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Social Media Nutzung und Wohlbefinden im Jugendalter

Social Media Use and Adolescents’ Well-Being

Jörg Matthes (ORCID: 0000-0001-9408-955X)
  • Grant-DOI 10.55776/P33413
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2020
  • Projektende 31.08.2024
  • Bewilligungssumme 342.498 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Medien- und Kommunikationswissenschaften (100%)

Keywords

    Social Media, Well-Being, Adolescents, Panel Research, Measurement Burst Design

Abstract Endbericht

Social Media wie WhatsApp, Facebook und Instagram sind aufgrund der permanenten Verfügbarkeit durch neue Kommunikationstechnologien wie Smartphones und Tablets zu ständigen Begleitern im Alltag von Kindern und Jugendlichen geworden. In diesem Kontext nutzen Kinder und Jugendliche Social Media immer häufiger parallel zu anderen Tätigkeiten wie beispielsweise während sie sich mit Freunden treffen, beim Essen mit der Familie oder sogar neben den Hausaufgaben, was zum Phänomen führt, permanent online und mit anderen verbunden zu sein. Die ständige und vielfältige Nutzung von sozialen Medien bringt eine Reihe von positiven und konstruktiven Aspekten wie die Beziehungspflege und das Sozialmanagement von Jugendlichen mit sich, sie birgt jedoch auch viele Risiken und Gefahren wie Kommunikationsstress oder Cyberbullying. Angesichts der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von sozialen Medien greift eine einseitige Fokussierung auf die Potenziale oder die Risiken der Social Media-Nutzung zu kurz. Es muss davon ausgegangen werden, dass positive und negative Medienwirkungen stets gleichzeitig auftreten können. Als zentrale Hypothese nimmt dieses Projekt daher an, dass die Nutzung sozialer Medien simultane positive und negative Einflüsse auf das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen ausüben kann. Um diese Hypothese zu testen, wird ein innovatives theoretisches Modell entwickelt. Erstmals integrieren wir positive und negative Konsequenzen der Social Media-Nutzung in drei zentralen Bereichen, deren Einfluss auf das jugendliche Wohlbefinden simultanuntersucht wird:Informationsmanagement, Beziehungsmanagement und Identitätsmanagement. Im Detail werden sechs Wirkungsprozesse untersucht sowie Einflussfaktoren auf Seiten des Individuums, der Eltern und von Gleichaltrigen berücksichtigt. Dieser Ansatz ist bisher einzigartig und soll eine ganzheitliche Betrachtung der Auswirkungen der Social Media-Nutzung für das Wohlbefinden im Kindes- und Jugendalter ermöglichen. Zu diesem Zweck wird ein innovatives Multimethoden-Design eingesetzt, in dem qualitative Interviews mit quantitativen Längsschnitts-Befragungen und moment-basierten Erhebungen kombiniert werden. Auf diese Weise ermöglicht es das vorgeschlagene Forschungsdesign einerseits, das Phänomen der adoleszenten Social Media-Nutzung und seine Auswirkungen auf das Wohlbefinden in seiner Tiefe zu verstehen. Andererseits können durch den Einsatz von Längsschnitts-Studien Schlüsse über die zeitliche Abfolge der Zusammenhänge gezogen werden und damit widersprüchliche Befunde in der bisherigen Forschung aufgeklärt werden. Somit bietet das Projekt zahlreiche Anknüpfungspunkte für die zukünftige Forschung und hat darüber hinaus wichtige gesellschaftliche Implikationen.

