Die verborgenen Ursprünge des österreichischen Humanismus
Hidden Roots of Austrian Humanism - Johannes Fuchsmagen
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (50%); Kunstwissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)
Keywords
-
Austrian Humanism,
Neo-Latin,
Johannes Fuchsmagen,
Reception of antiquity,
Maximilian I.
Das Projekt erschließt zum ersten Mal das intellektuelle Profil des bisher kaum erforschten Tirolers Johannes Fuchsmagen (ca. 14501510). Der in Hall/Tirol geborene Fuchsmagen promovierte an der Universität Freiburg/Breisgau und war später Rat von Kaiser Friedrich III. und dessen Sohn Maximilian I. Bedeutender als seine politisch-diplomatische Karriere ist seine geistesgeschichtliche Stellung: Fuchsmagen war Mittelpunkt eines humanistisch interessierten Kreises in Wien, dem unter anderem Konrad Celtis angehörte, und darüber hinaus auch mit süddeutschen Humanisten wie Johannes Reuchlin und Konrad Peutinger vernetzt. Er brachte offenbar einen ganz neuen Zug in die seit etwa der Mitte des 15. Jh. in Österreich nachweisbaren humanistischen Bemühungen diverser gelehrter Kreise ein, nämlich das antiquarische Interesse und das Sammeln von Altertümern. Da Fuchsmagen selbst im Unterschied zu anderen Humanisten bis auf einige Briefe und diverse kleinere Notizen keine literarischen Texte hinterlassen hat, kann man seine Interessen und Bemühungen nur über Umwege und nur mit einem interdisziplinären Ansatz rekonstruieren. Das Projekt besteht deswegen aus drei Säulen: einer buchgeschichtlichen, einer philologischen und einer kunstgeschichtlichen. Das 1. Teilprojekt rekonstruiert die Büchersammlung Fuchsmagens und analysiert systematisch seine Benützerspuren in den Büchern (Marginalien, Nota-Zeichen, Besitz- und Kaufvermerke u. ä.). Das 2. Projekt ediert in einer Online-Ausgabe mit Kommentar den Codex Fuchsmagen, eine Sammlung von ca. 200 lateinischen Gedichten zahlreicher Humanisten, die Fuchsmagen gewidmet ist und die in einzigartiger Art und Weise sein europäisches Gelehrten-Netzwerk vor Augen führt. Eine deutsche Übersetzung wird die lateinischen Texte erstmals einem breiteren Publikum zugänglich machen. Das 3. Projekt behandelt zwei zentrale, aber bisher nicht angemessen gewürdigte österreichische Kulturgüter, die beide von Fuchsmagen in Auftrag gegeben wurden: einerseits den um 1500 entstandenen sogenannten Fuchsmagen-Teppich, der den Stifter in Gesellschaft des österreichischen Markgrafen und Heiligen Leopold III. mit dessen Familie zeigt; andererseits den sogenannten Filocalus-Kalender, eine im Besitz von Fuchsmagen befindliche, Anfang des 16. Jh. angelegte Handschrift eines illustrierten spätantiken Kalenders, der durch seine Illuminierungen, die Lucas Cranach d. Ä. zugeschrieben werden, auch kunsthistorisch gesehen ein Werk von Weltrang ist. Anhand dieser beiden Zeugnisse sollen das Selbstverständnis von Fuchsmagen als humanistischer Auftraggeber und die Facetten seiner Rezeption von mittelalterlicher und antiker Geschichte untersucht werden. Die Zusammenschau der drei Projekte wird erstmals ein plastisches Porträt des Intellektuellen Fuchsmagen ergeben, das seinem Selbstverständnis ebenso gerecht wird wie seiner Wirkung auf den Humanismus nördlich der Alpen.
