Johann Pezzls Skizze von Wien. Historisch-kritische Ausgabe
Johann Pezzl´s ´Skizze von Wien´. Historic-critical Edition
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
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Portrait of Vienna,
Enlightenment,
Josephinism,
Social and Cultural Topography,
Urban Literature,
Public Sphere
Das Forschungsvorhaben ediert und kommentiert die vom Aufklärungsschriftsteller Johann Pezzl in den Jahren 1786 bis 1790 herausgegebene Skizze von Wien. Ziel des zunächst in sechs Heften erschienenen und bis 1803 mehrmals wiederaufgelegten Textes war es, in Anlehnung an Louis- Sébastien Merciers Tableau de Paris (1781-1789) eine fortlaufende soziale und kulturelle Charakterisierung der damals mit Abstand größten Stadt des deutschsprachigen Raums und drittgrößten Stadt Europas zu geben. Insofern kann dieser Text als erste programmatische Großstadtbeschreibung in deutscher Sprache gelten. Zugleich ist die Skizze ein wichtiges Dokument der josephinischen Aufklärung, die sich im Unterschied zu der meist kleinstädtischen Aufklärung Nord- und Mitteldeutschlands aus der Perspektive Pezzls als dezidiert urbanes Phänomen darstellt. Die einzige bisher vorgelegte Neuedition stammt aus dem Jahr 1923. Sie gibt die einzelnen Kapitel des historischen Textes nach systematischen Gesichtspunkten umgruppiert und normalisiert wieder. Demgegenüber soll die geplante Edition sowohl orthographisch als auch makro- sowie mikrostrukturell der Erstausgabe folgen, die Skizze von Wien also zum ersten Mal in ihrer ursprünglichen historischen Erscheinungsform bzw. Anordnung ediert zugänglich machen. Gemäß den etablierten Standards der Editorik und Textwissenschaft ist die Anordnung einzelner Abschnitte in historischen Druckerzeugnissen niemals kontingent, sondern muss in diesem Fall sowohl als diachron entstandenes Dokument einer vierjährigen kritischen Stadtbeobachtung wie auch als Ergebnis einer bewussten aufklärerischen Gestaltungspolitik gelten. Die Erschließung des historischen Textes erfolgt durch automatische Texterkennung (OCR) mithilfe der Plattform Transkribus, die dank der Umstellung auf KI-basierte Verfahren bereits eine sehr geringe Fehleranfälligkeit bei der Digitalisierung historischer Druckerzeugnisse in Frakturschrift aufweist. Die Innovativität dieser Edition begründet sich zum einen allgemein aus der Bereitstellung und philologisch akkuraten Aufarbeitung eines historisch einzigartigen, auf dem Buchmarkt schon lange nicht mehr verfügbaren und bisher kaum in den Fokus literatur- und kulturwissenschaftlicher Forschung genommenen Textes, zum anderen aus dem ausführlichen wissenschaftlichen Kommentar, der diesen historischen Text auf der Höhe des aktuellen Forschungsstands literatur-, kultur-, diskurs-, medien- und sozialhistorisch kontextualisiert. Nur eine Textwiedergabe der Skizze von Wien nach der Erstausgabe erlaubt es, das zunächst in sechs Einzelheften erschienene Buch als Produkt einer fortlaufenden kritischen Auseinandersetzung mit der sich über die Jahre verändernden Großstadt Wien während der Regierungszeit Josephs II. unter den Prämissen der Aufklärung zu erfassen.
- Universität Wien - 100%