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Die Wirkung von "Es wird besser" Suizidpräventionsvideos für LGBQ-Jugendliche

Effects of "It Gets Better" Suicide Prevention Videos Targeting LGBQ Adolescents

Thomas Niederkrotenthaler (ORCID: 0000-0001-9550-628X)
  • Grant-DOI 10.55776/P30918
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 17.09.2018
  • Projektende 16.05.2022
  • Bewilligungssumme 139.700 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

    Suicide Pervention, Randomized Controlled Trial, LGBQ, It Gets Better Project Austria, Adeloscents, Suicide Awareness

Abstract Endbericht

Suizid zählt in den meisten westlichen Ländern, so auch in Österreich, zu den häufigsten Todesursachen unter jungen Menschen. Lesbische, schwule, bisexuelle und unsichere (LBSU) Jugendliche bilden eine besondere Risikogruppe, aber Evaluationen bzgl. der Wirksamkeit präventiver Interventionen für diese Gruppe fehlen. Nach mehreren Suiziden unter LBSU Jugendlichen entwickelten Freiwillige HelferInnen das Es Wird Besser Projekt mit dem Ziel, junge LBSU Jugendliche mit Schwierigkeiten aufgrund ihrer sexuellen Identität zu ermutigen, und Suizide zu verhüten. Dabei berichten LBSU Personen in Kurzvideos wie sie mit eigenen Schwierigkeiten umgegangen sind, und wie sich die Situation dadurch besserte. Das Projekt gibt es in mehreren Ländern einschließlich Österreich (www.eswirdbesser.at), es wurde bisher aber nicht evaluiert. Das Projekt wird in drei Phasen durchgeführt. In Phase 1 wird eine Liste der besten deutschsprachigen Videos basierend auf den Meinungen von LBS Jugendlichen und von SuizidpräventionsexpertInnen gebildet. In Phase 2 werden wir Fokusgruppen-diskussionen mit diesen Personen durchführen, um mehr darüber zu erfahren, welche Aspekte die Teilnehmenden für die Prävention von Suizid wichtig empfinden. In Phase 3 wird das jeweils beste Video das sich an Burschen/ Männer oder Mädchen/ Frauen wendet, hinsichtlich seiner Wirkung evaluiert. Insgesamt 288 14 bis 22 Jahre alte Jugendliche werden über Organisationen, die mit LBSU Jugendlichen arbeiten, wie zum Beispiel spezifischen Beratungsstellen und Jugendgruppen, zur Teilnahme eingeladen. Die TeilneherInnen werden dann zufällig entweder (a) das Es wird Besser Video oder (b) ein Kontrollvideo ansehen, das stilistisch dem Präventionsvideo ähnelt. Vor dem Beginn des Experiments werden die TeilnehmerInnen neben sozio-demographischen Angaben eine Reihe von Fragebögen ausfüllen, um verschiedene Aspekte ihrer sexuellen Identität sowie emotionaler Befindlichkeit zu erfassen, inklusive eines Fragebogens zur Beurteilung von gegenwärtiger Suizidalität, damit Personen mit Suizidrisiko frühzeitig Hilfe angeboten werden kann. Unmittelbar nach dem Sehen des Spots werden die TeilnehmerInnen dieselben Fragebögen wie davor, einen weiteren Fragebögen über den Spot selbst und über ihre Identifikation mit den ProtagonistInnen im Spot ausfüllen, um unmittelbare Effekte der Videos zu untersuchen. Vier Wochen nach dem Experiment werden die TeilnehmerInnen die Fragebögen erneut ausfüllen, um die Nachhaltigkeit zu analysieren. Wir werden untersuchen, ob die Effekte der Videos unterschiedlich sind, wenn sich die TeilnehmerInnen mit den gezeigten Personen identifizieren oder vulnerabel bezüglich Suizidalität sind, und auch je nach sexueller Orientierung und Identität. Das Projekt ist innovativ, da es Spots testen wird, die von LBSU Personen produziert wurden und daher vermutlich besser bei LBSU Jugendlichen ankommen. Es wird Material für Suizidpräventionskampagnen für Jugendliche in Österreich und anderswo liefern und kann letztendlich dazu beitragen, junge Leben zu retten. 1/1

