Die Typologie von Kumulativität
The typology of cumulativity
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Formal Semantics,
Typology,
Cumulativity,
Plurals,
Sätze mit Pluralausdrücken können in einer Reihe von Situationen wahr sein: Der Satz Zwei Buben füttern zwei Katzen zum Beispiel ist wahr, wenn Bub 1 und Bub 2 jeweils zwei Katzen füttern, aber auch, wenn Bub 1 nur Katze 1 füttert und Bub 2 nur Katze 2. Damit unterscheidet sich dieser Satz in seinen sogenannten `Wahrheitsbedingungen` von dem Satz Jeder Bub füttert zwei Katzen, der im zweiten Fall falsch ist (auch, wenn es nur zwei Buben gibt). Das Projekt will herausfinden, wie solche Wahrheitsbedingungen von Pluralsätzen zustandekommen. Aber warum ist das interessant? Letztlich wolllen wir ja die menschliche `Sprachfähigkeit` verstehen (also z.B.: Wieso können wir Sätze unserer Muttersprachen verstehen, auch wenn wir ihnen vorher nie begegnet sind?) -- und dazu müssen wir auch untersuchen, was überhaupt Bedeutungen für Ausdrücke menschlicher Sprachen sein können (z.B.: Was genau ist die Bedeutung von jeder oder zwei?) und was die Mechanismen sind, mittels derer wir die Bedeutungen kleinerer Teile (z.B. zwei, Katzen) zu Bedeutungen größerer Teile (z.B. zwei Katzen) zusammensetzen. Pluralsätze sind innerhalb dieser übergeordneten Fragestellung besonders relevant, da sie von unserer Bedeutungstheorie noch nicht gut erfasst sind. Was intuitiv bei obigem Pluralsatz zu geschehen scheint, ist, dass wir parallel Buben und von ihnen gefütterte Katzen zu Gruppen `zusammenfassen`. Unklar ist aber, wie genau dieser Mechanismus funktioniert und was wir genau `zusammenfassen` -- wollen wir z.B. nur Katzen zu Gruppen `zusammenfassen` oder auch Eigenschaften des Katzen-Fütterns? Finden wir dieses Phänomen nur bei nominalen Pluralausdrücken wie zwei Katzen? Oder auch bei anderen Ausdrücken, wo wir andere Arten von Objekten `zusammenfassen` (z.B. bei tanzen und singen)? Und wie unterscheiden sich die Bedeutungen von Ausdrücken, die ein solches `Zusammenfassen` erlauben, von den Bedeutungen jener Ausdrücken, die das auf den ersten Blick nicht tun (z.B. jeder Bub)? Es gibt in der Semantik (die sich mit der Bedeutung von natürlicher Sprache beschäftigt) dazu unterschiedliche Hypothesen, die aber anhand einer einzelnen Sprache wie Deutsch kaum zu unterscheiden sind -- auch darum, weil es immer die Möglichkeit gibt, dass eine Sprache auch Elemente enthält, die nicht `ausgesprochen` werden. Allerdings machen die verschiedenen Hypothesen unterschiedliche Vorhersagen für sprachübergreifende Muster (z.B.: Würde man annehmen, dass Deutsch ein `stilles` Element enthält, das einen Beitrag zur Bedeutung von Pluralsätzen macht, dann würde man erwarten, dass dieses Element in manchen Sprachen `sichtbar` ist). Deshalb untersucht das Projekt die Vorhersagen der unterschiedlichen Hypothesen sprachübergreifend. Dabei verwenden wir die öffentlich zugängliche, neu entwickelte Terraling-Datenbank: Hier kann man Fragen formulieren, zu denen LinguistInnen dann Daten aus ihren jeweiligen Muttersprachen bereitstellen.
Sätze mit Pluralausdrücken können in einer Reihe von Situationen wahr sein: Der Satz `Zwei Buben füttern zwei KatzenÄ zum Beispiel ist wahr, wenn Bub 1 und Bub 2 jeweils zwei Katzen füttern, aber auch, wenn Bub 1 nur Katze 1 füttert und Bub 2 nur Katze 2. Damit unterscheidet sich dieser Satz in seinen sogenannten `Wahrheitsbedingungen' von dem Satz `Jeder Bub füttert zwei Katzen', der im zweiten Fall falsch ist (auch, wenn es nur zwei Buben gibt). Das Projekt wollte herausfinden, wie solche Wahrheitsbedingungen von Pluralsätzen zustandekommen. Aber warum ist das interessant? Letztlich wollen wir die menschliche `Sprachfähigkeit' verstehen -- und dazu müssen wir auch untersuchen, was überhaupt Bedeutungen für Ausdrücke menschlicher Sprachen sein können. Pluralsätze sind innerhalb dieser übergeordneten Fragestellung besonders relevant, da sie von unserer Bedeutungstheorie noch nicht gut erfasst sind. Was intuitiv bei unserem obigen Pluralsatz zu geschehen scheint, ist, dass wir parallel Buben und von ihnen gefütterte Katzen zu Gruppen `zusammenfassen'. Unklar ist aber, wie genau dieser Mechanismus funktioniert und was genau wir `zusammenfassen'. Um dies zu verstehen, haben wir in diesem Projekt sprachübergreifend gearbeitet, mittels der öffentlich zugängliche, neu entwickelte Terraling-Datenbank, in der Linguist:innen Daten aus ihren jeweiligen Muttersprachen zu den von uns formulierten Fragen bereitgestellt haben. Die Idee war hier, dass, wenn es spezielle Mechanismen gibt, die dieses `Zusammenfassen' bei Pluralsätzen erlauben, diese zumindest in einigen Sprachen sichtbar sein sollten. Dabei haben wir herausgefunden, dass dieses `Zusammenfassen' eine ganz grundsätzliche Eigenschaft der menschlichen Sprache zu sein scheint -- in keiner der von uns betrachteten Sprachen findet man zum Beispiel in Pluralsätzen zusätzliche Elemente, die anwesend sein müssen, um diese `zusammenfassende' Lesart zu erlauben. Diese Beobachtung wiederum steht im