Social Media Nutzung und Wohlbefinden im Jugendalter
Social Media Use and Adolescents’ Well-Being
Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (100%)
Keywords
-
Social Media,
Well-Being,
Adolescents,
Panel Research,
Measurement Burst Design
Social Media wie WhatsApp, Facebook und Instagram sind aufgrund der permanenten Verfügbarkeit durch neue Kommunikationstechnologien wie Smartphones und Tablets zu ständigen Begleitern im Alltag von Kindern und Jugendlichen geworden. In diesem Kontext nutzen Kinder und Jugendliche Social Media immer häufiger parallel zu anderen Tätigkeiten wie beispielsweise während sie sich mit Freunden treffen, beim Essen mit der Familie oder sogar neben den Hausaufgaben, was zum Phänomen führt, permanent online und mit anderen verbunden zu sein. Die ständige und vielfältige Nutzung von sozialen Medien bringt eine Reihe von positiven und konstruktiven Aspekten wie die Beziehungspflege und das Sozialmanagement von Jugendlichen mit sich, sie birgt jedoch auch viele Risiken und Gefahren wie Kommunikationsstress oder Cyberbullying. Angesichts der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von sozialen Medien greift eine einseitige Fokussierung auf die Potenziale oder die Risiken der Social Media-Nutzung zu kurz. Es muss davon ausgegangen werden, dass positive und negative Medienwirkungen stets gleichzeitig auftreten können. Als zentrale Hypothese nimmt dieses Projekt daher an, dass die Nutzung sozialer Medien simultane positive und negative Einflüsse auf das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen ausüben kann. Um diese Hypothese zu testen, wird ein innovatives theoretisches Modell entwickelt. Erstmals integrieren wir positive und negative Konsequenzen der Social Media-Nutzung in drei zentralen Bereichen, deren Einfluss auf das jugendliche Wohlbefinden simultanuntersucht wird:Informationsmanagement, Beziehungsmanagement und Identitätsmanagement. Im Detail werden sechs Wirkungsprozesse untersucht sowie Einflussfaktoren auf Seiten des Individuums, der Eltern und von Gleichaltrigen berücksichtigt. Dieser Ansatz ist bisher einzigartig und soll eine ganzheitliche Betrachtung der Auswirkungen der Social Media-Nutzung für das Wohlbefinden im Kindes- und Jugendalter ermöglichen. Zu diesem Zweck wird ein innovatives Multimethoden-Design eingesetzt, in dem qualitative Interviews mit quantitativen Längsschnitts-Befragungen und moment-basierten Erhebungen kombiniert werden. Auf diese Weise ermöglicht es das vorgeschlagene Forschungsdesign einerseits, das Phänomen der adoleszenten Social Media-Nutzung und seine Auswirkungen auf das Wohlbefinden in seiner Tiefe zu verstehen. Andererseits können durch den Einsatz von Längsschnitts-Studien Schlüsse über die zeitliche Abfolge der Zusammenhänge gezogen werden und damit widersprüchliche Befunde in der bisherigen Forschung aufgeklärt werden. Somit bietet das Projekt zahlreiche Anknüpfungspunkte für die zukünftige Forschung und hat darüber hinaus wichtige gesellschaftliche Implikationen.
