Design von SCO-Liganden mit Azolen und Gruppe 14 Elementen
Rational Design of Azoles and Group 14 element as SCO-ligand
Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (100%)
Keywords
-
Iron(Ii),
Spin Crossover,
Azole Ligands,
Group 14 Elements
Bistabile magnetische Materialien, welche zwischen zwei magnetischen Zuständen schalten können, stehen derzeit im Fokus der Forschung für eine potentielle Anwendbarkeit in der nächsten Generation miniaturisierter Bauelemente, basierend auf magneto-optischen Technologien. Eine Materialklasse, welche für diesen Zweck bestens geeignet wäre, ist jene der spin-schaltbaren (Eisen) Verbindungen. Sie ermöglichen einen Wechsel des aktuellen Spinzustandes durch einen externen Einfluss wie Temperatur, Licht, Druck, etc. Dieser Effekt, bezeichnet als Spinübergang, ist eine Eigenschaft dieser Moleküle, was die grundlegende Voraussetzung für das Design eines Schalters auf molekularer Ebene darstellt. Nachdem es immer noch kein allgemein gültiges Struktur-Eigenschaftskonzept gibt, um eine gewünschte Spinübergangseigenschaft (also z.B. bei welcher Temperatur und wie abrupt ein derartiges System seinen Spinzustand ändert) rational zu designen, wurde bisher in der Literatur über vergleichende Studien von einander ähnlichen Verbindungen versucht Bauanleitungen für dieses rationale Design abzuleiten. Sehr oft ist man aber nicht in der Lage die verschiedenen Faktoren, die das Spinübergangsverhalten beeinflussen (Donorstärke des Liganden, räumliche Anordnung des Liganden, verwendetes schwach-koordinierendes Anion, Einbau eventuell nicht-stöchiometrischer Mengen von Lösungsmittel, intermolekulare Wechselwirkungen, etc) separat zu untersuchen. Daher haben wir einen neuen Ansatz gewählt, indem wir 3 unterschiedliche stickstoffhältige Fünfringsysteme (Tetrazol, Imidazol und Pyrazol) mit immer dem gleichen Satz an Substituenten versehen, damit die räumliche Anordnung und intermolekulare Wechselwirkungen möglichst gleich bleiben. Einmal gehen wir von bekannten Tetrazol-Systemen und deren Eisen(II)-Spin Crossover- Komplexen aus und bauen die analogen Imidazol- und Pyrazol-Liganden und deren Eisen(II)- Komplexe nach, und ein anderes Mal gehen wir von bekannten Pyrazol-Komplexen aus und bauen die analogen Imidazol und Tetrazol-Komplexe nach. In beiden Fällen erhoffen wir dadurch eine Entkopplung der sterischen Faktoren und intermolekularer Wechselwirkungen von den rein aufgrund der Donorstärke des koordinierenden Azol-Ringes wirkenden Eigenschaften zu erreichen und somit einen weiteren Erkenntnisgewinn hin zu einem Struktur-Eigenschafts-Zusammenhang von Spin Crossover-Komplexen zu erlangen. Die vielversprechendsten Liganden werden dann mit Gruppe 14 Elementen (Si, Ge, Sn, Pb) statt C direkt neben dem Azol-Ring substituiert um die Spinübergangstemperatur in den Bereich der Raumtemperatur zu verschieben, um somit einer praktischen Anwendung näher zu kommen.
