Die bronzezeitliche Bevölkerung von Syrakus (Sizilien)
The Bronze Age People of Syracuse (Sicily)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
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Sicily,
Syracuse,
Bronze Age,
Cemetery,
Thapsos facies,
Excavation
Thapsos in SO-Sizilien (9km NW von Syrakus) ist der namengebende Fundort für die gesamte mittelbronzezeitliche Kulturgruppe der Insel. Die Ergebnisse von P. Orsis Ausgrabungen des 19. und frühen 20. Jhs. in Thapsos und an anderen Fundorten der Region bilden noch immer die Basis für das Bild, das wir von der größten Insel des Mittelmeers im 14. Jh. v.u.Z. haben. Während der Mittelbronzezeit unterhielten die Bewohner/innen Siziliens Beziehungen zu jenen vieler anderer Mittelmeerregionen wie maltesische, ägäische, zyprische und levantinische Artefakte in den Nekropolen SO-Siziliens belegen. Allerdings stellt die Dokumentation ungestörter Bestattungen mit ihren Beigaben mittels stratigraphischer Grabungen immer noch eine wichtige Forschungsaufgabe für das ganze zweite Jt. v.u.Z. auf Sizilien dar. Innerhalb des archäologischen Parks in der antiken Neapolis von Syrakus wurden ein Felskammergrab mit einem reichen Inventar des 14. Jhs. v.u.Z. und ein zweites zeitgleiches Grab, das allerdings Ende des 2./Anfang des 1. Jt. v.u.Z. wiederbenutzt wurde, gefunden. Mittels geomagnetischen Prospektion konnte im Herbst 2023 eine Reihe magnetischer Anomalien identifiziert werden, bei denen es sich höchstwahrscheinlich um weitere Felskammergräber handelt. Die Beigaben des Grabs des 14. Jhs. v.u.Z. sind gut mit jenen aus den reichen Gräbern von Thapsos vergleichbar, was etwa die ostmediterranen Importe wie zyprische und mykenische Gefäße sowie das Spektrum lokaler Objekte einschließlich eines figürlich verzierten Gefäßes angeht. In der Syrakusaner Nekropole sind daher Gräber auszugraben, um damit Fragen nach Bestattungssitten, Ernährungsweise, Lebensbedingungen, Sozialstruktur, Wirtschaft und mediterranen Kontakten der bronzezeitlichen Bevölkerung Siziliens zu beantworten. Archäologische Ausgrabungen kombiniert mikromorphologischen Sedimentanalysen sichern die Bestattungsabfolge, Radiokarbondaten bieten die absolute Datierung, lokale Keramik, Metallobjekte und mykenische Importe zeigen Verbindungen zu anderen Gebieten in- und außerhalb Siziliens an. Die biologischen Merkmale der Bestatteten werden mittels physischer Anthropologie, Proteomics- Geschlechtsbestimmung und aDNA untersucht werden, Ernährung und Mobilität anhand von stabilen Isotopen, Verwandtschaftsbeziehungen unter Einbeziehungen der Sozialanthropologie. Archäologische, chemische und petrographische Analysen von Metallen und Keramik aus Syrakus und Thapsos werden Informationen zu Produktion und Austausch erbringen. Die Kombinationvon archäologischen, bioarchäologischen, archäometrischen und sozialanthropologischen Ansätzen in der Syrakusaner Nekropole wird diesen Fundort sowie als Vergleich auch Thapsos zu wichtigen Fallstudien für das 2. Jt. v.u.Z. auf Sizilien machen. Innovative Methoden wie Proteomics-Geschlechtsbestimmung, Laserablation in der Goldanalytik und die Kombination von aDNA-Analysen mit sozialanthropologischen Fragestellungen verdeutlichen den innovativen Charakter des Projekts.
- Fabian Kanz, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Johannes H. Sterba, Technische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Jan Cemper-Kiesslich, Universität Salzburg , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Jan Cemper-Kiesslich, Universität Salzburg , nationale:r Kooperationspartner:in
- Pamela Fragnoli, Österreichische Akademie der Wissenschaften , nationale:r Kooperationspartner:in
- Ernst Pernicka, Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie - Deutschland
- Johannes Krause, Max Planck-Institut - Deutschland
- Frank Maixner, European Academy - Italien
- Anita Crispino, PARCO ARCHEOLOGICO E PAESAGGISTICO DI SIRACUSA - Italien
- Pietro Maria Militello, Universita di Catania - Italien
- Gianmarco Alberti, University of Malta - Malta
- Arthur Bernard Knapp, Glasgow University - Vereinigtes Königreich
- Alistair W.G. Pike, University Southampton - Vereinigtes Königreich