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Biofilm-interagierender Hilfsstoff als neuer Therapieansatz

Biofilm-REsponsive Adjuvant as novel THerapeutic approach

Aleksandr Ovsianikov (ORCID: 0000-0001-5846-0198)
  • Grant-DOI 10.55776/P33226
  • Bewilligungs­summe Einzelprojekte
  • Status Beendet
  • Projekt­beginn 01.10.2020
  • Projektende 31.08.2025
  • Bewilligungs­summe 397.504 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (60%); Chemie (15%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (25%)

Keywords

  • Cystic Fibrosis,
  • Microbiology,
  • Bioprinting,
  • Antibiotic Tolerance,
  • Microenvironment,
  • Biofilm models
Abstract Zusammenfassung

Mit dem Projekt BREATH (Biofilm-REsponsive Adjuvant as novel THerapeutic approach) soll die Therapie von Lungenentzündungen bei Menschen mit Mukoviszidose verbessert werden. Mukoviszidose (auch Zystische Fibrose genannt) ist eine seltene Erkrankung, die ihre Ursache in einer genetischen Mutation hat. Eines von 2000 Babys kommt mit dieser Krankheit auf die Welt und in Europa gibt es 40 000 Betroffene. Bei dieser Erbkrankheit handelt es sich um eine nicht heilbare Stoffwechselstörung bei der Sekrete, die im Körper gebildet werden deutlich zäher sind als normal. Die Folgen zeigen sich vor allem in der Lunge, wo deren Funktion stark eingeschränkt ist und es zu immer wiederkehrenden Lungenentzündungen kommt, die sich nur schwer behandeln lassen und somit die Lebenserwartung von Mukoviszidose Patienten deutlich verringert. Die vermehrte Bildung von zähem Schleim in der Lunge ist ein ideales Medium für Keime (va Pseudomonas aeruginosa). Die infektiösen Bakterien können innerhalb kurzer Zeit einen Biofilm ausbilden, der zu einem großen Teil aus Alginat besteht. Alginat ist ein Polysaccharid, das nicht nur die Lungen weiter blockiert, sondern auch einen Schutzfilm um die bildenden Bakterien aufbaut und diese somit vor Wirkstoffen schützt. Um eine Entzündung heilen zu können, müssen Antibiotika in hohen Dosen über längere Zeit angewandt werden. Mit diesem Projekt soll kein neues Antibiotikum entwickelt, sondern die Effektivität von bereits gut erforschten Wirkstoffen mit bekanntem Wirkungs- und Nebenwirkungssprektrum erhöht werden. Erforscht werden sollen kleine Helfermoleküle, die die Wirkung des Antibiotikums unterstützen sollen und somit die Therapie einer Infektion effizienter und besser macht. Gelingen soll dies mit Hilfe eines in vitro 3D Modelles, in dem der in ZF-Patienten gebildete Biofilm mittels 3D Bioprinting nachgebaut wird. Dort können dann auch Infektionen simuliert und Effekte der Helfermoleküle beobachtet werden. Ziel ist es, ein Molekül zu finden, der mit Alginat so interagiert, dass die Durchlässigkeit des Biofilms für Wirkstoffe erhöht und damit deren Wirkungsgrad verbessert wird. Durch Erfahrungen im Bereich von Biomaterialien, Biophysik, Chemie, Mikrobiologie und Biogrenzflächen der TU Wien (Dr. Guillaume O and Prof. Ovsianikov A., Institute of Materials Science and Technology, 3D Printing and Biofabrication Group) in Zusammenarbeit mit BOKU (Prof. Reimhult E., the Institute for Biologically Inspired Materials) hoffen wir auf einen positiven Abschluss des Projektes. Wenn wir es schaffen, einen passenden Hilfsstoff zu finden, würden nicht nur Mukoviszidose-Patienten profitieren. Die Ergebnisse könnten auch als Basis dienen, um die Behandlung anderer chronischer Infektionen zu verbessern.