Social Media wie WhatsApp, Instagram, YouTube oder TikTok sind aufgrund ihrer permanenten Verfügbarkeit via Smartphones, ihrem nahezu endlosen Inhaltsangebot sowie als zentrale Plattformen für sozialen Austausch selbstverständliche Begleiter im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. So nutzen junge Menschen Social Media oftmals parallel zu "realweltlichen" Aktivitäten, beispielweise während sie sich mit Freunden treffen (und sogar miteinander reden, ein Phänomen namens Phubbing) oder wenn Hausaufgaben erledigt werden müssen, um sich mit nicht-anwesenden Peers zu vernetzen oder neue Inspiration zu erhalten. Solch eine ständige und vielfältige Nutzung von sozialen Medien kann hierbei viele positive Begleiterscheinungen wie eine bedeutungsvollere Beziehungspflege und verbessertes Informationsmanagement bei jungen Menschen mit sich bringen, birgt jedoch ebenfalls zahlreiche Risiken und Gefahren, wie z.B. erhöhte digitale Stresserfahrungen oder Cyberbullying. Eine einseitige Fokussierung entweder auf die vorteilhaften Potenziale oder die nachteiligen Aspekte der Social Media-Nutzung zielt folglich zu kurz. Stattdessen muss davon ausgegangen werden, dass positive und negative Medienwirkungen stets nebeneinander und oft sogar gleichzeitig auftreten können. Als zentrale Hypothese verfolgte das Projekt daher, dass die Nutzung sozialer Medien praktisch immer sowohl positive und negative Einflüsse auf das Wohlbefinden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausüben kann. Um diese Hypothese testen zu können, wurde ein innovatives theoretisches Rahmenmodell entwickelt, in welchem positive und negative Konsequenzen der Social Media-Nutzung auf das jugendliche Wohlbefinden in drei zentralen Bereichen untersucht wurden: Informationsmanagement, Beziehungsmanagement und Identitätsmanagement. Dieser Ansatz ist bisher einzigartig und soll eine ganzheitliche Betrachtung von Social Media-Nutzungseffekten und deren jeweiligen Bedingtheiten ermöglichen. Unsere Projektergebnisse untermauern die Notwendigkeit einer differenzierten Perspektive. So konnten wir einerseits die immens wichtige Rolle sozialer Medien für die individuelle Bewältigung von emotionalen und sozialen Herausforderungen junger Menschen herausstellen. Social Media bietet hier griffbereite Möglichkeiten, um aktiv, selbstbestimmt und mit einem gewissen Grad an Selbstoffenbarung gemeinsam mit anderen Nutzern so zu kommunizieren, dass es einem danach besser geht. Andererseits zeigte sich aber auch, dass es durchaus sinnvoll sein kann, bewusst auf das Smartphone und die damit einhergehenden kommunikativen Vorzüge zu verzichten, um Stress- und Einsamkeitsempfinden in Folge einer permanenten (sowie permanent erwarteten) Social-Media-Präsenz zu reduzieren. Hierbei ist es weiterhin essentiell, nuanciert an Konsequenzen der Social-Media-Nutzung heranzugehen, da positive and negative Wirkrichtungen auf verschiedene Ausprägungen des jugendlichen Wohlbefindens typischerweise von individuellen Dispositionen (z.B. Anfälligkeit für FOMO, Selbstbewusstsein) oder situativen Verhaltensmustern (z.B. lediglich automatisiertes vs. zwanghaftes Checken von Social Media) abhängen. Aufgrund der verschiedenen eingesetzten Methoden konnten dabei zeitliche und kulturabhängige Zusammenhänge aufgeklärt werden, die zahlreiche Anknüpfungspunkte für die zukünftige Forschung und darüber hinaus wichtige gesellschaftliche Implikationen implizieren.
- Universität Wien - 100%
- Steven Eggemont, Katholieke Universiteit Leuven - Belgien
- Laura Vandenbosch, University of Leuven - Belgien
- Jessica Piotrowski, University of Amsterdam - Niederlande
Research Output
- 274 Zitationen
- 20 Publikationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2023
Titel Fear of Missing Out, Reflective Smartphone Disengagement, and Loneliness in Late Adolescents DOI 10.1089/cyber.2023.0014 Typ Journal Article Autor Matthes J Journal Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking Seiten 731-738 -
2023
Titel Co-present smartphone use, friendship satisfaction, and social isolation: The role of coping strategies DOI 10.1016/j.chb.2023.107960 Typ Journal Article Autor Stevic A Journal Computers in Human Behavior Seiten 107960 Link Publikation -
2024
Titel Under Pressure? Longitudinal Relationships between Different Types of Social Media Use, Digital Pressure, and Life Satisfaction DOI 10.1177/20563051241239282 Typ Journal Article Autor Stevic A Journal Social Media + Society Seiten 20563051241239282 Link Publikation -
2024
Titel Reflective smartphone disengagement as a coping strategy against cyberbullying: A cross-country study with emerging adults from the United States and Indonesia DOI 10.1177/14614448241254015 Typ Journal Article Autor Khaleghipour M Journal New Media & Society Seiten 5640-5658 Link Publikation -
