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Die Grammatik von Bewegungsmustern in der Gebärdensprache

The Grammar of Sign Language Movement

Dietmar Röhm (ORCID: 0000-0002-2370-4348)
  • Grant-DOI 10.55776/P35671
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status laufend
  • Projektbeginn 01.10.2022
  • Projektende 28.02.2027
  • Bewilligungssumme 410.697 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Technische Wissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)

Keywords

    Sign Language, Motion Capture, Austrian Sign Language, EMG, Kinematics, Grammatical Structure

Abstract

Gebärdensprachen sind natürliche, vollwertige und den Lautsprachen ebenbürtige Sprachen. Sie werden durch manuelle (Hände und Arme) und nicht-manuelle Komponenten (z.B. Position des Kopfes, Kinns, der Augenbrauen oder des Oberkörpers) im dreidimensionalen Gebärdenraum vor der gebärdenden Person gebildet. Genauso wie sich gesprochene Worte aus individuellen Lauten zusammensetzen, so bestehen auch Gebärden aus einzelnen Bestandteilen: Handstellung (Form und Ausrichtung), Ausführungsstelle und Bewegungskomponente. In diesem Projekt steht die Bewegungskomponente, d.h. die Dynamik im gebärdensprachlichen Signal, im Fokus. Vorangehende Arbeiten zeigten, dass kinematische Messungen der Handbewegung (welche Strecke die Hände im Raum zurücklegen, wie schnell sich die Hände bewegen, wie schnell die Hände abbremsen/stoppen, etc.) zugrundeliegende, sprachlich bedeutende Unterschiede ausdrücken. Zum Beispiel wird Betonung (sprachliche Hervorhebung) in der Amerikanischen Gebärdensprache durch eine schnellere Bewegung angezeigt (betonte Gebärden werden schneller ausgeführt als unbetonte Gebärden). Zudem unterscheidet die Bewegungsdynamik zwei unterschiedliche Gruppen von Verben: a) sogenannte telische Verben, die ein Ereignis mit einem klar definierten Endpunkt beschreiben (z.B. ankommen) und b) atelische Verben, die keinen derartigen Endpunkt aufweisen (z.B. analysieren). Verben, die ein Ereignis mit einem Endpunkt beschreiben, weisen ein abrupteres Abbremsen am Ende der Gebärde auf im Vergleich zu Verben ohne einen solchen Endpunkt. Bislang ist wenig darüber bekannt, welche der unterschiedlichen kinematischen Variablen an der Gebärdensprachproduktion beteiligt sind und in welchen Kontexten diese verwendet werden um linguistische Unterschiede hinsichtlich der Bedeutung und der Grammatik auszudrücken. In diesem Projekt werden Motion Capture und Elektromyografie (EMG) Messungen verwendet um die linguistische Bedeutung der unterschiedlichen kinematischen Variablen in der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) zu untersuchen. In enger Zusammenarbeit kombinieren zwei Fachbereiche der Universität Salzburg ihr Wissen zur Untersuchung von Gebärdensprachen (Fachbereich Linguistik) mit der Expertise zur Analyse von komplexen Bewegungsabläufen (Fachbereich Sportwissenschaften). Die Hypothese ist, dass sich die Dynamik von Körperbewegungen auf die grammatischen Strukturen von Gebärdensprachen abbilden. Im Rahmen des Projekts werden neue analytische Techniken entwickelt, welche zur Beantwortung linguistischer Fragestellungen beitragen werden. Wissen über die Eigenschaften der Dynamik des gebärdensprachlichen Signals kann zum Beispiel verwendet werden, um die automatische Erkennung/Übersetzung von Gebärdensprache, die Konstruktion von animierten Avatar Modellen, den Unterricht in Gebärdensprache, die Ausbildung von DolmetscherInnen sowie die Entwicklung von Unterrichtsmaterial zu unterstützen bzw. zu verbessern.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Ronnie Wilbur, Purdue University - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Evle Malaia, The University of Texas at Arlington - Vereinigte Staaten von Amerika

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Georg-Coch-Platz 2
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