Modulation niedervalenter Zustände von Gruppe 4 - und seltenen Erdmetallen
Tuning Reduced States of Group 4 and Rare Earth Metals
Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (100%)
Keywords
-
Rare Earth Metals,
Group 4 Metals,
Electron Transfer,
Reduction,
Silicon
Mit der Entdeckung von Ferrocen vor ca. 65 Jahren hat sich unser Verständnis der Bindungsverhältnissein Metallverbindungen grundlegendgeändert. Obwohl in den ursprünglichen Publikationen die korrekte Struktur dieser Verbindung noch nicht angegeben werden konnte erkannten Chemiker der Harvard University und der TU München, dass es sich bei der neuen Verbindung um den Prototypen einer gänzlich neuen Substanzklasse handelte: jener der Metallocene. Die bindende Wechselwirkung zwischen einem Metallatom (Eisen) und einer organischen -Bindung war zu jener Zeit völlig unerwartet und sie revolutionierte unsere Sichtweise der Interaktion zwischen Metallatomen und organischen Gruppen. Der organische Rest in Ferrocen ist die Cyclopentadienylgruppe (Cp), welche mittlerweile in unzähligen Verbindungen gefunden werden kann, darunter viele Katalysatoren industriell bedeutsamer Reaktionen. Interessanterweise gründet sich die Popularität des Cp-Liganden nicht auf seine spektakuläre Reaktivität. Vielmehr schätzt man ihn als Gruppe welche dem Metallatom Elektronendichte bereitstellt aber nicht an der eigentlichen Reaktion teilnimmt. Cp-Komplexe sind von allen Übergangsmetallen (Metallocene) und von allen Lanthaniden (Lanthanocene) bekannt. Wobei die Metallocene wesentlich besser untersucht sind, da verglichen mit den Lanthaniden die Übergangsmetalle als synthetisch nützlicher erachtet wurden. Ersteren wurden wegen ihrer starken Präferenz für die Oxidationsstufe +3 wenig synthetisches Potential zugebilligt. Während der letzten Jahre zeigte sich jedoch, dass sowohl Gruppe 4 Metallkomplexe wie auch Lanthanidverbindungen in reduzierten Oxidationsstufen unter anderem dazu in der Lage sind mit Stickstoff und ähnlichen kleinen, vergleichsweise unreaktiven Molekülen zu reagieren. Eine sorgfältige Analyse dieser Komplexe ergibt, dass diese spezielle Reaktivität eng mit der Lage der Energiezustände der reduzierten Verbindungen verknüpft ist, und dass diese Zustände durch die Wahl geeigneter Cp-Liganden beeinflusst werden können. Kürzlich konnten Evans und Mitarbeiter zeigen, dass es möglich ist stabile Cp-Komplexe von allen Lanthaniden in der Oxidationsstufe +2 herzustellen. Basierend auf den bekannten Redox- Eigenschaften freier Lanthanidionen sollte dies eigentlich nicht möglich sein. Evans Arbeiten deuten jedoch darauf hin, dass das zusätzliche Elektron einiger dieser Ln(II)-Verbindungen nicht in einem f- sondern in einem d-Orbital lokalisiert ist. Die energetische Zugänglichkeit dieses Orbitals wird durch das Ligandfeld eines silylierten Cp-Liganden erklärt. Die Hauptintention des vorliegenden Antrags ist es deshalb Einflüsse silylierter Cp-Liganden und der strukturelle verwandten Silole, Germole und Stannole auf die Lage der Orbitalenergien zu untersuchen, rauszufinden ob es sich dabei um einen allgemeinen Effekt handelt und einen Weg zu finden diese in geeigneter Art und Weise zu manipulieren um neue Reaktivität zu generieren.
