Schriftkultur und Wirtschaftsleben im spätantiken Ephesos
Writing Culture and Econoic Life in Late Antique Ephesus
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)
Keywords
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Ephesus,
Late Antiquity,
Ostraca,
Inscriptions on Pottery,
Writing Culture,
Economic Life
Die Basis des beantragten Projektes sind ca. 60 neu gefundene Tonscherben mit Ritzinschriften, die in den Ruinen des spätantiken Ephesos (5.7. Jh. n. Chr.) freigelegt wurden. Sie wurden im Zuge von Grabungen entdeckt, die vom Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) in den Jahren 2011 bis 2015 durchgeführt wurden. Die neuen Tonscherben mit Ritzinschriften lassen sich in zwei Fundgruppen gliedern: Die eine Gruppe wurde vor dem Eingangsbereich zu jener Kirche, die im 4./5. Jahrhundert auf den Fundamenten des Serapeion erbaut wurde, die andere in den Räumlichkeiten der sogenannten, südlich an die Marienkirche anschließenden, neu ausgegrabenen spätantiken Residenz freigelegt. Etwa die Hälfte der Tonscherben wurde offenbar zur Niederschrift kurzer Geschäftsbriefe, von Anweisungen oder listenartiger Abrechnungen genutzt und sind daher als Ostraka einzustufen. Bei der anderen Hälfte handelt es sich um Besitzerinschriften oder Inhaltsangaben, die in Gegenstände des täglichen Gebrauchs (instrumenta domestica), in unserem Fall in die Oberfläche von (einst) funktionstüchtiger Gebrauchskeramik, eingeritzt wurden. Eine eingehende Untersuchung dieses neuen epigraphischen Quellenmaterials wird zeigen, dass es von wesentlicher Bedeutung für das Verständnis der Schriftkultur und des Wirtschaftslebens im spätantiken Ephesos ist. Um den Stellenwert der neu entdeckten Scherben mit Ritzinschriften zu verdeutlichen, hat das beantragte Projekt folgende Ziele: 1.) Die Erstellung eines Open-Access-Online-Corpus, das die neu gefundenen Ostraka und Inschriften auf Gebrauchskeramik allgemein zugänglich macht und auch 24 bereits edierte spätantike Ostraka enthalten wird, die im Bereich des sogenannten Lukasgrabes gefunden wurden und denselben historischen (wirtschaftlichen/kirchlichen) Hintergrund aufweisen. 2.) Die Präsentation der neu gefundenen Ostraka und Inschriften auf Gebrauchskeramik im Rahmen eines umfassenden Artikels, in dem alle von diesem Quellenmaterial aufgeworfenen Fragen aufgearbeitet werden. Da Ostraka aus anderen Regionen oder Städten Kleinasiens bislang nicht veröffentlicht wurden, stellen die ephesischen Ostraka eine substantielle und in komparativer Hinsicht willkommene Erweiterung unserer Kenntnis über die Verbreitung des Schriftmediums Ostrakon in der Antike dar. Die Bedeutung des beantragten Projektes beschränkt sich aber nicht allein auf diesen Aspekt: Erstens stellt das vorgesehen Online-Corpus eine erste (und ausbaufähige) Initiative zur Digitalisierung epigraphischer Zeugnisse aus Ephesos dar. Zweitens ist aus einer historischen Perspektive zu bedenken, dass die neu gefundenen Ostraka und Inschriften auf Gebrauchskeramik auf eine lebhafte Geschäftstätigkeit in unmittelbarer räumlicher Nähe zu kirchlichen Einrichtungen hindeutet, was einen völlig neuen Aspekt des spätantiken Stadtlebens in Ephesos eröffnet. Schließlich liefert die Verwendung von Ostraka, die in diesem Kontext dokumentiert ist, einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis des epigraphic habit im spätantiken Ephesos.
- Suzana Hodak, Universität Münster - Deutschland
- Jean-Luc Fournet, École Pratique des Hautes Études - Frankreich
- Charlotte Roueché, University of London - Vereinigtes Königreich