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Späte Fertilität in Europa

Later fertility in Europe

Eva Beaujouan (ORCID: 0000-0003-3072-4336)
  • Grant-DOI 10.55776/P31171
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2019
  • Projektende 30.06.2023
  • Bewilligungssumme 399.972 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (100%)

Keywords

    Late Fertility, Demographic Change, Completed Cohort Fertility, Childlessness, Level Of Education, Gender Differences

Abstract Endbericht

Das Projekt, das an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) angesiedelt ist, befasst sich mit zwei grundlegenden Fragen. Erstens wird untersucht, wie die zunehmende Zahl von HochschulabsolventInnen und die sich wandelnden Partnerschaftsdynamiken (vor allem das späte Eingehen von Partnerschaften und häufigere Trennungen) zum steigenden Fertilitätsalter sowie zu Kinderlosigkeit und somit zur Veränderung des Fertilitätsniveaus beigetragen haben. Zweitens werden die Auswirkungen aufgeschobener Elternschaft auf die Fertilität von Männern und Frauen am Ende ihrer fruchtbaren Phase untersucht, gegenwärtig und zukünftig. Zunächst wird auf der Mikroebene erforscht, wer die Fertilität aufgeschoben hat. Danach werden individuelle Mechanismen, die häufig zum Aufschub der eigenen Fertilität führen (das Streben nach höherer Bildung und der Wandel der Partnerschaftsdynamik), mit den Fruchtbarkeitsindikatoren verknüpft. Dies wird sowohl für Kohorten mit abgeschlossener Fertilität, als auch für Kohorten, die noch im gebärfähigen Alter sind, durchgeführt. In einem weiteren Schritt werden die im Hinblick auf die spätere Fruchtbarkeit identifizierten Trends untersucht. In diesem Zusammenhang ist besonders interessant, wie viele Menschen aufgrund biologischer und sozialer Grenzen, nämlich ihrem Geschlecht und ihrem Ausbildungsniveau Einschränkungen im Hinblick auf ihre Fertilität hinnehmen müssen. Diese Forschungsergebnisse können einerseits dazu genutzt werden, um die Konsequenzen eines weitergehenden Aufschubs von Geburten im Hinblick auf die zukünftige Familiengröße zu erörtern, und andererseits um zu diskutieren, ob der Rückgriff auf Reproduktionstechnologien oder die veränderte Wahrnehmung der späteren Fertilität, die Wahrscheinlichkeit erhöht auch noch später im Leben Kinder zu bekommen. Wir verwenden einen vergleichenden Ansatz zwischen Österreich, Frankreich und anderen europäischen Ländern, um zu untersuchen, ob die Prozesse, die zu späteren Geburten führen, in diesen Ländern vergleichbar sind. Wir vergleichen sowohl die spätere als auch die abgeschlossene Fruchtbarkeit in diesen Ländern unter Berücksichtigung der unterschiedlichen institutionellen Situationen. Wir verbinden individuelle und aggregierte Perspektiven, um bildungs- und geschlechtsspezifische Unterschiede von Frauen und Männer mit bereits abgeschlossener Fruchtbarkeit im Hinblick auf späte Fertilität und Kinderlosigkeit aufzuzeigen. Anhand von Mikrosimulationen erfolgt die Analyse auch für junge Erwachsene, um die möglichen Auswirkungen der jüngsten Veränderungen von Ausbildungs und Partnerschaftsmustern einzuschätzen. Dieses Projekt ist in vielerlei Hinsicht innovativ. Die Kombination von Einzel- und Aggregatstudien, unterstützt durch eine Mikrosimulation, ist ein neuartiger Ansatz. Das Projekt wertet die bisherige Forschung auf, indem es einen umfassenden Überblick über den Kontext, die Impulse und die Konsequenzen der zunehmend späteren Fertilität bietet. Der Vergleich von Männern und Frauen ist besonders hervorzuheben, da fruchtbarkeitsbezogene Themen bisher meist nur aus der Perspektive der Frauen analysiert wurden. Die Forschung, die sich mit den Unterschieden bezüglich des Familienverhaltens von Menschen aus verschiedenen Bildungsgruppen befasst, wird von den neuen Erkenntnissen, die die Dauer der Ausbildung und das Bildungsniveau mit der Familiengröße verbindet, profitieren. Die Projektergebnisse sind hauptsächlich für die Demographie, aber auch für die Forschung im öffentlichen Gesundheitswesen, der Familienpolitik und Alterung interessant und werden durch wissenschaftliche Publikationen und die Teilnahme an Konferenzen zugänglich gemacht. Neben wissenschaftlichen Aktivitäten planen wir einen "Tag der offenen Tür", in dem die wichtigsten Ergebnisse der Forschung der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Die wichtigsten Erkenntnisse werden in Stellungnahmen, die auf Medien- und Entscheidungsträger ausgerichtet sind, veröffentlicht. Im Allgemeinen werden die Projekterkenntnisse politische Entscheidungsträger dabei unterstützen, gezielte Maßnahmen zu setzen, die die gesellschaftlichen Veränderungen in Bezug auf die aufgeschobene Fertilität unterstützen können.