Das Projekt erschließt zum ersten Mal das intellektuelle Profil des bisher kaum erforschten Tirolers Johannes Fuchsmagen (ca. 1450-1510). Der in Hall/Tirol geborene Fuchsmagen studierte an der Universität Freiburg/Breisgau und war später Rat von Kaiser Friedrich III. und dessen Sohn Maximilian I. Bedeutender als seine politisch-diplomatische Karriere ist seine geistesgeschichtliche Stellung: Fuchsmagen war Mittelpunkt eines humanistisch interessierten Kreises in Wien, dem unter anderem Konrad Celtis angehörte, und darüber hinaus auch mit süddeutschen Humanisten wie Johannes Reuchlin und Konrad Peutinger vernetzt. Er brachte offenbar einen ganz neuen Zug in die seit etwa der Mitte des 15. Jh. in Österreich nachweisbaren humanistischen Bemühungen diverser gelehrter Kreise ein, nämlich das antiquarische Interesse und das Sammeln von Altertümern. Da Fuchsmagen selbst im Unterschied zu anderen Humanisten bis auf einige Briefe und diverse kleinere Notizen keine literarischen Texte hinterlassen hat, kann man seine Interessen und Bemühungen nur über Umwege und nur mit einem interdisziplinären Ansatz rekonstruieren. Das Projekt bestand deswegen aus drei Säulen: einer buchgeschichtlichen, einer philologischen und einer kunstgeschichtlichen. Das 1. Teilprojekt rekonstruierte die Büchersammlung Fuchsmagens und erfasste systematisch seine Benützerspuren in den Büchern (Marginalien, Nota-Zeichen, Besitz- und Kaufvermerke u. ä.) und machte sowohl die Beschreibungen der Handschriften und Drucke Fuchsmagens als auch die Transkription seiner Marginalien online zugänglich. Das 2. Teilprojekt edierte in einer digitalen Ausgabe, die demnächst online zugänglich gemacht wird, mit Kommentar den Codex Fuchsmagen, eine Sammlung von ca. 200 lateinischen Gedichten zahlreicher Humanisten, die Fuchsmagen gewidmet ist und die in einzigartiger Art und Weise sein europäisches Gelehrten-Netzwerk vor Augen führt. Eine deutsche Übersetzung macht die lateinischen Texte erstmals einem breiteren Publikum zugänglich. Das 3. Teilprojekt behandelte drei zentrale, aber bisher nicht angemessen gewürdigte österreichische Kulturgüter, die von Fuchsmagen in Auftrag gegeben wurden: einerseits den um 1500 entstandenen sogenannten "Fuchsmagen-Teppich", der den Stifter in Gesellschaft des österreichischen Markgrafen und Heiligen Leopold III. mit dessen Familie zeigt, die erst jüngst im Hof des Dorotheums in Wien identifizierten Fragmente des Epitaphs Fuchsmagens und den sogenannten "Filocalus-Kalender", eine im Besitz von Fuchsmagen befindliche, Anfang des 16. Jh. angelegte Handschrift eines illustrierten spätantiken Kalenders, der durch seine Illuminierungen, die Lucas Cranach d. Ä. zugeschrieben werden, auch kunsthistorisch gesehen ein Werk von Weltrang ist. Hier konnte die Zuschreibung an Cranach bestätigt werden, allerdings scheinen die Zeichnungen einige Jahre später angefertigt worden zu sein, als dies bisher angenommen wurde. Anhand dieser drei Zeugnisse wurden das Selbstverständnis von Fuchsmagen als humanistischer Auftraggeber und die Facetten seiner Rezeption von mittelalterlicher und antiker Geschichte untersucht. Die Zusammenschau der drei Projektteile ergibt ein plastisches Porträt des Intellektuellen Johannes Fuchsmagen, das seinem Selbstverständnis ebenso gerecht wird wie seiner Wirkung auf den Humanismus nördlich der Alpen.
- Erwin Pokorny, Universität Innsbruck , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 4 Publikationen
- 1 Datasets & Models
-
2022
Titel Johannes Fuchsmagen und seine Bücher - erste Einblick in eine bisher kaum beachtete Büchersammlung Typ Conference Proceeding Abstract Autor Martin Wagendorfer Konferenz Per tot discrimina rerum. Maximilian I. (1459 - 1519) Seiten 253-261 -
2021
Titel Zwei Inschriften auf Stoff und Stein - Epigraphische Überlegungen zum sogenannten Fuchsmagen-Teppich in Stift Heiligenkreuz und zu einem Fragment des Fuchsmagen-Epitaphs in Wien Typ Conference Proceeding Abstract Autor Martin Wagendorfer Konferenz Über Stoff und Stein: Knotenpunkte von Textilkunst und Epigraphik. Beiträge zur 15. internationalen Fachtagung für mittelalterliche und frühneuzeitliche Epigraphik Seiten 346-358 -
2021
Titel Lucas Cranach d. Ä. Die zwölf Monatszeichnungen des Wiener Filocalus; In: Cranach. Die Anfänge in Wien Typ Book Chapter Autor Erwin Pokorny -
2019
Titel Johannes Fuchsmagen. Ein Tiroler Humanist in Diensten Maximilians und seine Büchersammlung; In: Kaiser Maximilian I. Ein großer Habsburger Typ Book Chapter Autor Martin Wagendorfer Seiten 110-117