Biographien und Werkanalysen ost-/zentralafrikanischer Komponisten
Biographies and Work Analyses of East/Central African composers
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Kunstwissenschaften (60%); Sprach- und Literaturwissenschaften (15%)
Keywords
-
Individual histories,
East-African musician-composers,
Notational Systems,
Work Chronology,
Compositional Techniques,
Instrumental Techniques
Wie in anderen Weltkulturen ist auch in den Kulturen Afrikas ein Komponist/Instrumentalist nicht durch jene Kenntnisse definiert, die er oder sie mit ihrer sozialen Umgebung gemeinsam hat, sondern durch spezielle, erlernte Fertigkeiten und besonderes Wissen. Sie konstituieren das persönliche, kulturelle Profil des Künstlers. Diesen Bereich von Fall zu Fall aufzurollen, ist eine der Aufgaben, die wir uns in diesem Drei-Jahres-Projekt gestellt haben. Indem wir uns auf eigene Feldforschungen stützen können, die mehr als ein halbes Jahrhundert umfassen (seit 1959, in 88 Sprachgruppen) ist es nun möglich, bei manchen der aufgenommenen Musiker/Komponisten eine lebenslange biographische und Werk-Darstellung anzustreben. In einem Projekt wie diesem kann natürlich nicht der ganze Kontinent zur Darstellung gebracht werden. Wir haben deshalb eine Region ausgewählt , Ost- und Südzentral-Afrika, mit Konzentration auf die Länder Uganda, Tanzania, Zambia, Malawi und Angola, aus denen wir von früheren Forschungen sehr viel Material (Tonbandaufnahmen, Film/Video etc.) besitzen, das durch neuere Forschungen ergänzt und abgerundet werden soll. Hier hat unser internationales Team von acht Personen bisher 46 Komponisten identifiziert, auf die sich unsere Biographien und Werkanalysen konzentrieren werden. Die Auswahl erfolgte unabhängig von den lokalen Medien, deren Interesse an Massenkonsum und Popularisierung die tatsächlichen kreativen Ressourcen in einer Region verschleiern. Unser Sampling stützt sich rigoros auf Kriterien kompositorischer Originalität und Innovation, in Text und Musik wie auch in dem in Afrika so wichtigen Bereich des Instrumentenbaus und spezifisch entwickelter Spieltechniken. Die Auswertung des Materials und die Werkanalysen erfolgen nach Methoden, die unser Team entwickelte um auch wenig erforschte Themen wissenschaftlich zu erschließen, wie etwa die kompositorische Verwendung von Modellen, die auf non-verbal transmittierten mathematischen Einsichten beruhen. Zur Darstellung des Materials verwenden wir verschiedene Notationssysteme: (1) Mnemonik (phonetisch dargestellt), (2) Europäische Notenschrift, angepasst an afrikanische Konzepte von Tonalität und Zeiteinteilung, (3) Ziffern-Notation und (4) kinemische Transkription von kinematographischen Aufnahmen. Die biographische Erfassung der in Komposition aktiven Persönlichkeiten konzentriert sich auf Individualgeschichte und die Beziehungen des kreativen Individuums zur sozialen Umgebung. Lokale und interregionale Akzeptanz, Konflikt, Dissidenz, Familien- und Peer Group Einflüsse, Erfahrungen von Gender-, Alters- und ethnischer Diskriminierung sind einige Themen, die wir behandeln werden. Der historische, vergleichende Teil unserer Untersuchung befasst sich mit grundlegenden afrikanischen Kompositionsmethoden (z.B. Verzahnung von Reihen, Überspring-Verfahren in der Mehrstimmigkeit), und den Verfahren zur Bildung akustischer Illusionen, Phantom-Melodien, die Träger verborgener Texte sind und auch zu improvisatorischen Textentwicklungen anregen können.
