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Visuelle Medien und räumliche Zusammenhänge

Visual Media and Spatial Contexts

Michael Viktor Schwarz (ORCID: 0000-0001-5795-7821)
  • Grant-DOI 10.55776/P33726
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2020
  • Projektende 31.08.2025
  • Bewilligungssumme 319.434 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Keywords

    Middle ages, Medieval art and architecture, Visual media, Sacred space, Central Europe, Slovakia

Abstract Endbericht

In der historischen Region der Zips (Spiš / Slowakei) befindet sich eine europaweit fast einmalige Konzentration an spätmittelalterlichen Kirchen, die noch wesentliche Teile ihrer ursprünglichen Ausstattungen besitzen. Vielfältige Kunstwerke des vorreformatorischen Jahrhunderts u. a. zahlreiche Altaraufsätze, Sakramentshäuser und private Denkmäler können hier noch in situ gesehen werden. Ziel des Projektes ist eine umfassende Erschließung der visuellen Medien (Architektur, Skulptur, Malerei u. a.), die sich in fünf hervorragenden Anlagen zwei davon UNESCO- Welterbestätten erhalten haben: die Kollegiatskirche in Spišsk Kapitula, die Stadtkirchen in Levoca und Spišsk Sobota sowie die Dorfkirchen in Stržky und Smrecany. Derart reich ausgestattete Sakralräume wurden lange vor allem als Folge des spätmittelalterlichen Kunst-Booms betrachtet, der im Hinblick auf den scheinbar endlosen Zuwachs an unterschiedlichsten Kunstwerken eher als Krisenzeichen verstanden und neben anderen vorreformatorischen Fehlentwicklungen angeführt wurde. Das Projekt strebt eine differenzierte Lesart an: Jenseits der statischen Vorstellung der überfüllten Sakralräume wird die Konjunktur als eigener Prozess mit seinen besonderen Chronologien, Mechanismen und Nuancen erfasst. Durch die auf Raumnutzung ausgerichteten Untersuchungen werden auch bisher kaum bemerkte Ordnungsprinzipien und lokale Wechselwirkungen identifiziert. Jede Anlage wird damit als Ensemble behandelt im Sinne einer Ansammlung unterschiedlicher Bestandteile, die nur im Zusammenspiel miteinander und mit ihrer Umgebung zu verstehen sind. Im Projekt wird auf historische, vorwiegend kunsthistorische Methoden zurückgegriffen. Fallstudien werden durch Literaturrecherchen und Orts- bzw. Archivbesuche evaluiert. Im Anschluss daran werden detaillierte Berichte für die einzelnen Anlagen erstellt, die auf gründlicher Erfassung der Architektur und Ausstattungsbestände basieren. Dadurch wird eine Auswertung der ursprünglichen Form und historischen Entwicklung des jeweiligen Ensembles ermöglicht. Die letzte Arbeitsphase verwertet die ortsspezifischen Ergebnisse im Rahmen einer thematischen und überregional vergleichenden Analyse, die in Buchform präsentiert werden soll. Innovativen Charakter gewinnt das Projekt durch Erschließung des wenig erforschten Zipser Materials und vor allem durch Auseinandersetzung mit dem vernachlässigten Thema des spätmittelalterlichen Sakralensembles. Einerseits sollen in den ausgewählten Kirchen erstmalig die künstlerischen Ausstattungselemente in ihrer vollen Bandbreite behandelt und ihre Zusammenhänge thematisiert werden. Andererseits wird anhand der Fallstudien eine erste regional und thematisch organisierte Studie angestrebt. Dadurch wird nicht nur eine Reihe wichtiger Denkmäler-Ensembles innovativ erforscht, sondern auch im weiteren Sinn der Charakter des vorreformatorischen Sakralensembles in Mitteleuropa neu beleuchtet. Forschungsprojekt P 33726-G Michael Viktor Schwarz PR Kurzfassung / Deutsch

