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Implikative Hierarchien in Satzeinbettungen

Implicational hierarchies in clausal complementation

Susanne Wurmbrand (ORCID: 0000-0002-8794-9889)
  • Grant-DOI 10.55776/P34012
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2020
  • Projektende 31.10.2024
  • Bewilligungssumme 399.724 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    Syntax, Semantics, Typology, Implicational Hierarc

Abstract Endbericht

In Sprachen der verschiedensten Art erfolgt der Ausdruck von Gedanken, Überzeugungen, Glauben, Äußerungen, Behauptungen, Vermutungen, Wünschen, und vielen anderen kognitiven und mentalen Konzepten häufig über Subordination Verben, die diese Konzepte ausdrücken (glauben, sagen, denken, wollen ...), verbinden sich mit einem Nebensatz (Komplementsatz). Subordination beinhaltet die Konstruktion eines abhängigen Sachverhalts in Bezug auf den Sachverhalt des Hauptsatzes, und theoretische Ansätze zur Subordination untersuchen, wie Sprachen die syntaktischen, morphologischen und semantischen Eigenschaften von Konfigurationen, die die verschiedenen Konzepte vermitteln, verknüpfen. Obwohl sich Subordinationskonfigurationen in verschiedenen Sprachen in Form und Zusammensetzung weitreichend unterscheiden, kann dennoch beobachtet werden, dass es eine Abhängigkeit zwischen der Bedeutung einer Subordinationskonfigurationen und ihrer Morphosyntax gibt eine Änderung in einem Bereich führt häufig zu einer Änderung im anderen Bereich. Wenn ich zum Beispiel vergessen habe, die Pflanze zu gießen (zu gießen ist ein Infinitiv), bedeutet dies, dass ich die Pflanze nicht gegossen habe. Wenn ich hingegen vergessen habe, dass ich die Pflanze bereits gegossen habe (ich habe gegossen ist eine finite Konstruktion), wird ausgedrückt, dass ich die Pflanze gegossen habe. Typologische Studien haben gezeigt, dass die semantischen Klassen von Komplementsätzen trotz Variation in der morphosyntaktischen Kodierung der Subordination sprachübergreifend sehr ähnlich sind. Das aktuelle Projekt vereint bereits etablierte Wissensstände aus funktional-typologischen sowie strukturell-grammatischen Modellen und kombiniert diese mit neuen Methoden und Tests. Studien zur Subordination haben zahlreiche interessante Phänomene hervorgebracht, jedoch konnte trotz fundierter Tendenzen keine einzelne Eigenschaft bestimmt werden, die sprachübergreifend generell zutrifft. Dieses Projekt verfolgt die Hypothese, dass es im Bereich der Subordination zwar keine absoluten Universalien gibt, Subordination jedoch durch implizite Eigenschaften (relative Universalien) gesteuert wird, die sprachübergreifend definiert und getestet werden können. Die konkrete Hypothese ist, dass Subordination sich durch eine möglicherweise universelle implizite Subordinationshierarchie auszeichnet, die semantisch definiert und durch eine Vielzahl von grammatischen Eigenschaften erkennbar ist. Die Entwicklung einer Subordinationstypologie ist nicht nur für Bereiche der Linguistik, sondern auch für andere Sprach- und Kognitionsstudien von Relevanz. Fragen zur Wechselbeziehung zwischen Sprache und diversen anderen kognitiven Systemen können nur beantwortet werden, wenn ein umfassendes Verständnis der Spracheigenschaften zur Verfügung steht. Die Typologie der Subordination bietet somit ein neues Terrain, um weitere Einblicke in die Beschaffenheit komplexer mentaler Konzepte und den menschlichen Geist zu gewinnen.

