Mobilität, Migration, und Regionale Auswirkungen
Labor Mobility, Migration, and Regional Outcomes
Matching Funds - Tirol
Wissenschaftsdisziplinen
Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (30%); Soziologie (15%); Wirtschaftswissenschaften (55%)
Keywords
-
Regional Disparities,
Migration,
Mobility,
Gravity Model,
Unemployment Dynamics,
NUTS Regions
Zu- und Abwanderung stellen einen der hauptverantwortlichen Faktoren dar um die Entwicklung von Disparitäten zwischen Kontinenten, Ländern, oder auch Regionen zu erklären. Typischerweise spricht man bei solchen Disparitäten von Wirtschaftswachstum, der Lohnentwicklung, oder Arbeitslosenraten. Dennoch gibt es bis heute keinen Konsens darüber ob Migration diese Ungleichheiten beseitigt oder gar verstärkt. Dies gilt für die empirische als auch die theoretische Forschung. Während der Effekt von Migration auf nationale Arbeitsmärkte für geraume Zeit im Fokus lag, wurde erst in den letzten Jahren auf die um ein Vielfaches häufigeren, regionalen Wanderungen und deren Auswirkungen auf lokale Arbeitsmärkte eingegangen. Im Rahmen dieses Projektes sollen die bestimmenden Einflusskanäle sowie die Interdependenzen zwischen Wanderungen und regionalen Arbeitsmarktergebnissen sowohl theoretisch als auch empirisch aufgearbeitet werden. Hierbei wird das Hauptaugenmerk auf Disparitäten in Arbeitslosenraten zwischen europäischen Regionen gelegt. Innerhalb Europas werden Regionen durch die `Nomenclature des unités territoriales statistiques` (NUTS) Klassifikation gegliedert, und sind durch diese auch der europäischen Kohäsionspolitik, beispielsweise mittels Strukturfonds, zugeführt. Deshalb liegt die Bedeutung dieses Projektes darin zu determinieren welche regionalen Faktoren für Wanderungen bestimmend sind und wie diese Wanderungen regionale Disparitäten, auch im Hinblick auf die enormen Kohäsionsaufwendungen, beeinflussen. Im Rahmen dessen soll auch die Hypothese gleicher absoluter Effekte von Zu- und Abwanderung getestet werden. Wie vorläufige theoretische Überlegungen zeigen, können Migrationsstrukturen sowie Ungleichheiten in Arbeistlosenraten simultan von darunterliegenden Faktoren, beispielsweise lokalen Charakteristiken einer Region, bestimmt werden. Abhängig davon wie Schocks, zum Beispiel eine erhöhte Erreichbarkeit einer oder mehrerer Regionen, in diesen Faktoren Disparitäten und Migration beeinflussen, kann man entweder steigende oder fallende Disparitäten durch Migration vorfinden. Deshalb erscheint eine sorgfältige Untersuchung und Erweiterung bestehender Theorien notwendig um eindeutige Vorhersagen darüber, wie sich Disparitäten in Abhängigkeit von erhöhter oder sinkender Mobilität entwickeln werden, zu ermöglichen. Ein weiteres Ziel dieses Projektes ist es ein tieferes theoretisches Verständnis sowie eine empirische Untersuchung von sogenannten strukturellen Gravitationsmodellen für Migration zu entwickeln. Wie der Name nahelegt, liegt der Ursprung solcher Zugänge zu ökonomischen Fragestellungen wie bilateralen Handelsbeziehungen oder, wie hier, Wanderungsströmen in Newtons Gravitationsgesetz. Ein Hauptvorteil dieses Zugangs liegt darin dass er die expliziten Effekte anderer sich im System befindender Regionen auf Ströme zwischen zwei Regionen mit einbezieht. Gegeben bilateraler Daten - Informationen darüber wo Zuwanderer herkommen beziehungsweise Abwanderer hinwandern - gelingt es mögliche Anziehungs- und Abstoßungsfaktoren akkurater zu bestimmen. Während solche Modelle häufig auf Länderebene verwendet werden, haben sie sich in der Regionalwissenschaft noch nicht durchgesetzt.
