Der Wiener Hof: Eliten, Herrschaft und Repräsentation
The Viennese Court: Elites Power and Representation
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)
Keywords
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Court Histoy,
Habsburg Monarchy,
Digital Humanities,
Ceremonies
Das heutige Erscheinungsbild Wiens und ein erheblicher Teil seiner touristischen Attraktion sind von Gebäuden, Gärten und Sammlungen geprägt, die in ihrer Entstehung mit der höfischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts verbunden sind. Im Gegensatz zum Wiener Hof des Barock und der Zeit Maria Theresias ist jedoch über den kaiserlich-österreichischen Hof vor allem der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wenig bekannt. Funktionierte er nach den gleichen Regeln wie 100 Jahre früher? Waren es die gleichen Familien aus den gleichen Ländern der Monarchie, die hier präsent waren? Nutzten die Habsburger dieser Zeit, also vor allem Kaiser Franz II./I. und Kaiser Ferdinand I., die gleichen Zeremonien zur Repräsentation, hatten sie dabei das gleiche Publikum vor Augen wie Kaiser Karl VI. drei Generationen früher? Und vor allem: Welche Rolle spielten der Herrscher und sein Hof innerhalb der Habsburgermonarchie? Waren sie angesichts sozialen und wirtschaftlichen Wandels nur noch eine Reminiszenz an frühere Zeiten? Angesichts der Tatsache, dass Europa insgesamt bis 1918 von Monarchien geprägt war, darf man davon ausgehen, dass Herrscher und Hof durchaus mehr waren als Relikte einer glänzenden Vergangenheit, dass sie eine Funktion im sich langsam wandelnden politischen System des sogenannten bürgerlichen Zeitalters hatten. Das Projekt will erstmals für Wien diesen und ähnlichen Fragen nachgehen, wobei der Schwerpunkt der Untersuchung in der in ganz Europa so unruhigen Napoleonischen Zeit und den Jahren bis 1835 liegen wird. Die Französische Revolution hatte fürstliche Herrschaft zwar grundlegend in Frage gestellt, aber im Gegensatz zu vielen fürstlichen Zeitgenossen waren die Habsburger in ihrer Herrschaft nie wirklich gefährdet gewesen. Änderte sich trotzdem in dieser Zeit etwas an ihrem Rückhalt unter den adligen Eliten der einzelnen Länder? Zur Beantwortung dieser Frage wollen wir mit einem möglichst umfassenden Verzeichnis aller Amtsträger und Amtsträgerinnen des Wiener Hofes bis 1835 beitragen. Dieses soll als Bestandteil einer größeren Datenbank zum Wiener Hofpersonal allen Interessierten frei zugänglich gemacht werden. Im Rahmen von Huldigungen zum Regierungsantritt und von kaiserlichen Hochzeiten wurde traditionell in festlicher Form das Verhältnis zwischen Herrscher, Dynastie und Volk dargestellt, Verbundenheit bekräftigt. Auch hier ergibt sich die Frage, ob in der Zeit nach Revolutionen und Wiener Kongress, in der Zeit, als Eisenbahnen gebaut und Fabriken gegründet wurden, sich hier Neues abzeichnete: Neue Formen der gegen seitigen Versicherung von Beistand und Treue, neue Festlichkeiten, Nachdenken über neue Zeiten? Diesen und ähnlichen Fragen will das Projekt nachgehen, um am Ende ein präziseres Bild zeichnen zu können von der Rolle des Wiener Hofes in und für die Habsburgermonarchie zwischen Französischer Revolution und Biedermeier.
