Verantwortung, um die es sich zu streiten lohnt
The Sense of Responsibility Worth Worrying About
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Responsibility,
Skepticism About Responsibility,
Basic Desert,
Claim Forfeiture,
Blame
Im Zentrum des Projekts The Sense of Responsibility Worth Worrying About steht eine These, die Verantwortungsskeptizismus genannt wird. Sie besagt, dass es guten Grund gibt, daran zu zweifeln, dass in unserer Welt Menschen für ihr Tun moralisch verantwortlich sind. Daraus wird die normative Position abgeleitet, dass bestimmte Aspekte unserer Vorwurfspraxis ungerecht sind. Das Ziel des Projekts ist, zu klären, worum es in dieser Diskussion gehen sollte: Was sollten Skeptiker*innen meinen, wenn sie von Verantwortung oder ungerechten Vorwürfen sprechen? Und wie sollte man die Eigenschaft moralisch verantwortlich sein verstehen, wenn man versuchen will, skeptische Argumente zu entkräften? Die zentrale Hypothese des Projekts besagt, dass der Begriff der moralischen Rechtsverwirkung (claim forfeiture) eine wichtige Rolle in der Diskussion um den Verantwortungsskeptizismus spielen sollte: Skeptiker*innen sollten so verstanden werden, dass, ihnen zufolge, in unserer Welt keine Person moralische Rechte verwirkt, nur weil sie willentlich und wissentlich ein Vergehen begangen hat. Verteidiger*innen der moralischen Verantwortung sollten genau diese Position verneinen so der Vorschlag, der im Projekt ausgearbeitet werden soll.
In der Philosophie wird diskutiert, ob Menschen für ihre Handlungen moralisch verantwortlich sein können. So meinen einige Philosophinnen und Philosophen, dass kein Mensch einen freien Willen habe - etwa weil unsere Welt vollkommen determiniert sei oder weil ein göttliches Wesen bereits wisse, was wir tun werden, und wir daher gar nicht anders können, als es zu tun. Ein freier Wille sei aber notwendig dafür, dass wir für unsere Handlungen verantwortlich sein können. Ein Problem für die Diskussion dieses Gedankengangs ist, dass es nicht klar ist, was "moralisch verantwortlich" hier überhaupt bedeuten soll. Genau an diesem Punkt setzt das Forschungsprojekt "The Sense of Responsibility Worth Worrying About" an. Es fragt: Was genau sollen wir unter "moralischer Verantwortung" verstehen, wenn wir diskutieren, ob Menschen einen freien Willen haben und verantwortlich sein können? Das Projekt entwickelte den Claim Forfeiture View, wonach Verantwortung bedeutet, dass Personen durch moralisch fragwürdige Handlungen ihre Ansprüche gegen bestimmte Vorwurfsreaktionen verwirken. Anders formuliert: wenn wir im relevanten Sinn moralisch verantwortlich sind und eine problematische Handlung ausführen, dann, so der Grundgedanke, können wir uns nicht beschweren, wenn andere uns schlechter behandeln als vorher, indem sie uns Vorwürfe machen. Wenn wir nun etwas Problematisches tun, aber keinen freien Willen haben, dann, so die Idee, können wir uns immer beschweren, wenn andere auf eine bestimmte vorwurfsvolle Weise auf uns reagieren. Das Projekt hat auch praktische Anwendungen, etwa in der KI-Ethik. In einem Aufsatz wurde dafür argumentiert, dass KI-Systeme in einem wichtigen Sinn für ihre Handlungen moralisch verantwortlich sein können. Außerdem wurde der Gedanke dargestellt, dass es manchmal sinnvoll ist, KI-Systemen Vorwürfe zu machen. Weitere Aufsätze untersuchen methodische Unterschiede in der Verantwortungsforschung sowie die Beziehung zwischen Vorwürfen und Vergebung. Eine Doktorarbeit widmet sich dem Verhältnis von Lob und Vorwürfen und argumentiert unter anderem dafür, dass es angemessen sein kann, Personen für die gleiche Handlung Vorwürfe zu machen und sie zu loben. Ausgehend von diesen Überlegungen arbeitet die Salzburg Ethics Group nun an einem Anschlussprojekt. Hier steht die Frage im Zentrum, wie wir zu lobenswerten Handlungen stehen sollten, wenn wir denken, dass kein Mensch einen freien Willen hat und moralisch verantwortlich ist. Darum geht es in "Skepticism about Praiseworthiness".
- Universität Salzburg - 100%
- Barbara Vetter, Freie Universität Berlin - Deutschland
- Benjamin Kiesewetter, Universität Bielefeld - Deutschland
- Mathew Talbert, Lund University - Schweden
- Glen Petigrove, University of Glasgow - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 2 Zitationen
- 9 Publikationen
- 2 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
-
2024
Titel How AI Systems Can Be Blameworthy. DOI 10.1007/s11406-024-00779-5 Typ Journal Article Autor Altehenger H Journal Philosophia (Ramat-Gan, Israel) Seiten 1083-1106 -
2024
Titel The Point of Blaming AI Systems DOI 10.26556/jesp.v27i2.3060 Typ Journal Article Autor Altehenger H Journal Journal of Ethics and Social Philosophy -
2023
Titel Responsibility, Free Will, and the Concept of Basic Desert DOI 10.1007/s11098-022-01912-4 Typ Journal Article Autor Menges L Journal Philosophical Studies -
2023
Titel Rethinking Functionalist Accounts of Blame DOI 10.1007/s10892-023-09468-z Typ Journal Article Autor Wang S Journal The Journal of Ethics -
2024
Titel Qualities of will and ambivalent moral worth DOI 10.1093/pq/pqae067 Typ Journal Article Autor Eichhorn L Journal The Philosophical Quarterly -
2025
Titel Willensfreiheit und die Rolle empirischer Forschung. Teil I: Getrennte Aufgaben - gemeinsames Ziel; In: Selbstverständnisse der Philosophiedidaktik zwischen Fachphilosophie und Interdisziplinarität - Festschrift für Bettina Bussmann DOI 10.1007/978-3-662-69822-8_8 Typ Book Chapter Verlag Springer Berlin Heidelberg -
2023
Titel Blaming; In: The Routledge Handbook of Philosophy of Responsibility DOI 10.4324/9781003282242-35 Typ Book Chapter Verlag Routledge -
2022
Titel The Kind of Blame Skeptics Should Be Skeptical About DOI 10.1017/can.2021.38 Typ Journal Article Autor Menges L Journal Canadian Journal of Philosophy -
2022
Titel On the Top-Down Argument for the Ability to Do Otherwise DOI 10.1007/s10670-022-00638-3 Typ Journal Article Autor Menges L Journal Erkenntnis Seiten 2459-2472 Link Publikation
-
2022
Titel Keynote Speaker Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International
-
2025
Titel Skepticism About Praiseworthiness Typ Research grant (including intramural programme) DOI 10.55776/pat1933724 Förderbeginn 2025 Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)