Im Rahmen des LATEFERT-Projekts wurde späte Fertilität in Ländern untersucht, in denen Geburten zunehmend aufgeschoben werden. Dabei wurde deutlich, dass Charakteristika von später Fertilität in den einzelnen Ländern stark variieren, was sowohl auf Unterschiede im Ausmaß des Aufschubs von Geburten zurückzuführen ist als auch auf verschiedene strukturelle oder normative Beschränkungen, aufgeschobene Geburten im späteren Alter nachzuholen. Gleichzeitig nahm in den meisten Ländern die Familiengröße im höheren Alter nicht ausreichend zu, um den späteren Geburtenbeginn auszugleichen, so dass die Kohorten-Fertilität zurückgegangen ist. Das Projekt hat gezeigt, dass Menschen zunehmend in einem fortgeschrittenen reproduktiven Alter (35 Jahre und älter) Kinder haben wollen, insbesondere kinderlose Frauen. Es hat zudem auch deutlich gemacht, dass Menschen, die in späterem Alter Kinder haben wollen, den Kinderwunsch mit geringerer Wahrscheinlichkeit verwirklichen als in jüngeren Jahren, insbesondere bei Frauen mit geringerem Bildungsniveau. Dies scheint mit verschiedensten physiologischen Zwängen zusammenzuhängen, die die Chancen auf eine Lebendgeburt im fortgeschrittenen Alter erheblich verringern, sowie mit antizipierten normativen Beschränkungen bzgl. des besten Alters, um Kinder zu bekommen. Außerdem spielen unpassende Lebensumstände eine Rolle, wie z. B. den richtigen Partner nicht zur richtigen Zeit zu treffen. Andererseits scheint das Wissen um biologische Beschränkungen Geburten zu begünstigen, bevor es "zu spät" für ein Kind ist, da wir sowohl bei Frauen als auch bei Männern beobachten konnten, dass eine Geburt in einer späten Partnerschaft oder nach einer späten ersten Elternschaft beschleunigt wird. Insgesamt hat dieses Projekt enorme Fortschritte gebracht, die Folgen aufgeschobener Fertilität zu verstehen. Für Gesellschaften ist der nötige Aufwand sehr groß, Geburten im höheren Alter aufgrund eines Aufschubs in jüngeren Jahren nachzuholen, so dass nur sehr wenige Länder die fehlenden Geburten tatsächlich aufholen. Für den/die Einzelne/n bedeutet dies, dass immer mehr Menschen gänzlich auf ein Kind verzichten, weil die Entscheidung dafür zu lange verzögert wurde. Mit dem Wissen, dass der Geburtenrückgang in den Zwanzigern stark ausgeprägt ist und sich kaum aufhalten lässt, empfehlen wir den politischen Entscheidungsträger:innen, Bemühungen zu verstärken Frauen mit Anfang 30 das Kinderkriegen zu erleichtern, bevor deren Reproduktionsfähigkeit nachlässt. Da in diesem Alter die meisten Menschen berufstätig sind, lässt sich dies am besten durch politische Maßnahmen erreichen, die es zulassen und begünstigen, eine Familie zu gründen und gleichzeitig berufstätig zu sein: die Einbindung der Männer in die Familie durch eine verbesserte Gleichstellung der Geschlechter, Bereitstellung einer guten und staatlich finanzierten Kinderbetreuung für alle und Förderung der Flexibilität von Beruf und Familie. Darüber hinaus scheint das Wissen von Männern und Frauen über die bei Frauen ab 35 und bei Männern ab 40 Jahren abnehmende physiologische Fähigkeit Kinder zu bekommen, von zentraler Bedeutung für gut informierte Entscheidungen über Fertilität.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 57%
  • Wirtschaftsuniversität Wien - 43%
Nationale Projektbeteiligte
  • Zuzanna Maria Brzozowska, Wirtschaftsuniversität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
  • Krystof Zeman, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Anne Solaz, L’Institut national d’études démographiques - Frankreich
  • Elise De La Rochebrochard, L’Institut national d’études démographiques - Frankreich