Es konnte durch Modifizierung der stickstoffhältigen Ligandensysteme Eisen(II)-Verbindungen hergestellt werden, die völlig neuartige vierkernige redox-aktive Eisen-Sauerstoff-Cluster bilden, die möglicherweise in Zukunft eine Anwendung im Bereich von Elektronenübertragungsreaktionen z.B. in der Katalyse finden könnten. Dies gelang durch schrittweises Ersetzen von bisher in der Forschungsgruppe von Associate Prof. Peter Weinberger bestens untersuchten Tetrazol-Ringen durch Imidazol- und Pyridin-Ringe unter sonst gleichbleibender Molekülstruktur. Dabei bildeten sich erwartungsgemäß zuerst oktaedrische Eisenkomplexe mit diesen neuen Verbindungen. Völlig unerwartet und neuartig war jedoch deren Weiterreaktion zu vierkernigen würfelartigen Fe4O4-Cubane-Strukturen. Diese neuen vierkernigen Eisen(II)-Komplexe können reversibel und schrittweise zu Eisen(II) aufoxidiert und wieder zu Eisen(II) zurück reduziert werden, ohne dass die Molekülstruktur zerstört wird. Analoge Fe4S4-Cubane-Strukturen kennt man aus biologischen Systemen, unseres Wissens nach sind aber die von uns reproduzierbar hergestellten redox-aktiven Fe4O4-Cubane vollkommen neu. Sie könnten eine Basis für neuartige chirale Katalysesysteme mit leicht verfügbaren Elementen (Eisen) darstellen. Weiters wurde der Grundstein gelegt für eine neue Familie von photolumineszenten Ligandenmolekülen, die auf im Rahmen des Projektes entwickelten Tetrazol-Carbonsäure-Verbindungen basieren. Somit kann in Zukunft die Forschung an bistabilen Eisen-Komplexverbindungen mit magnetisch interessanten Eigenschaften mit davon abhängigem Photolumineszenzverhalten auf Basis der vielseitig einsetzbaren Tetrazol-Bausteine begründet werden. Dabei wurde in einem im Projekt ursprünglich nicht geplanten Versuch die bereits erwähnten Tetrazol-Verbindungen mit Carbonsäuren unterschiedlicher Kettenlängen substituiert, sodaß zwischen der organischen Säuregruppe und dem koordinierenden Tetrazolring ein bis drei Kohlenstoffatome als Spacer fungieren. Auch diese neuartigen Verbindungen zeigen in Eisen(II)-Komplexen das gewünschte Spinübergangsverhalten. Diese Verbindungen könnten in Zukunft eine Gruppe von interessanten Ausgangsverbindungen darstellen, um bestens bekannte fluoreszierende Moleküle wie das BODIPY anzudocken. Somit konnte eine Grundlage für ein neues Forschungsfeld in Richtung photoluminizenten Eisen(II) Spin Crossover-Verbindungen auf Basis der vielseitig modifizierbaren Tetrazol-Liganden begründet werden. Ein neues Projekt auf Basis dieser Erkenntnis ist in Ausarbeitung.
- Technische Universität Wien - 100%
Research Output
- 23 Zitationen
- 9 Publikationen
- 1 Patente
- 1 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2025
Titel T 1/2 Tuning in a Synergistic BODIPY-Tetrazole Fe(II) Spin Crossover-Photoluminescence System via Counterion Variation DOI 10.1021/acs.cgd.5c00492 Typ Journal Article Autor Huber M Journal Crystal Growth & Design Seiten 8875-8885 Link Publikation -
2025
Titel Structural tuning of tetrazole-BODIPY Ag( i ) coordination compounds via co-ligand addition and counterion variation DOI 10.1039/d5ce00197h Typ Journal Article Autor Schöbinger M Journal CrystEngComm Seiten 2689-2697 Link Publikation -
2024
Titel A New Family of Fe(II) 1-Propyl-1H-Imidazole Complexes with Mono-, Bi-, and Tetra-Nuclear Members DOI 10.1002/ejic.202400358 Typ Journal Article Autor Zeni W Journal European Journal of Inorganic Chemistry -
2024
Titel Design, Synthesis and Characterization of BODIPY based 1H-Tetrazole Ligands DOI 10.1002/ejoc.202401239 Typ Journal Article Autor Huber M Journal European Journal of Organic Chemistry Link Publikation -
2022
Titel Solvothermal One-Pot Synthesis of a New Family of Chiral [Fe4O4]-Cubane Clusters with Redox Active Cores DOI 10.3390/magnetochemistry8090095 Typ Journal Article Autor Seifried M Journal Magnetochemistry Seiten 95 Link Publikation -
2020
Titel Ammonium bis(salicylaldehyde thiosemicarbazonato)ferrate(III), a supramolecular material containing low-spin FeIII DOI 10.1107/s2053229620006452 Typ Journal Article Autor Powell R Journal Acta Crystallographica Section C Seiten 625-631 Link Publikation -
2018
Titel Cooperativity in spin crossover materials as ligand's responsibility – investigations of the Fe( ii ) – 1,3-bis((1 H -tetrazol-1-yl)methyl)bicyclo[1.1.1]pentane system DOI 10.1039/c8dt00781k Typ Journal Article Autor Knoll C Journal Dalton Transactions Seiten 5553-5557 Link Publikation -
2020
Titel Bifunctional Fe( ii ) spin crossover-complexes based on ?-(1 H -tetrazol-1-yl) carboxylic acids DOI 10.1039/d0dt03315d Typ Journal Article Autor Zeni W Journal Dalton Transactions Seiten 17183-17193 Link Publikation -
2020
Titel Controlling Complexation Behavior of Early Lanthanides via the Subtle Interplay of their Lewis Acidity with the Chemical Stability of 5,5'-(Azobis)tetrazolide DOI 10.1002/zaac.202000384 Typ Journal Article Autor Weinberger P Journal Zeitschrift für anorganische und allgemeine Chemie Seiten 1882-1885 Link Publikation
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2018
Titel Loschmidt Prize 2018 Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country)