Debatte und rationale Argumentationen im Buddhismus Südasiens
Debate and rational argumentation in Sout Asian Buddhism
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Philosophie, Ethik, Religion (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)
Keywords
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Buddhist Studies,
Digital Philology,
History of Indian Philosophy,
South Asian Studies,
Diplomatic and critical editions,
Logic and Epistemology
Die Vadanyayatika, verfasst vom bedeutenden buddhistischen Gelehrten Santaraksita (ca. 725788 AD), ist ein Kommentar zu Dharmakirtis (ca. 6./7. Jh.) letztem Werk, dem Vadanyaya (Regeln der Debatte), in dem er Begriffe der gelehrten und öffentlichen Debatte definiert, im besonderen die Anlässe einer Niederlage. Ziel des Projektes ist die Vorbereitung einer diplomatischen und einer kritischen Edition der Vadanyayatika. Die von R. Sankrityayana 19351936 erstmals herausgegebene Edition beruht auf einem einzigen Manuskript, das er im Kundeling Kloster in Lhasa entdeckte. Neuere Untersuchungen des Manuskriptes unter wesentlich verbesserten wissenschaftlichen Voraussetzungen haben ergeben, dass sowohl diese Edition als auch die auf dieser beruhenden Edition von D. Shastri aus dem Jahr 1972 an vielen Stellen korrigiert und verbessert werden muss und daher eine kritische Edition auf der Grundlage philologisch-historischer Methoden der Textinterpretation dringend erforderlich ist. Der Zugang zu der bei weitem besten Kopie des Manuskriptes aus Tibet wird durch ein Kooperationsabkommen zwischen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem China Tibetology Research Center in Beijing ermöglicht. Die editorische Bearbeitung wird nach den neuesten Methoden der digitalen Textforschung, den international standarisierten Richtlinien von TEI/XML entsprechend, durchgeführt werden. Dieses maschinenlesbare Datenformat ermöglicht eine flexible Datenverarbeitung für Publikation und Dokumentation, langzeitige Archivierung sowie einfachen Datenexport. Santaraksitas Textauslegung ist nicht nur für die Interpretation des Vadanyaya von Bedeutung, sondern auch für das historische Verständnis der buddhistischen Polemik in einer Zeit diversifizierender Entwicklungen in der frühmittelalterlichen Periode (5001200 AD). Vermutlich aufgrund der unzureichenden Edition des Textes gibt es bisher nur sehr wenige Studien zu ausgewählten Abschnitten der Vadanyayatika. Die geplante kritische Edition wird eine systematische Untersuchung von Santaraksitas zahlreichen Bezugnahmen sowohl auf innerbuddhistische als auch brahmanische Schulen wie Nyaya, Vaisesika, Samkhya, Mimamsa, Vaiyakarana und auch auf Textfragmente verlorener philosophischer Werke ermöglichen. Unter anderem wird im Rahmen des Projektes auch eine umfangreiche und eingehende Studie zu den Textfragmenten verlorener Werke erstellt werden, um Santaraksitas Quellen zu untersuchen und einen Beitrag zur Rekonstruktion der Frühgeschichte der philosophischen Traditionen zu leisten. Die historisch-kritische Edition der Vadanyayatika soll eine verlässliche Grundlage zur Erweiterung des Verständnisses von Santaraksitas Philosophie bilden. Die Verwendung der international anerkannten Methoden und Standards der digitalen Philologie wird sicherstellen, dass die Forschungsergebnisse zuverlässig, allgemein zugänglich und somit Grundlage für zukünftige digitale Forschungen und Kollaborationen sein werden.
