Papyrologischer Kommentar zum Galaterbrief
Papyrological Commentary on Paul’s Letter to the Galatians
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (60%); Philosophie, Ethik, Religion (40%)
Keywords
-
Early Christianity,
Galatians,
Paul of Tarsus,
Ancient Law,
Family,
Papyri
Das Projekt Papyrologischer Kommentar zum Galaterbrief stellt sich der Aufgabe, zum ersten Mal mithilfe von Papyri, Ostraka (beschriebenen Tonscherben) und Holz- oder Wachstäfelchen aus dem antiken Alltag diesen Text des Neuen Testaments zu beleuchten und zu erklären. Das genannte Material bietet uns den bestmöglichen Zugang zu den Gedanken und Vorstellungen der durchschnittlichen Bevölkerung des Römischen Reiches; und zu dieser Gesellschaft gehörten auch die ursprünglichen Leserinnen und Leser des Galaterbriefes. Private und geschäftliche Briefe, Dokumente der römischen Verwaltung, verschiedenste Übereinkommen und Verträge, Steuerquittungen und Ähnliches führen uns ein lebendiges Bild nicht nur der damaligen Elite vor Augen, sondern auch und viel mehr noch der vielen Beziehungen von Menschen, die gezwungen waren, mit vergleichsweise einfachen Mitteln ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Autor des Galaterbriefes, Paulus von Tarsus, diskutiert in diesem Schreiben zum ersten Mal und auf besonders deutliche Weise die grundsätzliche Bedeutung von dem Gesetz, im Speziellen der Jüdischen Tora. Dokumentarische Papyriund verwandtes Material veranschaulichen nicht nur ein Gesetzesverständnis der herrschenden, gesetzgebenden Klasse, sondern auch jener, die die geltenden Gesetze einfach nur einzuhalten hatten. In diesem Zusammenhang werden Rechtsdokumente, die von einer jüdischen Gemeinde des ägyptischen Dorfes Herakleopolis erhalten geblieben sind, besonders ausgewertet. Die Bezeichnung von Christinnen und Christen als Töchter und Söhne Gottes wirft auf der anderen Seite die Frage auf, inwieweit nicht der papyrologische Befund zur Adoption die übertragene Sprache des Paulus neu beleuchten kann. Die Familiendokumente zweier jüdischer Frauen, die nahe des Toten Meeres entdeckt wurden, sagen sicher viel über die Rechte und Pflichten gegenüber Minderjährigen in einer multikulturellen Gesellschaft (griechisch-römisch-jüdisch) aus. Neben diesen und anderen Themen kann man von einem außerdem zu erarbeitenden fortlaufenden Kommentar erwarten, dass manch herkömmliche Deutung eines Textabschnitts oder Wortes unterstrichen, die eine oder andere aber widerlegt oder anders oder neu zu erklären sein wird. Methodisch geht es hier um den Vergleich zweier unterschiedlicher Textgruppen, biblischer Texte auf der einen und Texte aus dem antiken Alltag auf der anderen Seite. Ein solcher Vergleich ist nur möglich, wenn beide Gruppen demselben historischen Umfeld angehören, aber noch nicht voneinander abhängig sind (bereits christliche Papyri scheiden somit für den Vergleich aus). Ferner müssen beide aus einer vergleichbaren Zeit stammen, einem gemeinsamen geographischen Gebiet angehören und vergleichbare Textsorten und semantische Felder miteinander teilen. Das endgültige Ziel dieses Projektes ist die Publikation der Ergebnisse in Form eines Bandes der mittlerweile anerkannten Reihe Papyrologische Kommentare zum Neuen Testament.
Papyri aus dem Alltag der griechisch-römischen Antike bieten einen direkten Zugang zur sprachlichen, wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Welt der damaligen Bevölkerung. Jene Einsichten, die über lokale und regionale Besonderheiten Ägyptens und der Levante (den Kerngebieten für Papyrusfunde) hinausgehen, lassen sich auch auf die römische Provinz Galatien anwenden. Ein Vergleich der Papyri mit dem Galaterbrief des Paulus von Tarsus zeigt daher am besten, wie die galatischen Gemeinden, an die dieser Brief adressiert wurde, das Schreiben des Paulus verstanden haben könnten. Das Forschungsprojekt widmete sich sowohl dem Formular und den Formeln des Briefes als auch wichtigen Themen wie Sklaverei, Adoption, Testament und Erbschaft, dem Verhältnis zum Judentum, den Gegnern des Paulus und der Verwendung und Bedeutung einzelner Begriffe. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden voraussichtlich im Herbst 2025 als Band 5 der namhaften Reihe "Papyrologische Kommentare zum Neuen Testament" unter dem Titel "Galatians" erscheinen. Die auf Englisch verfassten Kapitel des Bandes stammen von Mitgliedern des Forschungsprojekts sowie von international anerkannten Vertreterinnen und Vertretern der Neutestamentlichen Bibelwissenschaft und der Papyrologie.
- Universität Salzburg - 100%
- Sabine Huebner, Universität Basel - Schweiz
Research Output
- 3 Publikationen
- 1 Künstlerischer Output
- 1 Disseminationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2021
Titel The Evil Eye and the Cross DOI 10.1628/ec-2021-0031 Typ Journal Article Autor Popa R Journal Early Christianity Seiten 447 -
2023
Titel Inheriting God: Paul's Language of Guardianship and Adoption in Light of the Documentary Papyri (Gal 4,1-7) Typ Journal Article Autor Popa R. Journal Biblica Seiten 274-293 -
2024
Titel Deeds of Will on Papyrus and the Use of the Term d?a???? in the Letters of Paul DOI 10.1017/s0028688523000437 Typ Journal Article Autor Popa R Journal New Testament Studies Seiten 262-274
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2022
Titel Organization of International Conference on Galatians Typ Participation in an activity, workshop or similar
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2023
Titel Galatians as a Letter Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2022
Titel Magic in Galatians Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International