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Eislakunen in pflanzlichen Geweben

Ice mass accumulation in plant tissues

Gilbert Neuner (ORCID: 0000-0003-2415-6125)
  • Grant-DOI 10.55776/P34844
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2021
  • Projektende 31.07.2025
  • Bewilligungssumme 394.034 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Freezing Resistance Mechanism, Ice Nucleation, Low Temperature Stress, Cold Acclimation, Freezing Cytorrhysis, Frost Hardening

Abstract Endbericht

Fröste sind hoch selektiv für Pflanzen und beeinflussen daher deren geografische Verbreitung. Paradoxer Weise nimmt trotz Erderwärmung das Frostrisiko vielerorts zu, was auf mangelnden Schneeschutz und mildere Winter zurückzuführen ist. Regelmäßige Schlagzeilen und Berichte über Schadfröste und millionenschwere Ertragsverluste in der Landwirtschaft sind uns allen geläufig. Friert Wasser in den Zellen, so sind Pflanzen sofort tot. Wenn frostharte Pflanzen gefrieren entsteht unschädliches Eis zwischen den Zellen, welches zu einer Entwässerung der Zellen führt. Vor allem biophysikalische Aspekte, wie das Eiswachstum kontrolliert wird und wie Zellwasser vom Eis getrennt wird, wird derzeit noch nicht verstanden. Da Pflanzen zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, müssen die entstehenden Eismassen beträchtlich sein. Wasser dehnt sich beim Gefrieren aus, was zu einem Platzproblem führt. Leider fehlten bis dato einfache technische Verfahren, die Eis in Pflanzengeweben von flüssigem Wasser unterscheidbar machen konnten. Erst unlängst wurde jedoch in unserem Labor ein Verfahren entwickelt, das genau das möglich macht. Dadurch werden völlig neue Einblicke ins Gefrieren und die Eiskristallbildung in Pflanzengeweben erwartet. Um zu verstehen, ob chemische Substanzen Einfluss auf Eisbildung, Orte der Eisbildung und Kontrolle des Wachstums von Eiskristallen haben, wird das Eis isoliert und biochemisch analysiert. Orte der Eissegregation werden zusätzlich über bildgebende Verfahren chemisch charakterisiert. Neueste Kalorimetrie-Technik ermöglicht es die Menge der Eismassen im Zuge eines dynamischen Gefriervorgangs in noch nie dagewesener Genauigkeit zu bestimmen. Während die Reduzierung des Wassergehalts ein Teil der Anpassung an die Fröste im Winter ist, überleben Frühlings- und Alpenpflanzen das Einfrieren mit hohem Wassergehalt. Ein Thema, das vor allem auf viele Kulturpflanzen zutrifft, die auch während der Vegetationszeit frostgefährdet sind. Kaum etwas ist bekannt, wie mit den zu erwartenden großen Eismassen im Gewebe umgegangen wird. Es gibt jedoch neuere Hinweise darauf, dass sich Eis in vorbestimmten Räumen ansammelt. Einige von ihnen scheinen bereits vorhanden zu sein, andere werden durch Geweberisse an vorbestimmten Stellen völlig neu gebildet. Auch hier wird nicht verstanden, wie dies gesteuert wird. Biophysikalische und -chemische Aspekte des Eiswachstums in Pflanzengeweben und Mechanismen der Eissegregation in vorgegebene Räume sind noch weitgehend unerforscht. Insbesondere der beabsichtigte Einsatz eines Sets neuer und innovativer Messmethoden verspricht richtungsweisende Erkenntnisse über die biophysikalischen Mechanismen des Gefrierens von pflanzlichen Geweben.