Chronische bakterielle Infektionen sind besonders schwer zu behandeln, da Bakterien Biofilme bilden können - schützende Gemeinschaften, die in einer selbst produzierten Matrix, welche sie vor Antibiotika und dem Immunsystem abschirmt, eingebettet sind. Dies stellt insbesondere bei der Mukoviszidose (Cystic Fibrosis, CF), einer unheilbaren Erkrankung, von der weltweit Zehntausende Menschen betroffen sind, ein großes Problem dar. Anhaltende Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa führen dabei zu einer fortschreitenden Schädigung der Lunge. Das Projekt BREATH vereinte Expertise aus Biomaterialforschung, Mikrobiologie und moderner Bildgebung, um zu untersuchen, wie Antibiotika mit Biofilmen interagieren und warum Therapien häufig nur begrenzt wirksam sind. Biofilme wirken nicht nur als passive Barrieren, sondern reagieren dynamisch auf Antibiotika, wodurch sich ihre Struktur verändert und sich die Wirksamkeit der Medikamente weiter verringern kann. Das Verständnis dieser Prozesse ist entscheidend für die Entwicklung verbesserter Behandlungsstrategien. An der TU Wien wurden innovative, auf Alginat basierende Biofilm-Modelle entwickelt, die wesentliche Eigenschaften der extrazellulären Matrix von Biofilmen in der CF-Lunge nachbilden. Durch eine gezielte Acetylierung des Alginats entstanden realistische dreidimensionale Modelle, mit denen die Wechselwirkungen von Proteinen und Antibiotika mit der Biofilm-Matrix untersucht werden konnten. Die Ergebnisse zeigen, dass die chemische Zusammensetzung des Biofilms die Bindung und den Transport von Antibiotika maßgeblich beeinflusst. BOKU konzentrierte sich auf PA in Biofilmen und Biofilmmodellen. Mithilfe von Diffusions- und Lebensfähigkeitsassays, konfokaler Mikroskopie sowie Kryo-Rasterelektronenmikroskopie wurden der Antibiotikatransport quantifiziert und unbekannte Strukturmerkmale der Biofilm-Matrix sichtbar gemacht. Es zeigte sich, dass PA-Biofilme geschichtete, organisierte Gemeinschaften räumlich getrennter Zellen und keine dichten Mikrokolonien bilden. Obwohl Matrixbestandteile die Wirksamkeit mancher Antibiotika beeinträchtigen können, sind Alginat und DNA nicht die Ursache. Die ausgeprägte Antibiotikatoleranz lässt sich weder durch bakterielle Resistenzmechanismen noch vollständig durch chemische oder physikalische Barrieren der extrazellulären Matrix erklären. Dies weist auf neue Ansätze für Anti-Biofilm-Therapien bei Mukoviszidose hin. Gemeinsam entwickelten die Projektpartner reproduzierbare 3D-Biofilm-Modelle, die die Bedingungen in der CF-Lunge realitätsnah nachbilden und eine leistungsfähige Plattform für die Untersuchung von Antibiotika unter klinisch relevanten Bedingungen bieten. Durch die Verbindung von Materialwissenschaft und Mikrobiologie liefert BREATH neue Erkenntnisse, die langfristig zu wirksameren Therapien chronischer Biofilm-Infektionen beitragen und damit Patientinnen und Patienten mit Mukoviszidose und anderen persistierenden bakteriellen Infektionen zugutekommen können.

Forschungsstätte(n)
  • Technische Universität Wien - 50%
  • Universität für Bodenkultur Wien - 50%
Nationale Projektbeteiligte
  • Aleksandr Ovsianikov, Technische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Erik Reimhult, Universität für Bodenkultur Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Michael Kühl, University of Copenhagen - Dänemark

Research Output

  • 39 Zitationen
  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2025
    Titel Beyond the matrix: rethinking antibiotic tolerance in CF biofilms using 3D models
    DOI 10.1038/s41522-025-00869-6
    Typ Journal Article
    Autor Osondu-Chuka G
    Journal npj Biofilms and Microbiomes
    Seiten 3
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Acetylation of alginate enables the production of inks that mimic the chemical properties of P. aeruginosa biofilm
    DOI 10.1039/d4tb02675f
    Typ Journal Article
    Autor Schandl S
    Journal Journal of Materials Chemistry B
    Seiten 2796-2809
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Synthetically acetylated alginate is a superior in vitro biofilm model for antibiotic testing showing reduced tobramycin affinity
    DOI 10.1016/j.eurpolymj.2025.114176
    Typ Journal Article
    Autor Schandl S
    Journal European Polymer Journal
    Seiten 114176
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Native-State Imaging Reveals Spatially Separated Organized Cells and Strain-Specific Matrix Architecture in Pseudomonas aeruginosa Biofilms
    DOI 10.1101/2025.08.28.672782
    Typ Preprint
    Autor Osondu-Chuka G
    Seiten 2025.08.28.672782
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Beyond the Matrix: Rethinking Antibiotic Tolerance in CF Biofilms Using 3D Models
    DOI 10.1101/2025.07.19.665652
    Typ Preprint
    Autor Osondu-Chuka G
    Seiten 2025.07.19.665652
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Alginate and Microscaffolds: Essential modifications for advanced applications
    Typ PhD Thesis
    Autor Stephan Schandl
  • 2022
    Titel Interplay between biofilm microenvironment and pathogenicity of Pseudomonas aeruginosa in cystic fibrosis lung chronic infection
    DOI 10.1016/j.bioflm.2022.100089
    Typ Journal Article
    Autor Guillaume O
    Journal Biofilm
    Seiten 100089
    Link Publikation

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