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Drehbuch schreiben und musikalische Nummern

Screenwriting Musical Numbers

Claus Tieber (ORCID: 0000-0001-7471-9817)
  • Grant-DOI 10.55776/P31488
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2018
  • Projektende 28.02.2023
  • Bewilligungssumme 357.974 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Keywords

    Film History, Film Music, Film Musical, Screenwriting Studies

Abstract Endbericht

Dem aktuellen Publikumserfolg von Filmen wie La La Land (2016) entspricht auch ein aktueller wissenschaftlicher Diskurs, der sich des Themas der Musiknummer im Film von innovativer Seite annähert und nicht länger Narration und Repräsentation in den Mittelpunkt stellt, sondern nach Affekten, Emotionen, Wiederholung und Abweichung (Deleuze), und Rhythmus forscht. Ein entscheidender Aspekt fehlt jedoch sowohl im aktuellen als auch im klassischen wissenschaftlichen Diskurs: die Rolle der DrehbuchautorInnen und Autoren im Hinblick auf die Frage wie musikalische Nummern geschrieben sind. Mit Beginn des Tonfilms entwickelte sich das Drehbuch zu einer streng standardisierten Textvorlage: kurze Beschreibungen von Szenen und Settings wechseln sich mit Dialog- Passagen ab. Es gibt kaum Platz für anderes so scheint es zumindest auf den ersten Blick. Doch das Schreiben von Musiknummern ist eine der wenigen Dinge, die in einem Drehbuch nicht standardisiert sind. Dieses Projekt will die Art und Weise wie Drehbuchautorinnen und Autoren Musiknummern in Drehbücher eingebaut haben untersuchen, und damit deren Anteil an der Gestaltung von Musiknummern in den Mittelpunkt stellen. Ausgehend von dem Umstand, dass das einflussreiche amerikanische Filmmusicalgenre starke europäische Einflüsse aufweist, werden zwei europäische Migranten als Fallbeispiele im Zentrum meiner Untersuchung stehen: Walter Reisch und Felix Jackson. Als europäische Juden, die vor den Nazis flüchteten und in Hollywood für Filme berühmt wurden, in denen Musiknummern eine zentrale Rolle spielen, repräsentieren beide Drehbuchautoren den europäischen Einfluss auf das amerikanische Filmmusical. Im Wesentlichen untersucht dieses Projekt die unterschiedlichen Arten wie diese beiden Drehbuchautoren Musiknummern geschrieben und in ihre Drehbücher eingebaut haben, und will auf diesem Weg die Spuren ihres Einflusses zur Wiener Operette und dem österreichischen Stummfilm zurückzuverfolgen. Die Ergebnisse und Erkenntnisse sollen schließlich im Kontext des aktuellen Diskurses interpretiert werden um nachzuweisen, dass Schreiben für den Film aus mehr als nur Handlung und Dialogen besteht. 1