Dieses FWF-Projekt beschäftigte sich mit regionalen Arbeitsmärkten und hier speziell mit der Entscheidung von Personen in eine andere Region zu ziehen, um hoher Arbeitslosigkeit oder niedrigen Löhnen an ihrem ursprünglichen Wohnbezirk auszuweichen. Daten für Österreich auf Bezirksebene zeigen hohe Arbeitsmarktdisparitäten sowohl bei den Löhnen als auch bei den Arbeitslosenquoten. Migrationsströme zwischen den Bezirken, also der Umzug von Personen in Bezirke mit hohen Löhnen und niedriger Arbeitslosigkeit könnten diese Disparitäten mildern und einen Ausgleich herbeiführen. Lorenz Fischer zeigt in einer seiner Arbeiten für das Projekt, dass die Migrationsströme zwischen den Bezirken viel zu gering sein dürften, um diese Disparitäten im Lauf der Zeit abzumildern. Neben hohen Kosten des Wohnsitzwechsels, dürften auch nichtökonomische Motive die geringen Migrationsströme zwischen den österreichischen Bezirken erklären. In Rahmen des Projektes befassten sich Fanny Dellinger und Peter Huber (WIFO) mit der Rolle von Beihilfen und Unterstützungsmaßnahmen durch die öffentliche Hand und der Situation auf den regionalen Arbeitsmärkten auf die Wahl des Wohn- und Arbeitsortes von Flüchtlingen in Österreich mit positivem Asylbescheid. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass niedrigere Sozialleistungen einen Pushfaktor darstellen und dass von Kürzungen betroffene Flüchtlinge ihre zugeteilten Bundesländer eher verlassen. Zudem untersuchte Fanny Delllinger in einer Nachfolgearbeit, inwieweit regionale Unterschiede in der Unterstützung bei der Wohnungssuche bzw. bei der Wohnungsbereitstellung Einfluss darauf haben, den ursprünglich zugeteilten Wohn- und Arbeitsort zu ändern (speziell nach Wien umzuziehen) und eine Arbeitsstelle zu finden. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass eine stärkere Unterstützung bei der Wohnungssuche auch einen höheren Arbeitsmarkterfolg vor Ort bringt und die Abwanderung in die Bundeshauptstadt gebremst wird. In allen Bundesländern zeigt sich dabei ein Vorteil für alleinstehende Männer am Arbeitsmarkt, die eine höhere Flexibilität und Mobilität mitbringen. Allerdings fällt dieser Vorteil in Bundesländern mit wenig Unterstützung - und gerade Alleinstehende haben hier noch weniger Zugang zu Hilfe als Familienväter - deutlich kleiner aus.
- Universität Innsbruck - 100%
- Michael Fuchs, IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen - Deutschland
- Annekatrin Niebuhr, IAB-Nord - Deutschland
- Ugo Fratesi, Polytechnic University of Milan - Italien
- Roberto Basile, Second University of Naples - Italien
Research Output
- 79 Zitationen
- 6 Publikationen
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2019
Titel Gravity models, PPML estimation and the bias of the robust standard errors DOI 10.1080/13504851.2019.1581902 Typ Journal Article Autor Pfaffermayr M Journal Applied Economics Letters Seiten 1467-1471 Link Publikation -
2020
Titel Constrained Poisson pseudo maximum likelihood estimation of structural gravity models DOI 10.1016/j.inteco.2019.11.014 Typ Journal Article Autor Pfaffermayr M Journal International Economics Seiten 188-198 Link Publikation -
2018
Titel The more the merrier? Migration and convergence among European regions DOI 10.1016/j.regsciurbeco.2017.04.007 Typ Journal Article Autor Fischer L Journal Regional Science and Urban Economics Seiten 103-114 Link Publikation -
2021
Titel The bias of avoiding spatial dynamic panel models: DOI 10.18335/region.v8i1.316 Typ Journal Article Autor Fischer L Journal REGION Seiten 153-180 Link Publikation -
2021
Titel Confidence intervals for the trade cost parameters of cross-section gravity models DOI 10.1016/j.econlet.2021.109787 Typ Journal Article Autor Pfaffermayr M Journal Economics Letters Seiten 109787 Link Publikation -
2018
Titel Migration’s inability to alleviate regional disparities: the grass is still greener on the other side of the fence DOI 10.1007/s10663-018-9409-7 Typ Journal Article Autor Fischer L Journal Empirica Seiten 5-29 Link Publikation