Frequenzabhängige Selektion in einer Täuscherpflanze
Frequency dependent selection in a deceptive orchid
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (55%); Chemie (45%)
Keywords
-
Scent,
Cypripedium Calceolus,
Pollination Ecology,
Evolution,
Frequency Dependent Selection
Manche Arten von Blütenpflanzen belohnen ihre Bestäuber nicht mit Nektar oder anderer Nahrung, man nennt sie trügerische Arten oder Täuscherpflanzen. Damit die Bestäuber trotzdem wiederkommen ist es so wird angenommen von Vorteil, von diesen nicht wiedererkannt zu werden. Ein wenig anders zu sein als die anderen Pflanzen in der gleichen Population bezüglich der Anlockungsmerkmale wie Farbe oder Duft hat einen Selektionsvorteil. Das wird Frequenzabhängige Selektion genannt. Im Falle von Täuscherpflanzen hätten die Minderheiten einen höheren Fortpflanzungserfolg. Das würde dazu führen, dass Täuscherpflanzen in ihren Blütenmerkmalen variabler wären als belohnende Pflanzen. Cypripedium calceolus L. ist eine täuschende Orchidee und die einzige Frauenschuhart in Europa. In unserem geplanten Projekt wollen wir durch experimentelle Untersuchungen an natürlichen Populationen und im Botanischen Garten zeigen, dass bei dieser Orchidee negativ frequenzabhängige Selektionsprozesse auf den Blütenduft wirken. Die wichtigsten Methoden sind die Analyse des Blütenduftes mit Gaschromatografie / Massenspektrometrie, die künstliche Belohnung mit Nektar und die Färbung des Pollens mit blüten-spezifischen Pigmentfarbcodes um den Weg des Pollens in einer Population feststellen zu können. Konkret werden folgende Hypothesen untersucht: a) Vater-Mutter-Paare von C. calceolus-Pflanzen (Pollenspender und Empfänger dieser Pollen) unterscheiden sich im Geruch stärker als zufällig ausgewählte Paare, b) seltene Phänotypen in Populationen von C. calceolus haben einen höheren Reproduktionserfolg als häufiger vorkommende Phänotypen, und c) künstlich belohnende Pflanzen von C. calceolus erfahren eine andere Art der Selektion als täuschende. Innerhalb der belohnenden Blüten haben häufiger vorkommende Phänotypen einen höheren Fortpflanzungserfolg als seltenere Phänotypen. C. calceolus ist ein gutes Modell zur Untersuchung der frequenzabhängigen Selektion, denn die Art ist trügerisch, pollenbegrenzt, abhängig von Insekten zur Pollenübertragung und hat einen starken und variablen Duft. Die Konsistenz der Pollenmasse und die Form der Blüte ermöglicht diese Experimente. Der einzigartige Aufbau mit Pigmentfarbcodes erlaubt es uns, den Pollen einer ganzen Population zu verfolgen, was mit den bisherigen Methoden nicht in diesem Ausmaß möglich war. Diese Studie zielt darauf ab, evolutionäre Prozesse in einer seltenen, heimischen Orchideenart aufzuklären. Dies wird auch helfen, ähnliche Vorgänge in anderen Organismen zu verstehen.
- Universität Salzburg - 100%
Research Output
- 20 Zitationen
- 4 Publikationen
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2020
Titel Does the Rarity of a Flower’s Scent Phenotype in a Deceptive Orchid Explain Its Pollination Success? DOI 10.3389/fpls.2020.584081 Typ Journal Article Autor Braunschmid H Journal Frontiers in Plant Science Seiten 584081 Link Publikation -
2025
Titel The morphological fit between flowers of Cypripedium calceolus L. and their visitors matters but does not explain flower size variations along altitude DOI 10.1007/s00035-025-00330-6 Typ Journal Article Autor Hoensbroech M Journal Alpine Botany Seiten 215-226 Link Publikation -
2025
Titel Deceptive Cypripedium calceolus shares more floral scent compounds with co-flowering rewarding species than those species share among each other DOI 10.3389/fpls.2025.1627890 Typ Journal Article Autor Etl C Journal Frontiers in Plant Science Seiten 1627890 Link Publikation -
2020
Titel Floral Scent and Pollinators of Cypripedium calceolus L. at Different Latitudes DOI 10.3390/d13010005 Typ Journal Article Autor Braunschmid H Journal Diversity Seiten 5 Link Publikation