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Siziliens Konsum von ostgriechischen Transportamphoren

Consuming the East in Sicily. Transport amphorae from Himera

Babette Bechtold (ORCID: 0000-0002-4322-4202)
  • Grant-DOI 10.55776/P36827
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status laufend
  • Projektbeginn 11.09.2023
  • Projektende 10.09.2027
  • Bewilligungssumme 421.345 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)

Keywords

    Eastern Greek amphorae, Provenance Studies, Archaeometry, Economic Interaction In Sicily, Necropolises Of Himera

Abstract

Das hier vorgestellt Projekt erforscht die Herkunft ostgriechischer Amphoren, also von Transportgefäße zur Vermarktung eines landwirtschaftlichen Überschusses, die zu archaischer und klassischer Zeit nach Sizilien importiert wurden. Ihre Produktionsorte liegen in einem geografisch sehr weit gefassten Raum, der von der Gegend um Milet und Samos/Ephesos in Südionien über Chios, Klazomenai und Lesbos in Mittelionien bis nach Nordgriechenland (Gegend zwischen Thasos und Mende) reicht. Der wichtigste Inhalt der Gefäße dürfte Wein gewesen sein, auch wenn speziell einige der älteren Serien ebenfalls zur Verschiffung von Olivenöl gedient haben werden. Obwohl ostgriechische Amphoren in Sizilien in allen griechischen Kolonien und in vielen einheimischen Siedlungen ab der Mitte des 7. und bis ins späte 5. Jh. v. Chr. und darüber hinaus signifikant vertreten sind, fehlt es bis heute an einer übergreifenden Untersuchung der Klasse. Völlig unbekannt ist zum Beispiel die diachronische Verbreitung der häufigsten Produktionen zu archaischer und klassischer Zeit. Die Frage nach den global players im maritimen Fernhandel zwischen der Ägäis und dem zentralen Mittelmeerraum ist aber für ein besseres Verständnis der Wirtschaftsbeziehungen von entscheidender Bedeutung. Daher erscheint die geplante Untersuchung von ca. 540 ostgriechischen Amphoren aus den Nekropolen Himeras in Hinblick auf eine chrono-typologische Reihung dieser so wichtigen Keramikklasse besonders zielführend. Die griechische Kolonie Himera wurde Mitte des 7. Jh. v. Chr. an der Nordwestküste Sizilien gegründet und entwickelte sich schnell zum wichtigsten regionalen und überregionalen Umschlagplatz sowohl für die indigenen Orte des Inlandes, als auch für die punisch-sizilischen Städte und Karthago. Die in der Regel sehr gut erhaltenen Amphoren aus Himeras Gräberfeldern, die eines der größten jemals ergrabenen Ensembles dieser Fundgattung im zentralen Mittelmeerraum darstellen, wurden in Kinderbestattung wiederverwendet, wo sie als Särge noch ungeborener oder während der ersten Lebensjahre verstorbener Säuglinge dienten. Die Beschaffenheit des keramischen Scherbens der Stücke aus Himera und weiterer 110 ostgriechischer Amphoren von anderen sizilianischen Fundplätzen soll gemäß der für die Datensammlung FACEM1 standardisierten Methoden untersucht werden. Diese Vorgehensweise wird die Bildung von vorläufigen keramischen Makro-Gruppen ermöglichen. Eine entscheidende Rolle nehmen dann minero-petrographischen Dünnschliffanalysen und chemischem NAA Untersuchungen von ca. 300 ausgewählten Proben dieses Ensembles ein. Dieser breit angelegte, interdisziplinäre Ansatz wird im folgenden die Charakterisierung von gut definierten Amphorenproduktionen erlauben. Der Vergleich mit den Ergebnissen früherer geochemischer Studien wird es dann in vielen Fällen ermöglichen, die sizilianischen Gruppen bestimmten Herstellungszentren oder Gegenden im Osten zuzuweisen. Aus der Kombination von archäometrischen und archäologischen Methoden wird eine außergewöhnlich umfassende Datensammlung resultieren, die in Zukunft für den gesamten Mittelmeerraum eine wesentliche Grundlage für weitere Studien zu ostgriechischen Amphoren darstellen soll. Für die Produktionsgebiete im Osten werden die Ergebnisse unserer Untersuchungen einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis ihres Seehandels liefern. Für Sizilien wird das ausgewählte Fundensemble detaillierte Informationen über die Herkunft und die Datierung der ostgriechischer Amphoren der zweiten Hälfte des 7.-5. Jh. v. Chr. geben und daher entscheidende neue Einblicke in die Wirtschaftsbeziehungen der Insel erlauben. Schließlich wird die Kombination von Petrographie, NAA Analysen und archäologischen fabric studies und die Darstellung der daraus folgenden Forschungsergebnisse in zwei untereinander verlinkten open access Datensammlung methodisch eine wichtige Neuerung darstellen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Anno Hein - Griechenland
  • Ioannis Iliopoulos - Griechenland
  • Stefano Vassallo - Italien
  • Thea Sommerschield, University Ca´ Foscari Venice - Italien

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