Pflanzen können nicht weglaufen und Temperaturen unter null Grad, bei denen sich in ihnen Eis bildet, stellen eine große Herausforderung dar. In kalten Regionen ist die Fähigkeit Frost zu tolerieren, entscheidend für das Überleben von Wildpflanzen und für den Ertrag von Kulturpflanzen. Dieses Forschungsprojekt untersuchte, wie Pflanzen Eisbildung überleben und Frostschäden vermeiden. In eistoleranten Pflanzen der gemäßigten Breiten bildet sich Eis in Hohlräumen außerhalb der lebenden Zellen. Wo und wie dies geschieht, war bislang unbekannt. Wenn Wasser zu Eis gefriert, nimmt sein Volumen um 9% zu, was zu Platzproblemen führt. Die neuen Erkenntnisse zeigen interessanterweise, dass viele Bereiche in Blättern völlig eisfrei bleiben. Eismassen bilden sich in vorhandenen Hohlräumen oder neue Hohlräume reißen auf, was unbeschadet überstanden wird. Eis im Blatt führt zu fortschreitender Entwässerung der Zellen. Die Untersuchungen ergaben, dass kleine Zellen mit dickerer, chemisch veränderter Zellwand und weniger Hohlräumen im Blattgewebe dieser Frostentwässerung besser widerstehen können. Die Zellen erreichen ein sogenanntes "Supercooling", bei dem sie trotz umgebenden Eises unterkühlt und funktionsfähig bleiben. Starre Zellwände verlangsamen den Wasserverlust. Bei der Hanfpalme konnte erstmals nachgewiesen werden, dass Supercooling dennoch mit moderater Entwässerung einhergeht: In der Natur frieren die Blätter bei 3,3 C, tödliches intrazelluläres Eis entsteht jedoch erst bei 15,6 C. Für zwei bedeutende Nutzpflanzen konnte die Ursache von Frostschädigung geklärt werden. Kartoffelblätter erleiden bei 3 C Frostschäden in zwei Phasen: Zunächst bildet sich Eis, während die Zellen unterkühlt bleiben, anschließend zerstören intrazelluläre Eiskristalle das Gewebe. Kartoffeln überleben Frost nur bei kurzer Gefrierdauer, was wichtige Konsequenzen für die Züchtung hat. Beim Weizen lassen sich häufige Blattspitzenschäden nach Frost auf Unterschiede im Gefrierverhalten zurückführen: Die Blattspitzen frieren schneller als die Basis, was mit Unterschieden in der Zellwandchemie, insbesondere der Esterifizierung von Zimtsäuren, zusammenhängt. Für immergrüne Blätter konnte gezeigt werden, dass sie im Winter langsamer Gefrieren, was ein Schlüssel für die höhere Winterfrosthärte ist. In Efeu- und Buchsbaumblättern entsteht zudem weniger Eis. Die Ursache ist unklar, aber der reduzierte Wassergehalt und die Osmoregulation spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Nadelblätter von Gebirgskiefern zeigen eine spezialisierte Anatomie mit Lignin in der Endodermis, die das Eis im Gefäßzylinder gefangen hält. In der gefrorenen Nadel bleiben photosynthetisch aktive Zellen eisfrei und entwässern nicht. Das bedeutet, dass Gasaustausch und Photosynthese selbst in gefrorenen Nadeln möglich ist, was für das Überleben im alpinen Lebensraum entscheidend erscheint. Zell-, Zellwand- und Gewebeanpassungen steuern gezielt die Eisbildungsdynamik und Gefrierentwässerung, beide sind entscheidend für das Überleben bei Frost. Diese Entdeckung könnte dazu beitragen, neue Ansätze zur Verbesserung der Frosttoleranz in Nutzpflanzen zu entwickeln. Dies ist nicht nur für die Lebensmittelversorgung entscheidend, sondern könnte auch helfen, die Erträge in kalten Regionen zu stabilisieren, insbesondere in Zeiten des Klimawandels, wo eine abgeschwächte Frostabhärtung beziehungsweise eine verfrühte Frostenthärtung mit Spätfrostgefahr prognostiziert sind.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 95%
  • Universität für Bodenkultur Wien - 5%
Nationale Projektbeteiligte
  • Notburga Gierlinger, Universität für Bodenkultur Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 20 Zitationen
  • 7 Publikationen
  • 6 Datasets & Models
  • 6 Disseminationen
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2025
    Titel Differences in freezing dynamics in the tip and base of wheat (Triticum aestivum L.) leaves result in a difference in cold hardiness
    DOI 10.1016/j.stress.2025.100853
    Typ Journal Article
    Autor Ralser M
    Journal Plant Stress
  • 2023
    Titel Frozen mountain pine needles: The endodermis discriminates between the ice-containing central tissue and the ice-free fully functional mesophyll