Research Output

  • 201 Zitationen
  • 17 Publikationen
  • 2 Disseminationen
  • 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2024
    Titel Explaining the urban-rural gradient in later fertility in Europe.
    DOI 10.1002/psp.2720
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan É
    Journal Population, space and place
  • 2024
    Titel Scenarios of Delayed First Births and Associated Cohort Fertility Levels.
    DOI 10.1215/00703370-11315685
    Typ Journal Article
    Autor Pohl M
    Journal Demography
    Seiten 687-710
  • 2021
    Titel Simulating family life courses: An application for Italy, Great Britain, Norway, and Sweden
    DOI 10.4054/demres.2021.44.1
    Typ Journal Article
    Autor Winkler-Dworak M
    Journal Demographic Research
    Seiten 1-48
    Link Publikation
  • 2021
    Titel European countries with delayed childbearing are not those with lower fertility
    DOI 10.1186/s41118-020-00108-0
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan É
    Journal Genus
    Seiten 2
    Link Publikation
  • 2022
    Titel De la mise en couple à la première naissance. Le rôle de l’âge à la première cohabitation dans l’entrée en maternité et en paternité
    DOI 10.3917/popu.2203.0439
    Typ Journal Article
    Autor Compans M
    Journal Population
    Seiten 439-466
  • 2022
    Titel Is 40 the New 30? Increasing Reproductive Intentions and Fertility Rates beyond Age 40
    DOI 10.1017/9781009025270.002
    Typ Book Chapter
    Autor Beaujouan É
    Verlag Cambridge University Press (CUP)
    Seiten 3-13
  • 2019
    Titel Declining realisation of reproductive intentions with age
    DOI 10.1093/humrep/dez150
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan É
    Journal Human Reproduction
    Seiten 1906-1914
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Latest-Late Fertility? Decline and Resurgence of Late Parenthood Across the Low-Fertility Countries
    DOI 10.1111/padr.12334
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan E
    Journal Population and Development Review
    Seiten 219-247
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Delayed first births and completed fertility across the 1940-1969 birth cohorts
    DOI 10.4054/demres.2023.48.15
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan E
    Journal Demographic Research
  • 2023
    Titel Transitions to Second Birth and Birth Intervals in France and Spain: Time Squeeze or Social Norms?
    DOI 10.12765/cpos-2023-13
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan E
    Journal Comparative Population Studies
  • 2021
    Titel Late motherhood, late fatherhood, and permanent childlessness: Trends by educational level and cohorts (1950–1970) in France
    DOI 10.4054/demres.2021.45.10
    Typ Journal Article
    Autor Compans M
    Journal Demographic Research
    Seiten 329-344
    Link Publikation
  • 2019
    Titel The delay in procreation in Europe
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan E
    Journal Médecine de la Reproduction
    Seiten 209-219
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Late fertility intentions increase over time in Austria, but chances to have a child at later ages remain low
    DOI 10.1016/j.rbms.2021.10.002
    Typ Journal Article
    Autor Beaujouan É
    Journal Reproductive Biomedicine & Society Online
    Seiten 125-139
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Simulating Family Life Courses: An Application for Italy, Great Britain, and Scandinavia
    DOI 10.1553/0x003cb428
    Typ Journal Article
    Autor Winkler-Dworak M
    Journal Institut für Demographie - VID
    Seiten 1-89
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Assessing Short-Term Fertility Intentions and Their Realisation Using the Generations and Gender Survey: Pitfalls and Challenges
    DOI 10.1007/s10680-020-09573-x
    Typ Journal Article
    Autor Brzozowska Z
    Journal European Journal of Population
    Seiten 405-416
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Familien in Österreich
    DOI 10.25365/phaidra.450
    Typ Other
    Autor Buber-Ennser I
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Families in Austria
    DOI 10.25365/phaidra.449
    Typ Other
    Autor Buber-Ennser I
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2023 Link
    Titel Finding a viable path to "ageing" fertility in Europe
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Publication of Jenseits der 40 (Späte Geburten nehmen bei Frauen schneller zu als bei Männern) in Demographische Forschung aus erster Hand, intended for dissemination about Population in the German speaking countries
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2021
    Titel Presentation "Late fertility across the high-income countries" at the Centre d'Estudis Demogràfics colloquium
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2020
    Titel Editorial board of the journal Demography
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Jan M. Hoem Award for social policy and family demography (EAPS)
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2021
    Titel BIC.LATE: Biological, Individual and Contextual Factors of Fertility Recovery
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2021
    Geldgeber European Research Council (ERC)

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