Das heutige Erscheinungsbild Wiens und ein erheblicher Teil seiner touristischen Attraktion sind von Gebäuden, Gärten und Sammlungen geprägt, die in ihrer Entstehung mit der höfischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts verbunden sind. Im Gegensatz zum Wiener Hof des Barock und der Zeit Maria Theresias ist jedoch über den kaiserlich-österreichischen Hof vor allem der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wenig bekannt. Funktionierte er nach den gleichen Regeln wie 100 Jahre früher? Nutzten die Habsburger dieser Zeit, also vor allem Kaiser Franz II./I. und Kaiser Ferdinand I., die gleichen Zeremonien zur Repräsentation, hatten sie dabei das gleiche Publikum vor Augen wie Kaiser Karl VI. drei Generationen früher? Der Schwerpunkt der Forschungen des Projektes lag in der Zeit zwischen 1790 und etwa 1830, also in einer Zeit, in der Französische Revolution und Napoleonische Kriege zunächst Monarchien durchaus infrage stellten. Weder diese in Europa so unruhigen Jahrzehnte noch die Folgezeit, als Eisenbahnen gebaut und Fabriken gegründet wurden, scheinen aber die Herrschaft der Habsburger deutlich verändert, geschweige denn in Gefahr gebracht zu haben. Diese Dauerhaftigkeit zeigte sich auch bei der Untersuchung von Huldigungen zum Regierungsantritt und von kaiserlichen Hochzeiten, prächtigen Inszenierungen, bei denen traditionell in festlicher Form das Verhältnis zwischen Herrscher, Dynastie und Volk dargestellt, Verbundenheit bekräftigt wurde. Trotz mancher Neuerung und Modifikation zeigen die meist sehr detaillierten Quellen hier eine deutliche Kontinuität über die Napoleonische Zeit hinweg. Gefragt haben wir auch danach, ob sich personelle Veränderungen am Wiener Hof erkennen lassen: Waren es die gleichen Familien aus den gleichen Ländern der Monarchie wie zur Zeit Maria Theresias, die hier präsent waren? Zur Beantwortung dieser Frage wurde an einem möglichst umfassenden Verzeichnis aller Amtsträger und Amtsträgerinnen des Wiener Hofes bis 1820 gearbeitet. Die neu aufgenommenen Daten ergänzen vorhandene Verzeichnisse, und alle zusammen sind nun erstmal online abrufbar und durchsuchbar. Damit kann jede:r Interessierte leicht darauf zugreifen und sehen, wer welches Amt am Wiener Hof zwischen 1657 - diese Daten wurden durch ein Kooperationsprojekt gesammelt - und 1820 inne hatte. Auch hier zeigen die Namen vor allem bei den obersten Hofämtern große Kontinuitäten. Immer wieder kamen neue adelige Familien hinzu, und in den Ordenslisten erscheinen in der Zeit um 1800 erstmals auch Personen bürgerlichen Standes. Insgesamt aber blieben die traditionellen höfischen Eliten noch lange unter sich, was den Zutritt zum Hof und zu den Herrschenden betrifft.
- Wolfgang Neugebauer, Humboldt-Universität zu Berlin - Deutschland
- Jeroen Duindam, Universiteit Leiden - Niederlande
Research Output
- 4 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 12 Disseminationen
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2023
Titel Aufstellung und Inauguration der Reiterstatue Josephs II. in Wien Typ Journal Article Autor Jeitler Journal Wiener Geschichtsblätter Seiten 27-47 -
2023
Titel Die Prachtausgabe des Erbhuldigungswerkes Leopolds II. als Publikationsprojekt der niederösterreichischen Stände Typ Journal Article Autor Jeitler Journal Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich Seiten 163-208 -
2024
Titel "wir sind recht gemütlich und ungenirt". Studien zum "alltäglichen Zeremoniell" am Wiener Hof um 1800 Typ Journal Article Autor Jeitler Journal Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung Seiten 116-137 -
0
Titel Die Vermählung Erzherzogin Marie Louisens mit Kaiser Napoléon Bonaparte - Diplomatie und Zeremoniell habsburgischer Hochzeiten im Vergleich Typ Journal Article Autor Jeitler Journal Francia
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2021
Link
Titel Blog Habsmon Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2021
Link
Titel Kick off Datenbank Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2022
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Titel Scientific News Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2023
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Titel Präsentation WBH 2.0 Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2024
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Titel Presentation Database Typ A talk or presentation Link Link -
2023
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Titel Round table ISECS Typ A talk or presentation Link Link -
2023
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Titel Blog Habsmon Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2022
Titel Lange Nacht der Forschung Typ Participation in an open day or visit at my research institution -
2023
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Titel Presentation Database Typ A talk or presentation Link Link -
2023
Titel European Researchers Night Typ Participation in an open day or visit at my research institution -
2023
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Titel International Workshop Warfare Typ A talk or presentation Link Link -
2021
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Titel Podcast-Beitrag "Makro Micro" Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link