2024
Titel “It’s too much”: Excessive smartphone use during the COVID-19 crisis, information overload, and infection self-efficacy DOI 10.1016/j.tele.2024.102119 Typ Journal Article Autor Matthes J Journal Telematics and Informatics Seiten 102119 Link Publikation -
2023
Titel Short-sighted ghosts. Psychological antecedents and consequences of ghosting others within emerging adults’ romantic relationships and friendships DOI 10.1016/j.tele.2023.101969 Typ Journal Article Autor Forrai M Journal Telematics and Informatics Seiten 101969 Link Publikation -
2023
Titel A tale of two concepts: differential temporal predictions of habitual and compulsive social media use concerning connection overload and sleep quality DOI 10.1093/jcmc/zmac040 Typ Journal Article Autor Koban K Journal Journal of Computer-Mediated Communication Link Publikation -
2023
Titel Distracted Children? Nighttime Smartphone Use, Children’s Attentional Problems, and School Performance Over Time DOI 10.1177/02724316231164734 Typ Journal Article Autor Stevic A Journal The Journal of Early Adolescence Seiten 223-249 Link Publikation -
2025
Titel Tell me more: Longitudinal relationships between online self-disclosure, co-rumination, and psychological well-being DOI 10.1016/j.chb.2024.108540 Typ Journal Article Autor Stevic A Journal Computers in Human Behavior Seiten 108540 -
2022
Titel Sleeping with the smartphone: a panel study investigating parental mediation, adolescents’ tiredness, and physical well-being DOI 10.1080/0144929x.2022.2100277 Typ Journal Article Autor Karsay K Journal Behaviour & Information Technology Seiten 1833-1844 -
2022
Titel Reflective smartphone disengagement: Conceptualization, measurement, and validation DOI 10.1016/j.chb.2021.107078 Typ Journal Article Autor Matthes J Journal Computers in Human Behavior Seiten 107078 Link Publikation -
2022
Titel Privacy concerns can stress you out: Investigating the reciprocal relationship between mobile social media privacy concerns and perceived stress DOI 10.1515/commun-2020-0037 Typ Journal Article Autor Stevic A Journal Communications Seiten 327-349 Link Publikation -
2021
Titel Longitudinal Relationships Among Fear of COVID-19, Smartphone Online Self-Disclosure, Happiness, and Psychological Well-being: Survey Study DOI 10.2196/28700 Typ Journal Article Autor Matthes J Journal Journal of Medical Internet Research Link Publikation -
2021
Titel Out of control? How parents’ perceived lack of control over children’s smartphone use affects children’s self-esteem over time DOI 10.1177/14614448211011452 Typ Journal Article Autor Schmuck D Journal New Media & Society Seiten 199-219 Link Publikation -
2021
Titel Fighting over smartphones? Parents' excessive smartphone use, lack of control over children's use, and conflict DOI 10.1016/j.chb.2020.106618 Typ Journal Article Autor Matthes J Journal Computers in Human Behavior Seiten 106618 Link Publikation -
2021
Titel A vicious circle between children’s non-communicative smartphone use and loneliness: Parents cannot do much about it DOI 10.1016/j.tele.2021.101677 Typ Journal Article Autor Stevic A Journal Telematics and Informatics Seiten 101677 Link Publikation -
2022
Titel Messaging, Posting, and Browsing: A Mobile Experience Sampling Study Investigating Youth’s Social Media Use, Affective Well-Being, and Loneliness DOI 10.1177/08944393211058308 Typ Journal Article Autor Karsay K Journal Social Science Computer Review Seiten 1493-1513 Link Publikation -
2021
Titel Are smartphones enhancing or displacing face-to-face communication with close ties? A panel study among adults Typ Journal Article Autor Schmuck D Journal International Journal of Communication Seiten 792-813 Link Publikation -
2021
Titel You are not alone: Smartphone use, friendship satisfaction, and anxiety during the COVID-19 crisis DOI 10.1177/20501579211051820 Typ Journal Article Autor Stevic A Journal Mobile Media & Communication Seiten 294-315 Link Publikation -
2021
Titel The COVID-19 infodemic at your fingertips. Reciprocal relationships between COVID-19 information FOMO, bedtime smartphone news engagement, and daytime tiredness over time DOI 10.1016/j.chb.2021.107175 Typ Journal Article Autor Koban K Journal Computers in Human Behavior Seiten 107175 Link Publikation
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2024
Titel Top 4 Faculty Paper Award of ICA's Mobile Communication Division Typ Research prize Bekanntheitsgrad Continental/International -
2023
Titel Top 4 Paper Panel Award of ICA's Mobile Communication Division Typ Research prize Bekanntheitsgrad Continental/International