Das Projekt warf neues Licht auf die Geschichte des spätmittelalterlichen Europas, indem es eine Reihe hervorragend erhaltener Kirchenräume in den Westkarpaten (Slowakei, ehemals Ungarn) untersuchte und dadurch einen bislang nicht vorhandenen Bezugsrahmen für das fragmentarische Material anderer europäischer Regionen schuf. Zuerst wurden zwei grundlegende Themen bearbeitet. Einerseits wurde gefragt, wie ein derartiges Volumen an Kunstwerken die Reformation überstand. Mit Bezug auf die regionalen Debatten zur Rolle der Sakralkunst in lutherischen Kirchen konnte gezeigt werden, wie sich die Befürworter der alten Gepflogenheiten durchgesetzt haben. Zweitens wurden im Rahmen einer topografischen Untersuchung die aussagekräftigsten Anlagen identifiziert. Dies bestätigte die herausragende Materialdichte in der Zips, zeigte aber auch das bislang unterschätzte Potenzial der sogenannten Pentapolis, eines Städtebundes mit überregionaler Reichweite. Die vergleichende Analyse dieser beiden Gruppen ermöglichte die Erschließung eines breiten Spektrums visueller Kulturen, das vom Dorf bis zur Metropole reicht. Auf dieser Grundlage wurden die Gestaltung und Benutzung des Sakralraums in fünf Themenbereichen untersucht, die in einem weiteren Schritt zu Kapiteln der Hauptpublikation ausgearbeitet wurden. Das erste Kapitel erfasst die wichtigsten Kunstformen und ihre rasante Entwicklung in den Jahrzehnten vor der Reformation. Mit Schwerpunkt auf dem zentralen Aspekt, der Ausstattung von Altären, beschreibt es den Übergang von Wandmalereien zu riesigen, freistehenden Altaraufsätzen mit immer aufwendigeren Materialien und Bildprogrammen. Die zwei nachfolgenden Kapitel befassen sich mit der Gestaltung der Kirchenräume und den Wechselwirkungen zwischen den neuen Ausstattungen und religiösen Handlungen. Kapitel 2 zeigt, wie mehrteilige Altarformationen die Rituale im Sanktuarium und dessen Umgebung prägten, bzw. wie solche Ensembles in den Jahrzehnten um 1500 standardisiert und reformiert wurden. Kapitel 3 wendet sich dem größeren Raum westlich des Chors zu, der sogenannten Laienkirche, die der Gemeinde diente und deren spezifische, ebenfalls stark standardisierte Ausstattung eine steigende Sensibilität für die Bedürfnisse des Kirchenvolks erkennen lässt. Im Vordergrund der letzten Kapitel stehen die gesellschaftlichen Protagonisten, die die Gestaltung der Kirchenräume maßgeblich beeinflussten. Kapitel 4 befasst sich mit den Auftraggebern und ihrer Wirkung in unterschiedlichen Sakralanlagen. Es vergleicht die heterogene Situation in den Städten - wo kollektive Aufträge neben individuellen Interventionen von Bruderschaften, Bürgern und den ungarischen Königen zu finden sind - mit der stärker zentralisierten Auftraggeberschaft der mächtigen Kleriker und einer Magnatenfamilie im kirchlichen Zentrum der Zips. Das letzte Kapitel behandelt die sich wandelnde Rolle der Künstler und betrachtet dabei die Entwicklung einer neuen Art von leitendem Künstler oder "Ausstattungsmeister", dessen Kompetenzen zunehmend die Koordination visueller Medien und deren räumliche Integration umfassten. Es kontrastiert die künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten, die große Aufträge mit sich brachten, mit der vielfach umständlichen Weiterausstattung der bereits überfüllten Seitenräume, wo großangelegte Planungen und fein artikulierte Topografien an ihre Grenzen stießen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Dusan Buran, Slowakische Nationalgalerie - Slowakei
  • Jacqueline Jung, Yale University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 10 Publikationen
  • 1 Disseminationen
  • 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2025
    Titel Graveyards as Dynamic Spaces: Visual Strategies and Lay Participation at St Stephen's in Vienna, ca. 1470-1530
    Typ Journal Article
    Autor Juckes
    Journal Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte
  • 2025
    Titel Imagery Desired: Venues of Marian and Eucharistic Piety in Late Medieval Parish Churches; In: Medieval Art and Architecture in Eastern Slovakia
    Typ Book Chapter
    Autor Juckes T
  • 2025
    Titel Imagery Desired: Venues of Marian and Eucharistic Piety in Late Medieval Parish Churches; In: Medieval Art and Architecture in Eastern Slovakia
    Typ Book Chapter
    Autor Juckes T
  • 2025
    Titel GRAVEYARDS AS DYNAMIC SPACES; In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte Bd. LXIX
    DOI 10.7767/9783205222798.65
    Typ Book Chapter
    Verlag Böhlau Verlag Wien
  • 2021
    Titel An Unnoticed Plan of St.Stephen's in the Early Eighteenth Century and Its Implications for the Medieval Building History; In: St. Stephan in Wien. Die "Herzogswerkstatt"
    DOI 10.7767/9783205213727.315
    Typ Book Chapter
    Verlag Böhlau Verlag
  • 2022
    Titel How Do Images Work?: Strategies of Visual Communication in Medieval Art
    Typ Book
    Autor Beier Christine
    Verlag Brepols N.V.
  • 2022
    Titel The Creglingen Altarpiece and its Multimedia Environment: Metamorphoses of a Furnishing Ensemble in Sacred Space ca. 14601510; In: Riemenschneider in situ
    Typ Book Chapter
    Autor Juckes
    Verlag Brepols
  • 2022
    Titel Eye of the Donkey. Visual Strategies on the Choir Threshold of St. Laurence's in Nuremberg; In: How Do Images Work? Strategies of Visual Communication in Medieval Art
    Typ Book Chapter
    Autor Juckes
    Verlag Brepols
  • 2023
    Titel Reformations of Medieval Art New Research on the Church of St. James in Levoča (Slovakia)
    DOI 10.31577/ars-2023-0008
    Typ Journal Article
    Autor Juckes T
    Journal ARS
  • 0
    Titel Magnificence Tempered: The Sacred Ensemble in Central Europe on the Eve of the Reformation. Case Studies from the Western Carpathians: The Churches of Spiš County and the Pentapolis Cities (Slovakia)
    Typ Book
    Autor Juckes
Disseminationen
  • 2023
    Titel Seminar course at the Catholic University in Linz
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2023
    Titel Invitation to give the "Paul Crossley Memorial Lecture", University of London
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Lecture for the British Archaeological Association
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2022
    Titel Lecture at conference in honour of Erno Marosi
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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