Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
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Numismatics,
Correspondence,
Enlightenment,
Antiquarianism,
Systematisation of Coinage
Zwischen dem 7. Jahrhundert v. Chr. und der Spätantike wurden in Europa, Nordafrika und Vorderasien enorme Mengen von Münzgeld in hunderten von verschiedenen Münzstätten geprägt. Aufgrund der Dauerhaftigkeit der Metalle, aus denen die antiken Münzen seriell hergestellt wurden vor allem Gold, Silber und verschiedene Kupferlegierungen überlebten Millionen dieser Stücke bis in die Neuzeit. Seit der Renaissance erkannte man in Europa die Bedeutung der antiken Münzen als Zeugnisse für die Geschichte und Kultur der alten Welt. Eines der Hauptprobleme für die Münzforscher der Frühen Neuzeit war jedoch die Bewältigung der Materialmassen: wie sollte man die Unzahl verschiedener Münztypen aus unterschiedlichsten antiken Kulturen und so vielen verschiedenen Münzstätten am besten systematisieren? Während bei römischen Münzen die Namen der republikanischen Prägebeauftragten sowie vor allem jene der aus den literarischen Quellen gut bekannten Kaiser wenigstens chronologische Anhaltspunkte boten, erwies sich die Einteilung der Münzen griechischer Städte als problematisch: die oft gewählte Ordnung nach verschiedenen Metallen und Münzgrößen sowie alphabetisch, nach dem Beginn der Münzinschriften, war historisch ganz unbefriedigend. Die bis zum heutigen Tage in der wissenschaftlichen Literatur sowie zur Systematisierung großer Münzsammlungen verwendete Ordnung antiker Gepräge geht maßgeblich auf den österreichischen Numismatiker Joseph Eckhel (17371798) zurück: in seinem achtbändigen Grundlagenwerk Doctrina numorum veterum (Wien, 17921798) schlug er für nicht-römische Münzen eine geographische Ordnung vor, von Spanien im Uhrzeigersinn rund um das Mittelmeer, bis Nordafrika. Diese Ordnung wurde in der Folge zwar teils punktuell kritisiert, setzte sich aber universell durch. In diesem Forschungsprojekt wird die Entstehung dieses sogenannten Eckhelschen Systems zum ersten Mal von Grund auf untersucht. Die mannigfachen Einflüsse, die auf den jungen Eckhel bei der Erarbeitung seines Systems wirkten, lassen sich besonders gut in der wissenschaftlichen Korrespondenz seiner unmittelbaren österreichischen Vorläufer greifen, der jesuitischen Numismatiker und Historiker Erasmus Frölich (17001758) und Joseph Khell (17141772): letzterer war Eckhels numismatischer Lehrer. Er hinterließ unter anderem einen ausgedehnten Briefwechsel mit dem französischen Münzsammler Joseph Pellerin (1684 1783), der die wichtigsten Stücke seiner Sammlung in einem vielbändigen Werk publizierte und darin als erster Numismatiker das geographische Ordnungssystem für griechische Städtemünzen anwandte. In unserem Projekt werden daher kommentierte Editionen der Korrespondenzen von Frölich und Khell (in Printform und online) erstellt, und Eckhels System wird kontextualisiert: es erfolgt die erste kritische Analyse der Entwicklung der Ordnungssystematik antiker Münzen vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Damit wird eine der wesentlichen Grundlagen der numismatischen Wissenschaft neu untersucht.
- Universität Wien - 100%
- Thomas Wallnig, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Alexandra N. Lenz, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Andreas Pülz, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in
- François Callatay De, Sonstige - Belgien
- Martin Mulsow, Universität Erfurt - Deutschland