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Herstellung von Dequalifizierung bei "neuen" MigrantInnen

Deskilling among "new" EU migrants in Vienna

Elisabeth Scheibelhofer (ORCID: 0000-0002-6182-3743)
  • Grant-DOI 10.55776/P33633
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2021
  • Projektende 30.04.2025
  • Bewilligungssumme 399.976 €

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (100%)

Keywords

    Migration, Deskilling, Labour Market Integration, Discrimination

Abstract Endbericht

Dequalifizierung ist ein weitverbreitetes Phänomen unter Migrant*innen. Im europäischen Kontext hat vor allem die Zahl von mobilen EU-Bürger*innen zugenommen, die unter ihrem Ausbildungsniveau beschäftigt sind. Es gibt bereits einige quantitative Studien zur statistischen Verteilung und den Einfluss individueller Merkmale auf die Wahrscheinlichkeit von Dequalifizierung. Äußerst spärlich sind jedoch nach wie vor qualitative Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet, welche den Fokus auf das Zusammenspiel von institutionellen Rahmenbedingungen, Arbeitsmarktstrukturen und Agency von Migrant*innen legen. Hier setzt unser Forschungsprojekt an, welches sich mit der Herstellung des sozialen Phänomens Dequalifizierung aus individueller Handlungsperspektive verschiedener Akteure auseinandersetzt. Im Zentrum stehen dabei hochqualifizierte Migrant*innen aus neuen EU-Mitgliedsländern (Beitritt ab 2004), die in Wien leben und arbeiten. Methodologisch orientieren wir uns an der konstruktivistischen Grounded Theory nach Kathy Charmaz. Im Rahmen eines qualitativen Panels werden Interviews mit Migrant*innen aus Ungarn, Rumänien und Tschechien durchgeführt. Dabei verfolgen wir einen innovativen kollaborativen Ansatz, der die enge Zusammenarbeit mit Dolmetscher*innen im Laufe des gesamten Forschungsprozesses vorsieht. Darüber hinaus werden Interwies mit Stakeholdern sowie ethnographische Beobachtungen durchgeführt.

