Die Wirkung von "Es wird besser" Suizidpräventionsvideos für LGBQ-Jugendliche
Effects of "It Gets Better" Suicide Prevention Videos Targeting LGBQ Adolescents
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
-
Suicide Pervention,
Randomized Controlled Trial,
LGBQ,
It Gets Better Project Austria,
Adeloscents,
Suicide Awareness
Suizid zählt in den meisten westlichen Ländern, so auch in Österreich, zu den häufigsten Todesursachen unter jungen Menschen. Lesbische, schwule, bisexuelle und unsichere (LBSU) Jugendliche bilden eine besondere Risikogruppe, aber Evaluationen bzgl. der Wirksamkeit präventiver Interventionen für diese Gruppe fehlen. Nach mehreren Suiziden unter LBSU Jugendlichen entwickelten Freiwillige HelferInnen das Es Wird Besser Projekt mit dem Ziel, junge LBSU Jugendliche mit Schwierigkeiten aufgrund ihrer sexuellen Identität zu ermutigen, und Suizide zu verhüten. Dabei berichten LBSU Personen in Kurzvideos wie sie mit eigenen Schwierigkeiten umgegangen sind, und wie sich die Situation dadurch besserte. Das Projekt gibt es in mehreren Ländern einschließlich Österreich (www.eswirdbesser.at), es wurde bisher aber nicht evaluiert. Das Projekt wird in drei Phasen durchgeführt. In Phase 1 wird eine Liste der besten deutschsprachigen Videos basierend auf den Meinungen von LBS Jugendlichen und von SuizidpräventionsexpertInnen gebildet. In Phase 2 werden wir Fokusgruppen-diskussionen mit diesen Personen durchführen, um mehr darüber zu erfahren, welche Aspekte die Teilnehmenden für die Prävention von Suizid wichtig empfinden. In Phase 3 wird das jeweils beste Video das sich an Burschen/ Männer oder Mädchen/ Frauen wendet, hinsichtlich seiner Wirkung evaluiert. Insgesamt 288 14 bis 22 Jahre alte Jugendliche werden über Organisationen, die mit LBSU Jugendlichen arbeiten, wie zum Beispiel spezifischen Beratungsstellen und Jugendgruppen, zur Teilnahme eingeladen. Die TeilneherInnen werden dann zufällig entweder (a) das Es wird Besser Video oder (b) ein Kontrollvideo ansehen, das stilistisch dem Präventionsvideo ähnelt. Vor dem Beginn des Experiments werden die TeilnehmerInnen neben sozio-demographischen Angaben eine Reihe von Fragebögen ausfüllen, um verschiedene Aspekte ihrer sexuellen Identität sowie emotionaler Befindlichkeit zu erfassen, inklusive eines Fragebogens zur Beurteilung von gegenwärtiger Suizidalität, damit Personen mit Suizidrisiko frühzeitig Hilfe angeboten werden kann. Unmittelbar nach dem Sehen des Spots werden die TeilnehmerInnen dieselben Fragebögen wie davor, einen weiteren Fragebögen über den Spot selbst und über ihre Identifikation mit den ProtagonistInnen im Spot ausfüllen, um unmittelbare Effekte der Videos zu untersuchen. Vier Wochen nach dem Experiment werden die TeilnehmerInnen die Fragebögen erneut ausfüllen, um die Nachhaltigkeit zu analysieren. Wir werden untersuchen, ob die Effekte der Videos unterschiedlich sind, wenn sich die TeilnehmerInnen mit den gezeigten Personen identifizieren oder vulnerabel bezüglich Suizidalität sind, und auch je nach sexueller Orientierung und Identität. Das Projekt ist innovativ, da es Spots testen wird, die von LBSU Personen produziert wurden und daher vermutlich besser bei LBSU Jugendlichen ankommen. Es wird Material für Suizidpräventionskampagnen für Jugendliche in Österreich und anderswo liefern und kann letztendlich dazu beitragen, junge Leben zu retten. 1/1
