Die neuralen Korrelate sexueller Objektifizierung
The neural correlates of sexual objectification
Wissenschaftsdisziplinen
Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (40%); Psychologie (60%)
Keywords
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Social Behavior,
Sexual Objectification,
Similarity,
Shared Representations,
Neuroimaging,
Empathy
Laut einer Schätzung der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen (UN-Frauen) wird jede dritte Frau weltweit zumindest einmal in ihrem Leben Opfer physischer und/oder sexueller Gewalt durch Männer, eine Verletzung der Menschenrechte, die als weltweites Problem der öffentlichen Gesundheit gilt. Dieses Phänomen wird verschärft durch den Fakt, dass Gewalt oft begleitet wird von Gewalt unterstützenden Einstellungen, was eine Kultur erzeugt, in der Gewalt nicht klar verurteilt wird, sondern subtil gebilligt oder gar ermutigt wird. Es wurde vorgeschlagen, dass reduzierte Empathie für das Leiden des Opfers ein Schlüsselfaktor um Gewalt instand zu setzen ist, aber auch um helfendes Verhalten zu verhindern, und eine Konsequenz von sexueller Objektifizierung, definiert als die Reduktion eines Individuums auf seine/ihre Körperteile. Es wurde zum Beispiel gezeigt, dass die Wahrnehmung von Frauen als sexuelle Objekte weniger Sorge hervorruft, wenn diese Opfer sexueller Gewalt werden und, dass die Frauen als mehr verantwortlich dafür gesehen werden, dass sie vergewaltigt werden, während die Täter weniger für ihre Gewalttat beschuldigt werden. Trotz des wachsenden Interesses an den zwischenmenschlichen Aspekten sexueller Objektifizierung fehlt bisher jegliches Verständnis davon, wie und warum die Wahrnehmung anderer als sexuelle Objekte unser Verhalten beeinflusst. Inspiriert von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, welche zeigen, dass empathische Gehirnreaktionen gegenüber sexuell objektifizierten Frauen im Vergleich zu solchen, die nicht sexuell objektifiziert sind, abnehmen, wird dieses Projekt funktionelle Magnetresonanztomographie und Verhaltensaufgaben dazu verwenden, die unmittelbaren Mechanismen dieser reduzierten empathischen Antworten zu bestimmen. Des Weiteren soll untersucht werden, wie Veränderungen in den empathischen Reaktionen gegenüber sexuell objektifizierter Personen mit dem tatsächlichen Helfen gegenüber hilfsbedürftiger Personen im Zusammenhang steht. Im Vergleich zu sexueller Objektifizierung von Frauen wurde die Objektifizierung von Männern wesentlich weniger untersucht, obwohl dieses Thema kürzlich als wichtige Fragestellung beschrieben wurde, welche intensivere wissenschaftliche Untersuchungen benötigt. Deshalb wird dieses Projekt sowohl sexuell objektifizierte Frauen, als auch Männer untersuchen, um herauszufinden, ob es sich um ein gender-spezifisches Phänomen handelt oder nicht. Über einen Multi - Methoden Ansatz beruhend auf Methoden und Expertise aus Sozial-, Kognitiv-, und experimenteller Psychologie auf der einen Seite, und hochmoderner Neurowissenschaft auf der anderen, erwarten wir, dass unser Project unschätzbar neuartige Einsichten in die treibenden Kräfte hinter sexueller Objektifizierung und den Konsequenzen für soziale Ergebnisse generiert. Die Ergebnisse des Projekts werden weitreichende Auswirkungen für die theoretische Darstellung von Empathie, prosozialem Verhalten und Dehumanisierung haben.
- Universität Wien - 100%
- Claus Lamm, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Isabella Wagner, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Ronald Sladky, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Research Output
- 17 Zitationen
- 3 Publikationen
- 1 Datasets & Models
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2024
Titel Defining Social Reward: A Systematic Review of Human and Animal Studies DOI 10.1037/bul0000455 Typ Journal Article Autor Stijovic A Journal Psychological Bulletin Seiten 1472-1509 -
2020
Titel Reduced shared emotional representations toward women revealing more skin DOI 10.1080/02699931.2020.1826409 Typ Journal Article Autor Cogoni C Journal Cognition and Emotion Seiten 225-240 Link Publikation -
2023
Titel Focusing on the self to humanize others: the role of empathy and morality DOI 10.1016/j.cobeha.2023.101264 Typ Journal Article Autor Scatolon A Journal Current Opinion in Behavioral Sciences Seiten 101264 Link Publikation