Ein Schwerpunkt der modernen Linguistik liegt in der Suche nach Universalien - Eigenschaften, die in allen Sprachen auftreten, da durch den Vergleich von Einzelsprachen Rückschlüsse auf das abstrakte kognitive System menschlicher Sprache gezogen werden können. In diesem Projekt wurde eine implikative Universalie untersucht, bei der bestimmte Eigenschaften, obwohl selbst nicht universell, andere Eigenschaften universell nach sich ziehen. Das Projekt untersuchte Konfigurationen, die durch die Kombination von Verben wie 'behaupten', 'entscheiden' oder 'gelingen' mit Gliedsätzen (= Komplementsätzen) gebildet werden (z. B. 'dass es regnet' oder 'Kekse zu essen'), und kam zum Schluss, dass es eine universelle "implikative Komplementationshierarchie" (ICH) gibt, die auf Elementen der allgemeinen menschlichen Kognition beruht. Die ICH besagt, dass es ein vorhersehbares Verhalten bei den Wechselwirkungen zwischen den grammatischen (morphologischen, syntaktischen) Eigenschaften und der Bedeutung von Komplementationskonfigurationen gibt. Im Rahmen des Projekts wurden Tests entwickelt, um die Auswirkungen der ICH sprachübergreifend zu ermitteln, und es zeigte sich, dass Komplementsätze mit einfacheren Bedeutungen tendenziell auch morphologisch und syntaktisch weniger komplex sind. So lassen sich beispielsweise Operationen, die in der Regel auf einfache Sätze beschränkt sind (z. B. Wortstellungsänderungen), in Komplementsätzen mit einfacheren Bedeutungen (wie Ereignissen ohne zeitliche Spezifizierung) tendenziell leichter durchführen. Im Rahmen des Projekts wurde ein Zusammenhang zwischen Satzdomänen in einfachen Sätzen und Arten von Komplementsätzen festgestellt, und die verschiedenen Bereiche der Satzstruktur wurden mit Hilfe der Containment Methode untersucht - der allgemeinen Beobachtung der generativen Grammatik, dass größere Strukturen (morphologische, syntaktische sowie semantische) kleinere Strukturen enthalten. Diese Matrjoschka-Puppen-ähnliche inkrementelle Bauweise ermöglicht es dann, Vorhersagen über die strukturelle Komplexität und die (Un-)Möglichkeit verschiedener Konfigurationen und Kombinationen zu treffen. Während es keine spezifische universelle grammatische Eigenschaft gibt, die absolut an einen bestimmten Teil eines Satzes oder einer Komplementklasse gebunden ist, liegt die Universalität in der Existenz von drei allgemeinen Satzdomänen, die direkt den sprachübergreifend beobachtbaren Klassen von Komplementsätzen entsprechen. Die Teilprojekte untersuchten parallel die drei verschiedenen strukturellen Domänen: ihre morphologische Kodierung (wie Flexion, Infinitiv, Gerundium), die syntaktische Organisation (z.B. die Reichhaltigkeit der syntaktischen Struktur) und die semantische Interpretation (z.B. das Vorhandensein und die Art der temporalen Information). Unter den Phänomenen, die in Bezug auf die größte Satzdomäne untersucht wurden, sind verschiedene Abhängigkeiten zwischen Haupt- und Nebensatz (z. B. Übereinstimmung, Kasus) und die Relation zwischen Struktur und Diskurskontext. Unter den in der mittleren Domäne untersuchten Phänomenen sind die Struktur und Bedeutung von Tempus und Aspekt, sowie Abhängigkeiten wie Kasus und Kongruenz. Die im kleinsten Bereich untersuchten Phänomene umfassen eine Typologie der satzübergreifenden Argumentteilung (Fälle, in denen sich zwei Prädikate ein Argument teilen) und Diathesevorgänge wie Aktiv und Passiv.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Caroline Pajancic, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
  • Iva Kovac, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Viola Schmitt, Humboldt-Universität zu Berlin - Deutschland
  • Frank Sode, Johann Wolfgang Goethe-Universität - Deutschland
  • Neda Todorovic, The University of British Columbia - Kanada
  • Ileana Paul, University of Western Ontario London - Kanada

