Nationale und lokale politische Eliten in Österreich
National and Regional Elites in Austrian Politics
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (100%)
Keywords
-
Political Elites,
Political Careers,
Austria,
Regional Elites,
National Elites,
Social Sequence Analysis
Wie wird man Spitzenpolitiker/in in Österreich? Welche Institutionen prägten und prägen Politikerkarrieren in der Zweiten Republik? Das sind die zentralen Ausgangsfragen des Projekts National and Local Elites in Austrian Politics. Das Projekt strebt eine umfassende Erhebung aller politischen Eliten auf Länderebene und auf der Nationalebene an. Biographische Daten zu Mitgliedern des Parlaments (Nationalrat, Bundesrat) stellt die Parlamentsdirektion zur Verfügung. Lebensläufe zu allen Mitgliedern aller Landesregierung (LH, LH-Stv., Landesräte) werden einschlägigen biographischen Werken oder den Politikerdatenbanken der Landesarchive entnommen. Lediglich für das Bundesland Kärnten liegen keine einschlägigen Informationen vor. Insgesamt stehen daher etwa 3.000 Politiker/innen im Mittelpunkt des Projekts. Politikerkarrieren werden mittels Sequenzanalyse untersucht, d.h. mittels eines Verfahrens das aus der Molekularbiologie stammt und zur Entschlüsselung genetischer Muster eingesetzt wurde. Eine Sequenz bildet den gesamten beruflichen Lebenslauf eines Politikers als Folge verschiedenere Berufsstadien ab, die jeweils über eine bestimmte Zeit andauern. Mittels verschiedener Matching-Verfahren können ähnliche Sequenzen gruppiert und so Typologien typischer Elitekarrieren eruiert werden. Durch diese Verdichtung von Informationen werden verschiedene systematische Vergleiche möglich. Es kann untersucht werden, ob sich etwa die Karrieren innerhalb gewisser Parteien verändert haben oder es kann ein Vergleich über die Zeit hinweg gezogen werden. Des Weiteren soll untersucht werden, inwiefern eine Karriere auf Länderebene auf die Spitzenpolitik auf Nationalebene vorbereiten kann. Politikerkarrieren in Österreich zeichnen sich durch vielfältige institutionelle Anbindungen aus. Typisch sind etwa Mitgliedschaften in Bünden/Verbänden (z. B. BSA, CV) aber auch ich in Gewerkschaften und Kammern (z. B. Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer). Mittels eines weiteren Visualisierungsverfahrens für Massendaten, der Korrespondenzanalyse, können diese Querverbindungen mit anderen Charakteristika systematisch in Verbindung gebracht werden. Ein weiteres Mal sollen Typen von Politikern ausfindig gemacht werden, die über unterschiedliche Anbindungen charakterisiert werden können. Hauptanliegen ist es hierbei zu untersuchen, ob die für den österreichischen Korporatismus so typischen Querverbindungen zwischen Politik und Sozialpartnern abgenommen haben. Schließlich werden auch auserwählte Politiker interviewt, um subjektive Sichten auf die identifizierten Karrieremuster einfangen zu können. Alle Daten werden durch ein dreiköpfiges Team erhoben und kodiert. Mittels Hilfe eines computer scientists wird eine relationale Politiker-Datenbank erstellt, die flexible Auswertungen ermöglicht. Die Datenkodierung erfolgt mittels Unterstützung von spezieller Software (computer-assisted coding). Alle Ergebnisse werden derart aufgearbeitet, dass ein Vergleich mit drei anderen europäischen Ländern (Deutschland, Niederlande, Schweiz) möglich ist. Mittels ähnlicher Vorgehensweisen werden Parlamentarier-Karrieren in diesen Ländernderzeitin demProjektbverbund ParliamentaryCareersin Comparison (http://parliamentarycareersincomparison.org) erarbeitet. Eine Zusammenschau wird es erstmals ermöglichen, die Effekte unterschiedlicher politischer Systeme und Parteienstrukturen auf Politikerkarrieren in Europa zu untersuchen.
