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Die frühe Münzprägung der Lyder und die Chronologie

Early Lydian Coinage and Chronology

Wolfgang Fischer-Bossert (ORCID: 0000-0001-5383-1877)
  • Grant-DOI 10.55776/P33483
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2020
  • Projektende 29.02.2024
  • Bewilligungssumme 290.561 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (95%); Sprach- und Literaturwissenschaften (5%)

Keywords

    Early Electrum Coinage, Asia Minor, Lydia, Sardis, Ephesus, Ionia

Abstract Endbericht

Das Königreich Lydien war ein Nachbar der ionischen Griechen, die entlang der Westküste der heutigen Türkei siedelten. Die Münzprägung der Lyder ist vor allem durch die Münzen ihres letzten Königs, Kroisos (561-546 v. Chr.), bekannt. Die bimetallische Münzprägung des Kroisos bestand aus zwei parallelen Serien in Gold und Silber. Seine Vorfahren hatten jedoch Elektronmünzen geprägt. Elektron ist eine Legierung aus Gold und Silber mit einer geringen Beimischung von Kupfer (zur Härtung der Legierung). Lydische und ionische Elektronmünzen wurden in Ausgrabungen zusammen gefunden. Die lydische Münzprägung bildet möglicherweise die älteste Münzserie der westlichen Hemisphäre. Die Anfänge des Münzwesens sind noch immer rätselhaft: Viele frühe Elektronmünzen lassen sich keinen bestimmten Münzstätten zugeordnen. Die Münzen von Ephesos sind am Emblem der Biene zu erkennen, jene von Miletos am liegenden Löwen, die von Phokaia an der Robbe. Es gibt aber rund 400 Serien von frühen Elektronmünzen; viele davon lassen sich nur grob klassifizieren und datieren, und es ist unklar, wer sie prägen ließ, aus welchem Anlaß und unter welchen Umständen. Aus dieser Unübersichtlichkeit sticht die lydische Münzprägung aufgrund ihres klaren Typus und ihrer Konstanz heraus. Die Kultur der Lyder zeigt eine große Vorliebe für Löwendarstellungen, und so bilden Köpfe brüllender Löwen das Emblem der lydischen Münzen. Anfangs sind es zwei antithetische Löwenköpfe; später tritt ein einziger, nach rechts gewandter Löwenkopf an deren Stelle. Ein Merkmal der ältesten Gruppe liefert einen chronologischen Hinweis: Zwischen den antithetischen Löwenköpfen finden sich Münzlegenden. Die Legenden sind in lydischen Lettern geschrieben, deren Lesung und Bedeutung umstritten sind. Man ist sich einig, dass die Legenden Namen enthalten, aber Einzelheiten sind strittig. Die häufigste Münzlegende, FAFET, wird oft mit dem Lyderkönig Alyattes, dem Vater des Kroisos, in Verbindung gebracht. Eine andere Legende, KVKAIM, könnte sich auf König Gyges, einen Vorfahren des Alyattes, beziehen. Noch andere Befunde sind in Betracht zu ziehen, etwa die archäologischen Kontexte, in denen Münzen dieser Serie gefunden wurden. Es ist paradox, aber die Stratigraphie der fraglichen Funde scheint die Verhältnisse die Reihenfolge der Könige geradezu auf den Kopf zu stellen. Es ist unumgänglich, den technischen Befund, also die Abfolge der Prägegruppen, festzustellen. In diesem Projekt sollen die frühesten Gruppen der lydischen Münzprägung, ob mit oder ohne Münzlegenden, mithilfe mehrerer Methoden untersucht werden. Eine Stempelstudie, welche die Reihenfolge der Prägungen klären soll, wird das Rückgrat des Projekts bilden; Metallanalysen liefern einen zusätzlichen Parameter. Antike Quellentexte in mehreren Sprachen lydisch, griechisch und assyrisch sowie archäologische Befunde müssen erneut befragt werden. Das Ziel ist, die lydische Chronologie anhand der Münzen zu rekonstruieren.