Research Output

  • 16 Zitationen
  • 27 Publikationen
  • 11 Disseminationen
  • 21 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2020
    Titel Time in Mandarin: The Fingerprints of Tense and Finiteness
    Typ PhD Thesis
    Autor Yuyin He
  • 2021
    Titel Rethinking implicit control
    DOI 10.5281/zenodo.4680322
    Typ Other
    Autor Wurmbrand S
    Link Publikation
  • 2022
    Titel A small typology of composite A'/A probes
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Lohninger M
    Konferenz 24th Seoul International Conference on Generative Grammar.
  • 2022
    Titel The unavailability of temporal de re in English infinitives
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Satık D
    Konferenz Annual Meeting of the North East Linguistic Society (NELS 52)
    Seiten 75-84
  • 2022
    Titel What A Move(s)! Another and yet another account on Slavic multiple WH-movement
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Lohninger M
    Konferenz Northwest Linguistics Conference
    Seiten 50-64
  • 2020
    Titel Finiteness across domains
    Typ Book
    Autor Todorović N.
    Seiten 47-66
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Finiteness in South Slavic Complement Clauses Evidence for an Implicational Finiteness Universal
    DOI 10.4312/linguistica.60.1.119-137
    Typ Journal Article
    Autor Kovač I
    Journal Linguistica
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Editorial
    DOI 10.1007/s10828-020-09114-0
    Typ Journal Article
    Autor Wurmbrand S
    Journal The Journal of Comparative Germanic Linguistics
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Germanic Infinitives; In: The Cambridge Handbook of Germanic Linguistics
    DOI 10.1017/9781108378291.018
    Typ Book Chapter
    Verlag Cambridge University Press
  • 2025
    Titel No
    Typ Journal Article
    Autor Kobayashi F
    Journal Italian Journal of Linguistics
  • 2025
    Titel Patterns in chaos: Composite A'/A probes
    Typ PhD Thesis
    Autor Magdalena Lohninger
  • 2024
    Titel Clausal deficiency
    Typ PhD Thesis
    Autor Deniz Satik
  • 2024
    Titel PIMPing up Implicit Control
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kovač I
    Konferenz West Coast Conference on Formal Linguistics
    Seiten 182-191
  • 2021
    Titel Restricted number and stubborn dative: Long-distance agreement across Basque nominalised complement clauses
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kovač I
    Konferenz ConSOLE XXIX: Proceedings of the 29th Conference of the Student Organization of Linguistics in Europe
    Seiten 41-65
  • 2021
    Titel Crossed Control as Voice Restructuring
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Paul
    Konferenz Annual Conference of the Canadian Linguistic Association (CLA)
    Link Publikation
  • 2021
    Titel The size of things I: Structure building. Language Science Press
    Typ Other
    Autor Laszakovits S
    Link Publikation
  • 2023
    Titel The Size of Clausal Complements
    DOI 10.1146/annurev-linguistics-031522-103802
    Typ Journal Article
    Autor Wurmbrand S
    Journal Annual Review of Linguistics
    Seiten 59-83
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Forward, backward, crossed: Voice restructuring and its semantics
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Bryant S
    Konferenz Annual Meeting of the North East Linguistic Society (NELS 53)
    Seiten 129-138
  • 2023
    Titel What moves where? A typological-syntactic approach to multiple wh-questions; In: The size of things II: Movement, features, and interpretation
    Typ Book Chapter
    Autor Lohninger M
    Verlag Language Science Press
    Seiten 117-140
    Link Publikation
  • 2023
    Titel (In)dependence of features on composite probes
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Lohninger M
    Konferenz Annual Meeting of the North East Linguistic Society (NELS 53)
    Seiten 155-165
  • 2023
    Titel The size of things II: Movement, features, and interpretation
    Typ Other
    Autor Laszakovits S
    Link Publikation
  • 2022
    Titel From Prolepsis to Hyperraising
    DOI 10.3390/philosophies7020032
    Typ Journal Article
    Autor Lohninger M
    Journal Philosophies
    Seiten 32
    Link Publikation
  • 2018
    Titel The syntax, semantics and morphology of restructuring and verb clusters
    Typ Postdoctoral Thesis
    Autor Susanne Wurmbrand

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