Widerspruch zu vielen `klassischen' Theorien in der Semantik, die annehmen, dass menschliche Sprachen aus Bausteinen zusammengebaut sind, die `klassisch logische' Bedeutungen haben. Unsere Untersuchungen zeigen zudem, dass diese `klassisch logischen' Bedeutungen (zumindest in dem von uns untersuchten Bereich) immer komplexen Ausdrücken entsprechen, also nicht `primitive' Elemente der menschlichen Sprache zu sein scheinen. Zudem haben wir zeigen können, dass sogar jene Ausdrücke, die auf den ersten Blick `klassisch logisch' erscheinen, sich oft wir Plurale (und damit nicht `klassisch-logisch' verhalten), was die fundamentale Frage aufwirft, ob menschliche Sprachen überhaupt irgendwelche `klassisch-logischen' Ausdrücke enthalten (auch wenn diese morphologisch komplex sind). Die Tatsache, dass Pluralbedeutungen so grundsätzlich in menschlichen Sprachen zu sein scheinen, führt dann wiederum zu der Frage, welche Objekte genau Pluralitäten formen können, also von diesem `Zusammenfassen' betroffen sind. Intuitiv können wir ja nur Dinge zusammenfassen, die unterschiedlich sind; unser Projekt zeigt aber, dass auch abstrakte Objekte zusammengefasst werden können -- daraus können schließen, dass diese Unterschiedlichkeitsbedingung selbst abstrakt sein muss.
- Boban Arsenijevic, Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Victor Edgar Onea Gaspar, Universität Graz , nationale:r Kooperationspartner:in
- Susanne Wurmbrand, Universität Salzburg , nationale:r Kooperationspartner:in
- Sigrid Beck, Eberhard-Karls Universität Tübingen - Deutschland
- Nina Haslinger, Georg-August-Universität Göttingen - Deutschland
- Kouame Josue Akpoue, Université Félix Houphouët-Boigny - Elfenbeinküste
- Benjamin Spector, Ecole Normale Supérieure de Paris - Frankreich
- Guglielmo Cinque, Universitá Cá Foscari di Venezia - Italien
- Marcin Wagiel, Masarykova Univerzita - Tschechien
- Lucas Champollion, New York University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Hilda Koopman, University of California at Los Angeles - Vereinigte Staaten von Amerika
- Yasutada Sudo, Universal College London - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 3 Zitationen
- 12 Publikationen
- 2 Methoden & Materialien
- 1 Datasets & Models
- 1 Disseminationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2023
Titel Partial control and plural predication; In: The size of things 2 Typ Book Chapter Autor Prinzhorn Verlag Language Science Press Seiten 321-343 Link Publikation -
2023
Titel Are There Pluralities of Worlds? DOI 10.1093/jos/ffad002 Typ Journal Article Autor Schmitt V Journal Journal of Semantics Seiten 153-178 -
2025
Titel A unified semantics for distributive and non-distributive universal quantifiers across languages DOI 10.1007/s11049-025-09673-5 Typ Journal Article Autor Haslinger N Journal Natural Language & Linguistic Theory Seiten 3147-3214 Link Publikation -
2022
Titel Cumulative readings of distributive conjunctions: Evidence from Czech and German DOI 10.18148/sub/2022.v26i0.998 Typ Other Autor Dočekal M Link Publikation -
2022
Titel Cumulative readings of distributive conjunctions: Evidence from Czech and German Typ Conference Proceeding Abstract Autor Docekal Konferenz Sinn und Bedeutung Seiten 239-257 Link Publikation -
2020
Titel Cumulation Across Attitudes and Plural Projection DOI 10.1093/jos/ffaa008 Typ Journal Article Autor Schmitt V Journal Journal of Semantics Seiten 557-609 -
2022
Titel Syntactic conditions on cumulative readings of German jeder ‘every’ DPs DOI 10.1007/s10828-022-09135-x Typ Journal Article Autor Haslinger N Journal The Journal of Comparative Germanic Linguistics Seiten 115-168 Link Publikation -
2022
Titel What embedded counterfactuals tell us about the semantics of attitudes DOI 10.1515/lingvan-2021-0032 Typ Journal Article Autor Haslinger N Journal Linguistics Vanguard Seiten 469-478 Link Publikation -
2023
Titel Partial control and plural predication DOI 10.5281/zenodo.8427887 Typ Book Chapter Verlag Language Science Press Link Publikation -
2021
Titel Distinguishing belief objects; In: Formal approaches to number in Slavic and beyond Typ Book Chapter Autor Haslinger Verlag Language Science Press Seiten 251-274 Link Publikation -
2021
Titel Cumulation cross-linguistically; In: Formal approaches to number in Slavic and beyond Typ Book Chapter Autor Haslinger Verlag Language Science Press Seiten 219-249 Link Publikation -
2021
Titel Counterfactual attitude contents and the semantics of plurals in belief contexts Typ Conference Proceeding Abstract Autor Haslinger Konferenz Sinn und Bedeutung Seiten 394-411 Link Publikation
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2024
Titel Keynote Sinn und Bedeutung 29 Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel Keynote speaker Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International
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2024
Titel Project Doubling and register variation within SFB register Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2024 Geldgeber German Research Foundation