Wie Publikationsprozesse Forschungsergebnisse beeinflussen
How publication processes influence results
Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (25%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (25%); Philosophie, Ethik, Religion (25%); Soziologie (25%)
Keywords
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Publishing,
Bibliometrics,
Scientometrics,
Journal,
Higher Education,
Philosophy Of Social Sciences
Glauben wir Standardwerken zu Methoden und Forschungsdesigns, dann steht die Publikation der Ergebnisse ganz am Ende des sozialwissenschaftlichen Forschungsprozesses. Zuerst werden Daten erhoben, dann analysiert und dann die Ergebnisse publiziert. Wir vermuten, dass es manchmal auch andersherum läuft: Forscher*innen denken bereits über Publikationswege nach, wenn sie ihre Forschungen entwickeln und das verändert auch das Forschungsdesign. Ob, und wenn, wie genau Forscher*innen das machen, möchten wir uns in diesem Projekt genauer untersuchen. Was wir schon wissen ist, dass Sozialwissenschafter*innen dazu angehalten sind ein diverses Publikationsportfolio aufzubauen, das etwa Publikationen in englischsprachigen Zeitschriften, Monographien, Sammelbandbeiträge in einer nicht-englischen Sprache oder visuelle Präsentationen beinhalten kann. Diese Anforderung könnte auch dazu beitragen, dass Projekte um diese Publikationsformen herum geplant werden oder dass Forschungsdaten mehrmals in unterschiedliche Richtungen analysiert werden. Gleichzeitig schlagen einige eine Reduktion dieser Diversität vor, zu Gunsten eines Fokus auf englischsprachige Zeitschriften, weil diese von der universitären Bibliometrie, die Wissenschafter*innen und ihren Output vergleichbar machen soll, am besten erfassbar sind. Es gibt aber wissenschaftliche Methoden die bei Zeitschriften weniger oft erfolgreich sind. Verwenden Forscher*innen dann andere Methoden? Um unsere Frage nach den Publikationsalltagen zu beantworten, interviewen wir Autor*innen zu ihren Forschungsprojekten und vergleichen deren Publikationen. Wir vermuten, dass in unterschiedlichen Textformen unterschiedliches Wissen transportiert wird. Außerdem auch Editor*innen und Reviewer*innen von wissenschaftlichen Fachzeitschrifte n, um auch deren Einfluss und Perspektive auf den Publikationsprozess zu bekommen. Wenn unsere Vermutung zutrifft, dann wäre eine diverse Publikationsstrategie wichtig für die Sozialwissenschaft, weil die Menge an wissenschaftlichem Wissen dadurch vergrößert wird. Bei der Klärung dieser Fragen hilft uns auch eine Theorie die davon ausgeht dass einzelne Teile des Forschungsprozesses theoretisch nicht getrennt voneinander bestehen und das Forschungsprozesse nicht linear (von A Datenerhebung zu B Analyse zu C Publikation) verlaufen, sondern, theoretisch, all diese Prozesse gleichzeitig verlaufen und im Nachhinein in aufeinander aufbauende Schritte zerteilt und rationalisiert werden. Folgen wir dieser Theorie wäre Schritt C, publizieren, nicht mehr bloß letzte Konsequenz oder Anhängsel der Forschung, sondern Teil des Forschungsprozesses, der auch A und B verändern kann. Wir gehen davon aus, dass Theorie und Empirie sich zu einem neuen Modell von wissenschaftlichen Abläufen vereinen lassen, welches die Publikation der Ergebnisse zu einem einflussvollen Faktor des Forschungsdesigns machen.
- Universität Wien - 100%