Digitalisierungsproject des Kulturerbes von Chamba
The Cultural Heritage of Chamba Digitalisation Project
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (50%); Informatik (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
-
Indian temples,
Architectural History,
Himalayan c
Das frühere Königreich von Chamba, geografisch weitgehend identisch mit dem modernen Chamba District des indischen Bundesstaates Himachal Pradesh, konnte durch seine Lage einen Großteil seines kulturellen Erbes erhalten und ist damit eine der bedeutendsten Kulturräume Nordindiens. Eingebettet in die Vorgebirge des westlichen Himalya spiegelt sich eine Synthese der Kulturen Kashmirs und der Ebenen Nordindiens ebenso wider wie auch die lokalen Traditionen an der Grenze zu Westtibet. Die Kunst und Architektur von Brahmapura (das moderne Bharmour), der ursprünglichen Hauptstadt, und anderer Stätten wie Chhatrari und Chamba Town sind Zeugnis einer fast 1500 Jahre alten künstlerischen, religiösen und soziokulturellen Tradition. Ziel des Projekts ist die Dokumentation, Analyse und Digitalisierung der verschiedenen Aspekte dieser Kultur. Ausgangspunkt ist die Architektur eingeschlossen aller Konstruktionsmethoden, Entwurfsparameter sowie der damit unmittelbar zusammenhängenden Kunst wie etwa Holzschnitzarbeiten im Besonderen Decken und Portale und Artefakte, d.h. bildhafte Darstellungen der Gottheiten, denen die Heiligtümer gewidmet sind. Typologisch geht es dabei um Holztempel wie den Lakshana Devi Tempel in Bharmour und um Nagara Steintempel mit ihrem schlanken, nach oben hin gekrümmt zulaufenden Shikara Turmaufbauten. Basierend auf den Bauaufnahmen werden genaue Planunterlagen erstellt werden, die vor allem zur Auswertung und Darstellung der Proportionssysteme, Konstruktionsprinzipien und den Ordnungsprinzipien des ikonograpfischen Programms dienen. Vorrangig sind dabei die Portale, nicht nur wegen des hohen künstlerischen Wertes, sondern weil sie gleichzeitig den visuellen und auch ideologischen Rahmen für die im Hauptraum dargestellte Gottheit bilden. Portale reflektieren die intellektuelle Essenz des Monuments. Darüberhinaus zielt das Projekt auf die Dokumentation der erweiterten geografischen wie auch soziokulturellen Parameter ab. Dies beinhaltet Studien der Ritualtraditionen (Pujas, Prozessionen, etc.), die Sacred Landscape im lokalen wie auch überregionalen Maßstab wie auch überregionale Vergleichsstudien mit der vor-islamischen Kunst Kashmirs. Das Projekt berücksichtigt die sich neuesten Standards auf dem Gebiet des Digital Cultural Heritage (DCH), einem wichtigen Bereich der Digital Humanities (DH). Eine interaktive Website steht daher im Mittelpunkt des Projekts. Diese basiert auf digitalen Architekturmodellen und wird vervollständigt durch Karten, Pläne, Filme und natürlich textliche Beschreibungen. Die Daten werden weiter aufbereitet für Smartphone Applicationen und Tablets. In einem späteren Schritt wäre auch die Aufbereitung der Daten für VR (Virtual Reality) Anwendungen möglich. Damit werden die Ergebnisse nicht nur der wissenschaftlichen Gemeinde zugänglich gemacht, sondern auch der breiten Öffentlichkeit die Gelegenheit gegeben, mehr über die Kulturgeschichte dieser besonderen Region am Rande des indischen Himalayas zu erfahren. Die Anwendung von Methoden und Technologien des Digital Cultural Heritage Bereichs im Bereich der indologischen Studien und der Himalaya- Wissenschaften ist ein wesentlicher Aspekt des Projekts.
Die Digitalisierung des kulturellen Erbes von Chamba war primär, aber nicht ausschließlich auf materielle Kultur ausgerichtet. Es umfasste die Dokumentation von vorwiegend religiöser Architektur und Kunst, in der von der Mitte des ersten Jahrtausends bis heute die Geschichte die brahmanische Gesellschaft der Region widerspiegelt. Dafür wurden Steintempel des Nagara Typus wie auch die unter "hill temple" bekannten Tempel in Holz-Mauerwerk-Mischbauweise fotogrammetrisch erfasst und digitalisiert. Ebenso erfasst wurden Skulpturen, die entweder in die Architektur integriert sind oder auch nur von Tempelruinen eingesammelt und neu aufgestellt wurden. Bei der Architekturdokumentation lag der Schwerpunkt bei den Portalen und deren ikonographischen Programmen. Im Blickpunkt standen dabei die in der Bildkunst hervorgehobenen Themen, die mit der Schwellensituation räumlich wie auch ideologisch deutlich verknüpft sind: Fruchtbarkeit, Zeit und Unterwelt in Form von Darstellungen von Flussgöttinnen, Planetengottheiten sowie Toten- und Unterweltsgottheiten. Da Chamba immer von mächtigen und auch kulturell dominanten Nachbarn umgeben war, wurden vergleichende Studien mit den Regionen Kashmir, Kangra und Kullu durchgeführt. Der dafür bedeutendste Ort war Swai an der Grenze zu Kashmir, wo Reste mindestens eines vermutlich aus dem 10. Jahrhunderts stammenden Tempels in einen neuen Tempel integriert wurden und eine hohe Anzahl von Steinstelen in kaschmirischem Stil erhalten geblieben sind. Hier lässt sich das Verschmelzen von Architektur Nordindiens mit der Kunst Kaschmirs am besten nachvollziehen. Aussagekräftig sind auch exakte Studien zu den Holzportalen der Shakti Tempel von Bramour (Brahmapura) und Chatrarhi (6.