Die Versepitaphien in Paolo Giovios Elogia virorum literis
The verse epitaphs in Paolo Giovioâs Elogia virorum literis
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (90%)
Keywords
-
(inter-)mediality/early printing,
Paolo Giovio,
Digital Humanities,
Latin verse epitaphs,
Latin Renaissance Poetry,
Neo-latin literary historiography
Der italienische Humanist Paolo Giovio (1483-1552), Wegbereiter des modernen Museums und der MuseumspĂ€dagogik, sammelte in seiner Villa am Comer See Portraitbilder von Literaten, Machtha- bern und KĂŒnstlern. Unter den Konterfeis waren lateinische Pergamente mit von Giovio verfaĂten Nachrufen (Elogien) angebracht, die hĂ€ufig durch fiktive, von anderen verfaĂte Grabinschriften in Versen abgeschlossen wurden. Giovio veröffentlichte diese Texte in den Elogien auf berĂŒhmte Litera- ten (1546) und Elogien auf berĂŒhmte Kriegsleute (1551) und veranlasste den Vater der Kunstge- schichte Giorgio Vasari zu den Lebensbeschreibungen der berĂŒhmtesten Maler, Bildhauer und Archi- tekten (1550). Die von der Forschung vernachlĂ€ssigten Versbeigaben erreichen bei Giovios frĂŒhneu- zeitlichen Literaten den deutlich höchsten Grad an literarischer KomplexitĂ€t und Verdichtung, weil auf prominente Vorbildtexte aus der römisch-antiken Literatur und auf das Werk des Portraitierten, d.h. vermeintliche biographische Informationen, Motive, Sprache, Stil oder Versbau, geistreich Bezug ge- nommen wird. Der groĂe Erfolg dieser Literatenepitaphien lĂ€sst sich daran ablesen, dass sich in der zweiten Ausgabe von Giovios Elogien auf berĂŒhmte Literaten (1557) sowie in allen ĂŒbrigen Druk- ken des 16. Jahrhunderts viele weitere Gedichte aus der Feder des flĂ€mischen Philologen Johannes Latomus (1523-78) finden. Das beantragte Projekt möchte erstmals systematisch Machart und Kontext der von Giovio und La- tomus zusammengestellten Literatenepitaphien erforschen. Eine moderierte Wiki-Plattform soll die knapp 370 Kurzgedichte der zweiten Ausgabe (1557) zu antiken und humanistischen Vorbildern in Beziehung setzen. Im Anschluss an die philologische Aufbereitung und Ăbersetzung werden die inhaltlichen, sprachlichen und formalen Standardelemente detailliert aufgeschlĂŒsselt, d.h. jene, die sich rund um Grab und Bestattung und speziell verstorbene Literaten ausgebildet haben (Topik). Das Open-Access-Format mit flexibler Hypertextualisierung eröffnet hierbei neue Möglichkeiten fĂŒr ein work-in-progress im interaktiven Dialog mit FachkollegInnen. Anreize zur Mitarbeit setzen ein Reputationssystem sowie Vortragseinladungen. Die externen Meldungen und ErgĂ€nzungen werden nach PrĂŒfung und Adaption von den ProjektmitarbeiterInnen hochgeladen. Die zweite Projektschiene fokussiert die Verortung im Buch. Untersucht wird, welche Dialogbeziehungen sich zwischen den poetischen Epitaphien, den davorstehenden Prosaviten und den mitgedachten Portraitbildern ergeben, wie mehrere Gedichte auf dieselbe Person interagieren und in welche WechselverhĂ€ltnisse die Epi- taphien auf verschiedene Autoren treten, wenn das Elogienbuch vollstĂ€ndig und in vorgegebener Rei- henfolge rezipiert wird. Eine internationale Tagung zu dieser kollektiven WirkungsĂ€sthetik samt Ta- gungsband sowie eine eingeleitete und erlĂ€uterte lateinisch-deutsche Buchausgabe aller Elogia viro- rum literis illustrium (ed. Latomus 1557) runden das Unterfangen ab.
Als primĂ€res Ergebnis des Projektes ist die daraus hervorgegangene Website "Musaeum Iovianum" zu nennen (paologiovio.univie.ac.at). Es handelt sich um eine digitale open-source-Edition inklusive Kommentar und deutscher Ăbersetzung der insgesamt 372 Epigramme aus dem Corpus der Elogia-Editionen von Giovio (1546) und Latomus (1557 etc.). DarĂŒber hinaus sind dort, visuell anschaulich, detaillierte Analysen zur poetisch-literarischen Topik, zu Sprecher- und Adressatenfiguren, Stilmitteln sowie inter- und intratextuellen Relationen dargestellt. Mittels einer Filtersuchfunktion können die zahlreichen Gedichte erstmals nach spezifischen Kriterien durchsucht werden und ermöglichen auf diese Weise ebenso die gezielte UnterstĂŒtzung bei Fragestellungen von Forschenden wie das schlagwortgeleitete BlĂ€ttern von interessierten Laien oder auch die Auswahl von Material fĂŒr didaktische Zwecke. Die Website ist zudem nicht als abgeschlossenes Produkt anzusehen, sondern soll nach Möglichkeit weiter 'wachsen'. Mittels des dafĂŒr eingerichteten Feedbackformulars können alle Userinnen und User niederschwellig Fragen, Anmerkungen, KorrekturvorschlĂ€ge oder ergĂ€nzendes Material einbringen. Dieser interaktive Aspekt sowie die zuvor genannten Funktionen der Website versuchen die Vorteile zu nutzen und zugĂ€nglich zu machen, die eine digitale Edition bietet. WĂ€hrend die Website eine ausfĂŒhrliche, vorwiegend philologische Analyse der in den "Elogia" enthaltenden Epigramme darstellt, setzte sich die im Zuge des Projekts organisierte Fachtagung mit mehr literatur- und kulturwissenschaftlichen Teilaspekten auseinander, so etwa mit der vielschichtigen Entstehungsgeschichte und Gesamtkonzeption von Museum und Buchedition. Hinzukommen Einzelstudien zu bestimmten Elogia-Epigramm-Komplexen oder bestimmten Autoren. Die wĂ€hrend der Tagung gehaltenen VortrĂ€ge sowie einige weitere wurden in dem Sammelband "Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. IntermedialitĂ€t und IntertextualitĂ€t in den Elogia virorum literis illustrium" (herausgegeben von Hartmut Wulfram und Matthias Adrian Baltas, TĂŒbingen, Narr-Francke-Attempto, 2025, ISBN 978-3-381-11511-2) veröffentlicht. Im Verbund werden Website und Buch zu einem besseren VerstĂ€ndnis der "Elogia virorum literis illustrium" und einer angemesseneren WĂŒrdigung der beiden Autoren und Redaktoren Giovio und Latomus beitragen.
