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Kinderrechte in der Reproduktionstechnologie

Children´s Rights in Reproductive Technologies

Angelika Walser (ORCID: 0000-0002-8332-2405)
  • Grant-DOI 10.55776/P32842
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 04.05.2020
  • Projektende 03.09.2025
  • Bewilligungssumme 122.692 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (80%); Psychologie (20%)

Keywords

    Co-Parenting Websites, Artificial Reproductive Technologies, Reproductive Autonomy, Children's Rights, Theological Ethics

Abstract Endbericht

Co-Parenting Websites, die in der angloamerikanischen Welt bereits seit ca. 20 Jahren existieren, werden nun auch auf dem deutschsprachigen Markt angeboten. Sie ermöglichen Personen, die auf freundschaftlicher Basis eine Familie gründen wollen, ein Kennenlernen per Internet. Im Rahmen eines persönlichen Treffens können private Abmachungen bezüglich der Erwartungen und Rollenvorstellungen der zukünftigen Eltern vereinbart werden (Vater/Mutter in Vollzeit- oder Teilzeitfunktion). Ethisch gesehen erscheinen solche Möglichkeiten zunächst einmal als eine Erweiterung reproduktiver Autonomie für die beteiligten Erwachsenen. Auf der anderen Seite weisen erste Studien in Belgien oder England - abgesehen von gravierenden juridischen Problemen - auf die von vornherein bestehende Fragilität der Bindungen in solchen Familienkonstellationen hin, so dass aus ethischer Perspektive die Frage nach den Interessen der Kinder und nach ihrem Wohl gestellt werden muss. Das beantragte Drittmittelprojekt möchte anhand der ersten deutschsprachigen Website "www.familyship.org" in einer empirischen Studie erstens die Motivation, die Wertvorstellungen und Lebenskonzepte der Provider und UserInnen dieser Website genauer erforschen. Zweitens bringt es die Ergebnisse dieser Studie in Zusammenhang mit der theologisch-ethischenFragenach KindeswohlundKinderrechteninder Reproduktionstechnologie. Sie ist bislang in der Literatur wenig erörtert worden, insofern Familiengründung gemeinhin als Privatsache erachtet und grundsätzlich eher unter einer beziehungsethischen Perspektive diskutiert wird. Angesichts der Novellierung des Fortpflanzungsmedizingesetzes in Österreich (2015) und der demnächst zu erwartenden Novellierung des Embryonenschutzgesetzes in Deutschland soll darüber hinaus nun diskutiert werden, inwiefern bei zukünftigen Familiengründungen durch Co-Parenting Websites aus einer normativ-ethischen Perspektive staatliche Maßnahmen zur Sicherung des Kindeswohls bzw. der Kinderrechte einzufordern sind, wie diese genauer aussehen sollten und wie sie ethisch begründet werden könnten. Mit beiden Forschungszielen, sowohl der empirischen Studie als auch der Frage nach den Kinderrechten in der Reproduktionsmedizin, betritt das Forschungsprojekt Neuland.

