Mobilisierung der Ziviljustiz und Sozialpolitik
Uses of civil justice and social policy
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (30%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Rechtswissenschaften (20%); Soziologie (30%)
Keywords
-
History of the Habsburg Monarchy,
Mobilization of Justice,
History of procedural reform,
Policy Field,
History Of Statistics,
Civil Litigation
Forschungskontext/ theoretischer Rahmen: Das Projekt analysiert die Entstehung und sozialen Auswirkungen der österreichischen Zivilprozessordnung (ZPO, 1895/98) und ihrer Adaptation in Ungarn (1911/15), die in der historischen Literatur als Grundlage eines sozialen Zivilprozesses angesehen wird. Die empirischen Belege für anhaltend hohe Prozessraten in einigen Kronländern nach der Einführung der ZPO haben jedoch die Hypothese eines regional spezifischen Rechtsverhaltens aufkommen lassen. Das Projekt ist relevant für das Verständnis der sozialen Integration, der Beziehungen zwischen kapitalistischer Wirtschaft und Ziviljustiz, aber auch für die Erforschung der sozialhistorischen Gründe von Rechtsstreitigkeiten und der verschiedenen regionalen Rechtstraditionen der späten Habsburgermonarchie. Hypothesen/Forschungsfragen/Zielsetzungen: Das Projekt fragt ob und wie die erwähnten Reformen der Ziviljustiz in den beiden Häl ften der Monarchie als sozialpolitische Massnahmen zu verstehen sind. Wurde der Zugang zur Zivilgerichtsbarkeit zu einem sozialen Recht für die breitere Bevölkerung? Wie wurde das neue Zivilprozessrecht in den verschiedenen Ländern der Monarchie angewendet? Ansatz/Methoden: Das Projekt hat einen doppelten Schwerpunkt und kombiniert soziologische Analyse mit Methoden der vergleichenden Ideen-, Sozial- und Politikgeschichte. Modul 1 konzipiert die österreichischen und ungarischen ZPOs als Politikfelder und erforscht ihre Dynamiken: Das Gesetz entsteht durch Interaktionen von Akteuren mit heterogenen Interessen und unter Verwendung verschiedener (statistischer, juristischer und soziologischer) Wissensressourcen. Ziel ist eine kontextualisierte historische Analyse des wissenschaftlichen und wohlfahrtsstaatlichen Charakters der Verfahrensreformen. Modul 2 untersucht die quantitativen makrosozialen, ökonomischen und demographischen Faktoren, die zu regionalen Unterschieden in der Nutzung der Justiz in den letzten Jahrzehnten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie führten. Welche Variablen können die unterschiedlichen und relativ stabilen Muster der Justizmobilisierung nach den Verfahrensreformen erklären? Das Modul nutzt als empirische Quelle die erstaunlich reichhaltige, aber bisher kaum erforschte Zivilrechtsstatistik der Monarchie und kombiniert sie mit anderen Statistiken über den zeitgenössischen sozialen Strukturen. Grad der Originalität/Innovation: Das Projekt ist eine erstmalige Untersuchung der sozialen und institutionellen Dimensionen der österreichischen und ungarischen Verfahrensreformen im Hinblick auf die entstehende n sozialen Bürgerrechte in der Habsburgermonarchie: die Verfahrensreformen werden als Politikfelder aufgefasst, in denen die Entscheidungsfindung neue Wissensressourcen jenseits von Rechtsnormen, wie etwa die Rechtsstatistik, einbezog. Innovativ ist auch die Erforschung der Mobilisierung der Zivilgerichte, des Prozessverhaltens und der gesellschaftlichen Korrelate der Zivilprozessraten durch multivariate Techniken der Datenanalyse, die historische und rechtssoziologische Forschungsfragen beantworten. Forschungsteam: Dr. Borbala Zsuzsanna Török (Universität Wien - Antragstellerin, Modul 1); N.N., wissenschaftlicher Mitarbeiter*in (Universität Wien, Modul 2).
Forschungskontext/ theoretischer Rahmen:
Das Projekt analysiert die Entstehung und sozialen Auswirkungen der österreichischen Zivilprozessordnung (ZPO, 1895/98) und ihrer Adaptation in Ungarn (1911/15), die in der historischen Literatur als Grundlage eines <
- Universität Wien - 100%
- Peter Becker, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Walter Fuchs, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin - Deutschland
- Peter Collin, Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main - Deutschland
- Stefan Machura, Bangor University Wales - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 7 Publikationen
- 1 Policies
- 1 Methoden & Materialien
- 1 Datasets & Models
- 2 Disseminationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2025
Titel Litigation, Credit, Crisis: The Case of the Bill of Exchange in the Late Habsburg Monarchy Typ Journal Article Autor Mátyás Erdélyi Journal European Review of History: Revue européenne d'histoire -
2025
Titel Between Anomie and Strategic Uses of Justice: Common Roots of Crime and Litigation in the Habsburg Monarchy around 1900 Typ Journal Article Autor Walter Fuchs Journal European Review of History: Revue européenne d'histoire -
2025
Titel 'A battle for property by legal means': procedural reform and social politics in the Habsburg monarchy DOI 10.1080/13507486.2025.2511708 Typ Journal Article Autor Zsuzsanna Török B Journal European Review of History: Revue européenne d'histoire -
2024
Titel Legal Statistical Database, Habsburg Monarchy Typ Other Autor Mátyás Erdélyi Link Publikation -
2024
Titel "Social Histories of Civil Justice, Nineteenth and Twentieth Centuries." Conference Report Typ Other Autor Borbála Zsuzsanna Török Konferenz Social Histories of Civil Justice, Nineteenth and Twentieth Centuries Link Publikation -
2024
Titel Collective Property in the Modern State: Émile de Laveleye's Primitive Property in its Global Context DOI 10.1515/zfrs-2024-2010 Typ Journal Article Autor Török B Journal Zeitschrift für Rechtssoziologie -
2024
Titel Collective Land Rights and Capitalist Economy, 19th-21st Centuries DOI 10.1515/zfrs-2024-2013 Typ Journal Article Autor Török B Journal Zeitschrift für Rechtssoziologie
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2025
Titel Keynote speaker Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2024
Titel Named speaker Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International
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2025
Titel Uses of Civil Justice in Central Europe, 1895-1938 Typ Research grant (including intramural programme) DOI 10.55776/pat7415824 Förderbeginn 2025 Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)