RNS-Protein Interaktionen im unstrukturierten Kontext
The RNA-Protein Interactions in an Unstructured Context
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
RNA-protein interactions,
Unstructured Proteins,
Nucleobase/Amino-Acid Interaction Affinity Scales,
Long Non-Coding Rnas
Nukleinsäuren und Proteine sind zwei der grundlegendsten Arten von biologisch wichtigen Molekülen, ohne welchen, das Leben nicht möglich wäre. Besonders an Nukleinsäuren und Proteinen ist, dass sie ständig miteinander wechselwirken, meist durch schwache, temporäre Bindungen, und dadurch einander in ihrer Funktion beeinflussen. Allerdings sind die grundlegenden Prinzipien solcher Bindungen noch unverstanden. Dies betrifft vor allem eine sehr häufige Klasse solcher Wechselwirkungen, jene zwischen Ribonukleinsäuren (RNS) und unstrukturierten Proteinen. Ein Grund dafür ist, dass unstrukturierte Proteine keine dauerhaften, festen Strukturen haben und es sehr schwierig ist, diese mit den klassischen Methoden der Strukturbiologie zu studieren. Hiermit schlagen wir vor die Grundprinzipien der Bindung zwischen RNS und Proteinmolekülen im unstrukturierten Kontext zu erforschen, sowie ein Rechenverfahren zu entwickeln, um vorherzusagen welche RNS und Proteine aneinander binden, wo genau und wie stark die Bindung erfolgt. Die zentrale Prämisse hinter unserem Projektantrag ist, dass die Affinität der Nukleinsäuren und Proteinen für einander von intrinsischen Affinitäten zur Wechselwirkung zwischen ihren fundamentalen Bausteinen, den Nukleobasen und Aminosäuren, abhängig sind. In unserer jüngsten Arbeit haben wir diese Affinitäten mit mehreren orthogonalen Methoden abgeleitet und dabei eine rigorose, quantitative Grundlage für die vorliegende Arbeit geschaffen. Darüber hinaus haben wir in einer vorläufigen Analyse gezeigt, dass das vorgeschlagene Forschungsparadigma einen neuen Einblick in mehrere gut untersuchte experimentelle Systeme liefern kann. Neben den Bindungspotentialen zwischen allen RNS und allen Proteinen in verschiedenen Organismen, werden wir die Bindung im Kontext des Ribosoms sowie zwischen einem physiologisch und biomedizinisch wichtigen RNS-Molekül, Xist, und allen Proteinen die mit Xist wechselwirken, untersuchen. Während das Ribosom eine zelluläre Maschine für die Proteinsynthese ist, kontrolliert Xist das Niveau der Expression weiblicher X-Chromosomen. Das Verständnis der Grundlagen ihrer Funktion kann zu großen Fortschritten bei der Behandlung von diversen Krankheiten führen. Insgesamt strebt unser Projekt an neue Prinzipien hinter der zellulären Organisation und Wechselwirkungen im Allgemeinen zu entdecken und ein tieferes Verständnis der spezifischen Systeme insbesondere zu liefern.
Die Beziehung zwischen Ribonukleinsäuren (RNAs) und Proteinen ist eines der fundamentalen Merkmale des Lebens. Die physikalisch-chemischen Prinzipien, die die Interaktion zwischen diesen wichtigen Molekülen steuern, sind jedoch noch immer nicht vollständig verstanden, insbesondere im unstrukturierten Zustand. Kürzlich wurde vorgeschlagen, dass Proteine bevorzugt mit den eigenen Boten-RNAs (mRNA) interagieren, die für sie kodieren, insbesondere wenn sie unstrukturiert sind, was die Einflüsse hinter der Entstehung des genetischen Codes widerspiegelt. Darüber hinaus wurde vorgeschlagen, dass Proteine nicht nur mit ihren eigenen mRNAs, sondern auch mit anderen RNAs interagieren, die mit ihnen kompositorisch verwandt sind. Ziel des vorliegenden Projekts war es, eine rechnerische Grundlage für die Bewertung des Potenzials solcher Wechselwirkungen zu schaffen und durch Vergleiche mit Experimenten zu prüfen, ob und in welchem Kontext sie tatsächlich auftreten. Zunächst haben wir mehrere Methoden zur Vorhersage des Potenzials von RNAs und Proteinen zur Interaktion im unstrukturierten Zustand unter Verwendung intrinsischer Nukleobasen/Aminosäure-Interaktionspräferenzen entwickelt und auf verschiedene biologische Systeme angewandt. Darüber hinaus haben wir einen Webserver für die Analyse, den Vergleich und die Visualisierung von physikochemischen Profilen von Biopolymeren veröffentlicht, der es ermöglicht, ihre Fähigkeit zur Interaktion zu bewerten. Als zentrale Errungenschaft haben wir diese Werkzeuge und fortschrittliche statistische Analysen eingesetzt, um zu zeigen, dass beide oben genannten theoretischen Vorhersagen durch Experimente stark unterstützt werden. Insbesondere haben wir gezeigt, dass ~67% der untersuchten Proteine direkt mit ihren eigenen mRNAs interagieren, wobei eine starke Präferenz für die kodierende Sequenz besteht. Darüber hinaus haben wir gezeigt, dass die Spezifität der Wechselwirkung zwischen einer unstrukturierten Domäne eines Schlüsselenzyms, der RNA-Polymerase II, und mRNAs teilweise mit dem genetischen Code zusammenhängt. In ähnlicher Weise haben wir gezeigt, dass einige ribosomale RNAs mit den mRNAs der ribosomalen Proteine, mit denen sie interagieren, kompositorisch verwandt sind. Außerdem haben wir gezeigt, dass die Stellen in viralen RNA-Genomen, an denen sie mit viralen Kapsidproteinen interagieren, im Wesentlichen anhand des intrinsische Interaktionspotenzials der Partner im unstrukturierten Zustand vorhergesagt werden können. Schließlich haben wir durch Vergleich mit experimentellen eCLIP-Daten gezeigt, dass die RNA-Partner verschiedener RNA-bindender Proteine mit den mRNAs dieser Proteine kompositorisch verwandt sind. Insgesamt hat unser Projekt neue Prinzipien hinter den groß angelegten Trends bei RNA-Protein-Interaktionen im Allgemeinen aufgedeckt und ein tieferes Verständnis mehrerer spezifischer Systeme im Besonderen ermöglicht. In Anbetracht der grundlegenden Bedeutung von RNA-Protein-Wechselwirkungen in der Biologie erwarten wir, dass unsere Ergebnisse sowohl in der Grundlagenforschung als auch in praktischen Anwendungen, insbesondere im biomedizinischen Kontext, von Bedeutung sein werden.
