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Effiziente Codierung mit biophysikalischem Realismus

Efficient coding with biophysical realism

Gasper Tkacik (ORCID: 0000-0002-6699-1455)
  • Grant-DOI 10.55776/P34015
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.12.2020
  • Projektende 31.05.2024
  • Bewilligungssumme 362.460 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Sensory neuroscience, Neural Coding, Efficient Coding, Optimality, Vision, Audition

Abstract Endbericht

Theoretischer Rahmen. Efficient Coding (EC), eine Anwendung von Shannons Informationstheorie auf neuronale Systeme, besagt, dass diese Systeme natürliche Stimuli optimal in neuronale Spikes umwandeln. EC hat erfolgreich eine Reihe von Eigenschaften der Reaktionen der sensorischen Peripherie aus der Statistik der natürlichen Signale vorhergesagt. Die meisten Anwendungen haben sich jedoch auf Funktionsmodelle konzentriert, die wesentliche Einschränkungen ignorieren, wie z.B. biochemischer/biophysikalischer Realismus auf der Zell- oder Mikroschaltungsskala oder Konnektivitätsmuster auf der Netzwerkskala. Insbesondere gibt es keine auf dem EC-Prinzip basierende Ableitung von: (A) einem mechanistischen Modell einer frühen Sensorkaskade in Wirbeltieren; (B) optimaler Top-Down- und lateraler/rezidivierender Konnektivität in einem mehrschichtigen sensorischen Schaltkreis. Forschungsfragen. Wir stellen die Hypothese auf, dass die Einbeziehung des biophysikalischen Realismus die Vorhersagekraft der EC qualitativ verbessern wird. Wir werden dies an zwei Systemen und auf zwei Skalen demonstrieren. In Ziel A (Zell- und Mikroschaltkreisskala) werden wir eine optimale akustische Informationskodierung in einem biophysikalisch realistischen Modell der Cochlea in Säugetieren ableiten. In Ziel B (Netzwerkskala) werden wir eine optimale visuelle Informationskodierung in einer kortikalen Population mit dynamisch anpassbarer Top-Down- und rezidivierender Konnektivität ableiten. Forschungszugang. Für beide Ziele werden wir ein computergestütztes Modell der Informationsverarbeitung aufstellen, welches Schlüsselaspekte des Realismus miteinbezieht. Ziel A wird insbesondere bekannte Aspekte der Cochlea-Mechanik, der mechanoelektrischen Transduktion, der synaptischen Übertragung an inneren Haarzellen und der Spike-Erzeugung im Hörnerv erfassen; Ziel B wird bekannte Eigenschaften von V1-Zellen erfassen, aber die Möglichkeit einschließen, dass die Empfindlichkeit dieser Zellen und ihrer lateralen Interaktionen durch Rückkopplung von Bereichen höherer Ordnung erhöht oder verringert wird. Wir werden EC- Vorhersagen durch groß angelegte numerische Optimierung der Modellparameter ableiten. Originalität. Wesentliche Merkmale neurosensorischer Systeme wie der biophysikalische Aufbau, welcher der spektralen Auflösung im Hörnerv zugrunde liegt (Ziel A), oder eine Fülle von Effekten durch Aufmerksamkeit (Ziel B) sind nie direkt aus der EC-Theorie abgeleitet worden, sodass unklar ist, ob und wann sie eine optimale Anpassung an natürliche Stimuli darstellen. Die gegenwärtigen EC-Theorien sind zudem nicht in der Lage, viele empirisch messbare Größen auf Systemebene quantitativ vorherzusagen, wie zum Beispiel biophysikalische Eigenschaften von Neuronen (Ziel A) oder Muster von Rauschkorrelationen zwischen Neuronen (Ziel B). Unser Vorschlag befasst sich zum ersten Mal mit diesen Fragen und ermöglicht potenzielle Anwendungen für verbesserte Cochlea- Implantate (Ziel A) oder Signalkompression (Ziel B). Beteiligte ForscherInnen. PI Tkacik und zwei Postdoc-Stipendiaten, Gabrielaitis und Mlynarski, haben eine gemeinsame Erfolgsgeschichte bei der Weiterentwicklung der EC-Theorie und deren Anwendung auf Daten vorzuweisen. Die Zusammenarbeit mit zwei experimentellen Laboren wird uns dabei helfen, neben den Modellen auch Datenanalysetechniken zu entwickeln, um in Zukunft rigorose statistische Tests von Modellvorhersagen zu ermöglichen.