In den letzten Jahren kam es zu einer Neubewertung der Chemie der sogenannten Seltenen Erden (SE)-Elemente. Bisher wurde angenommen, dass die chemischen Eigenschaften aller SE sehr ähnlich sind und sich nur die Ionenradien unterscheiden, sowie dass SE für katalytische Prozesse den Übergangsmetallen weit unterlegen sind. Jüngst wurden jedoch zahlreiche katalytische Verfahren auf Basis von SE-Elementen entwickelt. Unser Beitrag befasst sich mit Silyllanthanoiden, einer Klasse hochreaktiver Verbindungen. Obwohl es 17 SE-Elemente gibt, wurden die meisten der bekannten Silylkomplexe mit Samarium und Ytterbium synthetisiert. Unsere Arbeit befasst sich einem für alle SE-Elemente geeigneten Ligand System, und zeigt erstmals Verbindungen mit Bindungen zwischen Silicium und den SE-Elementen Lanthan und Praseodym. Ein weiterer Teil des Projekts beschäftigte sich mit der Untersuchung von Silolen, einer Klasse zyklischer Siliciumverbindungen mit interessanten photophysikalischen Eigenschaften, die beispielsweise zur Herstellung organischer Leuchtdioden (OLEDs) in elektronischen Displays verwendet wird. Durch Verknüpfung von Silolen mit Polysilanen anorganische Verbindungen mit delokalisierten Elektronen ist eine gezielte Feinabstimmung der photophysikalischen Eigenschaften von Silolen möglich. Eines unser langfristigen Ziele ist die Etablierung einer Toolbox von Transformationen für den Aufbau komplexer Organosiliciumverbindungen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Verwendung von Silaniden, negativ geladenen Siliciumverbindungen. In Kombination mit positiv polarisierten Siliciumverbindungen (Elektrophilen) führen sie zur Bildung einer Silicium-Silicium-Bindung. Eine wünschenswerte Eigenschaft von Silaniden sind funktionelle Gruppen, die nach der Bildung einer Si-Si-Bindung weitere Umwandlungen ermöglichen. Unser neuester Beitrag zu diesem Gebiet ist die einfache Synthese von Silaniden mit einem Halogenid, in der Nähe des negativ geladenen Si-Atoms. Diese Verbindungen sind ambiphil, d. h. sie können mit positiv und negativ geladenen Reagenzien reagieren, was sie zu vielseitigen Bausteinen macht Hyperkoordinierte Siliciumverbindungen sind ein weiterer Bereich, den wir untersuchen. Da Silicium größer als Kohlenstoff ist, kann es mit zusätzliche Liganden die traditionelle tetravalente Bindungssituation erweitern. Die Anwesenheit dieser Lewis-basischen Gruppen übt einen (schwächenden) Einfluss auf die anderen Bindungen aus. Dieser Effekt kann zur Bindungsaktivierung oder Manipulation physikalischer Eigenschaften genutzt werden. Nachdem wir bislang mit Silatranen gearbeitet haben, bei denen ein Stickstoffatom durch drei Henkel mit einem Siliciumatom verknüpft ist, haben wir nun damit begonnen, Verbindungen mit einer höheren molekularen Flexibilität zu untersuchen. Diese könnten als Schalter im Zusammenhang mit der Entwicklung molekularer Schaltkreise für zukünftige elektronische Geräte verwendet werden.