- Universität Wien - 100%
- Howard Y. Chang, Stanford University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Haris Vikalo, The University of Texas at Austin - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 406 Zitationen
- 15 Publikationen
- 3 Datasets & Models
- 1 Weitere Förderungen
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2022
Titel Widespread autogenous mRNA–protein interactions detected by CLIP-seq DOI 10.1093/nar/gkac756 Typ Journal Article Autor Kapral T Journal Nucleic Acids Research Seiten 9984-9999 Link Publikation -
2022
Titel Widespread autogenous mRNA-protein interactions detected by CLIP-seq DOI 10.5167/uzh-224804 Typ Other Autor Farnhammer Link Publikation -
2023
Titel Coding From Binding? Molecular Interactions at the Heart of Translation. DOI 10.1146/annurev-biophys-090622-102329 Typ Journal Article Autor Adlhart M Journal Annual review of biophysics Seiten 69-89 -
2020
Titel RNA polymerase II-binding aptamers in human ACRO1 satellites disrupt transcription in cis DOI 10.1080/21541264.2020.1790990 Typ Journal Article Autor Boots J Journal Transcription Seiten 217-229 Link Publikation -
2018
Titel RNA-protein interactions in an unstructured context DOI 10.1002/1873-3468.13116 Typ Journal Article Autor Zagrovic B Journal FEBS Letters Seiten 2901-2916 Link Publikation -
2021
Titel Digital marketing in SMEs via data-driven strategies: Reviewing the current state of research DOI 10.1080/00472778.2021.1955127 Typ Journal Article Autor Saura J Journal Journal of Small Business Management Seiten 1278-1313 -
2021
Titel Topsoil alternatives selection for surface coal-mined land reclamation in Inner Mongolia, China: an experimental study DOI 10.1080/17480930.2020.1846239 Typ Journal Article Autor Zhu Q Journal International Journal of Mining, Reclamation and Environment Seiten 421-434 -
2021
Titel POSTAR3: an updated platform for exploring post-transcriptional regulation coordinated by RNA-binding proteins DOI 10.1093/nar/gkab702 Typ Journal Article Autor Zhao W Journal Nucleic Acids Research Link Publikation -
2022
Titel Protein compactness and interaction valency define the architecture of a biomolecular condensate across scales DOI 10.1101/2022.02.18.481017 Typ Preprint Autor Polyansky A Seiten 2022.02.18.481017 Link Publikation -
2022
Titel Compositional complementarity between genomic RNA and coat proteins in positive-sense single-stranded RNA viruses DOI 10.1093/nar/gkac202 Typ Journal Article Autor Adlhart M Journal Nucleic Acids Research Seiten 4054-4067 Link Publikation -
2020
Titel Frameshifting preserves key physicochemical properties of proteins DOI 10.1073/pnas.1911203117 Typ Journal Article Autor Bartonek L Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Seiten 5907-5912 Link Publikation -
2021
Titel Locked Out: The Systematic Exclusion of Poor Renters From Federally Subsidized Housing DOI 10.1080/10511482.2021.1950803 Typ Journal Article Autor Smith M Journal Housing Policy Debate Seiten 983-1001 -
2019
Titel VOLPES: an interactive web-based tool for visualizing and comparing physicochemical properties of biological sequences DOI 10.1093/nar/gkz407 Typ Journal Article Autor Bartonek L Journal Nucleic Acids Research Link Publikation -
2019
Titel Invariants of Frameshifted Variants DOI 10.1101/684076 Typ Preprint Autor Bartonek L Seiten 684076 Link Publikation -
2019
Titel Dynamics of individual Brownian rods in a microchannel flow DOI 10.1039/c9sm00903e Typ Journal Article Autor Zöttl A Journal Soft Matter Seiten 5810-5814 Link Publikation
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2022
Link
Titel POSTAR3 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2020
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Titel RNA polymerase II-binding aptamers in human ACRO1 satellites disrupt transcription in cis DOI 10.6084/m9.figshare.12851973 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2019
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Titel VOLPES Typ Computer model/algorithm Öffentlich zugänglich Link Link
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2020
Titel Novel Complementarity at the Heart of Biology" Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2020 Geldgeber Volkswagen Foundation