Junge Menschen, die schwul, lesbisch, bisexuell, queer sind oder anderen sexuellen oder geschlechtlichen Minderheiten (LGBTQ+) angehören, haben ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und Suizidversuche. Das "It Gets Better" Projekt (IGBP; zu dt. "Es wird besser"; https://www.itgetsbetter.org) ist ein Suizidpräventionsprojekt, das sich speziell an junge LGBTQ+ Personen richtet, indem es kurze Videos mit hauptsächlich erwachsenen LGBTQ+ Personen verwendet, die ihre persönlichen Geschichten über Hoffnung und erfolgreiche Krisenbewältigung während ihres Coming-Out erzählen. Interventionen, die speziell auf LGBTQ+ Jugendliche zugeschnitten sind, sind rar und wurden bisher nicht getestet. Das Ziel dieses Projekts war daher, die Auswirkungen ausgewählter IGBP-Videos auf LGBTQ+ Jugendliche in Bezug auf psychische Ergebnisvariablen wie z.B. Suizidgedanken oder Hilfesuchabsichten zu testen. Das Projekt wurde in drei Phasen durchgeführt. Phase 1 beinhaltete eine Inhaltsanalyse aller österreichischen IGBP-Videos. In den Videos, die hauptsächlich die Perspektive schwuler Männer zeigten, wurde das Coming Out sowohl als positive Erfahrung als auch als Weg zur Verbesserung dargestellt. Suizidgedanken oder -versuche oder professionelle Hilfesuchmöglichkeiten wurden in den Videos kaum erwähnt. In Phase 2 wurden Fokusgruppen mit LGBQ+-Jugendlichen und Suizidpräventionsexpert:innen durchgeführt, um zu untersuchen wie sie ausgewählte IGBP-Videos wahrnehmen und wie diese verbessert werden könnten. Die Videos wurden als hilfreich empfunden und vermittelten ein Gefühl von Hoffnung. Kernaspekte zur Verbesserung der Videos, welche auch für positive Videoeffekte ausschlaggebend erschienen, waren die Steigerung der Identifikation mit den in den Videos gezeigten Personen, insbesondere durch die Anpassung der Videos an die Untergruppen. Dahingehend kritisierten die Teilnehmer:innen den derzeitigen Mangel an Videos mit trans* und bisexuellen Personen. Der schwache Fokus der Videobotschaften im Hinblick auf Umgang mit Suizidgedanken, deren Bewältigung sowie professionelle Hilfesuche wurde als entscheidende Verbesserungsbereiche identifiziert. In Phase 3 wurden zwei ausgewählte IGBP-Videos in einer randomisiert kontrollierten Studie mit LGBTQ+-Jugendlichen im Alter von 14-22 Jahren (n=483) getestet, die entweder einem IGBP- (n=242) oder einem Kontrollvideo (n=241) zugeteilt wurden. Es gab keine statistisch signifikante Gesamtwirkung auf Suizidgedanken, aber nicht-binäre und trans* Personen erlebten eine leichte Verbesserung, insbesondere jene mit depressiven Symptomen. Ein indirekter präventiver Effekt auf Suizidgedanken mittels Identifikation mit der im Video gezeigten Person konnte gefunden werden. Es gab auch eine leichte Verbesserung in Hilfesuchabsichten in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Ergebnisse liefern klare Hinweise dafür, dass Videoerzählungen, die positive Bewältigung von Widrigkeiten während des Coming-Out zeigen, ein gewisses Potenzial haben, um Suizidgedanken zu verringern und Hilfesuche unter gefährdeten Jugendlichen zu fördern, die sich mit Videos identifizieren. Zukünftige Videos sollten sorgfältig berücksichtigen, wie man Erzählungen auf bestimmte LGBTQ+-Gruppen hin ausrichtet, und wie man Umgang mit Suizidgedanken und Hilfesuchmöglichkeiten anspricht.
