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Die Versepitaphien in Paolo Giovios Elogia virorum literis

The verse epitaphs in Paolo Giovio’s Elogia virorum literis

Hartmut Wulfram (ORCID: 0000-0002-4103-3365)
  • Grant-DOI 10.55776/P31626
  • Bewilligungs­summe Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projekt­beginn 01.09.2019
  • Projektende 28.02.2025
  • Bewilligungs­summe 395.142 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (90%)

Keywords

  • (inter-)mediality/early printing,
  • Paolo Giovio,
  • Digital Humanities,
  • Latin verse epitaphs,
  • Latin Renaissance Poetry,
  • Neo-latin literary historiography
Abstract Zusammenfassung

Der italienische Humanist Paolo Giovio (1483-1552), Wegbereiter des modernen Museums und der Museumspädagogik, sammelte in seiner Villa am Comer See Portraitbilder von Literaten, Machtha- bern und Künstlern. Unter den Konterfeis waren lateinische Pergamente mit von Giovio verfaßten Nachrufen (Elogien) angebracht, die häufig durch fiktive, von anderen verfaßte Grabinschriften in Versen abgeschlossen wurden. Giovio veröffentlichte diese Texte in den Elogien auf berühmte Litera- ten (1546) und Elogien auf berühmte Kriegsleute (1551) und veranlasste den Vater der Kunstge- schichte Giorgio Vasari zu den Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Archi- tekten (1550). Die von der Forschung vernachlässigten Versbeigaben erreichen bei Giovios frühneu- zeitlichen Literaten den deutlich höchsten Grad an literarischer Komplexität und Verdichtung, weil auf prominente Vorbildtexte aus der römisch-antiken Literatur und auf das Werk des Portraitierten, d.h. vermeintliche biographische Informationen, Motive, Sprache, Stil oder Versbau, geistreich Bezug ge- nommen wird. Der große Erfolg dieser Literatenepitaphien lässt sich daran ablesen, dass sich in der zweiten Ausgabe von Giovios Elogien auf berühmte Literaten (1557) sowie in allen übrigen Druk- ken des 16. Jahrhunderts viele weitere Gedichte aus der Feder des flämischen Philologen Johannes Latomus (1523-78) finden. Das beantragte Projekt möchte erstmals systematisch Machart und Kontext der von Giovio und La- tomus zusammengestellten Literatenepitaphien erforschen. Eine moderierte Wiki-Plattform soll die knapp 370 Kurzgedichte der zweiten Ausgabe (1557) zu antiken und humanistischen Vorbildern in Beziehung setzen. Im Anschluss an die philologische Aufbereitung und Übersetzung werden die inhaltlichen, sprachlichen und formalen Standardelemente detailliert aufgeschlüsselt, d.h. jene, die sich rund um Grab und Bestattung und speziell verstorbene Literaten ausgebildet haben (Topik). Das Open-Access-Format mit flexibler Hypertextualisierung eröffnet hierbei neue Möglichkeiten für ein work-in-progress im interaktiven Dialog mit FachkollegInnen. Anreize zur Mitarbeit setzen ein Reputationssystem sowie Vortragseinladungen. Die externen Meldungen und Ergänzungen werden nach Prüfung und Adaption von den ProjektmitarbeiterInnen hochgeladen. Die zweite Projektschiene fokussiert die Verortung im Buch. Untersucht wird, welche Dialogbeziehungen sich zwischen den poetischen Epitaphien, den davorstehenden Prosaviten und den mitgedachten Portraitbildern ergeben, wie mehrere Gedichte auf dieselbe Person interagieren und in welche Wechselverhältnisse die Epi- taphien auf verschiedene Autoren treten, wenn das Elogienbuch vollständig und in vorgegebener Rei- henfolge rezipiert wird. Eine internationale Tagung zu dieser kollektiven Wirkungsästhetik samt Ta- gungsband sowie eine eingeleitete und erläuterte lateinisch-deutsche Buchausgabe aller Elogia viro- rum literis illustrium (ed. Latomus 1557) runden das Unterfangen ab.

