Selektion von Fressfeinden für Persönlichkeit bei Beutetiere
The ultimate causes of personality in Darwin’s finches
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (40%); Geowissenschaften (60%)
Keywords
-
Personality,
Island Biology,
Predator Eradication,
Predator Introduction,
Animal Behavior,
Movement Ecology
Die Galapagos-Inseln sind ein weltbekannter Hotspot der biologischen Vielfalt, doch viele einheimische Arten sind durch invasive, eingeschleppte Arten bedroht. Um dieser Bedrohung entgegenzuwirken, hat der Galapagos-Nationalparks ein umfassendes Programm zur Ausrottung invasiver Nagetiere und verwilderter Katzen auf der Insel Floreana gestartet. Ziel des Projekts ist die Untersuchung der ökologischen Erholung der Darwinfinken sowie der Galapagos Sunpfohreule, dem einzigen einheimischen Beutegreifer der Finken auf der Insel. Darwinfinken sind ein Paradebeispiel für adaptive Radiation, bei der sich 17 Arten in nur 1,5 Millionen Jahren entwickelt haben. Diese Vogelgruppe zeichnet sich durch morphologische Unterschiede aus, die eng mit ihrer Ernährungsweise verbunden sind: Verschiedene Schnabelgrößen und -formen führen zu unterschiedlichen Techniken der Nahrungssuche. Über das Verhalten der Darwinfinken und die Auswirkungen individueller und populationsspezifischer Verhaltensunterschiede auf ihren Fortbestand ist bislang jedoch wenig bekannt. Diese Wissenslücke soll durch das aktuelle Projekt geschlossen werden. Der Begriff Persönlichkeit beschreibt individuelle Verhaltensunterschiede von Tieren, etwa wie sie auf äußere Bedingungen reagieren ob sie konfrontativ oder risikoscheu sind. Risiken können sich in Form von Gefahren, Neuartigkeiten oder sozialen Situationen äußern. Wir haben Methoden zur schnellen Feldbeurteilung entwickelt, um die Persönlichkeit von Tieren in freier Wildbahn zu messen. In dieser Studie nutzen wir diese Techniken, um Veränderungen in der Persönlichkeitsstruktur von Beute- und Beutegreiferpopulationen unter variierenden Bedingungen des Prädationsrisikos und der Beuteverfügbarkeit zu erfassen. Unsere Analysen vergleichen relevante Variablen vor und nach der inselweiten Entfernung invasiver Säugetiere sowie vor und nach der geplanten Wiederansiedlung der Galapagos Sumpfohreulen im Jahr 2025, die zwei Jahre in menschlicher Obhut gehalten wurde, um sie vor dem bei der Bekämpfung eingesetzten Gift zu bewahren. Durch den Einsatz von Drohnentechnologie überwachen wir GPS-UHF-markierte Eulen und VHF-markierte Darwinfinken. So können wir bisher unerreichte Einblicke in das zeitliche und räumliche Verhalten von Beutegreifern und Beutetieren auf der Insel Floreana vor und nach der Bekämpfung invasiver Arten gewinnen. Die Ergebnisse dieser Studie werden den umfassendsten Datensatz zu individuellen Bewegungs- und Verhaltensunterschieden zwischen Prädator und Beutetieren auf Landschaftsebene während der verschiedenen Phasen der ökologischen Wiederherstellung liefern. Die Studie schließt eine grundlegende Wissenslücke über den evolutionären Selektionsdruck auf die Tierpersönlichkeit und trägt zum Verständnis bei, wie Persönlichkeitsmerkmale von Tieren die Jagderfolge von Beutegreifern, Fluchtverhalten von Beutetieren, Bewegungsmuster und Ökosysteminteraktionen auf Landschaftsebene beeinflussen können.
- Universität Wien - 100%