Private Kunstmuseen und Stiftungen russischer Oligarchen
Russian ´Oligarch´ Art Museums and Foundations
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
- Museum studies,
- Post Soviet Russia,
- Private art museums,
- Private art foundations,
- Economic elites,
- Cultural policy
Weltweit erleben private Kunstmuseen und Stiftungen einen Boom. Ihr Einfluss auf die globalen Kunst- und (öffentlichen) Museen steigt seit den 1990er Jahren stark. Doch in der Russischen Föderation setzte diese Entwicklung verspätet ein. Erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts, im Zuge der Privatisierung der Wirtschaft, begann sich die neue wirtschaftliche Elite des Landes in größerer Zahl mäzenatisch zu engagieren. Insbesondere die letzten zehn Jahre waren geprägt von einem Grün- dungsboom privater Stiftungen und Museen russischer OligarchInnen. Deren Förderung umfasst ein breites Spektrum vom imperialen Erbe der Zarenzeit und der Ikonenkunst über die Moderne und Avantgarde bis hin zum Sozialistischen Realismus und der Gegenwartskunst; sie deckt russische wie internationale Kunst ab. Einige StifterInnen haben Museen und Kunstinstitutionen gegründet. Andere investieren in Bauvorhaben mit gemischter kulturell-kommerzieller Nutzung oder finanzieren Muse- umsprojekte, Preise und Schenkungen. Charakteristisch für die neue russische Philanthropie ist ihr zunehmendes Engagement im Ausland: Russische Mäzene und Mäzeninnen finanzieren Biennalen, sie kooperieren weltweit mit führenden öffentlichen Institutionen und privaten Stiftungen. Welt- weite Schlagzeilen machen ihre Übernahmen von traditionsreichen westlichen Auktionshäusern und Kunstmedien. Ihr mäzenatischer Beitrag zur (inter-)nationalen Kunst- und Museumswelt steigt kontinuierlich und scheint vorerst dem hohen innen- und außenpolitischen Konfliktpotential Russlands zu widerstehen. Im Gegensatz zur wachsenden Bedeutung russischer privater Kunstmuseen und Stiftungen hat die internationale Forschung diesen Themenkomplex bisher vernachlässigt. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, dieses Desiderat zu thematisieren und zu erforschen. Gegen- stand der Arbeit werden umfangreiche empirische Studien sein vorwiegend basierend auf primären und sekundären Quellen und Daten in russischer Sprache. Methodisch-theoretische Ansätze aus der erweiterten Museumswissenschaft sowie aus der Kultursoziologie und der digitalen Forschung werden das Projekt leiten. Die Ergebnisse werden als repräsentative Fallstudien im komparativen Kontext veröffentlicht und im akademischen Austausch diskutiert.
Weltweit erleben private Kunstmuseen und Stiftungen einen Boom. Ihr Einfluss auf globale Kunst- und Museumsinstitutionen steigt seit den 1990er Jahren stark. Doch in der Russischen Föderation setzte diese Entwicklung verspätet ein. Erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts, im Zuge der Privatisierung der Wirtschaft, begann sich die neue wirtschaftliche Elite des Landes in größerer Zahl mäzenatisch zu engagieren. Insbesondere die 2010er Jahre waren geprägt von einem Gründungsboom privater Stiftungen und Museen russischer Milliardäre. Deren Förderung umfasste ein zunehmend breites Spektrum - vom imperialen Erbe der Zarenzeit und der Ikonenkunst über die Moderne und Avantgarde bis hin zum Sozialistischen Realismus und der Gegenwartskunst; sie inkludiert russische wie internationale Kunst. Einige Stifter, selten Stifterinnen, haben Museen und Kunstinstitutionen gegründet. Andere investierten in Bauvorhaben mit gemischter kulturell-kommerzieller Nutzung. Zudem wurden und werden Kunstpreise, Schenkungen, Publikationen, Museums- und Forschungsprojekte vielfach von vermögenden Einzelpersonen oder Gruppen finanziert. Von wachsender Relevanz erwies sich das globale Engagement russischer Wirtschaftstreibender: Vor Beginn des Ukrainekrieges finanzierten sie internationale Biennalen; sie kooperierten weltweit mit führenden öffentlichen Institutionen und privaten Stiftungen. Schlagzeilen machten ihre Übernahmen von traditionsreichen westlichen Auktionshäusern und Kunstmedien. Ihr mäzenatischer Beitrag zur (inter-)nationalen Kunst- und Museumswelt gewann kontinuierlich an Bedeutung. Ungeachtet dessen vernachlässigte die internationale Museumsforschung bislang diesen Bereich. Dieses Desiderat zu thematisieren, zu erforschen und zu analysieren war Gegenstand eines interdisziplinären Forschungsprojekts, das vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF finanziert wurde. Die Ergebnisse sind nun in Open-Access-Publikationen verfügbar. Die innovative Studie umfasst repräsentative Fallstudien - vorwiegend basierend auf primären und sekundären (Online-)Quellen und Daten in russischer Sprache, bereitgestellt von Stiftungs- und Behördenportalen. Methodisch-theoretische Ansätze aus der erweiterten Museumswissenschaft sowie aus der komparativen Forschung zur Philan-thropie leiteten die Untersuchung. Der erfasste Zeitrahmen umspannt drei Jahrzehnte - von der Perestroika bis zum Ausbruch der Pandemie 2020; letztere schränkte philanthropische Unternehmungen ebenso ein wie die Durchführung der Forschung vor Ort.
- Stadt Wien - 100%
Research Output
- 1 Publikationen
-
2019
Titel Nebesnaia golubizna angel’skikh odezhd. Sud’ba proizvedenii drevnerusskoi zhivopisi. DOI 10.36391/jis2/005br Typ Journal Article Autor Bayer W Journal Journal of Icon Studies Link Publikation