Eine der Grundlagen unserer Studien afrikanischer Musik ist jenen Persönlichkeiten unsere Aufmerksamkeit zu widmen, die sie schaffen, komponieren und auf diese Weise Einsicht in ihre konzeptuelle Welt zu gewinnen. Dieser Ansatz hat viel dazu beigetragen, den Stereotyp einer anonymen "ethnischen" Musik aufzulösen, dass es in Afrika nur zeitlose Traditionen ohne Geschichte gäbe. Unser Projekt konzentrierte sich auf Ost- und Zentralafrika mit Feldforschung durch unser internationales Team in Uganda, Tanzania, Malawi, Mozambique, Botswana und Namibia. Wie andere Forschungsprojekte in den Sozialwissenschaften waren auch wir von der weltweiten SARS-Covid 19 Pandemie berührt, mit ihren Reisebeschränkungen. Der FWF hat dankenswerterweise mehrere kostenneutrale Verlängerungen des Projekts gewährt. Ein Hauptergebnis unserer Arbeit ist die Rekonstruktion der Geschichte von Kompositionstechniken für die Musik, die einst auf dem königlichen Xylophon entaala im präkolonialen Königreich Buganda seit den Regierungszeiten der Könige Kyabaggu und Jjunju im späten 18. Jahrhundert bis zu König Mwanga II gespielt wurde. Der letztere starb 1910 als Gefangener im Exil nachdem Uganda im Jahr 1900 zum britischen Protektorat erklärt worden war. Diese Kompositionen sind durch Hofmusiker Ton-für-Ton überliefert worden, obwohl sie nicht notiert wurden. Das war auch nicht notwendig, denn wenn ein Thema dieser seriellen Musik aus ineinandergreifenden Tonreihen komponiert war, konnte es nicht mehr verändert werden, der erwünschte i.p. (inherent pattern)-Effekt der Textassoziationen stimuliert, wäre verloren. Baganda Hofmusik-Komponisten hatten schon vor langem entdeckt, dass Zuhörer aus dem Klangkomplex melodisch-rhythmische Patterns auditiv konstruieren, die als solche nicht gespielt wurden, aber in den Kompositionen stecken. Es handelt sich um ein audiopsychologisches Phänomen, das auch die Faszination des europäischen Komponisten Györgi Ligeti (1923 - 2006) erweckt hatte. Er wäre wohl hocherfreut, könnte er jetzt erfahren, dass wir in diesem Projekt imstande waren, für diese Kompositionstechniken einer afrikanischen Kunstmusik eine Chronologie der letzten 240 Jahre zu erstellen. Über 160 Kompositionen sind jetzt in unserem Ziffern-Notationssystem erhalten und reproduzierbar für Musiker, die die Spieltechnik des entaala Xylophons erlernen wollen. Einige Mitglieder unseres Forschungs-Teams haben sich auf das Studium kontemporärer Musiker-Komponisten in der Region konzentriert. Alessandro Consentino unternahm Feldforschungen in Botswana, um lebende Komponisten, männliche und weibliche, auf einer Reihe von überlieferten Saiteninstrumenten zu erfassen. August Schmidhofer arbeitete zuerst in Nord-Moçambique, dann im Norden von Uganda mit dem blinden Acooli-sprachigen Gitarrenmusik-Komponisten Faustino Okello, um eine Biographie und Chronologie seiner Werke seit 1962 zusammenzustellen. Yohana Malamusi erfasste Instrumenten-Konstrukteure und Komponisten aus Angola, die als Flüchtlinge in Namibia lebten. Und Moya A. Malamusi studierte Ausführende auf valimba kalebassen-resonierten Xylophonen im Raum Tete, Zambezi-Tal Moçambique sowie die von den Medien negierten wandernden Banjo-Gruppen Adoleszenter in Malawi und ihre Liedtexte überwiegend von sozial-kritischem Inhalt.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 17 Publikationen
- 9 Wissenschaftliche Auszeichnungen
-
2018
Titel Ndala wanyanga - Ndala, the smart youngster Typ Book Autor Kayombo K Verlag Oral Literature Research Programme -
2021
Titel "Resettled" musical practices of the Nharo from D'kar (Botswana) Typ Journal Article Autor Cosentino A Journal Etnografie Sonore / Sound Ethnolographies Seiten 73-106 Link Publikation -
2021
Titel Riflessioni su musica e tecnologia: una prospettiva storico-antropologica Typ Journal Article Autor Cosentino A Journal Musica Domani Seiten 18-28 -
2021
Titel ThojaneIkageng e Oteng Piet, suonatori di segaba dal Botswana; In: Sounding Frames: Itinerari di Musicologia Visuale. Scritti in onore di Giorgio Adamo Typ Book Chapter Autor Cosentino A Verlag Museo Pasqualino Seiten 247-271 -