Das Königreich Lydien war ein Nachbar der ionischen Griechen, die entlang der Westküste der heutigen Türkei siedelten. Die Münzprägung der Lyder ist vor allem durch die Münzen ihres letzten Königs, Kroisos (561-546 v. Chr.), bekannt. Die bimetallische Münzprägung des Kroisos bestand aus zwei parallelen Serien in Gold und Silber. Seine Vorfahren hatten jedoch Elektronmünzen geprägt. Elektron ist eine Legierung aus Gold und Silber mit einer geringen Beimischung von Kupfer (zur Härtung der Legierung). Lydische und griechische Elektronmünzen wurden in Ausgrabungen zusammen gefunden. Die lydische Münzprägung bildet wahrscheinlich die älteste Münzserie der westlichen Hemisphäre. In diesem Projekt wurde die älteste Phase der lydischen Elektronprägung untersucht, nämlich diejenige des 7. Jahrhunderts v. Chr. In dieser Periode mußte sich das lydische Reich der Angriffe eines Steppenvolkes, der Kimmerier, erwehren, und strebte Allianzen mit den Assyrern und Ägyptern an. Die Münzprägung des lydischen Reiches steht offenbar in Zusammenhang mit diesen kriegerischen Ereignissen. Angelpunkt der Chronologie sind lydische Elektronmünzen mit Schriftlegenden. Die eine, KVKAIM, kann mit dem Lyderkönig Gyges verbunden werden, der im Konflikt mit den Kimmeriern und in den diplomatischen Kontakten mit Assur die Hauptrolle spielte. Die andere, FAFET, wurde bisher mit Gyges' Urenkel Alyattes verbunden. Wie sich jetzt nachweisen läßt, muß es sich um Gyges' Sohn handeln, der in manchen Schriftquellen ebenfalls den Namen Alyattes trägt. Da Münzen dieses Alyattes 1904 in einem Hortfund im Artemision von Ephesos entdeckt wurden, der aufgrund des archäologischen Kontextes in die Jahrzehnte 640-620 datiert wird, findet die Gleichung KVKAIM = Gyges ihre Bestätigung: Gyges ist ausweislich assyrischer Schriftquellen im Jahr 644 im Krieg gegen die Kimmerier umgekommen. Die Prägung des FAFET schloß unmittelbar an Gyges' Tod an. Tatsächlich ist die Prägung mit der Schriftlegende KVKAIM nicht die allerälteste Münzprägung. Mit ihr technisch direkt verkoppelt ist nämlich nicht nur die jüngere Münzprägung seines Nachfolgers FAFET, sondern auch zwei ältere Serien, die leider nicht beschriftet sind. In der Übersicht wirkt die früheste Phase der lydischen Münzprägung recht chaotisch: Mehrere Serien mit unterschiedlicher Ikonographie und einem z.T. sehr unbeholfenen Stil, aber übereinstimmendem Gewichtsstandard münden in die kleine (d.h. zeitlich vermutlich knappe) Münzprägung mit dem Namen des Gyges, bevor die lydische Prägung unter dessen Sohn und Nachfolger FAFET in geordnete Bahnen gelenkt wird, dabei schlagartig an Umfang zunimmt und hinsichtlich ihrer Ikonographie deutlich Züge einer Standardisierung zeigt. Zweifellos war dies ein Nebeneffekt der Konsolidierung des lydischen Staatswesens unter Gyges' Sohn und Nachfolger, der nach erfolgreicher Abwehr der Kimmerier daranging, das Lyderreich in alle Richtungen zu erweitern. Er und seine Nachfolger bis zu Kroisos überzogen zahlreiche Nachbarn - insbesondere die ionischen Griechen - mit Krieg, bis das Reich unter dem Ansturm der Perser zusammenbrach. Einmal mehr erweist sich die antike Münzprägung als Spiegelbild militärischer Planungen und kriegerischer Ereignisse.

Forschungsstätte(n)
  • KHM-Museumsverband - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Michael Kerschner, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Markus Egetmeyer, Université de la Sorbonne Nouvelle, Paris III - Frankreich

Research Output

  • 11 Publikationen
  • 1 Datasets & Models
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2022
    Titel Review of H. Bloesch, B. Zäch et al., Griechische Münzen in Winterthur III
    Typ Journal Article
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Journal Schweizerische numismatische Rundschau
    Seiten 233-239
  • 2022
    Titel Ein Didrachmon von Tarent
    Typ Journal Article
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Journal Mitteilungen der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft
    Seiten 24-26
  • 2022
    Titel Die Fundmünzen aus dem Theater von Aigeira; In: Forschungen im Bereich des Theaters von Aigeira 2011 bis 2018
    Typ Book Chapter
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag Austrian Academy of Sciences
    Seiten 135-163
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Bemerkungen zum griechischen Münzrelief
    Typ Book
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag Benaki Museum/KIKPE Foundation
  • 2020
    Titel Die Elektronprägung mit dem Herakleskopf: Herakleia Pontike, nicht Erythrai
    Typ Journal Article
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Journal Numismatische Zeitschrift
    Seiten 15-164
  • 2020
    Titel Cista mystica. Festschrift für Wolfgang Szaivert
    Typ Book
    Autor Fischer-Bossert W.
    editors Baer M., Fischer-Bossert W., Schindel N.
    Verlag Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien
  • 2020
    Titel Hermeneutik griechischer Münzbilder
    Typ Journal Article
    Autor Fischer-Bossert W.
    Journal Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte
    Seiten 49-61
  • 2023
    Titel Greek Gold Coinage before Alexander the Great; In: AVREVS. Le Pouvoir de l'or/The Power of Gold
    Typ Book Chapter
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag Ausonius Éditions
    Seiten 75-90
  • 2023
    Titel Borrowing from Opposite Coasts. External Influences on the Archaic Silver Coinage of Cyrene; In: ...per Mediterraneum. La moneta tra Nord Africa ed Europa occidentale in età antica e post-antica, Conference Padova, 27th-29th Oct. 2022
    Typ Book Chapter
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag Esedra editrice
    Seiten 49-59
  • 2023
    Titel Gordion oder Kelainai? Zu einer Gruppe silberner Kleinmünzen mit phrygischen Inschriften
    Typ Journal Article
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Journal Numismatische Zeitschrift
    Seiten 9-40
  • 2021
    Titel The Electrum Coinage of Lindos Again; In: Presbeus. Studies in Ancient Coinage Presented to Richard Ashton
    Typ Book Chapter
    Autor Wolfgang Fischer-Bossert
    Verlag The American Numismatic Society
    Seiten 9-18
Datasets & Models
  • 0 Link
    Titel PHANES
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel Eckhel-Medaille der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft
    Typ Medal
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2022
    Titel Huntington Medal Award
    Typ Medal
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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