- Jane Pirkis, The University of Melbourne - Australien
- Madelyn Gould, Columbia University New York - Vereinigte Staaten von Amerika
- Daniel J. Reidenberg, SAVE - Suicide Awareness Voices of Education - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 159 Zitationen
- 10 Publikationen
- 1 Policies
- 3 Disseminationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2022
Titel Effects of 'It Gets Better' Suicide Prevention Videos Targeting LGBTQ+ Adolescents Typ PhD Thesis Autor Stefanie Kirchner Link Publikation -
2022
Titel Effects of media stories of hope and recovery on suicidal ideation and help-seeking attitudes and intentions: systematic review and meta-analysis DOI 10.1016/s2468-2667(21)00274-7 Typ Journal Article Autor Niederkrotenthaler T Journal The Lancet Public Health Link Publikation -
2022
Titel Effects of “It Gets Better” Suicide Prevention Videos on Youth Identifying as Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, or Other Sexual or Gender Minorities: A Randomized Controlled Trial DOI 10.1089/lgbt.2021.0383 Typ Journal Article Autor Kirchner S Journal LGBT Health Seiten 436-446 Link Publikation -
2022
Titel Period effects in the risk of labour market marginalization among refugees in Sweden: a register-based cohort study DOI 10.1093/eurpub/ckac156 Typ Journal Article Autor Kirchner S Journal European Journal of Public Health Seiten 106-113 Link Publikation -
2021
Titel Systematic review and meta-analyses of suicidal outcomes following fictional portrayals of suicide and suicide attempt in entertainment media DOI 10.1016/j.eclinm.2021.100922 Typ Journal Article Autor Niederkrotenthaler T Journal EClinicalMedicine Seiten 100922 Link Publikation -
2021
Titel Mental health over nine months during the SARS-CoV2 pandemic: Representative cross-sectional survey in twelve waves between April and December 2020 in Austria DOI 10.1016/j.jad.2021.08.153 Typ Journal Article Autor Niederkrotenthaler T Journal Journal of Affective Disorders Seiten 49-58 Link Publikation -
2020
Titel Perceptions of LGBQ+ youth and experts of suicide prevention video messages targeting LGBQ+ youth: qualitative study DOI 10.1186/s12889-020-09853-5 Typ Journal Article Autor Kirchner S Journal BMC Public Health Seiten 1845 Link Publikation -
2020
Titel It Gets Better Videos for Suicide Prevention in LGBTIQ+ Adolescents DOI 10.1027/0227-5910/a000691 Typ Journal Article Autor Kirchner S Journal Crisis: The Journal of Crisis Intervention and Suicide Prevention Seiten 92-99 -
2020
Titel Additional file 1 of Perceptions of LGBQ+ youth and experts of suicide prevention video messages targeting LGBQ+ youth: qualitative study DOI 10.6084/m9.figshare.13324136 Typ Other Autor Kirchner S Link Publikation -
2020
Titel Additional file 1 of Perceptions of LGBQ+ youth and experts of suicide prevention video messages targeting LGBQ+ youth: qualitative study DOI 10.6084/m9.figshare.13324136.v1 Typ Other Autor Kirchner S Link Publikation
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2019
Titel Recommendations on how to improve suicide prevention videos targeting LGBTQ+ youth Typ Contribution to new or Improved professional practice
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2020
Titel Science Lunch at the Center for Public Health, Medical University of Vienna, Austria Typ A talk or presentation -
2020
Titel Reports about the project and its findings in the media Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview -
2020
Titel LesBiGay Youth Meeting Suicide Prevention Workshop Typ Participation in an activity, workshop or similar
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2019
Titel Keynote speaker at the 30th World Congress of the International Association for Suicide Prevention Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2019
Titel Veronika Fialka Moser Diversity Award - 3rd place in the category "Science" Typ Research prize Bekanntheitsgrad Regional (any country)