Social Media wie WhatsApp, Instagram, YouTube oder TikTok sind aufgrund ihrer permanenten Verfügbarkeit via Smartphones, ihrem nahezu endlosen Inhaltsangebot sowie als zentrale Plattformen für sozialen Austausch selbstverständliche Begleiter im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. So nutzen junge Menschen Social Media oftmals parallel zu "realweltlichen" Aktivitäten, beispielweise während sie sich mit Freunden treffen (und sogar miteinander reden, ein Phänomen namens Phubbing) oder wenn Hausaufgaben erledigt werden müssen, um sich mit nicht-anwesenden Peers zu vernetzen oder neue Inspiration zu erhalten. Solch eine ständige und vielfältige Nutzung von sozialen Medien kann hierbei viele positive Begleiterscheinungen wie eine bedeutungsvollere Beziehungspflege und verbessertes Informationsmanagement bei jungen Menschen mit sich bringen, birgt jedoch ebenfalls zahlreiche Risiken und Gefahren, wie z.B. erhöhte digitale Stresserfahrungen oder Cyberbullying. Eine einseitige Fokussierung entweder auf die vorteilhaften Potenziale oder die nachteiligen Aspekte der Social Media-Nutzung zielt folglich zu kurz. Stattdessen muss davon ausgegangen werden, dass positive und negative Medienwirkungen stets nebeneinander und oft sogar gleichzeitig auftreten können. Als zentrale Hypothese verfolgte das Projekt daher, dass die Nutzung sozialer Medien praktisch immer sowohl positive und negative Einflüsse auf das Wohlbefinden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausüben kann. Um diese Hypothese testen zu können, wurde ein innovatives theoretisches Rahmenmodell entwickelt, in welchem positive und negative Konsequenzen der Social Media-Nutzung auf das jugendliche Wohlbefinden in drei zentralen Bereichen untersucht wurden: Informationsmanagement, Beziehungsmanagement und Identitätsmanagement. Dieser Ansatz ist bisher einzigartig und soll eine ganzheitliche Betrachtung von Social Media-Nutzungseffekten und deren jeweiligen Bedingtheiten ermöglichen. Unsere Projektergebnisse untermauern die Notwendigkeit einer differenzierten Perspektive. So konnten wir einerseits die immens wichtige Rolle sozialer Medien für die individuelle Bewältigung von emotionalen und sozialen Herausforderungen junger Menschen herausstellen. Social Media bietet hier griffbereite Möglichkeiten, um aktiv, selbstbestimmt und mit einem gewissen Grad an Selbstoffenbarung gemeinsam mit anderen Nutzern so zu kommunizieren, dass es einem danach besser geht. Andererseits zeigte sich aber auch, dass es durchaus sinnvoll sein kann, bewusst auf das Smartphone und die damit einhergehenden kommunikativen Vorzüge zu verzichten, um Stress- und Einsamkeitsempfinden in Folge einer permanenten (sowie permanent erwarteten) Social-Media-Präsenz zu reduzieren. Hierbei ist es weiterhin essentiell, nuanciert an Konsequenzen der Social-Media-Nutzung heranzugehen, da positive and negative Wirkrichtungen auf verschiedene Ausprägungen des jugendlichen Wohlbefindens typischerweise von individuellen Dispositionen (z.B. Anfälligkeit für FOMO, Selbstbewusstsein) oder situativen Verhaltensmustern (z.B. lediglich automatisiertes vs. zwanghaftes Checken von Social Media) abhängen. Aufgrund der verschiedenen eingesetzten Methoden konnten dabei zeitliche und kulturabhängige Zusammenhänge aufgeklärt werden, die zahlreiche Anknüpfungspunkte für die zukünftige Forschung und darüber hinaus wichtige gesellschaftliche Implikationen implizieren.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Steven Eggemont, Katholieke Universiteit Leuven - Belgien
  • Laura Vandenbosch, University of Leuven - Belgien
  • Jessica Piotrowski, University of Amsterdam - Niederlande