Drehbücher werden zumeist nur als die schriftliche Aufzeichnung von Handlung und Dialog betrachtet. Andere Aspekte, insbesondere musikalische, wurden hingegen bis dato ignoriert. Dieses Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, nachzuweisen, dass Drehbücher eine wesentliche Rolle in der Filmproduktion spielen, die alle Aspekte des Filmemachens beinhalten. Forschungsziele waren der Nachweis und die Analyse musikalischer Nummern in Drehbüchern. Die Arbeit des österreichischen Drehbuchautors Walter Reisch diente hierfür als Fallbeispiel. Reisch begann seine Karriere im Stummfilm, wo er für einige der erfolgreichsten österreichischen und deutschen Filme (mit)verantwortlich war, und musste 1936 auf Grund seiner jüdischen Herkunft vor den Nazis flüchten. Er setzte seine Arbeit als Drehbuchautor in Hollywood fort, was ihn für dieses Projekt zum geeigneten Fallbeispiel macht, um österreichisch-deutsche und amerikanische Bedingungen und Besonderheiten des Filmemachens und Drehbuchschreibens zu vergleichen. Reisch beschreibt Musiknummern in seinen Drehbüchern sehr detailliert. Sie waren in seinen Filmen essenziell, auch dann, wenn es sich nicht um Musicals handelte. Reischs musikalisches Wissen, von klassischer Musik bis zum zeitgenössischen Schlager, stellt einen wesentlichen Teil seines kulturellen Hintergrunds und bürgerlichen Bildung dar, welche europäische Filme der Zeit ebenso prägte wie Hollywood Filme unter Mitwirkung von Mitgrant*innen. Reisch verwendete Musik in seinen Drehbüchern in einer sehr selbstbewussten Art und Weise, in der Musikeinlagen oft auf sich aufmerksam machen, anstatt sich zu verstecken. Reischs Drehbücher wurden mit amerikanischen Drehbüchern für Filmmusicals der 1930er und 40er Jahren verglichen. Diese weisen eine etwas effizientere, weniger diverse Form auf. Der Vergleich zeigt auch den gegenseitigen Einfluss des amerikanischen und europäischen Drehbuchschreibens der Zeit. Am Beispiel der zweispaltigen Formatierung von Musiknummern und ganzen Drehbüchern lässt sich dies gut nachweisen. In diesen wird die visuelle Seite des Films in der linken Spalte und die akustische in der rechten Spalte festgehalten. Die Ergebnisse des Projekts liefern Belege dafür, dass musikalische Nummern nicht unabhängig vom Prozess des Drehbuchschreibens geplant wurden, sondern dass sie in enger Verbindung mit diesem standen. Das Projekt stellt ein starkes Argument für die Analyse von Drehbüchern in der Filmwissenschaft und Filmgeschichtsschreibung dar. Durch die gelieferten Indizien und Erkenntnisse können allgemein anerkannte Aspekte der Filmgeschichtsschreibung erweitert und potenziell revidiert werden. Der Fokus auf musikalische Nummern war hierfür der geeignete Ansatz.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 11 Zitationen
  • 11 Publikationen
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2022
    Titel Drehbuchforschung, Perspektiven auf Texte und Prozesse
    DOI 10.1007/978-3-658-38167-7
    Typ Book
    editors Henschen J, Krauß F, Ksenofontova A, Tieber C
    Verlag Springer Nature
  • 2019
    Titel Walter Reisch: The musical writer
    DOI 10.1386/josc_00005_1
    Typ Journal Article
    Autor Tieber C
    Journal Journal of Screenwriting
    Seiten 295-306
  • 2019
    Titel Editorial
    DOI 10.1386/josc_00001_2
    Typ Journal Article
    Autor Price S
    Journal Journal of Screenwriting
    Seiten 243-245
  • 2020
    Titel Screening transcendence: film under Austrofascism and the Hollywood hope 1933-1938
    DOI 10.1080/17411548.2020.1851996
    Typ Journal Article
    Autor Tieber C
    Journal Studies in European Cinema
    Seiten 451-452
  • 2023
    Titel Narrating With Music: Screenwriting Musical Numbers; In: The Palgrave Handbook of Screenwriting Studies
    Typ Book Chapter
    Autor Claus Tieber
    Verlag Palgrave Macmillan
  • 2023
    Titel The Palgrave Handbook of Screenwriting Studies
    Typ Book
    Autor Davies Rosamund
    Verlag Springer International Publishing AG
  • 2022
    Titel Roundtable: Pushing the boundaries of the Screenwriting Research Network
    DOI 10.1386/josc_00085_1
    Typ Journal Article
    Autor Russo P
    Journal Journal of Screenwriting
    Seiten 115-134
  • 2024
    Titel The Impact of Sound on the Screenplay, 1927-1934
    DOI 10.17605/osf.io/7v3kd
    Typ Other
    Autor Tieber C
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Musik im Film, Musik für den Film: Analysefelder und Methoden
    DOI 10.1007/978-3-658-13339-9_6
    Typ Book Chapter
    Autor Tieber C
    Verlag Springer Nature
    Seiten 97-110
  • 2020
    Titel Writing with Music: Self-Reflexivity in the Screenplays of Walter Reisch
    DOI 10.3390/arts9010013
    Typ Journal Article
    Autor Tieber C
    Journal Arts
    Seiten 13
    Link Publikation
  • 0
    Titel Writing in Waltz Time: Walter Reisch's musical writing in Two Hearts in Waltz Time; In: The Bloomsbury Handbook of Global Screenplay Theory
    Typ Book Chapter
    Autor Tieber
    Verlag Bloomsbury
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel SRN Book Award
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Co-editor of book series "Studien zum Drehbuch" at De Gruyter
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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