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Geschlecht und Ökonomie im Wandel

Gendered Economic Relations in Evolution

Alyssa Schneebaum (ORCID: 0000-0002-0320-5525)
  • Grant-DOI 10.55776/P32709
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2019
  • Projektende 30.09.2022
  • Bewilligungssumme 331.622 €

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (80%); Wirtschaftswissenschaften (20%)

Keywords

    Applied Microeconometrics, Intersectionality, Labor Economics, Gender Inequality, Economic Inequality

Abstract Endbericht

Das Forschungsprojekt Geschlecht und Ökonomie im Wandel beinhaltet fünf individuelle Studien, die in renommierten wissenschaftlichen Journalen publiziert werden sollen. Im Rahmen des Projektes wird untersucht, inwiefern Änderungen in gesetzlichen und institutionellen Rahmenbedingungen auf die Rolle des Geschlechts in der Ökonomie wirken. Es wird betrachtet, wie sich Geschlechterrollen in der Ökonomie in Bezug auf geänderte soziale Normen, rechtliche Rahmenbedingen und kulturelle Praktiken verändert haben. Jedes der fünf Papiere verwendet neueste ökonometrische Methoden sowie letztverfügbare Mikrodaten, um die Forschungsfragen hinreichend beantworten zu können. Die zentrale Hypothese jeder Studie ist grob gesagt jene, dass Veränderungen in der Gesetzgebung oder in sozialen/kulturellen Institutionen die Geschlechterrollen in der Ökonomie beeinflussen. Die Studien fokussieren sich fast ausschließlich auf westliche Länder (Österreich, Kanada und die USA). Eine Arbeit verfolgt jedoch einen globalen Ansatz und analysiert in über 100 verschiedenen Ländern, ob sich die Beschäftigungsverhältnisse von Frauen verbessern, wenn sie in globalisierten Unternehmen beschäftigt sind im Vergleich zu Unternehmen, welche hauptsächlich im lokalen Markt operieren. Konkret soll geklärt werden, ob und inwiefern die Globalisierung neue Möglichkeiten für Frauen am Arbeitsmarkt eröffnet. Eine zweite Studie untersucht, ob sich die Arbeitsteilung (die Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, wie beispielsweise Hausarbeit oder Kinderbetreuungsverpflichtungen) bei gleichgeschlechtlichen Paaren in den Vereinigten Staaten verändert hat, nachdem diese das Recht auf Heirat erhalten haben. Anders formuliert wird die Frage behandelt, ob die neuen Rechte die Art und Weise verändern, wie Paare ihr ökonomisches Leben gestalten. Ein drittes Papier betrachtet die wirtschaftlichen Auswirkungen der sexuellen Orientierung und analysiert, ob sich der Einkommensunterschied von homosexuellen Männern und Frauen innerhalb der letzten 15 Jahre verändert hat. Im Kontext der vierten Forschungsarbeit wird untersucht, welche Auswirkungen das höhere Bildungsniveau von Frauen auf die Akkumulation von Vermögen und die Entscheidungsmacht innerhalb von Haushalten hat. Dies ist deshalb so interessant, da Bildung oftmals als Schlüsselfaktor für ökonomische Selbstständigkeit und Wohlstand angesehen wird. Führt höhere Bildung von Frauen zu einer Änderung der Verteilung von Ressourcen und Entscheidungsmacht innerhalb von Paarhaushalten? Das fünfte Papier beschäftigt sich abschließend mit der Frage, ob das bedingungslose Grundeinkommen (jede/r TeilnehmerIn erhält ein monatliches Grundeinkommen unabhängig vom Arbeitseinkommen), welches in Kanada in den 1970er Jahren eingeführt wurde, die Entscheidungen hinsichtlich Familiengründung von Paaren beeinflusst hat. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob finanzielle Absicherung mittels bedingungslosem Grundeinkommen Paare dazu ermutigt, Kinder zu bekommen.