Research Output

  • 274 Zitationen
  • 20 Publikationen
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2023
    Titel Fear of Missing Out, Reflective Smartphone Disengagement, and Loneliness in Late Adolescents
    DOI 10.1089/cyber.2023.0014
    Typ Journal Article
    Autor Matthes J
    Journal Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking
    Seiten 731-738
  • 2023
    Titel Co-present smartphone use, friendship satisfaction, and social isolation: The role of coping strategies
    DOI 10.1016/j.chb.2023.107960
    Typ Journal Article
    Autor Stevic A
    Journal Computers in Human Behavior
    Seiten 107960
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Under Pressure? Longitudinal Relationships between Different Types of Social Media Use, Digital Pressure, and Life Satisfaction
    DOI 10.1177/20563051241239282
    Typ Journal Article
    Autor Stevic A
    Journal Social Media + Society
    Seiten 20563051241239282
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Reflective smartphone disengagement as a coping strategy against cyberbullying: A cross-country study with emerging adults from the United States and Indonesia
    DOI 10.1177/14614448241254015
    Typ Journal Article
    Autor Khaleghipour M
    Journal New Media & Society
    Seiten 5640-5658
    Link Publikation
  • 2024
    Titel “It’s too much”: Excessive smartphone use during the COVID-19 crisis, information overload, and infection self-efficacy
    DOI 10.1016/j.tele.2024.102119
    Typ Journal Article
    Autor Matthes J
    Journal Telematics and Informatics
    Seiten 102119
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Short-sighted ghosts. Psychological antecedents and consequences of ghosting others within emerging adults’ romantic relationships and friendships
    DOI 10.1016/j.tele.2023.101969
    Typ Journal Article
    Autor Forrai M
    Journal Telematics and Informatics
    Seiten 101969
    Link Publikation
  • 2023
    Titel A tale of two concepts: differential temporal predictions of habitual and compulsive social media use concerning connection overload and sleep quality
    DOI 10.1093/jcmc/zmac040
    Typ Journal Article
    Autor Koban K
    Journal Journal of Computer-Mediated Communication
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Distracted Children? Nighttime Smartphone Use, Children’s Attentional Problems, and School Performance Over Time
    DOI 10.1177/02724316231164734
    Typ Journal Article
    Autor Stevic A
    Journal The Journal of Early Adolescence
    Seiten 223-249
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Tell me more: Longitudinal relationships between online self-disclosure, co-rumination, and psychological well-being
    DOI 10.1016/j.chb.2024.108540
    Typ Journal Article
    Autor Stevic A
    Journal Computers in Human Behavior
    Seiten 108540
  • 2022
    Titel Sleeping with the smartphone: a panel study investigating parental mediation, adolescents’ tiredness, and physical well-being
    DOI 10.1080/0144929x.2022.2100277
    Typ Journal Article
    Autor Karsay K
    Journal Behaviour & Information Technology
    Seiten 1833-1844
  • 2022
    Titel Reflective smartphone disengagement: Conceptualization, measurement, and validation
    DOI 10.1016/j.chb.2021.107078
    Typ Journal Article
    Autor Matthes J
    Journal Computers in Human Behavior
    Seiten 107078
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Privacy concerns can stress you out: Investigating the reciprocal relationship between mobile social media privacy concerns and perceived stress
    DOI 10.1515/commun-2020-0037
    Typ Journal Article
    Autor Stevic A
    Journal Communications
    Seiten 327-349
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Longitudinal Relationships Among Fear of COVID-19, Smartphone Online Self-Disclosure, Happiness, and Psychological Well-being: Survey Study
    DOI 10.2196/28700
    Typ Journal Article
    Autor Matthes J
    Journal Journal of Medical Internet Research
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Out of control? How parents’ perceived lack of control over children’s smartphone use affects children’s self-esteem over time
    DOI 10.1177/14614448211011452
    Typ Journal Article
    Autor Schmuck D
    Journal New Media & Society
    Seiten 199-219
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Fighting over smartphones? Parents' excessive smartphone use, lack of control over children's use, and conflict
    DOI 10.1016/j.chb.2020.106618
    Typ Journal Article
    Autor Matthes J
    Journal Computers in Human Behavior
    Seiten 106618
    Link Publikation
  • 2021
    Titel A vicious circle between children’s non-communicative smartphone use and loneliness: Parents cannot do much about it
    DOI 10.1016/j.tele.2021.101677
    Typ Journal Article
    Autor Stevic A
    Journal Telematics and Informatics
    Seiten 101677
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Messaging, Posting, and Browsing: A Mobile Experience Sampling Study Investigating Youth’s Social Media Use, Affective Well-Being, and Loneliness
    DOI 10.1177/08944393211058308
    Typ Journal Article
    Autor Karsay K
    Journal Social Science Computer Review
    Seiten 1493-1513
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Are smartphones enhancing or displacing face-to-face communication with close ties? A panel study among adults
    Typ Journal Article
    Autor Schmuck D
    Journal International Journal of Communication
    Seiten 792-813
    Link Publikation
  • 2021
    Titel You are not alone: Smartphone use, friendship satisfaction, and anxiety during the COVID-19 crisis
    DOI 10.1177/20501579211051820
    Typ Journal Article
    Autor Stevic A
    Journal Mobile Media & Communication
    Seiten 294-315
    Link Publikation
  • 2021
    Titel The COVID-19 infodemic at your fingertips. Reciprocal relationships between COVID-19 information FOMO, bedtime smartphone news engagement, and daytime tiredness over time
    DOI 10.1016/j.chb.2021.107175
    Typ Journal Article
    Autor Koban K
    Journal Computers in Human Behavior
    Seiten 107175
    Link Publikation
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel Top 4 Faculty Paper Award of ICA's Mobile Communication Division
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2023
    Titel Top 4 Paper Panel Award of ICA's Mobile Communication Division
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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