Junge Menschen, die schwul, lesbisch, bisexuell, queer sind oder anderen sexuellen oder geschlechtlichen Minderheiten (LGBTQ+) angehören, haben ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und Suizidversuche. Das "It Gets Better" Projekt (IGBP; zu dt. "Es wird besser"; https://www.itgetsbetter.org) ist ein Suizidpräventionsprojekt, das sich speziell an junge LGBTQ+ Personen richtet, indem es kurze Videos mit hauptsächlich erwachsenen LGBTQ+ Personen verwendet, die ihre persönlichen Geschichten über Hoffnung und erfolgreiche Krisenbewältigung während ihres Coming-Out erzählen. Interventionen, die speziell auf LGBTQ+ Jugendliche zugeschnitten sind, sind rar und wurden bisher nicht getestet. Das Ziel dieses Projekts war daher, die Auswirkungen ausgewählter IGBP-Videos auf LGBTQ+ Jugendliche in Bezug auf psychische Ergebnisvariablen wie z.B. Suizidgedanken oder Hilfesuchabsichten zu testen. Das Projekt wurde in drei Phasen durchgeführt. Phase 1 beinhaltete eine Inhaltsanalyse aller österreichischen IGBP-Videos. In den Videos, die hauptsächlich die Perspektive schwuler Männer zeigten, wurde das Coming Out sowohl als positive Erfahrung als auch als Weg zur Verbesserung dargestellt. Suizidgedanken oder -versuche oder professionelle Hilfesuchmöglichkeiten wurden in den Videos kaum erwähnt. In Phase 2 wurden Fokusgruppen mit LGBQ+-Jugendlichen und Suizidpräventionsexpert:innen durchgeführt, um zu untersuchen wie sie ausgewählte IGBP-Videos wahrnehmen und wie diese verbessert werden könnten. Die Videos wurden als hilfreich empfunden und vermittelten ein Gefühl von Hoffnung. Kernaspekte zur Verbesserung der Videos, welche auch für positive Videoeffekte ausschlaggebend erschienen, waren die Steigerung der Identifikation mit den in den Videos gezeigten Personen, insbesondere durch die Anpassung der Videos an die Untergruppen. Dahingehend kritisierten die Teilnehmer:innen den derzeitigen Mangel an Videos mit trans* und bisexuellen Personen. Der schwache Fokus der Videobotschaften im Hinblick auf Umgang mit Suizidgedanken, deren Bewältigung sowie professionelle Hilfesuche wurde als entscheidende Verbesserungsbereiche identifiziert. In Phase 3 wurden zwei ausgewählte IGBP-Videos in einer randomisiert kontrollierten Studie mit LGBTQ+-Jugendlichen im Alter von 14-22 Jahren (n=483) getestet, die entweder einem IGBP- (n=242) oder einem Kontrollvideo (n=241) zugeteilt wurden. Es gab keine statistisch signifikante Gesamtwirkung auf Suizidgedanken, aber nicht-binäre und trans* Personen erlebten eine leichte Verbesserung, insbesondere jene mit depressiven Symptomen. Ein indirekter präventiver Effekt auf Suizidgedanken mittels Identifikation mit der im Video gezeigten Person konnte gefunden werden. Es gab auch eine leichte Verbesserung in Hilfesuchabsichten in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Ergebnisse liefern klare Hinweise dafür, dass Videoerzählungen, die positive Bewältigung von Widrigkeiten während des Coming-Out zeigen, ein gewisses Potenzial haben, um Suizidgedanken zu verringern und Hilfesuche unter gefährdeten Jugendlichen zu fördern, die sich mit Videos identifizieren. Zukünftige Videos sollten sorgfältig berücksichtigen, wie man Erzählungen auf bestimmte LGBTQ+-Gruppen hin ausrichtet, und wie man Umgang mit Suizidgedanken und Hilfesuchmöglichkeiten anspricht.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Jane Pirkis, The University of Melbourne - Australien
  • Madelyn Gould, Columbia University New York - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Daniel J. Reidenberg, SAVE - Suicide Awareness Voices of Education - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 159 Zitationen
  • 10 Publikationen
  • 1 Policies
  • 3 Disseminationen
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2022