    DOI 10.1111/ppl.13865
    Typ Journal Article
    Autor Buchner O
    Journal Physiologia Plantarum
  • 2024
    Titel Striking differences in frost hardiness and inability to cold acclimate in two Mougeotia species (Zygnematophyceae) from alpine and lowland habitats
    DOI 10.1111/ppl.14167
    Typ Journal Article
    Autor Permann C
    Journal Physiologia Plantarum
  • 2024
    Titel Supercooling cells of frost hardy palm leaves: Quantified percentage of frozen water and displacement from thermodynamic equilibrium
    DOI 10.1016/j.envexpbot.2024.105895
    Typ Journal Article
    Autor Stegner M
    Journal Environmental and Experimental Botany
  • 2024
    Titel When water turns to ice: Control of ice volume and freezing dynamics as important aspects of cold acclimation
    DOI 10.1016/j.envexpbot.2024.105957
    Typ Journal Article
    Autor Ralser M
    Journal Environmental and Experimental Botany
  • 2022
    Titel Freeze dehydration vs. supercooling of mesophyll cells: Impact of cell wall, cellular and tissue traits on the extent of water displacement
    DOI 10.1111/ppl.13793
    Typ Journal Article
    Autor Stegner M
    Journal Physiologia Plantarum
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Responses to Ice Formation and Reasons of Frost Injury in Potato Leaves
    DOI 10.3390/crops2040026
    Typ Journal Article
    Autor Stegner M
    Journal Crops
    Seiten 378-389
    Link Publikation
Datasets & Models
  • 2025
    Titel Dataset for Stegner et al. 2025: Differences in freezing dynamics in the tip and base of wheat (Triticum aestivum L.) leaves result in a difference in cold hardiness. Plant Stress
    DOI 10.48323/6ry38-nsm85
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
  • 2024 Link
    Titel Dataset for Stegner et al. 2024: Supercooling cells of frost hardy palm leaves: Quantified percentage of frozen water and displacement from thermodynamic equilibrium. Environmental and Experimental Botany
    DOI 10.48323/ws30w-ypj35
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Dataset for Ralser et al. 2024: When water turns to ice: Control of ice volume and freezing dynamics as important aspect of cold acclimation. Environmental and Experimental Botany
    DOI 10.48323/a2yeb-c6x85
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel Dataset for Stegner et al. 2023: Frozen mountain pine needles: The endodermis discriminates between the ice-containing central tissue and the ice-free fully functional mesophyll. Physiologia Plantarum
    DOI 10.48323/8jak4-8ya31
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Dataset for Stegner et al. 2022: Freeze dehydration vs. supercooling of mesophyll cells: Impact of cell wall, cellular and tissue traits on the extent of water displacement. Physiologia Plantarum
    DOI 10.48323/axs38-esf65
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Dataset for Stegner et al. 2022: Responses to Ice Formation and Reasons of Frost Injury in Potato Leaves. Crops
    DOI 10.48323/7fmk0-m7627
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Disseminationen
  • 2024
    Titel Adventskalender Botanischer Garten Innsbruck
    Typ A magazine, newsletter or online publication
  • 2023 Link
    Titel Pflanzen im Winterspeck
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Der Phönix aus dem Eis
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
  • 2025 Link
    Titel Topf einpacken im Winter:"Das bringt nix!"
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
  • 2024 Link
    Titel Der Kälte trotzen
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
  • 2024
    Titel Lange Nacht der Forschung
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2021
    Titel Ice accumulation in plant tissues
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2021
    Titel Supercooling vs. freeze dehydration in the mesophyll of leaves: Impact of cell wall, cellular and tissue traits.
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2021
    Titel Infrastructure
    Typ Capital/infrastructure (including equipment)
    Förderbeginn 2021
    Geldgeber University of Innsbruck

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