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Der junge Beethoven, oder Beethoven der Jüngere

Young Beethoven, or Beethoven the Younger

John David Wilson (ORCID: 0000-0002-7078-6905)
  • Grant-DOI 10.55776/P32051
  • Bewilligungs­summe Einzelprojekte
  • Status Beendet
  • Projekt­beginn 15.04.2019
  • Projektende 14.04.2023
  • Bewilligungs­summe 233.938 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Keywords

  • Bonn,
  • Ludwig van Beethoven,
  • Composer Biography,
  • Court Music,
  • Electorate of Cologne
Abstract Zusammenfassung

Ludwig van Beethoven (17701827) verbrachte die ersten 22 Jahre seines Lebens in Bonn, die letzten zehn davon im Dienste der letzten zwei Kurfürsten von Köln, Maximilian Friedrich (r. 17611784) und Maximilian Franz (r. 17841794). Diese frühen Jahre, die mehr als ein Drittel seines Lebens umfassten, prägten zweifellos Beethovens musikalische, intellektuelle und geistige Weltanschauung. Dennoch stellen sie nach wie vor die am wenigsten verstandene Lebensphase des Komponisten dar: In Biographien erscheint dieses Thema typischerweise als kursorisches Eingangskapitel. Beethovens Bonner Werke werden zudem nur selten aufgeführt oder analysiert. Oft entsteht der Eindruck, möchte man verkürzt sagen, als habe sein Schaffen erst mit dem 1795 in Wien gedruckten Opus 1 begonnen. Die durchschnittlichen ZuhörerInnen, ProfimusikerInnen oder auch die anderweitig spezialisierten MusikwissenschaftlerInnen werden leicht zu der Annahme verleitet, dass Beethoven in Bonn bloß geboren wurde und erst in Wien ernsthaft zu komponieren begann. Dieser Eindruck könnte nicht irreführender sein. Zwischen seinen ersten Versuchen in der Komposition gegen 1782 und seinem Umzug nach Wien spät im Jahr 1792 vervollständigte Beethoven etwa 40 Werke in zahlreichen Gattungen wie Lied, Klaviersonate, Variationen, Kammermusik, Klavierkonzert, Konzertarie, Ballett und Kantate. Dieses imposante Oeuvre, wovon der Großteil zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht wurde, stellt jedoch nur die sichtbarste Manifestation einer ergiebigen, kreativen Vorstellungskraft dar, die durch Beethovens nach Wien mitgebrachten und heute weit verstreuten Skizzenbündel reichhaltig dokumentiert wird. Eine umfassende und zuverlässige Übersicht seiner Bonner Jahre trotz ihrer Wichtigkeit fehlt bislang völlig. Das Buch-Projekt Der junge Beethoven, oder Beethoven der Jüngere beabsichtigt, durch eine Rekonstruktion des musikalischen und intellektuellen Milieus des Komponisten und eine Neubewertung seiner frühen Kreativität diese enorme wissenschaftliche Lücke zu füllen. Der musikalisch erstrangige Bonner kurfürstliche Hof bildet den Hintergrund für eine Diskussion von Beethovens früher Karriere, die in Bezug zu den Laufbahnen seiner gleichaltrigen Kollegen (Andreas und Bernhard Romberg sowie Anton Reicha) gesetzt und mit diesen verglichen wird. Beethovens Frühwerk wird auf diese Weise vollkommen neu gehört keineswegs als noch nicht Beethoven, sondern als Spiegelung der gleichen Werte, die in seinem ganzen Schaffen erkennbar und seiner Ausbildung und Sozialisation als Hofmusiker klar zuzuordnen sind, sowie als die ersten Versuche, mit der vollen Unterstützung eines wertschätzenden und aufgeklärten Hofes, mit der breiteren Ideenwelt seiner Zeit in Dialog zu treten. Gleichzeitig werden Beethovens Bestrebungen in ihrer Vielfalt reflektiert Bestrebungen danach, die Persona eines Klavierwunderkindes zu etablieren, neuartige Klänge zu entdecken, seinen Improvisationen eine Gestalt zu geben, Freundschaft auszudrücken, geistige Verbundenheit mit seinen Mäzenen zu demonstrieren, sowie gelegentlich ernsthafte philosophische Aussagen zu treffen.