Als primäres Ergebnis des Projektes ist die daraus hervorgegangene Website "Musaeum Iovianum" zu nennen (paologiovio.univie.ac.at). Es handelt sich um eine digitale open-source-Edition inklusive Kommentar und deutscher Übersetzung der insgesamt 372 Epigramme aus dem Corpus der Elogia-Editionen von Giovio (1546) und Latomus (1557 etc.). Darüber hinaus sind dort, visuell anschaulich, detaillierte Analysen zur poetisch-literarischen Topik, zu Sprecher- und Adressatenfiguren, Stilmitteln sowie inter- und intratextuellen Relationen dargestellt. Mittels einer Filtersuchfunktion können die zahlreichen Gedichte erstmals nach spezifischen Kriterien durchsucht werden und ermöglichen auf diese Weise ebenso die gezielte Unterstützung bei Fragestellungen von Forschenden wie das schlagwortgeleitete Blättern von interessierten Laien oder auch die Auswahl von Material für didaktische Zwecke. Die Website ist zudem nicht als abgeschlossenes Produkt anzusehen, sondern soll nach Möglichkeit weiter 'wachsen'. Mittels des dafür eingerichteten Feedbackformulars können alle Userinnen und User niederschwellig Fragen, Anmerkungen, Korrekturvorschläge oder ergänzendes Material einbringen. Dieser interaktive Aspekt sowie die zuvor genannten Funktionen der Website versuchen die Vorteile zu nutzen und zugänglich zu machen, die eine digitale Edition bietet. Während die Website eine ausführliche, vorwiegend philologische Analyse der in den "Elogia" enthaltenden Epigramme darstellt, setzte sich die im Zuge des Projekts organisierte Fachtagung mit mehr literatur- und kulturwissenschaftlichen Teilaspekten auseinander, so etwa mit der vielschichtigen Entstehungsgeschichte und Gesamtkonzeption von Museum und Buchedition. Hinzukommen Einzelstudien zu bestimmten Elogia-Epigramm-Komplexen oder bestimmten Autoren. Die während der Tagung gehaltenen Vorträge sowie einige weitere wurden in dem Sammelband "Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. Intermedialität und Intertextualität in den Elogia virorum literis illustrium" (herausgegeben von Hartmut Wulfram und Matthias Adrian Baltas, Tübingen, Narr-Francke-Attempto, 2025, ISBN 978-3-381-11511-2) veröffentlicht. Im Verbund werden Website und Buch zu einem besseren Verständnis der "Elogia virorum literis illustrium" und einer angemesseneren Würdigung der beiden Autoren und Redaktoren Giovio und Latomus beitragen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 13 Publikationen
  • 1 Software
  • 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2025
    Titel Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus
    DOI 10.24053/9783381115129
    Typ Book
    Autor Wulfram H
    Verlag Narr Francke Attempto Verlag
  • 2022
    Titel Das schiefe Bild Poggio Bracciolinis in Paolo Giovios Elogia virorum litteris illustrium; In: Die Kunst des Urteils in und über Literatur und Kunst
    Typ Book Chapter
    Autor Wulfram H
    Verlag Winter
    Seiten 23
  • 2025
    Titel Die Gedichte des Johannes Latomus in Paolo Giovios Elogia virorum literis illustrium. Eine vergleichende Betrachtung; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. Intermedialität und Intertextualität in den Elogia virorum literis illustrium
    Typ Book Chapter
    Autor Rajic S
    Verlag Narr
    Seiten 14
  • 2025
    Titel Appendix 3: Gedichte von und über Johannes Latomus; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. Intermedialität und Intertextualität in den Elogia virorum literis illustrium
    Typ Book Chapter
    Autor Rajic S
    Verlag Narr
    Seiten 31
  • 2025
    Titel Appendix 2: Zeitleisten-Diagramm. Inklusive einiger Beobachtungen zur Anordnung der Elogia virorum literis illustrium; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. Intermedialität und Intertextualität in den Elogia virorum literis illustrium
    Typ Book Chapter
    Autor Baltas M
    Verlag Narr
    Seiten 16
  • 2025
    Titel Fortuna, Venus und Raumnot im Jenseits. Ein close reading des Boccaccio-Elogiums und seiner poetischen Beigaben bei Paolo Giovio und Johannes Latomus; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. Intermedialität und Intertextualität in den Elogia virorum literis illustrium
    Typ Book Chapter
    Autor Baltas M
    Verlag Narr
    Seiten 25
  • 2025
    Titel Appendix 3: Gedichte von und über Johannes Latomus; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. Intermedialität und Intertextualität in den Elogia virorum literis illustrium
    Typ Book Chapter
    Autor Rajic S
    Verlag Narr
    Seiten 31
  • 2025
    Titel Auftragsdichtung in Paolo Giovios Elogia virorum literis illustrium; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. Intermedialität und Intertextualität in den Elogia virorum literis illustrium
    Typ Book Chapter
    Autor Baltas M
    Verlag Narr
    Seiten 30
  • 2025
    Titel Einleitung; In: Von Paolo Giovio bis Johannes Latomus. Intermedialität und Intertextualität in den Elogia virorum literis illustrium
    Typ Book Chapter
    Autor Wulfram H
    Verlag Narr
    Seiten 12
  • 2025
    Titel Johannes Latomus' Art of Commenting and Correcting Epitaphs. Some Examples; In: Funerary Inscriptions in Early Modern Europe (Intersections)
    Typ Book Chapter
    Autor Rajic S
    Verlag Brill
  • 2025
    Titel Une histoire littéraire 'collective'. Les Elogia virorum litteris illustrium de Paul Jove et leurs modèles antiques; In: Portraits d'hommes et de femmes illustres de l'Antiquité au XVIIe siècle (Recherches sur les Réceptions de lAntiquité)
    Typ Book Chapter
    Autor Wulfram H
    Verlag Brepols
  • 2024
    Titel Musaeum Iovianum
    Typ Other
    Autor Baltas M
    Link Publikation
  • 2023
    Titel "Quid moror?" Ein vermeintliches Epitaph Pietro Bembos für Jacopo Sannazaro Oder: Woher kam das neunte Epigramm?
    Typ Journal Article
    Autor Baltas M
    Journal Neulateinisches Jahrbuch
    Seiten 283-290
Software
  • 2024 Link
    Titel Musaeum Iovianum
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2023
    Titel Speaker at "Colloque international organisé par Émilie Séris. Portraits d'hommes et de femmes illustres de l'Antiquité au XVIIe siècle."
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Speaker at "Il pensiero e l'opera di Leon Battista Alberti. Convegno internazionale a 550 anni dalla morte. 27-28 ottobre 2022"
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2021
    Titel Speaker at "Die Kunst des Urteils in und über Literatur und Kunst - L'art du jugement dans et sur la littérature et l'art."
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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