Das Hauptziel des Projekts bestand darin, neue Implikationen der "Hypothese der effizienten Kodierung" zu erforschen, einem grundlegenden Konzept der sensorischen und computergestützten Neurowissenschaft. Diese Hypothese stammt aus den 1960er Jahren und besagt, dass sich neuronale Systeme so entwickelt haben, dass sie natürliche sensorische Reize mit maximaler Effizienz kodieren. In den letzten Jahrzehnten wurden mithilfe dieser Hypothese mehrere quantitative Merkmale von Sinnesorganen wie der Cochlea und der Netzhaut sowie einige Reaktionseigenschaften sensorischer Neuronen im Zentralhirn, wie etwa dem primären visuellen Kortex, erfolgreich vorhergesagt. Unsere Hypothese war, dass die Kombination der Hypothese der effizienten Kodierung mit bekannten biophysikalischen Einschränkungen zu neuen Vorhersagen führen könnte. Im Rahmen verschiedener Projekte haben wir diese Erweiterungen durch Datenanalysen abgeleitet und in einigen Fällen bestätigt, wobei wir eine Reihe von Nervensystemen abdeckten. In seiner ersten Arbeit entwickelte Mantas Gabrielaitis eine neue Breitband-Signaldemodulationstechnik, ein entscheidender Schritt zur Analyse zeitabhängiger Signale. Angetrieben von dem Wunsch, die Architektur des Innenohrs zu verstehen, haben dieser neue Demodulationsansatz und die dazugehörigen schnellen Algorithmen den Stand der Technik in der Tonverarbeitung deutlich verbessert, mit möglichen Anwendungen in der drahtlosen Telefonie, der medizinischen Ultraschallbildgebung und darüber hinaus. Das zweite Projekt war eine kollaborative theoretisch-experimentelle Studie mit der Gruppe von Maximillian Jösch an Ganglienzellen der Retina von Mäusen. Diese Zellen signalisieren hohen oder niedrigen visuellen Kontrast durch ihre rezeptiven Felder von Zentrum und Umgebung. Wir fanden heraus, dass Zellen aus verschiedenen Retina-Regionen eine Variabilität in ihren rezeptiven Feldern aufweisen. Durch effiziente Kodierung wurde diese Variabilität quantitativ als Anpassung an visuelle Signale vorhergesagt, deren Eigenschaften sich in verschiedenen Teilen ökologisch relevanter visueller Szenen, in denen Mäuse leben, unterscheiden, beispielsweise über oder unter dem Horizont. Die dritte Arbeit untersuchte die visuelle Verarbeitung im Cortex, wo Zellen auf kleine, ausgerichtete Lichtbalken ("Kanten") reagieren. Wir untersuchten, wie Rückmeldungen aus höheren Hirnarealen zusätzlich zu den traditionell untersuchten feed-forward-Eingaben von der Netzhaut die neuronale Verarbeitung modulieren, um visuelle Signale zu komprimieren, ohne die Verhaltensleistung zu beeinträchtigen. Dies führte zu der überraschenden Erkenntnis, dass unsere Kodierungstheorie verschiedene "Top-down-Aufmerksamkeitsphänomene" vorhersagt, was die erste theoretische Herleitung der Aufmerksamkeitsmodulation aus Grundprinzipien darstellt. Im vierten Artikel wurden Daten zur räumlichen Kodierung des Hippocampus aus dem Labor von Jozsef Csicsvari analysiert. Es wurde angenommen, dass eine effiziente Kodierung nicht nur die Eigenschaften einzelner Neuronen, sondern auch ihre Interaktionen vorhersagen kann. Indem wir beobachteten, wie der Hippocampus von Nagetieren die räumliche Karte einer neuen Umgebung erlernt, und eine neue statistische Methode entwickelten, um Zell-Zell-Interaktionen aus neuronalen Aufzeichnungen zu extrahieren, konnten wir unsere Hypothese bestätigten. Eine effiziente Kodierung kann optimale Neuroneninteraktionen basierend auf individuellen Reaktionseigenschaften und Systemrauschpegeln vorhersagen.

