Riskante Grenzen. Geschlecht und ´race´ im Grenzschutz
Risky Borders. Gender and Race in Border Security
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (20%); Politikwissenschaften (60%); Soziologie (20%)
Keywords
-
Border Security,
Critical Security Studies,
Feminist Security Studies,
Frontex,
Risk Analysis,
Postcolonial Theory
Von der Risikoanalyse zu Sicherheitsoperationen. Eine Untersuchung der Produktion von vergeschlechtlichter und rassifizierter Unsicherheit an den EU Außengrenzen Die EU steht derzeit vor enormen Herausforderungen an ihren Außengrenzen. Gleichzeitig sind die Folgen von Grenzsicherungsmaßnahmen für gefährdete Gruppen von MigrantInnen, wie Frauen und Minderjährige, teilweise alarmierend.Bisher wurdengender-spezifischeundrassifizierte Auswirkungen von Grenzschutz meist in der Implementierungsphase von Sicherheitsoperationen und Durchsetzungsmaßnahmen sowie bei Überwachungs-, und Search & Rescue-Praktiken untersucht. Dieses Projekt stellt hingegen die erste umfassende feministisch-postkoloniale Analyse der aktuellen EU-Grenzschutzoperationen dar. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Schritt der Risikoanalyse gelegt, der für die Planung und Durchführung von Sicherheitsoperationen in zunehmend risiko- und wissensbasierten Sicherheitsinstitutionen zentral ist. Hier werden Vorstellungen von (Un)Sicherheit geprägt, die, wie auch das Phänomen der Migration im Allgemeinen, stark mit geschlechtsspezifischen und rassifizierten Ungleichheiten zusammenhängen. Wir untersuchen diese Fragen am Beispiel der Grenzschutzoperationen im Mittelmeer, die unter dem Dach der European Border and Coast Guard Agency (Frontex) durchgeführt werden und in ein breiteres Netzwerk von anderen Akteuren, wie z. B. grenzpolizeiliche Einheiten der Mitgliedstaaten und andere EU-Agenturen, eingebettet sind. Risikoanalysen bilden die Grundlage für Politikgestaltung und Ressourcenverteilung bei Grenz-, Migrations- und Sicherheitsfragen in der EU und bestimmen, wann und wo Frontex aktiv wird und wie Operationen in Hinblick auf Ressourcen, Material, Technologien, Personal und konkrete Praktiken durchgeführt und begründet werden. Erfahrungen aus den Operationen fließen dann über Evaluierungsverfahren wieder in die Risikoanalyse ein. Durch diese Wechselwirkung können problematische Lock-in-Effekte entstehen, durch die es zunehmend schwieriger wird, alternative Denkansätze und Lösungsstrategien in Bezug auf Grenzsicherheit zu formulieren. Vor diesem Hintergrund ist es Ziel des Projektes, geschlechtsspezifische und rassifizierte Konzeptualisierungen von (Un)Sicherheit herauszuarbeiten und zu untersuchen, wie diese die Planung und Durchführung von Frontex Joint Operations beeinflussen. Das Projekt entwickelt einen Methodenmix, der Frame- und Bildanalyse mit Mapping- und Interviewmethoden kombiniert, um zu verstehen, wiedievielfältigenAkteureundRationalitätenindereuropäischen Grenzsicherungsarchitektur Sicherheitsverständnisse und -praktiken verändern und wie dies im Verhältniszu globalen undregionalen Machtverhältnissensteht. Dertheoretische und methodologische Rahmen wird darüber hinaus auf andere staatliche und nicht-staatliche Akteure und Regime anwendbarsein, um dieweitreichenden Auswirkungen vonwissensbasierten Sicherheitspraktiken in Bezug auf soziale Ungleichheiten umfassend zu evaluieren.
- Nina Perkowski, Universität Hamburg - Deutschland
- Polly Pallister-Wilkins, The University of Amsterdam - Niederlande
- Berndt Körner, Europäische Union - Polen
- Immaculada Arnaez, Frontex - Polen
- Annick Wibben, University of San Francisco - Vereinigte Staaten von Amerika
- Nick Vaughan-Williams, The University of Warwick - Vereinigtes Königreich
- Vicki Squire, The University of Warwick - Vereinigtes Königreich
- Sarah Léonard, University of the West of England - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 46 Zitationen
- 4 Publikationen
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2023
Titel Gendering EU security strategies: a feminist postcolonial approach to the EU as a (global) security actor DOI 10.1080/09662839.2023.2232742 Typ Journal Article Autor Sachseder J Journal European Security Seiten 404-424 Link Publikation -
2023
Titel The (inter)visual politics of border security: Co-constituting gender and race through Frontex’s Risk Analysis DOI 10.1177/09670106231182314 Typ Journal Article Autor Achilleos-Sarll C Journal Security Dialogue Seiten 374-394 Link Publikation -
2024
Titel Entangled Vulnerabilities: Gendered and Racialised Bodies and Borders in EU External Border Security DOI 10.1080/14650045.2023.2291060 Typ Journal Article Autor Sachseder J Journal Geopolitics Seiten 1913-1941 Link Publikation -
2022
Titel Gender, race, and crisis-driven institutional growth: discourses of ‘migration crisis’ and the expansion of Frontex DOI 10.1080/1369183x.2022.2092461 Typ Journal Article Autor Sachseder J Journal Journal of Ethnic and Migration Studies Seiten 4670-4693 Link Publikation