Das Projekt kreiste um diese drei zentrale Forschungsfragen/-themen: Wer ist die politische Elite und wie hat sie sich über die Zeit verändert? Systematisch erhoben wurden neben sozio-demographischen Informationen alle öffentlich zugänglichen Informationen zur politischen Karriere aller Nationalratsabgeordneten zwischen 1945 und 2019. Die Karrieren der insgesamt 1.522 Volksvertreter wurden mittels Sequenzanalyse untersucht. Das computergestützte Verfahren stammt ursprünglich aus der Molekularbiologie und wird vorwiegend zur Entschlüsselung genetischer Muster eingesetzt. Eine Sequenz bildet den gesamten beruflichen Lebenslauf eines Politikers als Folge verschiedenere Berufsstadien ab, die jeweils über eine bestimmte Zeit andauern. Durch den systematischen Abgleich ganzer Sequenzen, konnten Typologien von Karrieren gebildet werden. Im Zentrum des Projektes stand die Frage ob und wie sich typische Karrieren ändern. Der Hauptbefund ist eindeutig: Auch wenn sich u. a. das Parteinsystem stark geändert hat, sind die Karriereverläufe sehr stabil geblieben. Die sogenannte "Ochsentour" durch die Partei bleibt die Regel. Erst auf den zweiten Blicken eröffnen sich Veränderungen. Indes etwa die die bündische Struktur der ÖVP Karrieren weiterhin prägt, hat die Bedeutung der Gewerkschaft für den Aufstieg in den Nationalrat innerhalb der SPÖ stark abgenommen. Markant ist des Weiteren der Rückgang an Arbeitern im Parlament so wie der Aufstieg des Berufspolitikers. Unterscheiden sich die politischen Karrieren zwischen Männern und Frauen? Eine Teilerklärung für die lange Zeit sehr starke Unterrepräsentanz von Frauen im Parlament findet sich in der Tatsache, dass durchaus oft beobachtbare Karrieresprünge von der Gemeindepolitik (z.B. Bürgermeisteramt) in den Nationalrat von Männern und nicht von Frauen gemacht werden. Der existierende "gender gap" auf der untersten Ebene findet damit auch Niederschlag auf der obersten Ebene des Föderalismus. Welche Nationalratsabgeordneten ziehen in welche Ausschüsse des Nationalrates ein? Ausschüsse sind die wichtigsten Gremien des Parlaments, in denen kleine Gruppen von Abgeordneten ausgewählte Themen fachlich abdecken. Die Frage, nach welcher Logik Parteien Gremien besetzen, wurde bislang für Österreich noch nicht systematisch untersucht. Eine vollständige Erhebung aller Ausschussmitgliedschaften zwischen 2002 und 2019 zeigt, dass Abgeordnete in demselben Ausschuss tätig bleiben, nachdem sie diesem erstmals zugewiesen wurden ("Senioritätsprinzip"). Neben der großen Bedeutung von Expertise ist auch auffallend, dass Frauen unabhängig von ihrer Fachkompetenz häufiger als Männer in Gremien mit geringem Prestige berufen werden.
Research Output
- 9 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 1 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Who gets what and why? On the politics of committee assignments in the Austrian Nationalrat DOI 10.5281/zenodo.10901170 Typ Preprint Autor Korom P Link Publikation -
2024
Titel Who gets what and why? On the politics of committee assignments in the Austrian Nationalrat DOI 10.5281/zenodo.6673614 Typ Preprint Autor Korom P Link Publikation -
2022
Titel Who runs Parliamentary Committees? Insights from the Austrian Case DOI 10.5281/zenodo.6673615 Typ Preprint Autor Korom P Link Publikation -
2022
Titel What Explains the Post-Quota Gender Gap in National Parliaments? On Gendered Career Opportunities in Multi-Level Austria DOI 10.5281/zenodo.6390027 Typ Preprint Autor Korom P Link Publikation -
2022
Titel What Explains the Post-Quota Gender Gap in National Parliaments? On Gendered Career Opportunities in Multi-Level Austria DOI 10.5281/zenodo.6390028 Typ Preprint Autor Korom P Link Publikation -
2022
Titel Who gets what and why? On the politics of committee assignments in the Austrian Nationalrat DOI 10.5281/zenodo.7841181 Typ Preprint Autor Korom P Link Publikation -
2022
Titel What Explains the Post-Quota Gender Gap in National Parliaments? On Gendered Career Opportunities in Multi-Level Austria DOI 10.5281/zenodo.7841219 Typ Preprint Autor Korom P Link Publikation -
2022
Titel Who gets what and why? On the politics of committee assignments in the Austrian Nationalrat DOI 10.5281/zenodo.7841133 Typ Preprint Autor Korom P Link Publikation -
2022
Titel New or old elites in politics? On change and stability in the career background of Austrian legislators, 1945-2019. https://doi.org/10.5281/zenodo.7352166 Typ Other Autor Korom Link Publikation
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2023
Link
Titel Who is Who in the National Council of Austria: A New Biographical Database (1945 - 2019) DOI 10.11587/unvoa2 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link
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2020
Titel GUSTAV FIGDOR AWARD FOR LAW, SOCIAL SCIENCES AND ECONOMICS Typ Research prize Bekanntheitsgrad National (any country)