2021
Titel Late 18th to mid-19th century entaala compositions from the Kingdom of Buganda; In: Sounding Frames: Itinerari di Musicologia Visuale. Scritti in onore di Giorgio Adamo Typ Book Chapter Autor Kubik G Verlag Museo Pasqualino Seiten 185-210 -
2021
Titel Mouth-bow traditions in southeast Africa: three portraits; In: Sounding Frames. Itinerari di musicologia visuale. Scritti in onore di Giorgio Adamo Typ Book Chapter Autor Malamusi M Verlag Museo Pasqualino Seiten 211-226 -
2019
Titel Continuity and change in south-east African musical traditions Typ Conference Proceeding Abstract Autor Malamusi M Konferenz Music Traditions, Change and Creativity in Africa, Past and Present Seiten 21-32 -
2019
Titel Giddes Chalamanda, a Malawian composer and guitar player; In: Music, individuals and contexts. Dialectical interaction Typ Book Chapter Autor Cosentino A Verlag Società Editrice di Musicologia Seiten 441-452 Link Publikation -
2019
Titel The role of women in the Nyanga panpipe dance in Mozambique, past and present Typ Conference Proceeding Abstract Autor Allgayer-Kaufmann R Konferenz Music Traditions, Change and Creativity in Africa. Past and Present Seiten 229-236 -
2019
Titel La chitarra finger-style in Malawi. Christopher 'Khilizibe' Gerald (1981-2019), compositore ed esecutore Typ Journal Article Autor Cosentino A Journal Studi Musicali Seiten 345-374 -
2019
Titel Master-Disciple relationship in finger-style guitar: Donald Kachamba and Christopher Gerald Typ Conference Proceeding Abstract Autor Cosentino A Konferenz Music Traditions, Change and Creativity in Africa, Past and Present Seiten 139-155 -
2019
Titel From Kwela music of the 1950s to the Kachamba's Heritage Jazzband Typ Conference Proceeding Abstract Autor Mlendo S Konferenz Music Traditions, Change and Creativity in Africa, Past and Present Seiten 33-38 -
2019
Titel The Use of Foreign Musical Idioms by Faustino Okello (Uganda) Typ Conference Proceeding Abstract Autor Schmidhofer A Konferenz Music Traditions, Change and Creativity in Africa. Past and Present Seiten 213-220 -
2019
Titel Musical bows and the spirit of human discovery Typ Journal Article Autor Kubik G Journal Etnografie Sonore / Sound Ethnographies Seiten 13-28 Link Publikation -
2019
Titel "Less Is More, My Friend!". Sibongile Kgaila and Solly Sebotso: Four-String Guitar Song Composers from Botswana Typ Journal Article Autor Cosentino A Journal Etnografie Sonore / Sound Ethnographies Seiten 29-57 Link Publikation -
2020
Titel Outreach-Strategien von audiovisuellen, ethnologischen Beständen im postkolonialen Kontext Typ Journal Article Autor Schmidhofer A Journal International Forum on Audiovisual Research - Jahrbuch des Phonogrammarchivs Seiten 149-159 -
2020
Titel The lukeme Lamellophone Tradition of the Acholi People in Northern Uganda; In: Understanding Musics. Festschrift on the Occasion of Gerd Grupe's 65th Birthday Typ Book Chapter Autor Schmidhofer A Verlag Shaker Verlag Seiten 85-102
-
2022
Titel Memory of the composer Györgi Ligeti Typ Attracted visiting staff or user to your research group Bekanntheitsgrad Continental/International -
2022
Titel (In) Justice and Indigenous Knowledge in Africa Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2022
Titel Jazz and Blues in southern Africa Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Regional (any country) -
2020
Titel Instrumental compositions in African music Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Regional (any country) -
2019
Titel The conceptual world of tusona ideographs Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2019
Titel Transfer - Outreach strategies in postcolonial contexts Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2019
Titel Southbank Centre, Hayward Gallery, London Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2019
Titel Musiche del XXI secolo Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2018
Titel Centro de Estudos de Sociologia e Estetica Musical, Lisboa Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International