Das Scheitern einer erfolgreichen Integration auch durch rechtliche Exklusion in der Spätantike hat letztlich das Ende des Römischen Reiches eingeläutet und zu seinem Untergang geführt.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Hartmut Leppin, Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main - Deutschland
  • Paolo Liverani, Università degli Studi di Firenze - Italien
  • Valerio Marotta, Università degli studi di Pavia - Italien
  • Christer Bruun, University of Toronto - Kanada
  • Bernardo Jesus Perinán Gómez, Universidad Pablo de Olavide, Sevilla - Spanien

Research Output

  • 7 Publikationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2019
    Titel Iudicia, Responsa, Rescripta: Zu den Römischen Rechtsquellen
    Typ Journal Article
    Autor Rainer
    Journal Revue internationale des Droits de l'Antiquité
    Seiten 197-227
  • 2020
    Titel Minima sur la citoyenneté romaine; In: L'environnemenjt méditerranéen
    Typ Book Chapter
    Autor Rainer J.M.
    Verlag Harmattan
    Seiten 125-140
  • 2022
    Titel Die lex Rubria de Gallia Cisalpina, der Fremdenprätor und die cautio damni infecti; In: Festschrift Peter Mader
    Typ Book Chapter
    Autor Rainer
    Verlag Lexis Nexis
    Seiten 255-262
  • 2022
    Titel Fremde, Migranten und Barbaren im Alten Rom; In: Festschrift Walter Pfeil
    Typ Book Chapter
    Autor Rainer
    Verlag Manz
    Seiten 679-690
  • 2021
    Titel Savigny, Mommsen und die Lateiner; In: Liber amicarum et amicorum Scritti in onore di Leo Peppe
    Typ Book Chapter
    Autor Rainer
    Verlag Il Grifo
    Seiten 495-514
  • 2021
    Titel Latinitas Aeliana und Latinitas Iuniana
    Typ Journal Article
    Autor Rainer
    Journal Annali Palermo
    Seiten 73-96
  • 2021
    Titel Inklusionen und Exkursionen vom Beginn der Republik bis zu Gaius Gracchus
    Typ Journal Article
    Autor Rainer
    Journal Seminarios Complutenses
    Seiten 363-383
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2019
    Titel Premio Ursicino Alvarez
    Typ National honour e.g. Order of Chivalry, OBE
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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