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Der Längste Frieden des frühneuzeitlichen Nahen Ostens

The Longest Peace of the Early Modern Middle East

Giorgio Rota (ORCID: 0000-0001-9214-9408)
  • Grant-DOI 10.55776/P32696
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.01.2020
  • Projektende 14.01.2024
  • Bewilligungssumme 294.639 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (25%); Politikwissenschaften (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)

Keywords

    Early Modern Middle East, Safavid Iran, Diplomacy, Ottoman Empire, Peace-making

Abstract Endbericht

Das Ziel des Projekts ist es, die unbekannte Geschichte des längsten Friedens in dem frühneuzeitlichen Nahen Osten, der mit dem Vertrag von Zuhab anfing und bis zum Sturz der safawidischen Monarchie im Iran fortfuhr, festzustellen. Es wird die mehreren Dynamiken der dreiundachtzig-jährigen friedlichen Nachbarlichkeit zwischen dem Osmanischen Reich und Safawidischem Iran, die zusammen fast die ganze Region kontrollierten, ans Licht bringen. Erstens werden wir den Ablauf von Ereignissen, von denen wir noch kaum etwas wissen, wiederherstellen, indem wir alle relevanten Quellen von iranischem, osmanischem, und europäischem Ursprung benutzen. Die überwiegende Mehrheit dieser Quellen besteht aus literarischen Werken in Handschriftform und katalogisierten Dokumenten. Das Projekt wird sich nicht nur auf Isfahan und Konstantinopel sondern auch auf die Grenzländer von Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Kurdistan, den Irak, und den Persischen Golf konzentrieren. Innerhalb eines zusammenhängenden Narratives werden wir dadurch die geographisch entfernten Szenen von internationalen Beziehungen miteinander integrieren. Dies wird uns ermöglichen, besser zu verstehen, wie Außenpolitik gestaltet wurde und Diplomatie geführt wurde. Dieser ganzheitlicher Denkensatz wird den Funden unseres Projekts erlauben, über eine bloße Beschreibung der zeremonillen Form der zwischenstaatlichen Verhältnisse hinaus zu gehen, und den reichen, konkreten Inhalt, der uns unbekannt geblieben ist, aufzuklären. Um die Grundlagen der vormodernen Diplomatie des Nahen Ostens festzustellen werden wir zusätzlich auf die Fälle von anderen zeitgenössischen und nicht-zeitgenössischen Staaten hinweisen, wie die Mamluken, die Seldschuken, die Ilchanen, die Ghaznawiden, die Usbek- Chanaten, das Mughalreich, Marokko, und die türkischen Fürstentümer von Anatolien. Dieser Versuch wird uns helfen, die Sätze der Hierarchien für Staaten, Herrscher, Minister, Fürsten, Diplomaten, und bei verschiedenen Kontexten und Zeitrahmen gültiges Zeremoniell zu entwickeln. Zu guter Letzt werden wir die Verwendung der Religion in dieser Versöhnung zwischen zwei Großmächte, deren Beziehungen vor 1639 durch Krieg, Konflikt, und Auseinandersetzung gekennzeichnet war, untersuchen.