Das Projekt untersuchte, warum viele gut ausgebildete EU-Bürger:innen aus Mittel- und Osteuropa in Wien in unterqualifizierten Jobs arbeiten. Das Projekt konzentrierte sich auf die Hindernisse und Schwierigkeiten, mit denen Arbeitssuchende aus Ungarn, Rumänien und der Tschechischen Republik konfrontiert sind. Wir verfolgten einen multiperspektivische qualitativen Ansatz, der eine Panelstudie mit Migrant:innen (drei sich wiederholende Interviews über einen Zeitraum von drei Jahren), Interviews mit institutionellen Akteuren und ergänzende ethnografische Beobachtungen kombinierte und eine enge Kollaboration mit Dolmetscher:innen und Übersetzer:innen vorsah. Verschiedene Aspekte wie Gender, Klasse, Rassifizierungen, Gesundheit, Sprachkenntnisse und Alter beeinflussten die Erfahrungen unserer Interviewpartner:innen auf dem Arbeitsmarkt. Unsere Ergebnisse veranschaulichen somit beispielhaft den Wert einer intersektionalen Analyse von Dequalifizierung und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt sowie die strukturellen Nachteile, mit denen scheinbar privilegierte Migrant:innen (z. B. EU-Bürger:innen, Akademiker:innen) konfrontiert sein können. Wir haben allgemeine migrationsbedingte Faktoren identifiziert, die zu Dequalifizierung beitragen, wie z. B. das Fehlen sozialer Netzwerke und sprachbezogene Schwierigkeiten. Obwohl unser Sample weniger von der Nichtanerkennung von Abschlüssen betroffen war als Migrant:innen aus Drittstaaten, sahen sich einige der Interviewpartner:innen (insbesondere in Gesundheitsberufen) dennoch mit erheblichen Schwierigkeiten und bürokratischen Hürden konfrontiert, wenn sie sich um die Anerkennung ihrer Abschlüsse bemühten. Finanzielle Zwänge veranlassten viele der Interviewpartner:innen, schnell eine Arbeit zu finden und Stellen anzunehmen, die unter ihren Qualifikationen lagen. Wir beobachteten auch spezifische Schwierigkeiten, die mit Rassifizierungen zusammenhängen. Darüber hinaus zeigte sich, dass Deutschkenntnisse für Mittelschichtspositionen besonders wichtig sind: Deutsch ist - wenngleich nicht unbedingt die einzige (offizielle) Arbeitssprache - in vielen Bereichen und Aspekten relevant. Mehrere Interviewpartner:innen sahen sich als Nicht-Native-Speaker auf dem Arbeitsmarkt generell benachteiligt - selbst wenn sie sich ausreichend kompetent fühlten, um auf Deutsch zu kommunizieren und zu arbeiten, da Sprachprobleme über Kommunikationsprobleme hinausgehen können (z. B. akzentbezogene Diskriminierung). Darüber hinaus zeigen unsere Ergebnisse, dass Gender auch bei der migrationsbedingten Dequalifizierung eine große Rolle spielt, insbesondere aufgrund der genderspezifischen Aufteilung der Care-Arbeit. Auch die hohe Nachfrage nach Arbeitskräften im schlecht bezahlten und überwiegend weiblichen Care-Bereich trägt nicht nur zum Phänomen der Dequalifizierung von Frauen bei, die auf dem Arbeitsmarkt sowohl gender- als auch migrationsbedingten Nachteilen ausgesetzt sind, sondern auch allgemein zu einem hierarchisierten Arbeitsmarkt, auf dem strukturelle Ungleichheiten durch genderspezifische Zuschreibungen sowie Rassifizierungen legitimiert werden. Das Projekt verfolgte einen innovativen mehrsprachigen Ansatz und trägt zur Methodenentwicklung im Kontext gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit bei, besonders hinsichtlich des Einbezugs von Dolmetscher:innen. Darüber hinaus erwies sich der Längsschnittansatz als wertvoll, sowohl um die zeitliche Dimension von Dequalifizierung zu erfassen als auch um Vertrauen zu schaffen und in den Interviews sensible Themen zu besprechen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Johanna Hofbauer, Wirtschaftsuniversität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Vincent Dubois, Université de Strasbourg - Frankreich
  • Bozena Sojka, University of Bath - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 16 Zitationen
  • 6 Publikationen
  • 9 Disseminationen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2023
    Titel Confronting Racialised Power Asymmetries in the Interview Setting: Positioning Strategies of Highly Qualified Migrants
    DOI 10.17645/si.v11i2.6468
    Typ Journal Article
    Autor Holzinger C
    Journal Social Inclusion
  • 2024
    Titel Ein rassismuskritischer Blick auf sprachbezogene Diskriminierung beim Zugang zu wohlfahrtsstaatlichen Leistungen und am Arbeitsmarkt
    DOI 10.15203/momentumquarterly.vol13.no1.p16-32
    Typ Journal Article
    Autor Draxl A
    Link Publikation
  • 2023
    Titel The Interpretive Interview. An Interview Form Centring on Research Participants’ Constructions
    DOI 10.1177/16094069231168748
    Typ Journal Article
    Autor Scheibelhofer E
    Journal International Journal of Qualitative Methods
    Seiten 16094069231168748
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Sozialwissenschaftliche Forschung mit Dolmetscher*innen - Praktische Erfahrungen und methodische Reflexion; In: Zwischenstationen/Inbetween: Kommunikation mit geflüchteten Menschen/Communicating with Refugees
    Typ Book Chapter
    Autor Holzinger C
    Verlag Frank&Timme
    Seiten 279-291
    Link Publikation
  • 2025
    Titel Multiple ‘in-betweens’: experiencing partial privilege while navigating racialised migrant labour hierarchies
    DOI 10.1080/1369183x.2025.2584347
    Typ Journal Article
    Autor Holzinger C
    Journal Journal of Ethnic and Migration Studies
    Seiten 1-19
    Link Publikation
  • 2025
    Titel "I don't attribute that to the fact that I'm a foreigner" - Female CEE migrants in Austria and their perspectives on deskilli; In: Labor Market Related Discrimination of Women and Migrants - ZfP | Special Issue 12
    DOI 10.5771/9783748949398-197
    Typ Book Chapter
    Verlag Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Disseminationen
  • 2025 Link
    Titel Invited talk at the IAB, Nürnberg, Germany
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Podcast Interview Methoden:Koffer
    Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press)
    Link Link
  • 2025 Link
    Titel Invited talk at event organised European Migration Network Austria
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Discussion (in German): "Die Würde des Spargels ist unantastbar" - Antiosteuropäischer Rassismus, Ausbeutung und Widerstand
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Podcast: Recording of podium discussion
    Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press)
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Interview in 'Scilog - The Science Magazine'
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Podcast Interview: TOP AUSGEBILDET - IM "FALSCHEN" JOB
    Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press)
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel "Gut ausgebildet im völlig falschen Job" - Newspaper article on the research project DeMiCo
    Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Presentation on Impact platform
    Typ Engagement focused website, blog or social media channel
    Link Link
Weitere Förderungen
  • 2025
    Titel Interpreting ethnoracial exclusion
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2025

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