Das Forschungsprojekt P30827-G24 befasste sich mit der Erforschung der frühen religionsphilosophischen Interaktionen zwischen brahmanischen und buddhistischen Intellektuellen in Südasien. Das Projekt unternahm historische Studien relevanter buddhistischer philosophischer Texte in Kombination mit philologischer Grundlagenforschung zu einem bestimmten Werk, einem Text des Madhyamaka-Philosophen Shantarakshita (ca. 725-788) mit dem Titel Vadanyayatika (fortan VNT, "Ein Kommentar zu den Regeln der Debatte"), der ein Kommentar zu Dharmakirtis (zwischen 550-660) Vadanyaya (fortan VN, "Die Regeln der Debatte") ist. Obwohl in den 1930er Jahren eine Sanskrit editio princeps des VNT von Rahula Sankrtyayana auf der Grundlage eines alten Codex unicus, des "Kundeling-Manuskripts", veröffentlicht wurde, ist diese erste Ausgabe in vielerlei Hinsicht problematisch. Der ursprüngliche Plan war, die Grundlage für eine bessere kritische Ausgabe der VNT durch eine zuverlässige diplomatische Ausgabe des Manuskripts zu erstellen, die nicht nur Manuskriptmaterial, sondern auch die tibetische Übersetzung des Werkes von Kumarashribhadra (ca. 1100) als Hilfsquelle und verwandte Zeugnisse verwendet. Die Entdeckung bisher unbekannter Handschriften sowohl des VN als auch der VNT führte zu einer Änderung des ursprünglichen Arbeitsplans. Diese unvollständigen und teilweise beschädigten Manuskripte in der Sammlung des Klosters Drepung in Lhasa wurden von Ernst Steinkellner identifiziert. Diese Handschriften haben sich aufgrund erheblicher Textabweichungen als sehr bedeutsam für die Textkritik der VN und VNT erwiesen. Im Rahmen des Projekts wurde eine neue kritische Ausgabe der VNT für das erste Drittel des Textes erstellt. Erste Schritte zur Kodierung dieser kritischen Edition auf der Grundlage von TEI/XML-Standards wurden in Zusammenarbeit mit Dr. Patrick McAllister unternommen. Aufgrund dieser Änderungen im Arbeitsplan ergab sich aufgrund der Verfeinerung der Kodierung einen längeren Zeitrahmen. Dadurch ergab sich ein neues Projekt, das von Dr. Yasutaka Muroya im Rahmen seines neuen FWF-Projekts P 34842 "Dialektik, Logik und Philosophie im indischen Buddhismus" durchgeführt werden wird. Das Projekt untersuchte auch Shantarakshitas eigene Querverweise und Anspielungen auf seine anderen Werke, vor allem auf seinen Tattvasangraha (im Folgenden TS). Seit langem besteht eine Kontroverse über die relative Chronologie zwischen dem VNT und dem TS. Die Untersuchung ergab einen wichtigen Hinweis darauf, dass dar TS der VNT vorausgeht. Dies bestätigt die Einschätzung von Erich Frauwallner, dass der VNT ein relativ ausgereiftes Werk ist. Diese Hypothese wird in einem Beitrag zu dem demnächst erscheinenden Band "Sanskrit Manuscripts in China IV" vorgestellt wird, der von Francesco Sferra et al. herausgegeben wird. Die diplomatische Edition des ersten Drittels der Vadanyayatika (derzeit 242 Seiten) wird zusammen mit einer Beschreibung der physischen und paläographischen Merkmale des neu entdeckten Manuskripts im Jahr 2021 zur Veröffentlichung in der gemeinsamen Publikationsreihe "Sanskrit Texts from the Tibetan Autonomous Region" von Peking und Wien eingereicht werden.
- Hideo Ogawa, Hiroshima University - Japan
- Toru Tomabechi, International Institute for Digital Humanities - Japan
- Shoryu Katsura, Ryukoku University - Japan
- Hiroshi Marui, The University of Tokyo - Japan
- Motoi Ono, The University of Tsukuba - Japan
Research Output
- 4 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 1 Weitere Förderungen
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2020
Titel Some Remarks on the Kundeling Manuscript of Śāntarakṣita's Vādanyāyaṭkā Typ Journal Article Autor Yasutaka Muroya Journal Sanskrit Manuscripts in China (III). Proceedings of a panel at the 2016 Beijing International Seminar on Tibetan Studies, August 1 to 4 Seiten 243-288 Link Publikation -
2020
Titel On a fragment of Dignāga's Nyāyamukha Typ Journal Article Autor Yasutaka Muroya Journal Transmission and Transformation of Buddhist Logic and Epistemology in East Asia, Wiener Studien zur Tibetologie und Buddhismuskunde 97 Seiten 93-150 Link Publikation -
2020
Titel A New Critical Edition of Jñānagarbha's Satyadvayavibhaṅga with Śāntarakṣita's Commentary Typ Book Autor Yasutaka Muroya Verlag Arbeitskreis für Tibetische und Buddhistische Studien -
2020
Titel Genj yaku Inmy shrimon ron bon no futatsu no honbun densh ni tsuite [On the two textual transmissions of Xuanzang's translation of the Nyāyamukha] Typ Journal Article Autor Yasutaka Muroya Journal Journal of the Research Institute for Old Japanese Manuscripts of Buddhist Scriptures 5 Seiten 45-84 Link Publikation
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2021
Titel FWF Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2021 Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)