Ludwig van Beethoven (1770-1827) verbrachte die ersten zweiundzwanzig Jahre seines Lebens in Bonn, die letzten zehn als Hofmusiker im Dienste der beiden letzten Kurfürsten von Köln, Maximilian Friedrich (reg. 1761-1784) und Maximilian Franz (reg. 1784-1794). Diese frühen Jahre, die mehr als ein Drittel seines Lebens ausmachten, prägten zweifellos seine musikalische, intellektuelle und geistige Einstellung für den Rest seines Lebens. Dennoch sind sie die Phase seines Lebens, die von Biograph*innen, Musikwissenschaftler*innen und Kritiker*innen am häufigsten ausgeblendet wird. Die Werke, die er in Bonn komponierte, werden selten aufgeführt oder diskutiert. Praktisch wird der Beginn seines Schaffens weithin mit seinem Opus 1 gleichgesetzt, das 1795 in Wien veröffentlicht wurde. Interessierte Hörer*innen, Berufsmusiker*innen oder auch Musikwissenschaftler*innen aus anderen Fachrichtungen können leicht zu der Annahme verleitet werden, dass Beethoven lediglich in Bonn geboren wurde und erst in Wien ernsthaft zu komponieren begann. Das Buchprojekt " Der junge Beethoven oder Beethoven der Jüngere" hat diese enorme wissenschaftliche Lücke geschlossen, indem es Beethovens musikalisches und intellektuelles Milieu rekonstruiert und sein frühes Schaffen neu bewertet hat. Die über fünfzig Werke, die er in Bonn komponierte, wurden in frischen Zusammenhängen untersucht: der musikalisch erstklassige Bonner Kurfürstliche Hof, an dem er arbeitete; die Musik seiner gleichaltrigen Kollegen Andreas Romberg und Anton Reicha; die Netzwerke von Mäzenatentum, die er zwischen Bonn und Wien aufbaute; und die Gesellenstücke seiner ersten Jahre in Wien. Beethovens Frühwerk wird auf diese Weise vollkommen neu gehört - keineswegs als "noch nicht Beethoven", sondern als Widerspiegelung der gleichen Werte, die in seinem gesamten Werk erkennbar und seiner Ausbildung und Sozialisierung als Hofmusiker klar zuzuordnen sind, auch hinsichtlich erster Versuche, mit der weiteren Ideenwelt seiner Zeit in Dialog zu treten, was mit der vollen Unterstützung eines wertschätzenden und aufgeklärten Hofes geschah. Gleichzeitig werden Beethovens Bestrebungen in ihrer ganzen Vielfalt reflektiert: sich als hervorragender Pianist zu profilieren, neuartige Klänge zu entdecken, seinen Improvisationen Gestalt zu geben, Freundschaft auszudrücken, geistige Verbundenheit mit seinen Mäzenen zu demonstrieren sowie gelegentlich ernsthafte philosophische Aussagen zu treffen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

Research Output

  • 52 Zitationen
  • 1 Publikationen
  • 1 Künstlerischer Output
  • 6 Disseminationen
Publikationen
  • 2023
    Titel Genomic analyses of hair from Ludwig van Beethoven
    DOI 10.1016/j.cub.2023.02.041
    Typ Journal Article
    Autor Begg T
    Journal Current Biology
    Link Publikation
Künstlerischer Output
  • 2019
    Titel "Hofkapelle" Concert/Recording Series (ongoing)
    Typ Performance (Music, Dance, Drama, etc)
Disseminationen
  • 2020
    Titel Visiting Scholar, New York University
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2020 Link
    Titel Science Blog in "Der Standard"
    Typ Engagement focused website, blog or social media channel
    Link Link
  • 2022
    Titel Invited Lecture at Beethoven-Haus Bonn
    Typ A talk or presentation
  • 2023 Link
    Titel Interview on the Beethoven Genome Project
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Being Beethoven, BBC Four
    Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press)
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Profile in "Die Presse"
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link

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