New Highlander in den östereichischen Alpen
New highlanders in high mountain areas of the Austrian Alps
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Agrarwissenschaften (15%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (85%)
Keywords
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New Farmers,
Cultural Landscape,
New Highlanders,
Demographic Change,
Austrian Alps
Idyllisch anmutende alpine Hochgebirgsdörfer sind seit dem Beginn der Industrialisierung mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert: Abwanderung vor allem junger Personen, Überalterung der verbleibenden Bevölkerung, Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe etc. Infolgedessen stehen vermehrt Gebäude leer, Nahversorgungs- sowie Bildungseinrichtungen schließen. Zudem werden eine Vielzahl an Agrarflächen nicht mehr bewirtschaftet, weshalb betroffene Hochgebirgsdörfer nicht zuletzt einem erhöhten Naturgefahrenrisiko durch Muren, Lawinen oder Felsstürzen ausgesetzt sind. Die Zeichen für den Fortbestand peripher gelegener Alpendörfer stehen also nicht besonders gut, so erweckt es jedenfalls den Eindruck. Die Herausforderungen, welche mit dem Leben in der Peripherie verbunden sind, schränken Einheimische in ihrem Denken und Handeln zusehends ein sie wandern ab. Andere wiederum das haben internationale Forschungsbei- träge der jüngsten Vergangenheit gezeigt folgen ihrer Sehnsucht nach Freiheit, Urtümlichkeit sowie Landwirtschaft und ziehen bewusst aus der Stadt in besagte Alpendörfer. Die Ideen dieser sogenannte new highlanders bzw. new farmers pflanzen dort sprichwörtlich ihre Samen, deren positiven Synergieeffekte sich nach und nach ernten lassen: Die Bevölkerungszahlen und dörflichen Sozialstrukturen stabilisieren sich, Gebäude und Bräuche werden wiederbelebt oder ehemals brachgefallene Agrarflächen erneut bewirtschaftete. In den Westalpen ist dieser Migrationstrend keine Unbekannte mehr. Im Ostalpenraum hingegen - insbesondere in Österreich - wurde dieses Phänomen bis dato noch nicht untersucht. Und das, obwohl der Alpenstaat hinsichtlich der Größe seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche und Bevölkerung eine Sonderstellung einnimmt. Gerade deshalb konzentriert sich das Forschungsteam ausdrücklich auf den Alpenstaat Österreich und sieht sich im Verlauf dieses Projektes mit einer Reihe an Fragen konfrontiert: In welcher Form existiert dieser Gegentrend zur Landflucht auch in den österreichischen Alpen? In welchen Gebieten sind die neuen Gebirgsbewohner bzw. new farmers anzutreffen? Was motiviert diese Personen ins Hochgebirge zu ziehen und welche Herausforderungen, Chancen und Einflüsse machen sich dort im Zuge dessen bemerkbar? Um diese und weitere Fragen hinreichend beantworten zu können, greift das Team auf eine breite Palette an Methoden zurück. So werden unter anderem Einheimische sowie new highlanders vor Ort befragt aber auch amtliche Statistiken ausgewertet. Der Einfluss der neuen Agrarbevölkerung auf die Kulturlandschaft wird mithilfe zeitlicher Vergleiche von Luftbildern bestimmt, um nur einige zu nennen. Die eingangs erwähnten Probleme lassen sich nur selten zur Gänze beseitigen. Nichtsdestotrotz steckt in der neuen Gebirgsbevölkerung ein unterschätztes Potential, den negativen Auswirkungen der Landflucht entgegen zu wirken und zum Wiederaufblühen der Hochgebirgsdörfer und alpinen Kulturlandschaften beizutragen.
Das Projekt setzt sich mit NeueinsteigerInnen in der Berglandwirtschaft der Ostalpen, ihren Bewirtschaftungsweisen sowie den damit einhergehenden Innovationsprozessen auseinander. Der Untersuchungsraum bestand dabei aus Gemeinden im Vorarlberger Montafon, in Osttirol und im Südtiroler Vinschgau. Basierend auf der Mehrebenen-Perspektive folgte das Forschungsdesign einem qualitativen Querschnitt, im Zuge dessen ExpertInnen und NeueinsteigerInnen via semi-strukturierter Interviews befragt wurden. Die zahlreichen Feldforschungen zeigen, dass die untersuchten "New Farmers" durch kleine, diversifizierte, extensiv und ökologisch verträglich wirtschaftende Betriebe im Nebenerwerb charakterisiert sind. Mit ihren unkonventionellen Einstellungen und Wirtschaftsweisen sorgen sie für die Einführung neuer/alternativer Formen sozialer, ökologischer sowie ökonomischer Innovationen, wie etwa multifunktionaler Landwirtschaften mit diversifizierten Betriebssträngen, Nutzung vielfältiger Marketingstrategien oder Aufbau alternativer Organisationsmodelle. Dabei leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Sicherung und Weiterentwicklung der Berglandwirtschaft und zum Erhalt der Kulturlandschaft
- Universität Innsbruck - 100%
- Thomas Streifeneder, Academia Europea Bozen - Italien
- Elena Dai Prà, Università di Trento - Italien
- Laurence Moss, GLORIOSO, MOSS & ASSOCIATES - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 8 Zitationen
- 6 Publikationen
- 2 Datasets & Models
- 1 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2024
Titel Engagement of new entrants in mountain farming through the lens of generativity: Lack of family farming background and its implications in Alpine Austria and Italy DOI 10.1111/soru.12476 Typ Journal Article Autor Grüner B Journal Sociologia Ruralis Seiten 325-352 Link Publikation -
2022
Titel Gekommen, um zu bleiben? Integration nach Amenity Migration in den Alpenraum. Qualitative Längsschnittstudie in zwei peripheren Gebirgsregionen Westösterreichs DOI 10.1553/moegg163s199 Typ Journal Article Autor Grüner B Journal Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft Seiten 199-234 Link Publikation -
2022
Titel New Players on a Tough Field DOI 10.2478/euco-2022-0015 Typ Journal Article Autor Konzett S Journal European Countryside Seiten 302-327 Link Publikation -
2024
Titel - Lifestyle (Im)Mobilities Across Alpine Space and Society: Interactions of Lifestyle Movers and Lifestyle Farmers with the Cultural Landscape of the European Eastern Alps. Innsbruck, Austria Typ PhD Thesis Autor Bernhard Grüner Link Publikation -
2023
Titel NeueinsteigerInnen in der westösterreichischen Berglandwirtschaft als Quelle neuer Ideen und Innovationen Typ Journal Article Autor Grüner Journal Austrian Journal of Agricultural Economics and Rural Studies Seiten 77-84 -
2023
Titel Two Close-to-Nature Lifestyles, One Benefit for the Cultural Landscape: Comparing Lifestyle Movers and Lifestyle Farmers in the Remote European Eastern Alps DOI 10.1659/mrd.2022.00033 Typ Journal Article Autor Grner B Journal Mountain Research and Development Link Publikation
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2021
Titel New Entrance to Mountain Farming in the Eastern Alps: Actors and their Routes into Agriculture, Motivation, Opportunities and Challenges (SUF edition) DOI 10.2478/euco-2022-0015 Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich -
2022
Titel New Entrance to Mountain Farming in the Eastern Alps: Actors and their Routes into Agriculture, Motivation, Opportunities and Challenges (SUF edition) DOI 10.11587/lcwvfd Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich
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2024
Titel Prize of the Faculty of Earth and Atmospheric Sciences Typ Research prize Bekanntheitsgrad Regional (any country)