Phylogenie Palaeobiogeographie karibischer Lepidocyclinen
Phylogeny Paleobiogeography of Caribbean Lepidocyclinds
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (80%); Mathematik (20%)
Keywords
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Larger Foraminifera,Morphometry,Biostratigraphy,
P
Großforaminiferen sind marine Einzeller, die ähnlich wie Korallen eine Symbiose mit Mikroalgen eingehen und daher in subtropischen und tropischen flachmarinen Umgebungen zu finden sind. Die Ursprünge ihrer rezenten Vertreter gehen über 45 Mio. Jahre zurück, und trotz ihrer relativ geringen Größe (von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern) gehören sie zu den wichtigsten Produzenten mariner Kalksedimente (bis zu mehreren Tonnen pro Quadratkilometer pro Jahr). Diese Ablagerungen können Im Laufe von Jahrmillionen so mächtig werden, dass sie sogar zum Erbauen historischer Bauwerke genutzt wurden wie etwa der Pyramiden von Gizeh. Während moderne Korallenriffe durch Korallenbleichen immer stärker zurückgehen, florieren die viel resistenteren Großforaminiferen und werden wahrscheinlich in Zukunft die subtropische und tropische Karbonatproduktion dominieren. Erkenntnisse über die Entwicklung und Verbreitung von fossilen Korallenriffen in der Erdneuzeit wurden besonders in den letzten Jahrzenten publiziert und dazu genutzt, um Prognosen über die Riffentwicklung in Zeiten des Klimawandels zu treffen. Ähnliche Ansätze mit Hilfe von Großforaminiferen wurden bisher hingegen kaum versucht und stellen ein völlig neues Forschungsgebiet in der Mikropaläontologie dar. Für solche Prognosen sind jedoch detaillierte Studien über die Verwandtschaftsverhältnisse von fossilen und rezenten Großforaminiferen sowie über ihre Biologie und Ökologie mittels morphometrischer, sedimentologischer und stratigraphischer Untersuchungen unabdingbar. Durch einen Vergleich dieser Befunde mit der neuesten paläoklimatologischen und paläoozenaographischen Literatur lassen sich Veränderung der geographischen und ökologischen Verbreitung von Großforaminiferen in erdgeschichtliche Phasen mit rapidem Klimawandel im Detail nachvollziehen. Damit leistet dieser mikropaläontologische Forschungsansatzeinen wesentlichenBeitrag zumVerständnis des schwerwiegendsten klimatologischen Phänomens der Neuzeit.
Die Lepidocyclinen gehören zu den Großforaminiferen, wobei Großforaminiferen als marine Einzeller mit kalkigen, gekammerten Gehäusen enorme Größen von 2mm bis zu 17cm erreichen können. Durch ihre komplexen Gehäuse, die aus einem Nepionten aus Protoconch und Deuteroconch mit peri-embryonalen Kammern und anschließenden, ringförmig angeordneten Äquatorialkammern bestehen, wobei noch beidseitig Lateralkammern angefügt sind, lassen sich komplexe evolutive Tendenzen, die zu verschiedenen Gattungen führen, klar dokumentieren. Die Entwicklung der Lepidocyclinen begann im frühen Eozän Mitteamerikas und setzte sich bis in das Untere Miozän fort. Im späten Eozän transgredierten sie über den Atlantik, wo sie im Indopazifik bis in das jüngere Miozän anzutreffen sind. Innerhalb des Forschungsprojektes, beginnend mit Februar 2020, konnten wegen der Coronakrise erst Ende 2022 und Anfang 2023 folgende Feldarbeiten und Aufsammlungen durchgeführt werden: Colombia(10.12.2022 - 21.12.2022). Field trips in El Carmen de Bolivar und Sincelejo both in the Caribbean region of Colombia Panama (19.02.2023 - 03.03.2023). Field trips near Panama City and the Azuero Peninsula. Mexico (29-11.2023 - 12.12.2023). Field trips in San Cristobal de las Casas, Palenque and Tuxtla Gutierrez. Die Aufarbeitung dieser Proben ist derzeit noch im Gange. Zum Glück hatte die Projektmitarbeiterin A. I. Torres-Silva Material aus Kuba mitgebracht, die sie für Ihre Dissertation über Nummulitiden verwenden konnte, wobei die Lepidocyclinen dieser Proben im Rahmen des laufenden Projektes verarbeitet und deren Resultate in einer umfangreichen Arbeit publiziert wurden. In dieser Arbeit wurden neue Wege der Arterfassung beschritten, die auf einer objektiven Beurteilung und Gruppierung metrischer, wachstumsunabhängiger Merkmale beruhen und subjektive Betrachtungsweisen ausschließen. Dies hat zu einer deutlichen Klärung der Artabgrenzung nicht nur anhand des Embryonalapparates, sondern auch mit Hilfe der Äquatorialkammern geführt. Damit wurde die phylogenetische Reihe der Gattung Lepidocyclina im Jüngeren Eozän Kubas geklärt.
- Universität Wien - 100%
- Stjepan Coric, GeoSphere Austria (GSA) , nationale:r Kooperationspartner:in
- Antonio Briguglio, Università di Genova - Italien
- Yamirka Rojas-Agramonte, Universidad de Los Andes - Kolumbien
- Manuel Iturralde Vinent, National Museum of Natural History - Kuba
- Laura Cotton, University of Bristol - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 11 Zitationen
- 3 Publikationen
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2024
Titel Objective identification of Lepidocyclina (Foraminifera) species from the Eocene of Cuba based on growth-invariant morphometric characters DOI 10.1080/14772019.2023.2287728 Typ Journal Article Autor Torres-Silva A Journal Journal of Systematic Palaeontology Seiten 2287728 Link Publikation -
2022
Titel Interpreting Morphologically Homogeneous (Paleo-)Populations as Ecological Species Enables Comparison of Living and Fossil Organism Groups, Exemplified by Nummulitid Foraminifera DOI 10.1007/s12583-021-1567-z Typ Journal Article Autor Hohenegger J Journal Journal of Earth Science Seiten 1362-1377 Link Publikation -
2020
Titel Methods for Testing Ontogenetic Changes of Neanic Chamberlets in Lepidocyclinids DOI 10.2113/gsjfr.50.2.182 Typ Journal Article Autor Hohenegger J Journal Journal of Foraminiferal Research Seiten 182-194