Forschungsstätte(n)
  • Institute of Science and Technology Austria - ISTA - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Maximilian Jösch, Institute of Science and Technology Austria - ISTA , nationale:r Kooperationspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Alipasha Vaziri, The Rockefeller University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 102 Zitationen
  • 11 Publikationen
  • 1 Patente
  • 4 Datasets & Models
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2022
    Titel On the encoding, transfer, and consolidation of spatial memories
    DOI 10.15479/at:ista:11932
    Typ Other
    Autor Nardin M
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Panoramic visual statistics shape retina-wide organization of receptive fields
    DOI 10.1038/s41593-023-01280-0
    Typ Journal Article
    Autor Gupta D
    Journal Nature Neuroscience
    Seiten 606-614
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Statistical modeling of adaptive neural networks explains co-existence of avalanches and oscillations in resting human brain
    DOI 10.1038/s43588-023-00410-9
    Typ Journal Article
    Autor Lombardi F
    Journal Nature Computational Science
    Seiten 254-263
    Link Publikation
  • 2021
    Titel The structure of hippocampal CA1 interactions optimizes spatial coding across experience
    DOI 10.1101/2021.09.28.460602
    Typ Preprint
    Autor Nardin M
    Seiten 2021.09.28.460602
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Statistical modeling of adaptive neural networks explains coexistence of avalanches and oscillations in resting human brain
    DOI 10.48550/arxiv.2108.06686
    Typ Preprint
    Autor Lombardi F
  • 2021
    Titel Fast and Accurate Amplitude Demodulation of Wideband Signals
    DOI 10.1109/tsp.2021.3087899
    Typ Journal Article
    Autor Gabrielaitis M
    Journal IEEE Transactions on Signal Processing
    Seiten 4039-4054
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Efficient coding theory of dynamic attentional modulation
    DOI 10.1371/journal.pbio.3001889
    Typ Journal Article
    Autor Mlynarski W
    Journal PLOS Biology
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Adaptive hierarchical representations in the hippocampus
    Typ PhD Thesis
    Autor Heloisa Chiossi
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Genetic information and biological optimization
    Typ PhD Thesis
    Autor Michal Hledik
    Link Publikation
  • 2023
    Titel The Structure of Hippocampal CA1 Interactions Optimizes Spatial Coding across Experience
    DOI 10.1523/jneurosci.0194-23.2023
    Typ Journal Article
    Autor Nardin M
    Journal The Journal of Neuroscience
    Seiten 8140-8156
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Panoramic visual statistics shape retina-wide organization of receptive fields
    DOI 10.1101/2022.01.11.475815
    Typ Preprint
    Autor Gupta D
    Seiten 2022.01.11.475815
    Link Publikation
Patente
  • 2021 Patent Id: WO2021175688
    Titel DEMODULATOR, AND METHOD OF DEMODULATING A SIGNAL
    Typ Patent / Patent application
    patentId WO2021175688
    Website Link
Datasets & Models
  • 2023 Link
    Titel Research Data for: Panoramic visual statistics shape retina-wide organization of receptive fields
    DOI 10.15479/at:ista:12370
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Analysis code for: The structure of hippocampal CA1 interactions optimizes spatial coding across experience
    Typ Data analysis technique
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Analysis and simulation code for: Statistical modeling of adaptive neural networks explains co-existence of avalanches and oscillations in resting human brain
    Typ Data analysis technique
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Code for: Efficient coding theory of dynamic attentional modulation
    Typ Computer model/algorithm
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Weitere Förderungen
  • 2024
    Titel Transcription in 4D: the dynamic interplay between chromatin architecture and gene expression in developing pseudo-embryos
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2024

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