-9.Jahrhundert). Hier konnten auch erstmals genaue Übereinstimmungen mit der buddhistischen Architektur in Ladakh nachgewiesen werden. Vergleichende Studien mit der Architektur des Buddhismus zeigen, dass die Nord-Süd-Verbindung zwischen Ladakh und Chamba zumindest ebenso stark war wie die bisher als vorrangig angesehene Verbindung zwischen Kashmir und Ladakh. Neben der kulturwissenschaftlichen Ebene lag der Schwerpunkt des Projekt bei der digitalen Aufbereitung der in der Feldforschung erhobenen Daten, der Modellierung der Tempel und Skulpturen, der digitalen Präsentation mittels 3D-Modellen und letztlich in der digitalen Disseminationsstrategie. Zwar werden die Ergebnisse auch in Printmedien veröffentlicht, das Kernstück der Veröffentlichung ist aber die digitale Publikation. Im Sinne der angestrebten Open Access Policy wurden die Ergebnisse in einem Blog mit verknüpftem Datenarchiv zusammengefasst. In 42 Einträgen sind damit alle Formen an Darstellungen zugänglich gemacht, beginnend von Handskizzen über Architekturpläne hin zu Fotos und Filmen, und im Weiteren 3D-Modelle und Animationen. Hervorzuheben ist hier das Potential des Digital Twins als Studienobjekt anstelle des oftmals nur schwer erreichbaren und bisweilen nicht zugänglichen Originals vor allem für kunsthistorischen Studien. Ergänzt wird die Datenübersicht durch ausführende Texte in den Einträgen sowie separate Beiträge, in denen die angewandten Methoden der Digitalisierung veranschaulicht und der Workflow erklärt werden. Der Blog ist unter https://iam.tugraz.at/research/chamba/blog/ abrufbar.
- Technische Universität Graz - 100%
Research Output
- 2 Zitationen
- 14 Publikationen
- 1 Policies
- 1 Datasets & Models
- 1 Disseminationen
-
2023
Titel Purifying the Stupa: Symbolism of the Lotus in Buddhist Architecture; In: Water and Sacred Architecture Typ Book Chapter Autor Luo D. Verlag Routledge Seiten 98-112 -
2023
Titel Where Gupta Art met the Architecture of Kashmir: The Lakshana Devi Temple of Brahmapura, Chamba Typ Journal Article Autor Kozicz G. Journal Orientations Seiten 52-60 -
2023
Titel Two Round Vajrāsana at Bodhgayā Typ Journal Article Autor Luo D. Journal Indo-asiatische Zeitschrift Seiten 29-36 -
2020
Titel The Onpo Lhakhang of Sumur. Notes on the neglected Nyingmapa tradition of Nubra DOI 10.4000/emscat.4427 Typ Journal Article Autor Kozicz G Journal Études mongoles et sibériennes, centrasiatiques et tibétaines Link Publikation -
2020
Titel Triloknath revisited. Recent results from field research DOI 10.4000/emscat.4286 Typ Journal Article Autor Kozicz G Journal Études mongoles et sibériennes, centrasiatiques et tibétaines Link Publikation -
2019
Titel Embedded in Living Tradition: The Gauri Shankar Shrine of Jagatsukh Typ Journal Article Autor Kozicz G. Journal Orientations Seiten 2-8 -
2021
Titel A Holy Site Reconstructed; In: Crossing Boundaries, Tibetan Studies Unlimited. Toni Huber Felicitation Volume Typ Book Chapter Autor Kozicz G. Verlag Academia Seiten 505-530 -
2021
Titel The Dharmarajika Stele Revisited Typ Journal Article Autor Kozicz G. Journal Orientations Seiten 71-77 -
2020
Titel Der König, die Königin und der Priester: Darstellungen von Festen, Weihen und Jagden in frühen buddhistischen Tempeln in Ladakh Typ Journal Article Autor Kozicz G. Journal Indo-asiatische Zeitschrift Seiten 37-52 -
2020
Titel Considerations about the Meaning of Stupas on Pala Stelea Typ Journal Article Autor Kozicz G. Journal Journal for Bengal Studies Seiten 135-148 -
2022
Titel Die Umāmaheśvara Stele von Chatrarhi: Das 3D-Modell als Studienobjekt Typ Journal Article Autor Kozicz G. Journal Indo-asiatische Zeitschrift Seiten 69-76 -
2022
Titel The Buddha, the Temple and the Tree: Observations and notes on the "Rammala Stele" Typ Journal Article Autor Kozicz G. Journal Journal for Bengal Studies Seiten 43-56 -
2022
Titel Collapsed, Fragmented and Re-assembled: The Temple Complex of Swaim Typ Journal Article Autor Kozicz G. Journal Orientations Seiten 94-100 -
2022
Titel Nidhis, Shabaras and the Northern Passage; In: Connecting the Art, Literature, and Religion of South and Central Asia. Monika Zin Felicitation Volume Typ Book Chapter Autor Kozicz G. Verlag DEV Publishers Seiten 199-208
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2023
Titel New guidelines for cultural heritage presentation Typ Influenced training of practitioners or researchers
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2019
Titel Cultural Heritage Preservation, Buri Singh Museum, Chamba Town Typ A talk or presentation