- Technische Universität Graz - 100%
- Thomas Müller, Carl von Ossietzky Universität - Deutschland
- Viatcheslav V. Jouikov, Université de Rennes I - Frankreich
- Tibor Szilvasi, University of Alabama - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 149 Zitationen
- 17 Publikationen
- 1 Disseminationen
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2021
Titel Oligosilanylated Silocanes † DOI 10.3390/molecules26010244 Typ Journal Article Autor Meshgi M Journal Molecules Seiten 244 Link Publikation -
2018
Titel Hypercoordinated Oligosilanes Based on Aminotrisphenols DOI 10.1021/acsomega.8b01402 Typ Journal Article Autor Meshgi M Journal ACS Omega Seiten 10317-10330 Link Publikation -
2018
Titel Synthesis of Potassium Oligosilanides in Benzene DOI 10.1002/ejic.201800099 Typ Journal Article Autor Zitz R Journal European Journal of Inorganic Chemistry Seiten 2380-2386 Link Publikation -
2021
Titel Silole allylic anions instead of silanides DOI 10.1039/d1dt02363b Typ Journal Article Autor Pöcheim A Journal Dalton Transactions Seiten 16945-16949 Link Publikation -
2021
Titel Rare-Earth–Silyl ate-Complexes Opening a Door to Selective Manipulations DOI 10.1021/acs.inorgchem.1c00904 Typ Journal Article Autor Po¨Cheim A Journal Inorganic Chemistry Seiten 8218-8226 Link Publikation -
2020
Titel The Combination of Cross-Hyperconjugation and s-Conjugation in 2,5-Oligosilanyl Substituted Siloles DOI 10.1002/chem.202003150 Typ Journal Article Autor Pöcheim A Journal Chemistry – A European Journal Seiten 17252-17260 Link Publikation -
2020
Titel A 1,5-Oligosilanylene Dianion as Building Block for Oligosiloxane Containing Cages, Ferrocenophanes, and Cyclic Germylenes and Stannylenes DOI 10.3390/molecules25061322 Typ Journal Article Autor Zitz R Journal Molecules Seiten 1322 Link Publikation -
2019
Titel ß-Amino- and Alkoxy-Substituted Disilanides DOI 10.3390/molecules24213823 Typ Journal Article Autor Balatoni I Journal Molecules Seiten 3823 Link Publikation -
2019
Titel Exchange coupling in a frustrated trimetric molecular magnet reversed by a 1D nano-confinement DOI 10.1039/c9nr00796b Typ Journal Article Autor Domanov O Journal Nanoscale Seiten 10615-10621 Link Publikation -
2019
Titel Heterobimetallic Ru(µ-dppm)Fe and homobimetallic Ru(µ-dppm)Ru complexes as potential anti-cancer agents DOI 10.1016/j.jorganchem.2019.120934 Typ Journal Article Autor Herry B Journal Journal of Organometallic Chemistry Seiten 120934 -
2019
Titel Disilene Fluoride Adducts versus ß-Halooligosilanides DOI 10.1021/acs.inorgchem.9b02223 Typ Journal Article Autor Balatoni I Journal Inorganic Chemistry Seiten 14185-14192 -
2018
Titel Spirocyclic germanes via transannular insertion reactions of vinyl germylenes into Si–Si bonds DOI 10.1039/c8dt00315g Typ Journal Article Autor Walewska M Journal Dalton Transactions Seiten 5985-5996 Link Publikation -
2022
Titel Metallacyclosilanes of Calcium, Yttrium, and Iron DOI 10.1021/acs.inorgchem.2c02508 Typ Journal Article Autor Po¨Cheim A Journal Inorganic Chemistry Seiten 17527-17536 Link Publikation -
2019
Titel Group 4 Metal and Lanthanide Complexes in the Oxidation State +3 with Tris(trimethylsilyl)silyl Ligands DOI 10.1021/acs.inorgchem.9b00866 Typ Journal Article Autor Zitz R Journal Inorganic Chemistry Seiten 7107-7117 Link Publikation -
2019
Titel Chemistry of a 1,5-Oligosilanylene Dianion Containing a Disiloxane Unit DOI 10.1021/acs.organomet.9b00013 Typ Journal Article Autor Zitz R Journal Organometallics Seiten 1159-1167 Link Publikation -
2019
Titel Spectroscopic and Structural Study of Some Oligosilanylalkyne Complexes of Cobalt, Molybdenum and Nickel DOI 10.3390/molecules24010205 Typ Journal Article Autor Zirngast M Journal Molecules Seiten 205 Link Publikation -
2020
Titel 1,2- and 1,1-Migratory Insertion Reactions of Silylated Germylene Adducts DOI 10.3390/molecules25030686 Typ Journal Article Autor Walewska M Journal Molecules Seiten 686 Link Publikation
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2018
Titel 9th European Silicon Days, Saarbrücken, Germany, 9-12.9. 2018 Typ A talk or presentation