    Titel Effects of 'It Gets Better' Suicide Prevention Videos Targeting LGBTQ+ Adolescents
    Typ PhD Thesis
    Autor Stefanie Kirchner
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Effects of media stories of hope and recovery on suicidal ideation and help-seeking attitudes and intentions: systematic review and meta-analysis
    DOI 10.1016/s2468-2667(21)00274-7
    Typ Journal Article
    Autor Niederkrotenthaler T
    Journal The Lancet Public Health
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Effects of “It Gets Better” Suicide Prevention Videos on Youth Identifying as Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, or Other Sexual or Gender Minorities: A Randomized Controlled Trial
    DOI 10.1089/lgbt.2021.0383
    Typ Journal Article
    Autor Kirchner S
    Journal LGBT Health
    Seiten 436-446
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Period effects in the risk of labour market marginalization among refugees in Sweden: a register-based cohort study
    DOI 10.1093/eurpub/ckac156
    Typ Journal Article
    Autor Kirchner S
    Journal European Journal of Public Health
    Seiten 106-113
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Systematic review and meta-analyses of suicidal outcomes following fictional portrayals of suicide and suicide attempt in entertainment media
    DOI 10.1016/j.eclinm.2021.100922
    Typ Journal Article
    Autor Niederkrotenthaler T
    Journal EClinicalMedicine
    Seiten 100922
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Mental health over nine months during the SARS-CoV2 pandemic: Representative cross-sectional survey in twelve waves between April and December 2020 in Austria
    DOI 10.1016/j.jad.2021.08.153
    Typ Journal Article
    Autor Niederkrotenthaler T
    Journal Journal of Affective Disorders
    Seiten 49-58
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Perceptions of LGBQ+ youth and experts of suicide prevention video messages targeting LGBQ+ youth: qualitative study
    DOI 10.1186/s12889-020-09853-5
    Typ Journal Article
    Autor Kirchner S
    Journal BMC Public Health
    Seiten 1845
    Link Publikation
  • 2020
    Titel It Gets Better Videos for Suicide Prevention in LGBTIQ+ Adolescents
    DOI 10.1027/0227-5910/a000691
    Typ Journal Article
    Autor Kirchner S
    Journal Crisis: The Journal of Crisis Intervention and Suicide Prevention
    Seiten 92-99
  • 2020
    Titel Additional file 1 of Perceptions of LGBQ+ youth and experts of suicide prevention video messages targeting LGBQ+ youth: qualitative study
    DOI 10.6084/m9.figshare.13324136
    Typ Other
    Autor Kirchner S
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Additional file 1 of Perceptions of LGBQ+ youth and experts of suicide prevention video messages targeting LGBQ+ youth: qualitative study
    DOI 10.6084/m9.figshare.13324136.v1
    Typ Other
    Autor Kirchner S
    Link Publikation
Policies
  • 2019
    Titel Recommendations on how to improve suicide prevention videos targeting LGBTQ+ youth
    Typ Contribution to new or Improved professional practice
Disseminationen
  • 2020
    Titel Science Lunch at the Center for Public Health, Medical University of Vienna, Austria
    Typ A talk or presentation
  • 2020
    Titel Reports about the project and its findings in the media
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
  • 2020
    Titel LesBiGay Youth Meeting Suicide Prevention Workshop
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2019
    Titel Keynote speaker at the 30th World Congress of the International Association for Suicide Prevention
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2019
    Titel Veronika Fialka Moser Diversity Award - 3rd place in the category "Science"
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)

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