Visuelle Medien und räumliche Zusammenhänge
Visual Media and Spatial Contexts
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
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Middle ages,
Medieval art and architecture,
Visual media,
Sacred space,
Central Europe,
Slovakia
In der historischen Region der Zips (Spiš / Slowakei) befindet sich eine europaweit fast einmalige Konzentration an spätmittelalterlichen Kirchen, die noch wesentliche Teile ihrer ursprünglichen Ausstattungen besitzen. Vielfältige Kunstwerke des vorreformatorischen Jahrhunderts u. a. zahlreiche Altaraufsätze, Sakramentshäuser und private Denkmäler können hier noch in situ gesehen werden. Ziel des Projektes ist eine umfassende Erschließung der visuellen Medien (Architektur, Skulptur, Malerei u. a.), die sich in fünf hervorragenden Anlagen zwei davon UNESCO- Welterbestätten erhalten haben: die Kollegiatskirche in Spišsk Kapitula, die Stadtkirchen in Levoca und Spišsk Sobota sowie die Dorfkirchen in Stržky und Smrecany. Derart reich ausgestattete Sakralräume wurden lange vor allem als Folge des spätmittelalterlichen Kunst-Booms betrachtet, der im Hinblick auf den scheinbar endlosen Zuwachs an unterschiedlichsten Kunstwerken eher als Krisenzeichen verstanden und neben anderen vorreformatorischen Fehlentwicklungen angeführt wurde. Das Projekt strebt eine differenzierte Lesart an: Jenseits der statischen Vorstellung der überfüllten Sakralräume wird die Konjunktur als eigener Prozess mit seinen besonderen Chronologien, Mechanismen und Nuancen erfasst. Durch die auf Raumnutzung ausgerichteten Untersuchungen werden auch bisher kaum bemerkte Ordnungsprinzipien und lokale Wechselwirkungen identifiziert. Jede Anlage wird damit als Ensemble behandelt im Sinne einer Ansammlung unterschiedlicher Bestandteile, die nur im Zusammenspiel miteinander und mit ihrer Umgebung zu verstehen sind. Im Projekt wird auf historische, vorwiegend kunsthistorische Methoden zurückgegriffen. Fallstudien werden durch Literaturrecherchen und Orts- bzw. Archivbesuche evaluiert. Im Anschluss daran werden detaillierte Berichte für die einzelnen Anlagen erstellt, die auf gründlicher Erfassung der Architektur und Ausstattungsbestände basieren. Dadurch wird eine Auswertung der ursprünglichen Form und historischen Entwicklung des jeweiligen Ensembles ermöglicht. Die letzte Arbeitsphase verwertet die ortsspezifischen Ergebnisse im Rahmen einer thematischen und überregional vergleichenden Analyse, die in Buchform präsentiert werden soll. Innovativen Charakter gewinnt das Projekt durch Erschließung des wenig erforschten Zipser Materials und vor allem durch Auseinandersetzung mit dem vernachlässigten Thema des spätmittelalterlichen Sakralensembles. Einerseits sollen in den ausgewählten Kirchen erstmalig die künstlerischen Ausstattungselemente in ihrer vollen Bandbreite behandelt und ihre Zusammenhänge thematisiert werden. Andererseits wird anhand der Fallstudien eine erste regional und thematisch organisierte Studie angestrebt. Dadurch wird nicht nur eine Reihe wichtiger Denkmäler-Ensembles innovativ erforscht, sondern auch im weiteren Sinn der Charakter des vorreformatorischen Sakralensembles in Mitteleuropa neu beleuchtet. Forschungsprojekt P 33726-G Michael Viktor Schwarz PR Kurzfassung / Deutsch
- Universität Wien - 100%
- Dusan Buran, Slowakische Nationalgalerie - Slowakei
- Jacqueline Jung, Yale University - Vereinigte Staaten von Amerika