- UniversitÀt Wien - 100%
Research Output
- 13 Publikationen
- 1 Software
- 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Musaeum Iovianum Typ Other Autor Baltas M Link Publikation -
2025
Titel Une histoire littéraire 'collective'. Les Elogia virorum litteris illustrium de Paul Jove et leurs modÚles antiques; In: Portraits d'hommes et de femmes illustres de l'Antiquité au XVIIe siÚcle (Recherches sur les Réceptions de lAntiquité) Typ Book Chapter Autor Wulfram H Verlag Brepols -
2025
Titel Johannes Latomus' Art of Commenting and Correcting Epitaphs. Some Examples; In: Funerary Inscriptions in Early Modern Europe (Intersections) Typ Book Chapter Autor Rajic S Verlag Brill -
2025
Titel Die Gedichte des Johannes Latomus in Paolo Giovios Elogia virorum literis illustrium. Eine vergleichende Betrachtung; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. IntermedialitÀt und IntertextualitÀt in den Elogia virorum literis illustrium Typ Book Chapter Autor Rajic S Verlag Narr Seiten 14 -
2025
Titel Appendix 3: Gedichte von und ĂŒber Johannes Latomus; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. IntermedialitĂ€t und IntertextualitĂ€t in den Elogia virorum literis illustrium Typ Book Chapter Autor Rajic S Verlag Narr Seiten 31 -
2025
Titel Appendix 2: Zeitleisten-Diagramm. Inklusive einiger Beobachtungen zur Anordnung der Elogia virorum literis illustrium; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. IntermedialitÀt und IntertextualitÀt in den Elogia virorum literis illustrium Typ Book Chapter Autor Baltas M Verlag Narr Seiten 16 -
2025
Titel Fortuna, Venus und Raumnot im Jenseits. Ein close reading des Boccaccio-Elogiums und seiner poetischen Beigaben bei Paolo Giovio und Johannes Latomus; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. IntermedialitÀt und IntertextualitÀt in den Elogia virorum literis illustrium Typ Book Chapter Autor Baltas M Verlag Narr Seiten 25 -
2025
Titel Appendix 3: Gedichte von und ĂŒber Johannes Latomus; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. IntermedialitĂ€t und IntertextualitĂ€t in den Elogia virorum literis illustrium Typ Book Chapter Autor Rajic S Verlag Narr Seiten 31 -
2025
Titel Auftragsdichtung in Paolo Giovios Elogia virorum literis illustrium; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. IntermedialitÀt und IntertextualitÀt in den Elogia virorum literis illustrium Typ Book Chapter Autor Baltas M Verlag Narr Seiten 30 -
2025
Titel Einleitung; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. IntermedialitÀt und IntertextualitÀt in den Elogia virorum literis illustrium Typ Book Chapter Autor Wulfram H Verlag Narr Seiten 12 -
2025
Titel Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus - IntermedialitÀt und IntertextualitÀt in den Elogia virorum literis illustrium DOI 10.24053/9783381115129 Typ Book Autor Baltas M Verlag Gunter Narr Verlag -
2022
Titel Das schiefe Bild Poggio Bracciolinis in Paolo Giovios Elogia virorum litteris illustrium; In: Die Kunst des Urteils in und ĂŒber Literatur und Kunst Typ Book Chapter Autor Wulfram H Verlag Winter Seiten 23 -
2023
Titel "Quid moror?" Ein vermeintliches Epitaph Pietro Bembos fĂŒr Jacopo Sannazaro Oder: Woher kam das neunte Epigramm? Typ Journal Article Autor Baltas M Journal Neulateinisches Jahrbuch Seiten 283-290
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2023
Titel Speaker at "Colloque international organisĂ© par Ămilie SĂ©ris. Portraits d'hommes et de femmes illustres de l'AntiquitĂ© au XVIIe siĂšcle." Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2022
Titel Speaker at "Il pensiero e l'opera di Leon Battista Alberti. Convegno internazionale a 550 anni dalla morte. 27-28 ottobre 2022" Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2021
Titel Speaker at "Die Kunst des Urteils in und ĂŒber Literatur und Kunst - L'art du jugement dans et sur la littĂ©rature et l'art." Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International