Bernadette Breunigs Forschungsprojekt über Co-Parenting (Familiengründung auf freundschaftlicher Basis) zielt auf einen angemessenen Umgang mit neuen Formen der Familiengründung ab und treibt die Weiterentwicklung katholisch-theologischer Familienforschung an. Ausgehend vom Angebot der digitalen Plattform www.familyship.org untersucht Breunig zunächst in einem empirischen Teil - nämlich in 9 problemzentrierten Leitfadeninterviews - die Motive, Überlegungen und individuellen Wertvorstellungen von (angehenden) Eltern, die auf Basis einer rein freundschaftlichen Beziehung eine Familie gründen wollen oder diesen Schritt bereits getan haben. Breunigs Ergebnis: Eine Familiengründung auf freundschaftlicher Basis hat - weniger als erwartet - mit (homo)sexueller Orientierung zu tun als mit den hohen Erwartungen, die sich gemeinhin an die traditionell ehebasierte Familie richten und die zu ihrer Destabilisierung maßgeblich beigetragen haben. Familiengründung auf freundschaftlicher Basis kann laut Breunig als Abschied von der seit der Epoche der Romantik bestehenden Vision der Liebesehe gelesen werden. Solide Freundschaften erweisen sich in den Augen der befragten Interviewpartner:innen oft als verlässlicher und stabiler als romantische Liebesbeziehungen. Ein weiterer Vorteil zum traditionellen Familienmodell ist die Realisierung geschlechtergerechter Arbeitsteilung von Care- und Erwerbsarbeit sowie die Tatsache, dass - anders als bei Samenbanken beispielsweise - das Kind beide biologische Eltern von Anfang an kennt und daher zu beiden eine Beziehung entwickeln kann. Die Eltern-Kind-Beziehung steht dann auch im zweiten theologisch-ethischen Teil im Mittelpunkt der Arbeit. Breunig setzt sich hier zunächst intensiv mit den reproduktiven Rechten Erwachsener auseinander und stellt ihnen einen bewussten Blick auf Kinderrechte und Kindeswohl gegenüber. In Anwendung auf die spezifische Situation des Co-Parenting kommt Breunig zum Schluss, dass sich die neue Familiengründungsmethode auf das Recht der Fortpflanzungsfreiheit (Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention) berufen kann, dass vertragsrechtliches Denken allein aber den speziellen Abhängigkeiten der Eltern-Kind-Situation nicht gerecht wird. Daher setzt sie unter Berufung auf das von Papst Franziskus in "Amoris Laetitia" neu entdeckte Gradualitätsprinzip auf die Beziehungsethik und wendet beziehungsethische Kriterien wie Achtsamkeit bezüglich Vulnerabilitäten aller Beteiligten oder den Primat der Liebe auf die Co-Parenting-Situation an. Grundsätzlich hat Breunig keine Bedenken, dass Familien auf freundschaftlicher Basis gut gelingen können, wenn Erwachsene zu einer verbindlichen Übernahme von Verantwortung bereit sind, und zwar nicht nur im Hinblick auf das Kind, sondern auch im Hinblick auf den Partner. Abschließend kommt Breunig zum Schluss, dass sich die katholische Kirche politisch stärker für alternative Familienformen einsetzen sollte. Die Sicherung der Qualität von Beziehungen muss aus Sicht theologischer Ethik wichtiger sein als die bloße Erhaltung traditioneller Familienstrukturen um der Form willen. Öffentliche und rechtliche Anerkennung für alternative Familienformen würden außerdem erheblich zu ihrer Stabilität beitragen, ohne dass der Wert der ehebasierten Familie in irgendeiner Form gemindert würde, im Gegenteil. Nicht die Ehe macht ein gelingendes Familienleben aus, sondern Wertschätzung, Respekt und unbedingte Liebe.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

Research Output

  • 3 Publikationen
  • 2 Policies
  • 2 Disseminationen
  • 4 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2024
    Titel Familie im Wandel - Sozialwissenschaftliche, ethische und rechtliche Perspektiven
    DOI 10.1007/978-3-662-68056-8
    Typ Book
    editors Breunig B, Schweiger G, Walser A
    Verlag Springer Berlin Heidelberg
  • 2025
    Titel Co-Parenting: Familiengründung auf freundschaftlicher Basis. Theologisch-ethische Perspektiven auf neue Familienformen
    Typ PhD Thesis
    Autor Bernadette Breunig
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Familie im Wandel
    Typ Journal Article
    Autor Angelika Walser
    Journal praefaktisch.de
    Link Publikation
Policies
  • 2025
    Titel Impact for Christian Churches and Christian Theology
    Typ Influenced training of practitioners or researchers
  • 2023 Link
    Titel Modern forms of family-building
    Typ Influenced training of practitioners or researchers
    Link Link
Disseminationen
  • 2024 Link
    Titel Interview for Familyship.org with Bernadette Breunig
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2024
    Titel Interviews for media
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2025
    Titel Die Pluralität von Partnerschafts- und Familienformen heute
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)
  • 2023
    Titel Founding a family on the basis of friendship: Co-Parenting
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2022
    Titel Co-Parenting als Herausforderung für Theologische Ethik
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2021
    Titel Kinderrechte als Grenzen reproduktiver Autonomie aus theologisch-ethischer Perspektive
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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