"Geschlecht und Ökonomie im Wandel" untersucht, wie sich die Relevanz von Geschlecht in der Wirtschaft entwickelt hat, als soziale Normen, Gesetze und Wirtschaftspraktiken sich verändert haben. Das Projekt umfasst mehrere Studien, die jeweils zeigen, wie untrennbar ökonomische Beziehungen und Geschlecht miteinander verbunden sind. Die Länder, Zeiträume und wirtschaftlichen Ergebnisse, die in den Studien untersucht werden, sind unterschiedlich, aber die grundlegende Haupterkenntnis zeigt sich immer wieder: Wirtschaftliche Prozesse und Ergebnisse werden sehr stark von Geschlechternormen beeinflusst, und wirtschaftliche Bedingungen wiederum beeinflussen Geschlechterverhältnisse. Aus diesem Projekt sind vier Forschungspapiere hervorgegangen. Das Erste dokumentiert, dass es eine geschlechtsspezifische Ungleichheit beim Vermögen gibt, nicht nur insgesamt, sondern auch innerhalb der Haushalte. Etwa ein Drittel der heterosexuellen Paare in Österreich gab 2017 an, dass sie in der Partnerschaft nicht gleichermaßen am Vermögen beteiligt sind. In den meisten dieser Haushalte besitzen Männer mehr Vermögen. Der geschlechtsspezifische Vermögensunterschied in österreichischen Haushalten hängt stark mit dem Bildungs- und Migrationshintergrund der Personen in den Partnerschaften zusammen. Am größten ist die Vermögenslücke bei Paaren, die aus einem in Österreich geborenen Mann und einer im Ausland geborenen Frau bestehen. Das zweite Papier untersucht, wie sich ein Grundeinkommenszuschuss - also eine Garantie der Regierung, dass ein Haushalt jeden Monat ein Einkommen erhält - auf die Fertilität auswirkt. In den 1970er Jahren bot die kanadische Regierung in einigen Regionen ein solches Programm an. Die Studie im Projekt zeigt, dass Haushalte, die den Grundeinkommenszuschuss erhielten, mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Kind bekamen. Das dritte Papier weist auf, dass Gesetze, die gleichgeschlechtlichen Paaren in den Vereinigten Staaten zwischen 2000 und 2016 die gleichen Rechte wie heterosexuellen Paaren zuerkannten, veränderten, wie diese Paare die Arbeit untereinander organisierten. Als gleichgeschlechtliche Paare das Recht zu heiraten bekamen, verstärkten sie ihre Arbeitsteilung, was bedeutete, dass der Unterschied in der bezahlten Arbeit der Personen in der Partnerschaft zunahm. Diese Ergebnisse implizieren, dass die Ehe wirtschaftliche Ungleichheit innerhalb einer Beziehung fördert, was uns helfen kann, die großen geschlechtsspezifischen Unterschiede in Bezug auf Einkommen und Arbeitszeit bei heterosexuellen Paaren zu verstehen. Das letzte Papier fragt, wie sich die Globalisierung auf die wirtschaftliche Stellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt auswirkt. Die Arbeit zeigt, dass Normen der Geschlechtergleichstellung und -ungleichheit durch ökonomische Interaktionen übertragen werden. Wenn Unternehmen Eigentümer oder Kunden in relativ gleichberechtigten Ländern haben, üben sie selbst eher gleichberechtigtere Beschäftigungsstrukturen aus. Dies gilt für Produktions- und Nichtproduktionsjobs, aber die Chancengleichheit der Geschlechter durch ausländisches Eigentum oder Kunden in gleichgestellten Ländern erhöht nicht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen weibliche Top-Manager beschäftigt. All diese Papiere bekunden, dass Geschlecht und Geschlechternormen in vielen Wirtschaftsbeziehungen und Wirtschaftsfragen für geschlechtsspezifische Ergebnisse vorhanden sind. Wenn sich Gesetze und Institutionen ändern, ändern sich auch die Geschlechterverhältnisse - aber die Ungleichheit scheint fortzubestehen.

Forschungsstätte(n)
  • Wirtschaftsuniversität Wien - 100%

Research Output

  • 6 Zitationen
  • 7 Publikationen
  • 3 Disseminationen
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2025
    Titel How Is Global Commerce Affecting the Gender Composition of Employment? A FirmLevel Analysis of the Effects of Exposure to Gender Norms via Trade and FDI
    DOI 10.2139/ssrn.5169461
    Typ Preprint
    Autor Heckl P
  • 2020
    Titel Partnership Recognition Rights and the Household Division of Labor
    Typ Other
    Autor Alyssa Schneebaum
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Economic Security and Fertility: Evidence from the Mincome Experiment
    DOI 10.3138/cpp.2022-063
    Typ Journal Article
    Autor Dökmeci T
    Journal Canadian Public Policy
  • 2023
    Titel How is Global Commerce Affecting the Gender Composition of Employment? A Firm-Level Analysis of the Effects of Exposure to Gender Norms Via Trade and FDI
    DOI 10.2139/ssrn.4397877
    Typ Preprint
    Autor Lennon C
  • 2023
    Titel How is global commerce affecting the gender composition of employment? A firm-level analysis of the effects of exposure to gender norms via trade and FDI
    Typ Other
    Autor Alyssa Schneebaum
    Link Publikation
  • 2023
    Titel The Effect of Basic Income Grants on Fertility.
    Typ Journal Article
    Autor Carla Rainer
    Journal Canadian Public Policy
  • 2022
    Titel Intra-Couple Wealth Inequality: What’s Socio-Demographics Got to Do with it?
    DOI 10.1007/s10680-022-09633-4
    Typ Journal Article
    Autor Rehm M
    Journal European Journal of Population
    Seiten 681-720
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2019 Link
    Titel Interview in New York Times
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2019
    Titel Media Coverage - Globalization
    Typ A magazine, newsletter or online publication
  • 2020 Link
    Titel Guest Editor, Review of Evolutionary Political Economy
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2022
    Titel Vienna Chamber of Labour Young Economist Conference Keynote Lecture
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Distinguished Visiting Lecturer, Department of Women's and Gender Studies, Bucknell University, USA
    Typ Prestigious/honorary/advisory position to an external body
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2023
    Titel Dr. Maria Schaumayer Habilitation Stipend
    Typ Fellowship
    Förderbeginn 2023
    Geldgeber Oesterreichische Nationalbank

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