Das Projekt rekonstruierte das Netzwerk diplomatischer Beziehungen (im Hinblick auf den Austausch von Gesandten und Briefen), das das safawidische Persien und das Osmanische Reich zwischen 1639 und 1722 verband, sowie das System, das diesen Austausch regelte und ihn ermöglichte und sinnvoll machte. Diese 83 Jahre, die auf den Frieden von Sohab/Kasr-i Shirin (1639) folgten, stellen die längste Friedensperiode im Nahen Osten während der Frühen Neuzeit und Neuzeit dar. Trotz ihrer Bedeutung wurde diese Periode nie richtig untersucht: Im Gegenteil, sie wurde immer nicht nur als eine Zeit "ohne Geschichte" (aufgrund der Abwesenheit von Kriegen zwischen den beiden Mächten) angesehen, sondern auch als eine Zeit ohne ausreichende Primärquellen, um das Wenige dokumentieren zu können, das möglicherweise stattgefunden hat, und schließlich als eine Zeit, die mit einer Phase des "Niedergangs" beider Reiche zusammenfiel. Das Projekt stellte diese Vision in Frage und widerlegte erfolgreich die Gleichung "keine Kriege = keine Geschichte". Auf diese Weise trug es dazu bei, den Begriff des "Verfalls" weiter zu präzisieren, der bereits von einer Reihe anderer Gelehrter - sowohl Osmanisten als auch Historiker des Irans - stark in Frage gestellt worden war. Um diese historiografische Lücke zu füllen, lokalisierte und nutzte das Projekt eine große Anzahl von Primärquellen (größtenteils offizielle Urkunde beider Reiche, die die wenigen vorhandenen narrativen Quellen ergänzten). Dabei wurden viele in den türkischen Archiven aufbewahrte persische offizielle Dokumente identifiziert (bekanntlich sind die Zentralarchive des Safawidenstaates verloren gegangen). Der Frieden von Sohab/Kasr-i Shirin war ein Wendepunkt in der Geschichte des Nahen Ostens: Er legte nicht nur Grenzen fest, die heute noch weitgehend bestehen, sondern markierte auch einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der Beziehungen zwischen den Osmanen und Safawiden - von den Beziehungen zwischen zwei Herrschern bis zu den etablierten und kodifizierten diplomatischen Beziehungen zwischen zwei Staaten mit eindeutiger Rechtspersönlichkeit. Mutatis mutandis lassen sich seine Auswirkungen mit denen des Westfälischen Friedens vergleichen, der den Dreißigjährigen Krieg beendete: Das heißt, er führte eine neue Art der Diplomatie und des Verständnisses der Beziehungen zwischen Staaten ein. Darüber hinaus zeigte das Projekt, dass die Beziehungen zwischen dem safawidischen Persien und dem Osmanischen Reich in den Jahren 1639-1722 grundsätzlich friedlich, aber weder herzlich noch statisch waren: Trotz des militärischen Ungleichgewichts zwischen den beiden Staaten (und zugunsten der Osmanen) waren diese Beziehungen zu einem ständigen Verhandlungsprozess untergeordnet, der unter anderem die jeweilige internationale Position der beiden Mächte und insbesondere des Osmanischen Reiches widerspiegelte, das ständig in Europa engagiert war (hier ist die zweite Belagerung Wiens von 1683 zu nennen).

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Gabor Agoston, Georgetown University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 7 Publikationen
  • 1 Disseminationen
  • 7 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2022
    Titel When the Going was Good: Francesco Coste Piry in Europe and (Perhaps) Elsewhere
    Typ Journal Article
    Autor Rota G
    Journal Revue des Études Arméniennes
    Seiten 567-573
    Link Publikation
  • 2022
    Titel The 'Pastille Affair in Ottoman-Safavid Relations, 1705-1709
    Typ Journal Article
    Autor Güngörürler S
    Journal Journal of Safavid Studies (University of Isfahan)
    Seiten 47-58
  • 2020
    Titel The Belated Consummation of the Ottoman-Safavid Peace of Zuhab, 1639-1643
    Typ Journal Article
    Autor Güngörürler S.
    Journal Archivum Ottomanicum
    Seiten 35-67
  • 2024
    Titel The Ottoman Empire and Safavid Iran, 1639 1683: Diplomacy and Borderlands in the Early Modern Middle East
    Typ Book
    Autor Gungorurler S
    Verlag Edinburgh University Press
    Link Publikation
  • 2021
    Titel The Ottoman Chancery's Role in Diplomacy with Iran
    Typ Journal Article
    Autor Güngörürler S.
    Journal Itinerario
    Seiten 572-590
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Ottoman Archival Documents on the Shrines of Karbala, Najaf, and the Hejaz (1660s-1720s)
    Typ Journal Article
    Autor Güngörürler S.
    Journal Journal of the Economic and Social History of the Orient
    Seiten 897-1032
    Link Publikation
  • 2021
    Titel The Safavid World
    Typ Book
    Autor Matthee
    Verlag Taylor & Francis Ltd
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2021
    Titel Interview with national newspaper
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel Sabancı University History Seminar
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2023
    Titel International conference "Die Diplomaten am Hofe von Kaiser Rudolf II. in Prag: diplomatischer Raum/diplomatische Räume und Topografie(n) einer mitteleuropäischen Metropole in der Frühen Neuzeit"
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2023
    Titel "Tenth European Conference of Iranian Studies (ECIS 10)", Leiden University
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel International conference "Contextualizing Imperial Borderlands (9th c. BC - 9th c. AD, and Beyond), Bregenz
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel New Horizons in Kızılbash/Alevi-Bektashi History Workshop
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel International conference "From the Columns of Hercules up to the Argonaut's Voyages", Vienna
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2021
    Titel On-line conference "Turkic: Probing the Frontiers of a Lingua Franca, Austrian Academy of Sciences"
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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